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Gerhard Voigt /
Lothar Nettelmann:
Die Arbeit einer UNESCO-Schule:
z.B.
Schulpartnerschaften mit Polen und der Türkei
I.
UNESCO-Schulen: Aufgaben und Möglichkeiten
1. Wandlungen
der Ziele der UNESCO-Arbeit
Die internationale
Organisation der „UNESCO-Modellschulen" ist eine typische Gründung der
ersten Nachkriegszeit und in vielerlei Beziehung von ihrer Entstehungszeit
geprägt worden. Sie steht neben den nationalen „Gesellschaften für die
Vereinten Nationen", neben der idealistischen Europabewegung und den
verschiedenen bilateralen Jugendwerken. Die Ziele waren direkt und
unmittelbar geprägt von der Erfahrung des Krieges und der
nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Das „Nie Wieder" reichte zunächst
als Zielbestimmung aus, eine Zielbestimmung, die vor allem ethisch und
moralisch motiviert und in der praktischen Umsetzung eher unpolitisch war.
Das soll nun
nicht als fundamentale Kritik verstanden werden; der moralische Anspruch war
damals so richtig und wichtig, wie er es heute noch ist. Doch stießen diese
aus den frühen fünfziger Jahren herrührenden internationalen politischen
Initiativen schnell an die Grenzen ihrer Wirksamkeit; „Kalter Krieg" und
imperiale Großmachtpolitik drängten die idealistischen Ansprüche bald an den
Rand des öffentlichen Interesses und der öffentlichen Wirksamkeit. Eine
politisch wirksame Massenbewegung wurde die UNESCO-Schularbeit nie, konnte
sie nie werden, und zwar gerade durch das seit der Gründung bestehende
Defizit an politischem Gehalt und politischer Institutionalisierung.
Die heutige
Generation von Lehrern und Schülern in den jetzt bestehenden UNESCO-Schulen
kann kaum noch an unmittelbare Erfahrung und Augenzeugenschaft der Kriegs-
und ersten Nachkriegszeit anknüpfen. Sie muß sich den heutigen
gesellschaftlichen und politischen Bedingungen und Problemlagen stellen, muß
eine zeitgenössische UNESCO-Arbeit betreiben und Ziele und Inhalte dieser
Arbeit neu überdenken.
Die erstaunlichen
politischen Umwälzungen der letzten Jahre, die Bewegung, die in das
Ost-West-Verhältnis gekommen ist, das wieder wachsende internationale
Ansehen der Krisenlösungsbemühungen der Vereinten Nationen in Namibia,
Nahost, Angola oder in Südost-Asien erleichtern es, den UNESCO-Gedanken neu
und nun auch politisch zu fassen. Es ist ein günstiger Moment,
UNESCO-Schulen zu Erprobungsstätten einer neu überdachten politischen
Bildung, zu Multiplikatoren für die Erfahrungen mit interkulturellem Lernen
zu machen. Der Bericht über die praktischen Erfahrungen mit der
UNESCO-Schularbeit am konkreten Beispiel der Bismarckschule Hannover – mit
Blick über die Schulmauern hinaus auf Initiativen und Erfahrungen anderer
UNESCO-Schulen – soll ein wohlüberlegter Schritt in die Öffentlichkeit sein,
um die genannte Multiplikatorenfunktion der UNESCO-Schulen noch deutlicher
zu betonen, um im Sinne der interkulturellen Ziele der UNESCO politisch in
unserer eigenen Gesellschaft wirksam zu werden.
Die UNESCO ist
eine Sonderorganisation der UN, und die Abkürzung steht für „United Nations
Educational, Scientific and Cultural Organization". Der Sitz dieser
internationalen Organisation ist Paris; sie hatte im Jahr 1984 bereits 161
Mitgliedsstaaten. Die UNESCO ist 1945 zum Zwecke der internationalen
Zusammenarbeit auf den Gebieten der Erziehung, der Wissenschaft und Kultur
gegründet wurde. Innerhalb dieser Organisation haben sich nun Schulen zu
sogenannten „UNESCO-Schulen" zusammengeschlossen.
An dem
Modellprogramm der UNESCO sind über 1500 Schulen in über 80 Ländern
beteiligt. UNESCO-Schulen sind Schulen, die sich in besonderem Maße dem
Erziehungsziel der internationalen Zusammenarbeit und Verständigung
verpflichtet fühlen. Das Engagement einer UNESCO-Schule realisiert sich
durch eine bevorzugte Behandlung internationaler Themen und
Problemstellungen im Unterricht sowie durch zusätzliche Schulaktivitäten wie
z.B. Ausstellungen, internationale Veranstaltungen, Studienfahrten,
Austauschprogramme, Partnerschaften und ähnliche Aktionen. Darüber hinaus
zeichnet sich die Arbeit der UNESCO-Schulen dadurch aus, daß sie meist
einmal jährlich ein fächerübergreifendes Unterrichtsprojekt durchführen, in
dem ein ausgewähltes internationales Thema schwerpunktmäßig erarbeitet wird.
Über diese Projekte werden Dokumentationen angefertigt, die anderen Lehrern
als Anregung für eigene Projekte dienen sollen. Mit der Erarbeitung
derartiger Unterrichtsprojekte wollen die UNESCO-Schulen, bewußt abhebend
von einer zu theoretischen Curriculumentwicklung, einen praxisnahen Beitrag
zur Behandlung internationaler Problemstellungen in der Schule leisten. In
den letzten Jahren waren dies beispielsweise die Themen „Ausländer in
unserer Stadt", „Kinder unserer Welt", „Wie wir morgen leben wollen",
„Dritte Welt", „Islam", „Gastarbeiter" und „Jahr des Friedens".
An den genannten
Schwerpunktthemen ist zu erkennen, wie stark UNESCO-Arbeit jetzt auch in
aktuelle innen- und gesellschaftspolitische Themen eingreifen muß, wenn sie
sich weiter ihren internationalen Zielen verpflichtet fühlen will. Die
positive Auseinandersetzung mit den heute innergesellschaftlich zum Problem
gewordenen Beziehungen zwischen Angehörigen verschiedener Nationalität und
kultureller Herkunft in einer Gesellschaft, mit den Ansprüchen auf
kulturelle Identität von Minderheiten, mit dem Erkennen und Anerkennen von
erworbenen Wohn- und Heimatrechten ohne Rekurs auf traditionelle
Staatsangehörigkeiten, mit dem Begreifen von Akkulturationsproblemen und
Integrationsvorstellungen bestimmt nun die dominanten Inhalte, da
internationale Konflikte zumindest in Europa weniger auf dem
außenpolitischen Felde denn als innergesellschaftliche Problemlagen zu
verstehen sind. Das alte UNO-Konzept einer „Weltinnenpolitik" erlangt
dadurch problematische neue Aktualität, der sich die UNESCO-Schulen stellen
müssen.
Die – für Europa
so überaus positiven – internationalen Veränderungen sind eine Chance,
direkt und mit politischer Kraft die Jugendprobleme der heutigen
Gesellschaft zu bewältigen zu versuchen. Den Zusammenhang zwischen der
individuellen Sozialerfahrung und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu
erkennen und pädagogisch umzusetzen, ist eine Forderung, der sich das
traditionelle Schulwesen mit seinem bürgerlich-individualistischen
Pädagogikverständnis noch viel zu wenig geöffnet hat. Schulpolitisch
relevant wird so die auf diesem Kontext basierende UNESCO-Schularbeit, da
sie modischen konservativen Trends der Schulpolitik widerspricht.
2.
Realisierung der Arbeitsschwerpunkte
Praktische
UNESCO-Schularbeit ist immer nur ein Kompromiß mit den
schulorganisatorischen Möglichkeiten, mit den verschiedenen innerschulischen
Auffassungen und Interessen, zwischen den heterogenen Impulsen und Angeboten
der UNESCO-Arbeit selbst, die sich im Laufe der Jahre entwickelt haben.
Der
Erprobungscharakter von UNESCO-Projekten sollte dabei ganz deutlich in den
Vordergrund gestellt werden. Es wäre vermessen zu fordern, die
UNESCO-Schulen sollten „völlig andere", vielleicht sogar „bessere" oder gar
„neue" Schulen sein. Das ist weder vom Ansatz her noch im gegebenen Rahmen
der Realisierung möglich. UNESCO-Schulen haben die gleichen Probleme wie
andere Schulen der entsprechenden Schulformen: Konflikte zwischen Schülern
und Lehrern, Auseinandersetzungen um pädagogische Konzepte, Leistungsdruck
und Schulangst, Einschränkungen durch Schulverwaltung und Schulaufsicht,
viele große Enttäuschungen und Mißerfolge bei einigen kleinen Erfolgen, die
die Schule erst rechtfertigen. UNESCO-Arbeit ist eine zusätzliche Aufgabe,
die aber die Chance beinhaltet, in den Unterrichtsalltag auszustrahlen,
neues Interesse an schulischen Inhalten zu wecken und Ansätze einer sozialen
Integration der Schule zu sein. Kein einzelnes UNESCO-Projekt kann nur an
einer UNESCO-Schule durchgeführt werden; im Gegenteil, die auf öffentliche
Wirkung angelegte UNESCO-Schularbeit lebt ja gerade aus der Hoffnung,
Anstöße vermitteln zu können, die auch an anderen Schulen Wirkungen zeigen,
vielleicht sogar einmal zum allgemeinen Bestand von Schule zu werden. Das
wichtigste Charakteristikum einer UNESCO-Schule ist, daß sie sich Gedanken
über die UNESCO-Arbeit macht, daß sie die vielfältigen möglichen Initiativen
und Projekte als Schule diskutiert, verantwortet und auch in der
Öffentlichkeit vertritt.
Ehe wir zur
Beschreibung einzelner UNESCO-Projekte kommen, wie sie die Autoren an der
eigenen Schule, der Bismarckschule Hannover, erfahren haben, sollte hier
noch einmal hervorgehoben werden, was uns in der heutigen politischen
Situation tatsächlich als Kernbestand einer aktuellen UNESCO-Arbeit
erscheint: die Auseinandersetzung mit den vielfach noch wenig erprobten und
diskutierten Möglichkeiten des interkulturellen Lernens und einer auf dieser
Grundlage aufbauenden Ausländerpädagogik.
Wir sehen mit
Sorge, daß auf die schulpolitische Ausgrenzung des Politikunterrichtes und
seine Fesselung in einer konservativen Staatsdidaktik eine Krise des
Selbstverständnisses der Politikdidaktik gefolgt ist. An den Schulen findet
eine politikdidaktisch verantwortete Gestaltung von „Politischer Bildung"
nicht mehr statt. Die Folgen des Verdrängens eines kritischen
Politikunterrichtes aus den Schulen, vor denen schon vor einem Jahrzehnt
eindringlich in der Öffentlichkeit gewarnt worden ist, sind nun in
bestürzendem Maße eingetreten: sogenannte „Republikaner" und Neonazis,
Ausländerhatz und Verlust an Liberalität und Rechtsstaatlichkeit gehören zum
Alltag unserer „politischen Unkultur". Hier Einhalt zu gebieten, Umkehr zu
fordern und zu einer positiven Neubewertung der politischen Bildung als
Grundlage von Demokratie und sozialem Rechtsstaat zu gelangen, sollte zu den
vordringlichsten Zielen der UNESCO-Schularbeit und dabei vor allem einer
inhaltlich neu überdachten und bestimmten interkulturellen Erziehung sein.
Politische
Bildung und Politikdidaktik müssen sich in der konkreten gesellschaftlichen
Situation und an den aktuellen gesellschaftlichen Konflikten bewähren und
beweisen, daß sie dazu beitragen, den Schülern in der Gesellschaft die
notwendige Orientierung und rationale Konfliktfähigkeit zu vermitteln und
sie politisch handlungsfähig zu machen. Zum Prüfstein unserer „politischen
Kultur" wird in zunehmendem Maße unsere gesellschaftliche Fähigkeit, die
sogenannte „Ausländerproblematik" als unsere eigene „deutsche Problematik"
des Umgangs mit Vorurteilen, Stereotypen und sozialen Problemlagen zu
begreifen.
„Ausländerpädagogik" bekommt aus der Sicht der Politikdidaktik
unterschiedliche Dimensionen, deren Kontext erkannt und unterrichtspraktisch
umgesetzt werden muß:
·
„Ausländerpädagogik" konfrontiert mit den sozialen Bedürfnissen und den
Akkulturationsproblemen ausländischer Schüler in der Schule, wobei das
Kriterium „Ausländer" nicht als staatsrechtliches, sondern als
sozialpsychologisches Agens zu werten ist. In dieser Dimension wird der
fundamentale Perspektivunterschied deutlich zwischen
individualpsychologisch orientierter Pädagogik, die Probleme vor allem als
individuell bedingt definiert und auf dieser Basis lösen will, und den
sozial-kollektiv argumentierenden Politik- und
Gesellschaftswissenschaften.
·
„Ausländerpädagogik" ist aber gleichermaßen Bestandteil einer
umfassenderen „interkulturellen Erziehung", die sich an alle Schüler
unabhängig von ihrer Herkunft wendet und den interkulturellen Kontakt
selbst unterrichtlich thematisiert.
Der UNESCO-Club
Hannover und der Verband der Politiklehrer veranstalteten in der
Bismarckschule Hannover am 15. -16. März 1988 mit Gästen aus dem
Kultusministerium, dem Verein zur pädagogischen Förderung ausländischer
Kinder in Osnabrück, den beiden Lehrerverbänden und engagierten Lehrern aus
der Schulpraxis unterschiedlicher Schulformen ein Symposium zum Thema
Ausländerpädagogik, das im Zusammenhang mit den Perspektiven der
UNESCO-Schularbeit recht interessante Ergebnisse erbrachte. Es wurde – um
hier die realen sozialen Voraussetzungen zugrunde zu legen – festgestellt,
daß die Schulpolitik und die schulische Realität heute zwar als Zielsetzung
akzeptieren, für Ausländerkinder eine integrationsorientierte Grundbildung
bereitzustellen, daß aber die Teilhabe an weiterführenden Bildungsgängen, an
denen Ausländerkinder immer noch deutlich unterrepräsentiert sind, explizit
oder durch strukturelle Hürden behindert wird. Diese Benachteiligung wurde
auch durch die Zahlen deutlich, die vom Niedersächsischen Kultusministerium
vorlegt wurden. Zwar ist eine steigende Tendenz des Realschul- und
Gymnasialbesuches festzustellen – die Gesamtzahl läßt eine Beschäftigung mit
dieser Schülergruppe durchaus dringlich erscheinen! –, doch die Hürden sind
noch hoch.
Es fällt dabei
auf, daß Türken gegenüber anderen Ausländergruppen noch deutlich
benachteiligt sind. Das hat vor allem zwei Ursachen:
1. Das
Verhalten der deutschen Gesellschaft gegenüber ihrer türkischen Minderheit
ist stärker diskriminierend als gegenüber anderen Ausländergruppen; das
oft zu beobachtende „Sich-Absondern" türkischer Familien ist auch eine
unmittelbare Reaktion auf das „Abgesondert – Werden" durch die deutsche
Mehrheit; dies beeinträchtigt in doppelter Weise die Teilhabe z.B. an den
Bildungsangeboten des Schulwesens.
2. Kinder aus
Familien Asiens oder Afrikas, die bei uns politisches Asyl gefunden haben,
stammen, im Gegensatz zur Mehrzahl der bei uns lebenden türkischen
Familien, überwiegend aus den Oberschichten ihrer Heimatländer. Sie haben
oft schon in ihrer alten Heimat trotz aller politischen Bedrohung und
Repression das Selbstbewußtsein kultureller Eliten verinnerlicht und
verfügen damit über die international schon recht nivellierten Symbole und
Verhaltensweisen einer Bildungsschicht, durch die eine Integration in
unser bürgerliches Gymnasium trotz aller Sprachanpassungsprobleme
erheblich erleichtert wird.
Von der
Häufigkeit ihres Auftretens wie von der Gewichtigkeit der Problemlage her
konzentriert sich unser Thema daher schwerpunktmäßig auf folgende Aspekte:
1. Wie kann die
Anzahl türkischer Jugendlicher am Gymnasium erhöht werden, um unter
anderem auch diese „Bildungsreserve" auszuschöpfen und um dabei fruchtbare
Ansätze kultureller Erziehung zu finden, die auch das Gymnasium selbst
inhaltlich positiv verändern könnten?
2. Wie ist der
türkischen Minderheit ein gleicher Anteil an Bildungschancen, wie sie von
deutschen Kindern selbstverständlich in Anspruch genommen werden, zu
sichern?
3. Wie können
die innerschulischen strukturellen Barrieren überwunden werden, die sich
vor allem im Vorhandensein typischer „Hürdenfächer" am Gymnasium
ausdrücken?
4. Wie können
Vorurteilshaltungen bei Lehrern wie bei Mitschülern abgebaut werden, und
wie kann ein fruchtbarer interkultureller Austausch, als Bereicherung des
Schullebens, in die Institution Gymnasium fest integriert werden?
Ausländische
Schüler am Gymnasium sollten nicht in erster Linie als Problem, sondern als
Chance und Selbstverständlichkeit verstanden werden!
In einem späteren
Abschnitt werden wir noch einmal auf konkrete Folgerungen aus diesen
Problemstellungen für die Arbeit einer UNESCO-Schule eingehen, aber auch auf
die Widerstände, die sich, sogar in einer UNESCO-Schule, gegen eine solche
Betonung der Ausländerpädagogik aufbauen, wenn sie tatsächlich in die
gewohnte Unterrichtsroutine eingreift oder das traditionelle
Selbstverständnis der Schulform, in unserem Falle eines Gymnasiums,
tangiert. Zunächst jedoch noch einige kurze Anmerkungen zur Praxis der
UNESCO-Schularbeit.
3. Die
Realisierung von UNESCO-Projekten
Den Anstoß zu
konkreten UNESCO-Projekten sollten nach der Idee der UNESCO-Schulen die
jährlichen Tagungen auf Bundesebene geben. Darüber hinaus bieten diese
Treffen von Vertretern möglichst aller bundesdeutscher UNESCO-Schule die
Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und zur Weiterentwicklung des
UNESCO-Gedankens. In den letzten Jahren wurde vor allem versucht, über die
traditionellen Fachbezüge der politischen Bildung hinaus, die zunächst
einmal vorrangiger Träger der UNESCO-Arbeit ist und war, andere, in ihrem
Selbstverständnis nicht so ohne weiteres angesprochene Fachbereiche wie die
künstlerischen und besonders die mathematisch-naturwissenschaftlichen
Aufgabenfelder enger in die UNESCO-Arbeit mit einzubeziehen, um den
einheitlichen ganzheitlichen pädagogischen Anspruch stärker zu betonen.
Wie nimmt die
einzelne Schule die Anstöße auf, die von der UNESCO-Schul-Organisation
ausgehen? Feste Regeln existieren nicht. Projektveranstaltungen und
Projekttage müssen von der Gesamtkonferenz beschlossen und strukturiert
werden. Die inhaltliche Umsetzung fordert dann aber sicher delegierte Arbeit
von einzelnen Kolleginnen und Kollegen in ihren Fachgruppen oder in
Projektausschüssen. Besonders wichtig ist es, schon hier Schüler und Eltern
in die inhaltliche Konzeption mit einzubeziehen, denn es ist eine
verbreitete Erfahrung, daß es Schülern aus deren gesellschaftlichem
Hintergrund heraus an unmittelbarer Affinität zur UNESCO-Arbeit oft mangelt.
Das ist kein Widerspruch zum schülerorientierten Anspruch der UNESCO-Arbeit,
sondern nur Zeichen für die Bedeutung des Erziehungszieles „interkulturelles
Lernen"; wenn dies bei Schülerinnen und Schülern ohnehin
selbstverständliches Verhalten und positive Einstellung wäre, würde eine
aktive UNESCO-Schul-Arbeit „offene Türen einrennen" und eher eine attraktive
„Verzierung" eines ohnehin in internationalen und interkulturellen
Perspektiven sich ausdrückenden Unterrichtsalltages sein. Daß dem so nicht
ist, dürfte jedem Kenner der innerschulischen Situation und jedem, der sich
mit Haltungen und Vorurteilen Jugendlicher in den letzten Jahren beschäftigt
hat, klar sein.
Häufigster
aktueller Konfliktpunkt mit Schülern ist die Planung von
Projektveranstaltungen mit UNESCO-Zielsetzungen, denen von Schülerseite her
die Forderung nach einer thematisch „freien" Projektarbeit entgegengehalten
wird. Hier liegt oft ein Mißverständnis über den Stellenwert von
Projekttagen und Projektwochen im Schulalltag zugrunde, das auch von
Lehrerseite häufig durch unernste Haltung gegenüber jeglicher Projektarbeit
gefördert wird: Projektwochen wären bestenfalls geruhsame Zusätze zum
eigentlich wichtigen Schulalltag und Fachunterricht. Dem ist aber
entgegenzuhalten: Projektveranstaltungen sind kein „außerschulischer"
Zeitraum in der Schule, sondern pädagogisch von der Schule zu verantwortende
Veranstaltung von mindestens gleichem Rang wie der „normale" Unterricht. Ein
Herangehen an Projekte in der üblichen Konsumhaltung – „jetzt bietet uns die
Schule einmal Spaß und Spiel an, und wir machen, was wir wollen (vielleicht
auch gar nichts)" – ist unvertretbar. Auch „freie Handlungsformen" müssen
pädagogisch reflektiert werden und den Zielen der Schule auch im Sinne des
sozialen Lernens oder der Selbsterfahrung dienen. Daher kann und soll die
Schule auch über die regelmäßige thematische Bindung von Projektzeiträumen
nachdenken und diese Bindung den Schülern verständlich machen. Für
UNESCO-Schulen sind Projektthemen aus den jeweiligen Schwerpunktthemen der
UNESCO-Schul-Organisation, die ja international ausgeschrieben werden,
vorrangige Arbeitsmöglichkeiten, die Schüleraktivitäten breiten Raum lassen.
Die Vorbereitung
und Durchführung von Projektveranstaltungen detaillierter zu schildern, ist
hier nicht der Ort. Die Autoren beabsichtigen, dieses Thema an anderer
Stelle noch einmal schwerpunktmäßig zu bearbeiten und zu publizieren. So
sollen an dieser Stelle nur die wichtigsten Kriterien genannt werden, die
eine pädagogisch und inhaltlich erfolgreiche Projektveranstaltung einer
UNESCO-Schule auszeichnen:
1.
Projektveranstaltungen werden fächerübergreifend von den Gremien der
Schule vorbereitet und strukturiert; Sinn und Gehalt des gewählten
Rahmenthemas sind schon hier zu reflektieren; eventuell ist vorbereitendes
schriftliches Informationsmaterial bereitzustellen bzw. ein
Einführungsreferat eines externen Referenten in der Konferenz zu hören.
2. Lehrer,
Eltern und Schüler sind an der inhaltlichen wie organisatorischen
Vorbereitung der Projektveranstaltung zu beteiligen; neben der Beteiligung
der formalen Gremien sind freie, informelle Mitwirkungsmöglichkeiten zu
eröffnen.
3. Das
Veranstaltungsprogramm soll nicht nach Fächern strukturiert werden;
dagegen steht eine problem-, aufgaben- und tätigkeitsbezogene
Programmgestalt.
4.
Projektarbeit bedeutet ergebnisorientiertes Arbeiten. Nicht der
Nachvollzug vorgedachter und vorerprobter Lernprogramme mit planerisch
definierten Freiheitsspielräumen ist für die Projektarbeit typisch, sie
erhält ihren pädagogischen Wert dadurch, daß die Überlegung, auf welchem
Wege eine Aufgabe zu lösen ist, im Mittelpunkt der Arbeit steht [was auch
das Risiko des Scheiterns beinhaltet].
5.
Ergebnisorientiertes Arbeiten bedeutet auch, daß von Anfang an die
Ergebnissicherung und Ergebnisvermittlung mit bedacht werden muß. Hier
können materielle Produkte (Kunstgegenstände, Plakate, Gerätschaften),
Ausstellungen und Berichthefte (Publikationen) erstellt werden. Dies
geschieht zunächst schulintern; aus der Multiplikatorenfunktion der
UNESCO-Arbeit heraus sollte aber auch eine breitere Öffentlichkeit z.B.
durch Einbeziehung der lokalen Medien (Zeitung, Funk) informiert werden.
6. Der letzte
Schritt in der UNESCO-Arbeit ist dann die Gesamtdokumentation der Arbeiten
zum gewählten UNESCO-Thema, was eine kritische Reflexion der gewählten
Veranstaltungsform wie der erzielten Ergebnisse mit einschließt. Diese
Dokumentation dient dem Erfahrungsaustausch mit anderen UNESCO-Schulen
ebenso wie schließlich einer möglichen Wirkung auf schul- und
bildungspolitische Veränderungen und Entscheidungen.
Projektorientiertes Arbeiten, erfahrungsorientierte Pädagogik,
handlungszentriertes Lernen, interkulturelle Erfahrungsmöglichkeiten sind
pädagogische Paradigmen der UNESCO-Schularbeit. Schule wird hier als
öffentlicher Handlungsraum verstanden, der sich in seinen Arbeitsformen,
Zielen und Ergebnissen öffentlich zu verantworten hat und so auch öffentlich
wirksam werden kann. Die Schule ist angesichts der bedrückenden Problemlagen
der heutigen politischen Kultur stärker als bisher wieder in die
Gesellschaft zu integrieren; das Konzept einer gesellschafts- und
politikfreien Schule halten wir nicht nur für gescheitert, sondern den
pädagogischen Zielen einer heutigen, weltoffenen Schule geradezu
entgegengesetzt.
Die Anzahl der
UNESCO-Schulen ist begrenzt und wird begrenzt bleiben. Um so stärker wird
dadurch die Aufgabe sichtbar, exemplarisch zu wirken. Dafür gibt es, in den
einzelnen Bundesländern unterschiedliche, Vorteile, die eine UNESCO-Schule
nutzen kann und nutzen sollte. In erster Linie können zusätzliche
Stundenkontingente für die UNESCO-Schularbeit abgerufen werden. Darüber
hinaus sind experimentelle Projektveranstaltungen, Studienfahrten und
Schulpartnerschaften für eine UNESCO-Schule leichter zu begründen und damit
häufiger genehmigungsfähig. Ganz zu schweigen von den Möglichkeiten, als
UNESCO-Schule zusätzliche Informationen und Kommunikationsbeziehungen zu
nutzen und eigene Erfahrungen z.B. bei Entscheidungen im Kultusministerium
mit einzubringen. Die Bismarckschule Hannover hat, um nur ein Beispiel zu
nennen, ihre Türkei-Beziehungen in eine entsprechenden Türkei-Arbeitsgruppe
beim niedersächsischen Kultusministerium einbringen können.
Doch immer wieder
stoßen sich weiterreichende UNESCO-Projekte mit den gegebenen
organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen einer staatlichen Schule
mit ihrem Dienststellencharakter. Das betrifft Veranstaltungen, die in die
Ferienzeit hineinreichen oder die in Zusammenarbeit mit anderen Trägern
interkulturellen Lernens außerhalb des Schulgebäudes, z.B. in städtischen
Freizeitheimen, stattfinden sollen, ebenso wie Vorhaben, die über den
offiziellen Schuletat hinaus eine eigene finanzielle Abrechnung erforderlich
machen. Die Organisation der UNESCO-Schulen in Deutschland schlug deshalb
nach positiven Erfahrungen in Nordrhein-Westfalen vor, von der Schule
unabhängige Träger der UNESCO-Arbeit als eingetragene gemeinnützige Vereine
zu gründen, die im Sinne der schulischen Zielsetzungen, kontrolliert von den
jeweiligen Schulen, aber in eigener vereinsrechtlicher Verantwortung, die
Arbeitsmöglichkeiten einer UNESCO-Schule erweitern. Auch an der hier immer
wieder als Beispiel herangezogenen Bismarckschule Hannover wurde ein solcher
Verein gegründet.
Am 29. Oktober
1986 fand in der Bismarckschule Hannover die Gründungsversammlung des
UNESCO-Clubs statt. Heute zählt der UNESCO-Club 58 Mitglieder, von denen 25
Schüler und 10 Lehrer der Bismarckschule sind. Die übrigen 23 Mitglieder
sind entweder ehemalige Bismarckschüler oder fühlen sich auf irgendeine
Weise mit der Schule und/oder dem Club verbunden. Neben diesen offiziellen
Mitgliedern gibt es noch ca. 50 Personen, die, ohne Mitglied zu sein, dem
Club sehr nahe stehen, sich für seine Arbeit interessieren und an der einen
oder anderen Veranstaltung teilnehmen.
Der Club ist in
das Vereinsregister des Amtsgerichts unter der Nummer 5575 eingetragen. Der
Verein dient ausschließlich und unmittelbar gemeinnützigen Zwecken im Sinne
des Abschnitts „Steuerbegünstigte Zwecke" der Abgabenordnung. Der
UNESCO-Club ist selbstlos tätig; er verfolgt nicht in erster Linie
eigenwirtschaftliche Zwecke. Laut vorläufiger Bescheinigung des Finanzamtes
Hannover-Nord vom 09.02.88 dient die Körperschaft UNESCO-Club für die
UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., nach der
eingereichten Satzung ausschließlich und unmittelbar steuerbegünstigten
gemeinnützigen Zwecken im Sinne der §§ 51 ff. Abgabenordnung.
Wir haben hier
diese vollständige „bürokratische" Darstellung der Gründung des UNESCO-Clubs
gewählt, um zum einen zu zeigen, daß eine solche Gründung durchaus einen
eigenen neuen Rechtszustand begründet, mit dem die Schule erst umzugehen
lernen muß, daß aber zum andern einiges an bürokratischem Schriftwechsel, an
Notarbesuchen und an rechtlicher Akribie notwendig ist, um eine solche neue
Organisation in Gang zu bringen.
Doch zeigen die
bisherigen Erfahrungen, wie wichtig und richtig es war, diesen Club zu
gründen, vor allem in Phasen, in denen aus verschiedenen Anlässen die
UNESCO-Arbeit in der Schule in die Krise geriet und vor allem bei den
Schülern sehr umstritten war – einige Gründe haben wir ja schon weiter oben
angedeutet. Vor allem die aktive Einbeziehung ehemaliger Schüler ist hier
ein kaum zu unterschätzender Aktivposten, der sich derzeit sogar darin
äußert, daß alle drei Vorstandsmitglieder ehemalige Schüler sind. Ein Auszug
aus dem Rechenschaftsbericht des UNESCO-Clubs der Bismarckschule Hannover
zeigt die Spannweite der Vereinsaktivitäten:
„Die drei
Hauptziele des UNESCO-Clubs als Organ der Intentionen und Aktivitäten der
Bismarckschule Hannover im Bereich der internationalen Kontakte sind:
· Fortführung
der Schulpartnerschaften zu Polen, Finnland und der Türkei;
· Verknüpfung
dieser Kontakte, um letztlich einen multilateralen Meinungs- und
Informationsaustausch zumindest in Ansätzen erreichen zu können;
· Umsetzung der
Erfahrungen im Schüleraustausch und in den Schulpartnerschaften in
innerschulische Aktionen und unterrichtliche Schwerpunkte.
· Wir halten im
Vorfeld der Umsetzung der genannten Ziele folgende Voraussetzungen
innerhalb der Schule für notwendig und bitten um Unterstützung, sie zu
verwirklichen:
· Information
der Gesamtkonferenz über die UNESCO-Aktivitäten;
· stärkere
Einbeziehung und Information der Elternschaft;
·
Beschlußfassung über ein längerfristiges Programm;
· bessere
materielle Ausstattung bei Veranstaltungen;
· mehr
Aktivität der Kollegen bei der Unterstützung dieser Arbeit!
Schwerpunktveranstaltungen im Berichtszeitraum
1987 bis 1989:
Osterferien 1987:
Studienreise nach Polen: Posen, Danzig, Warschau, Krakau; politische
Gespräche, Besichtigungen, zeitgeschichtliche Informationen; im Zusammenhang
mit dem Besuch einer polnischen Schülergruppe in der Bismarckschule ein
Berichtabend über die Polenkontakte und Herausgabe eines Reiseberichtes in
der Schriftenreihe des UNESCO-Clubs.
Sommerferien
1987: Studienreise in die Türkei, nach Syrien,
Jordanien, Ägypten und Israel; anschließend Berichtabend in der Schule und
Herausgabe eines umfangreichen Reiseberichtes in der Schriftenreihe des
UNESCO-Clubs.
Die Herausgabe
eines Reiseberichtes einer schulischen Studienfahrt nach Ungarn im Herbst
1987 wird ebenfalls vom UNESCO-Club übernommen.
Herbst/Winter
1988: Beginn der Arbeit der neuen TÜRKEI-AG.
Januar 1989:
Finnlandreise; anschließend Berichtabend mit
finnischem Imbiß
Im Mai 1989
findet aus Anlaß ihres zehnjährigen Bestehens in Hannover die
Deutsch-Polnische Woche 1989 der Deutsch-Polnischen Gesellschaft
Hannover e.V. statt, der sich die intensiven Polenkontakte der
Bismarckschule Hannover eng verbunden wissen. Auch personell besteht eine
Verflechtung zwischen Bismarckschule Hannover, Deutsch-Polnischer
Gesellschaft und UNESCO-Club, die positive Anregungen für diesen Teil der
UNESCO-Aktivitäten gewährt. Daher ist es selbstverständlich, daß sich die
Bismarckschule Hannover auch an den Veranstaltungen der Deutsch-Polnischen
Woche aktiv beteiligt und daß der UNESCO-Club ein Informations- und
Ratgeberheft für Schulpartnerschaften mit Polen und für Polenreisen mit
Schülern herausgeben wird.
Im Juni 1989
betreut die Bismarckschule Hannover mit Unterstützung des UNESCO-Clubs
drei Gruppen ausländischer Schüler, die jeweils für zehn Tage im Rahmen
bestehender Schulpartnerschaften nach Hannover gekommen sind und neben einem
umfangreichen Reise- und Informationsprogramm in Hannover und Umgebung die
Schule kennenlernen, zeitweilig am Unterricht teilnehmen und vor allem im
Rahmen der privaten Unterbringung Kontakt zu unseren Bismarckschülern und
-schülerinnen knüpfen konnten.
Schließlich plant
die Türkei-AG der Bismarckschule Hannover und des UNESCO-Clubs für den
Herbst 1989 eine Studienreise in die Türkei, in deren Mittelpunkt ein
Besuch bei der türkischen Partnerschule, der Istanbul Lisesi, stehen wird.
Dies institutionalisiert einen Kontakt, der seit 1984 besteht, 1985 von
unserer Seite zu einem ersten Besuch der Türkei führte, mit der Orientreise
1987 und mehreren privaten Kontakten fortgeführt wurde und im Juni, wie
schon erwähnt, einer türkischen Schülergruppe den Besuch in der
Bismarckschule Hannover ermöglichte.
In einem
Rechenschaftsbericht über Clubaktivitäten ist jedoch auch der Rahmen, in dem
diese Veranstaltungen stattfinden können, genauer zu kennzeichnen: „Der
UNESCO-Club der Bismarckschule ist ein selbständig rechtsfähiger Verein und
verfügt demgemäß über eine eigene Satzung, in der die Ziele der Arbeit des
Clubs festgelegt sind. Danach fördert und initiiert der UNESCO-Club
pädagogische Veranstaltungen, die den völkerverbindenden und
friedenserhaltenden Zielen der UNESCO und der Organisation der
UNESCO-Schulen in Deutschland, insbesondere der Bismarckschule Hannover
dienen.
Der UNESCO-Club
ist nicht dafür gegründet worden, damit er für die Bismarckschule die
UNESCO-Arbeit übernimmt und sie sich UNESCO-Schule nennen darf. Der
UNESCO-Club ist ein selbständiger Verein, der von dem oben beschriebenen
UNESCO-Gedanken bestimmt wird. Da der Club ein Teil der Bismarckschule ist
und bleiben will, wird er versuchen, den UNESCO-Gedanken in die Schule zu
tragen, um Interesse bei den jungen Schülern zu wecken. Der Club wird alle
diejenigen Lehrer der Bismarckschule, für die die Arbeit der UNESCO wichtig
ist und sie deshalb in ihren Unterricht einfließen lassen wollen, tatkräftig
unterstützen.
Der UNESCO-Club
ist kein Aushängeschild der Bismarckschule. Er wird sich dafür einsetzen,
daß im Sinne der UNESCO etwas bewegt wird. Die Unterstützung von
völkerverbindenden Maßnahmen und die damit einhergehende Friedenssicherung
sind dem Club sehr wichtig, und er wird bei seiner Arbeit versuchen, dieses
Bewußtsein gerade bei den Schülern zu wecken. Gerade in der heutigen Zeit
müssen bei jungen Menschen Interessen geweckt werden, die über das bloße
Konsumdenken hinaus gehen."
4.
Schwierigkeiten und Hindernisse der UNESCO-Arbeit
Solange
UNESCO-Arbeit als abstraktes Konzept vorgetragen wird, solange die Ziele von
Ausländerpädagogik und interkulturellem Lernen ganz allgemein vertreten
werden, ist die Akzeptanz in den Schulen wie in der Öffentlichkeit groß,
wenn man einmal von bedauerlichen negativen Besetzungen jeder positiven
internationalen Arbeit am rechten Rand des politischen Spektrums der
Bundesrepublik in der letzten Zeit absieht, wo jeder interkulturelle
Anspruch als angeblicher Vorläufer einer „multikulturellen Gesellschaft"
(die ja in der BRD tatsächlich schon seit langem existiert) abgelehnt und
verteufelt wird. Doch sind diese Stimmungen (noch?) nicht mehrheitsfähig,
und die UNESCO-Schul-Arbeit steht dafür, innerhalb der Pädagogik, der
Schulpolitik und der politischen Bildung dafür zu sorgen, daß diese
verderblichen politischen Tendenzen niemals mehrheitsfähig werden können.
Die Widerstände
gegen die UNESCO-Arbeit entstehen somit nicht in erster Linie in der
allgemeinen politischen Öffentlichkeit, sondern sie entzünden sich an
konkreten Projekten und Arbeitsvorhaben zunächst einmal in den Schulen
selbst, um dann ggf. in Teilen der Öffentlichkeit aufgegriffen und politisch
benutzt zu werden.
In unserem
Kontext erscheint es uns wichtig, einige Haupteinwände gegen konkrete
UNESCO-Schul-Projekte anzuführen und zur Diskussion zu stellen, da es nicht
genügt, schlicht zu behaupten, daß diese Einwände vor dem Hintergrund der
allgemeinen positiven Ziele der UNESCO-Arbeit irrelevant wären, sondern daß
die realen, oft durchaus nachvollziehbaren Motive der Ablehnung und Kritik
ernst genommen und in der UNESCO-Arbeit selbst thematisiert werden sollten.
Die umfassendste
Form von Widerständen gegen die UNESCO-Arbeit ist als Auswirkung aktueller
internationaler Spannungen zu beobachten, die als Ursachen nicht schulintern
beseitigt, sondern bestenfalls in ihren Auswirkungen berücksichtigt und
aufgearbeitet werden können. In den letzten Jahren schlug sich die
internationale Auseinandersetzung um die Schwerpunktprogramme und die
Führung der UNESCO selbst, die zum Austritt der Vereinigten Staaten und
Großbritanniens aus dieser Sonderorganisation der Vereinten Nationen
führten, auch zu einer spürbaren Belastung der basisnäheren
UNESCO-Aktivitäten. Da sich die Bundesrepublik der Absonderungspolitik ihrer
Verbündeten nicht anschloß und durch den zwischenzeitlichen Wechsel an der
Spitze der UNESCO der Konflikt einiges von seiner aktuellen Brisanz verloren
hat, kann dieser Bereich potentieller Widerstände gegen
UNESCO-Schul-Projekte heute wohl vernachlässigt werden. Nicht vernachlässigt
werden darf jedoch die politische Auseinandersetzung um Zulässigkeit und
Opportunität politischer Kontakte – und als solche werden auch persönlich
begründete UNESCO-Schulpartnerschaften in der Öffentlichkeit definiert – zu
konkreten „Kontakt- oder Partnerländern", deren innenpolitische Situation
nicht den politischen Maßstäben oder demokratischen Idealen der
Bundesrepublik Deutschland entspricht. Die Berührungsängste oder
Einwirkungshoffnungen sind dabei in hohem Maße parteipolitisch besetzt und
daher für die öffentliche politische Auseinandersetzung hervorragend
geeignet, was für eine Schule, deren Bildungsauftrag Distanz zu
parteipolitischen Stellungnahmen verlangt, erhebliche Behinderungen der
konkreten UNESCO-Arbeit bedeuten kann.
Das wird leicht
verständlich, wenn einige solche konkreten Fälle benannt werden: positiv
fördernde UNESCO-Kontakte zu Nicaragua treffen sehr schnell auf die
Ausgrenzungs- und Destabilisierungspolitik gegen die Sandinistas, der sich
die USA verschrieben haben und die in konservativen Kreisen der BRD durchaus
als sinnvolle politische Strategie verstanden wird. Auch humanitäre
Hilfsmaßnahmen und Basiskontakte zu Schulen laufen dieser Abgrenzungspolitik
zuwider. Hier muß schulintern und in der lokalen Öffentlichkeit deutlich
gemacht werden, daß UNESCO-Arbeit nicht „Anerkennung" politischer
Herrschaftsverhältnisse heißt (die einer Schule naturgemäß nicht zusteht),
sondern das Beharren auf dem Menschenrecht auf Bildung, Kultur und
Kommunikation für die jeweiligen Bevölkerungen, auch wenn staatliche
Rahmenbedingungen bis zu dem Grade hingenommen werden müssen, wie es die
Herstellung und Institutionalisierung von Basiskontakten erforderlich macht.
Mit umgekehrten
politischen Vorzeichen gilt das in gleicher Weise für zwei Kontakte, die die
Bismarckschule Hannover pflegt, nämlich die Schulpartnerschaft zu Schulen in
der Türkei und die im Aufbau befindliche Schulpatenschaft zu einer
Farmschule in Namibia. In beiden Fällen lassen sich durchaus kritische
Einschätzungen der politisch-gesellschaftlichen Situation in den
Kontaktländern vermitteln, die bei der Einleitung und Institutionalisierung
dieser Kontakte im Bewußtsein gehalten werden müssen. Doch auch in diesen
Fällen läßt sich die UNESCO-Arbeit von der Überzeugung leiten, daß das
genannte Menschenrecht auf Bildung, Kultur und Kommunikation durch
internationale Kontakte zwischen den Menschen, zwischen den Schulen nur
gefördert werden kann und daß eine Förderung und Unterstützung der
Menschenrechte, auch wenn die Schule nicht auf der eigentlich
politisch-staatlichen Ebene wirksam werden kann, immer auf längere Sicht
positive Auswirkungen auch auf die politisch-staatlichen Rahmenbedingungen
haben kann.
Widerstände auf
dieser Ebene ergeben sich mit noch viel brisanterer persönlicher
Emotionalisierung bei – geschichtlich, politisch und geographisch – „näher"
liegenden Kontakten zum mitteleuropäischen Nachbarland Polen, zu dem die
Bismarckschule Hannover ihren wichtigsten und intensivst gepflegten Kontakt
hergestellt und institutionalisiert hat. Wie stark hier Einwände auf der
einen Seite durch die bundesdeutschen „Vertriebenenorganisationen" zu
berücksichtigen waren und wie stark auch auf der anderen Seite die „Abgrenzugspolitiker"
in Polen offizielle Kontakte zwischen Schulen und Schülern behinderten, soll
andeutungsweise in einem folgenden Kapitel noch angesprochen werden. Die
Partnerschaft zum V. Liceum in Poznań (Posen) ist dann doch eine der ersten
offiziell beschlossenen und auf Dauer angelegten Schulpartnerschaften
zwischen der Volksrepublik Polen und der Bundesrepublik Deutschland
geworden, eingebettet in die Städtepartnerschaft zwischen den beiden
Messestädten Posen und Hannover. Doch die persönlichen Sperren und
Widerstände sind damit, wie bei jedem heutigen Polenkontakt, nicht endgültig
ausgeräumt, da zu viele sehr persönliche belastende Lebenserfahrungen die
Einstellungen prägen und zum Teil unveränderlich gemacht haben. Es ist daher
Aufgabe einer positiv und auch innergesellschaftlich wirkend verstandenen
UNESCO-Arbeit, bei aller Sensibilität gegenüber den persönlichen Schicksalen
auf beiden Seiten in der heutigen Situation verhindern zu helfen, daß das
empfindliche mitteleuropäische Gleichgewicht durch parteipolitisches Kalkül
und eine unreflektierte Politik aus den tagespolitischen Stimmungen heraus
gestört werden könnte. Je dichter das Netz der menschlichen Kontakte und
Begegnungen, der Partnerschaften und Besuche wird, zu denen
UNESCO-Schul-Arbeit ihren Beitrag leistet, desto stabiler gegenüber
tagespolitischen Irritationen wird auch das Verhältnis zwischen den Völkern
in Mitteleuropa.
Die
gravierendsten Widerstände gegen die forcierten UNESCO-Aktivitäten einer
Schule liegen jedoch in der Schule selbst und sind vor allem durch folgende
Stichpunkte zu umreißen, die anschließend noch diskutiert werden sollen:
1.
UNESCO-Arbeit ist ein Lernbereich und keine autonome Schüleraktivität
2.
Projektarbeit verlangt ungewöhnliche Qualifikationen
3.
UNESCO-Arbeit geht über den Unterrichtsvollzug hinaus
4.
UNESCO-Arbeit ist arbeitsaufwendig
5. Einzelne
Projekte sind meist an bestimmte Personen gebunden
6.
UNESCO-Arbeit verlangt Einstellungs- und Verhaltensänderungen
7.
UNESCO-Arbeit berührt das institutionelle Selbstverständnis
8.
interkulturelles Lernen fordert Distanz und Konfliktfähigkeit.
Auseinandersetzungen um die UNESCO-Arbeit können daher an jeder Stelle der
Institution Schule auftreten, sowohl gegenüber Schulleitung und
Aufsichtsbehörde, Eltern- und Schülervertretungen, als auch in der
Schülerschaft und im Lehrerkollegium selbst, wobei die oft persönlich
gefärbten Konflikte zwischen kontroversen Gruppen in der Lehrerschaft die
quälendsten und am schwersten zu überwindenden Hindernisse einer
erfolgreichen UNESCO-Arbeit sind.
Zum ersten
angesprochenen Punkt, daß UNESCO-Aktivitäten ein Lernbereich und keine
autonome Schüleraktivität sind, wurde schon weiter oben einiges gesagt.
Dieser Umstand hat einige gravierende Folgen, was die spontane Motivation
und Beteiligung an UNESCO-Projekten betrifft, die genauso sorgfältig von
Schul- und Lehrerseite her geplant und eingeführt werden müssen wie sonstige
Unterrichtsveranstaltungen, mit dem Unterschied, daß das „vereinfachte
Verfahren" des Zensierungsdruckes hier wegfällt und Einsicht und Verständnis
beim Schüler angesprochen werden müssen. Hauptsächliche Argumente von
Schülern gegen dominierende UNESCO-Schul-Aktivitäten sind z.B.: „Wir haben
ohnehin schon genug zu tun und wollen nicht noch mehr Zeit für die Schule
opfern", „Zunächst einmal sollte die Schule sich mit ihren eigenen Problemen
und Defiziten beschäftigen, ehe sie übertriebene weltweite Projekte
betreibt, die nur zu Lasten eines vernünftigen Unterrichtes gehen" und „Was
nützt mir die ganze UNESCO-Arbeit, wenn ich meine Leistungen in den
Hauptfächern nicht verbessere". Diese Argumente haben aus der subjektiven
Sicht heraus durchaus einige Berechtigung und müssen ernst genommen werden.
Wichtig ist es dann, den engen inneren Zusammenhang zwischen den
Lernmöglichkeiten in der UNESCO-Arbeit und den Bildungszielen der Schule
herauszustellen, die bis hin in die individuelle Leistungsqualifikation in
einer Wechselbeziehung stehen, von der die Schüler selbst auch in Hinblick
auf die spätere Berufseignung nur profitieren können. Das wird nicht leicht
sein, wie die gleicherweise argumentierende politische Bildung seit langem
immer wieder erfahren hat: soziale Qualifikationen gelten in unserer
Gesellschaft noch allzu wenig, so wichtig sie für den Fortbestand unserer
demokratischen Gesellschaftsform auch sind.
Der zweite Punkt,
neue Qualifikationen für die Vorbereitung und Durchführung von Projekten
oder allgemeiner für die Einführung der Projektarbeit, Voraussetzung einer
aktiven UNESCO-Arbeit, ruft zwar zunächst einen gewichtigen Einwand hervor,
der auch Ängste in der Lehrerschaft auslösen kann; doch auf längere Sicht
hin profitiert Schule von dieser zusätzlichen pädagogischen Qualifikation so
ungemein viel, daß die Mühe des Qualifikationserwerbs, das Risiko des
anfänglichen Scheiterns und die Langwierigkeit des Experimentierens mit dem
neuen methodischen Instrumentarium des Lernens durch Projekte dadurch
aufgewogen wird. Einer Mehrzahl von Kollegen wird dieses Argument wohl
plausibel gemacht werden können; hilft es doch der besseren und
vielseitigeren Planung und Durchführung auch des eigenen Unterrichtes. Wenn
auch in der wissenschaftlichen Pädagogik schon lange gute und anwendbare
Arbeiten und Unterrichtsversuche zur Projektarbeit greifbar sind, so sind
diese doch noch längst nicht in ausreichendem Maße in der Schule rezipiert
worden. Das spricht für eine verbesserte, vielleicht sogar
institutionalisierte Rückkoppelung von Forschung und Praxis, auch wenn von
Seiten der Schulverwaltung diesbezügliche Versuche und Einrichtungen
beendet, behindert oder aufgelöst worden sind. Die Universität Oldenburg hat
damit ja leidvolle Erfahrungen machen können. So bleibt sicher vieles dabei
der persönlichen Initiative überlassen – und der Hoffnung auf vielleicht
zukünftig veränderte politische Rahmenbedingungen. In Niedersachsen sollte
die Lehrerfortbildung des „NLI" verstärkt methodische Themen aus dem Feld
Projektarbeit und handlungsorientiertes Lernen anbieten, ebenso wie hier
eine Institution vorhanden ist, die bei entsprechendem politischen Willen
interkulturelles Lernen, Ausländerpädagogik und UNESCO-Arbeit zu einem
selbst vorangetriebenen Arbeitsschwerpunkt machen könnte.
UNESCO-Arbeit
verlangt persönlichen Einsatz über den üblichen Unterrichtsvollzug hinaus.
Hier können die grundlegend verschiedenen Einstellungen zum Lehrerberuf in
der Lehrerschaft selbst zu unlösbaren Konflikten führen. Der „Idealismus"-Vorwurf
(was ist an diesem „Vorwurf" eigentlich so negativ?) ist nur die
freundlichste Reaktion auf die Zumutung, den eigenen Unterricht einzubinden
in unterrichtsübergreifende Zusammenhänge, von den Fachlernzielen
überzuleiten auf allgemeine Aufgaben- und Zielbestimmungen für die Schule.
Wer die Aufgaben des Lehrers gleichsetzt mit der Vermittlung von
Fachqualifikationen im jeweils eigenen wissenschaftlichen Fach, wird für
UNESCO-Arbeit schwerlich zu interessieren sein. Hier müßte eine öffentliche
Diskussion über das Berufsbild des Lehrers einsetzen. Ein erster Ansatz wäre
vielleicht durch einen Konsens darüber zu schaffen, daß mitbürgerliches
Leben und Berufstätigkeit in der Öffentlichkeit, d.h. auch: im öffentlichen
Dienst, ganz allgemeine Pflichten beinhaltet, zu denen auch
gesellschaftliche Verantwortung, Verantwortung für die politischen und
interkulturellen Probleme unserer Existenz gehören. Erst recht gilt das für
Lehrer, die mit Jugendlichen und Kindern in ihrer prägsamsten Altersstufe zu
tun haben! Doch wäre viel allgemeiner zu überlegen, ob das Berufsverständnis
und die „Arbeitsplatzbeschreibung" des Lehrers nicht grundsätzlich verändert
und von dem Bild des Fachwissenvermittlers abgelöst werden müßte, ohne dabei
in eine romantische, vorrationale „Gesamtpädagogik" zurückzufallen. Die sehr
konkreten Paradigmen der fächerübergreifenden interkulturellen Lernziele
können dabei ebenso eine Hilfe sein wie die Methodik des Projektlernens.
Die daraus
erwachsende Arbeitsbelastung des Lehrers macht die virulente Frage nach den
Arbeitszeiten und der anstehenden Arbeitszeitverkürzung nur noch
dringlicher. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann forcierte UNESCO-Arbeit
durchaus mit gewerkschaftlichen Strategien zur Durchsetzung notwendiger
Arbeitszeitverkürzungen kollidieren. Behutsames aufeinander Eingehen ist in
einem solchen Falle notwendig, da die Motive und die politische Bewertung
der UNESCO-Arbeit, des interkulturellen Lernens und der Ausländerpädagogik
nicht nur nicht im Widerspruch zu gewerkschaftlichen Zielen und Traditionen
stehen, sondern im Gegenteil als ureigenster Bestandteil gewerkschaftlicher
Solidarität und gewerkschaftlichen Selbstverständnisses gelten können. Neben
dem Bewußtsein dieser Interessenidentität ist aber auch von den
Lehrerverbänden und Gewerkschaften zu verlangen, ihre Handlungsperspektiven
nicht so auf die aktuellen Kampfziele zu verengen, daß dadurch den
inhaltlichen Perspektiven die Luft genommen wird. „Schlechte Schule" als
Druckmittel gegenüber dem öffentlichen Arbeitgeber kann doch wohl als
Kampfstrategie nicht nur nicht hinreichend sein, sondern ist wohl eine
Perversion des kulturellen Anspruches der Gewerkschaftsbewegung, die eine
bessere Gesellschaft will. Diese Argumente sind in der Auseinandersetzung
mit gewerkschaftlichen und personalrätlichen Einwänden zu betonen in der
Absicht, Grundlagen für gegenseitiges Verständnis und Gemeinsamkeit in der
Zielsetzung einer Veränderung von Schule herzustellen. In diesem Sinne kann
das Argument, UNESCO-Arbeit ist unbezahlte Mehrarbeit, nicht akzeptiert
werden (abgesehen davon, daß in der Schule im konkreten Falle Entlastungen
gewährt werden können), da hier nicht nur im engeren Sinne berufliche
Pflicht sondern auch Verpflichtung zum politischen Handeln eine Rolle
spielt.
Jede Aktivität,
das zeigt die Erfahrung, ist als Initiative oder als kontinuierliche
Programmgestalt an das individuelle Engagement gebunden. Daß öffentliche
Aktivitäten, wie sie UNESCO-Schul-Aktivitäten nun einmal sind, sich in der
Öffentlichkeit auch mit bestimmten Personen verbinden, ist
selbstverständlich und unvermeidlich. Daß sich die Öffentlichkeit, wie sie
sich in den Medien nun einmal repräsentiert, auf der anderen Seite sehr
wenig für die, als selbstverständlich vorausgesetzte „Normalität" von Schule
und Unterricht interessiert, ist notwendigerweise hinzunehmen, auch wenn
sich Kollegen, die [wie sie glauben] einen besonders guten und engagierten
„normalen" Unterricht geben und sich dafür vielleicht sogar bis an die
Grenzen ihrer Belastbarkeit einsetzen, von der Öffentlichkeit nicht
besonders wahrgenommen werden, sondern „nur" zum guten Ruf einer Schule
allgemein beitragen. Hier können böse persönliche Rivalitäten und
Gehässigkeiten entstehen, deren Ursache jedoch, bei der Beibehaltung der
geschilderten Rollenverteilung in der UNESCO-Arbeit, nicht zu beheben ist.
Hier müssen Anerkennung und Gratifikation im Kollegium selbst, im Kontakt
mit den Schülern und Eltern gewährt werden, wobei auch die Schulleitung eine
nicht zu unterschätzende Rolle spielen kann. Doch im Sinne einer „neuen
Bescheidenheit" zu verlangen, sinnvolle und wertvolle Aktivitäten zu
unterlassen, weil sie einzelnen Kollegen größere öffentliche Resonanz und
Wirkungsmöglichkeit eröffnen, bedeutet letztlich: Verzicht auf jede positive
Veränderung, jeden Fortschritt und Verzicht auf Schule als öffentlich zu
verantwortende Institution.
Die Forderung
nach Verhaltens- und Einstellungsänderungen trifft immer auf Widerstände.
Doch ist dies ein allgemein politisches und pädagogisches Problem, mit dem
sich die Lehrerschaft nur allzu selten konfrontiert gesehen hat. Die Ziele
dieser Einstellungsänderungen sind von uns an anderer Stelle erörtert worden
und werden im Zusammenhang mit den Anmerkungen zu den konkreten Kontakten
mit Polen und der Türkei noch beispielhaft erläutert.
Ähnlich ist es
mit dem Selbstverständnis der Schule und der Pädagogik, das durch die
UNESCO-Arbeit berührt werden kann. Vor allem die individualistische
Perspektive der Gymnasialpädagogik wird von den Ansätzen des
gesellschaftlichen, interkulturellen Lernens und einer erneuerten,
gesellschaftspolitisch verantworteten Ausländerpädagogik berührt. Hier soll
eine Zusammenstellung von Thesen und Fragestellungen zitiert werden, die
diesen Zusammenhang verdeutlicht. Diskutiert wurden diese Thesen auf einem
Symposium, das der UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover, e.V., am 15./16.3.1988 in der Bismarckschule
Hannover zum Thema „Probleme der weiterführenden Allgemeinbildung für
Ausländer" veranstaltet hat.
„Das Gymnasium
hat sich um Ausländerprobleme bislang wenig gekümmert, weil es zahlenmäßig
weniger als andere Schulformen betroffen ist und es bislang vor allem mit
ausländischen Schülern aus den jeweiligen Mittel- und Oberschichten zu tun
hatte.
Þ Schulerfolg
und gesellschaftliche Integration sind nicht identisch. Auch das Gymnasium
hat die erzieherische Aufgabe, sich über die Lerninhalte hinaus um die
Probleme des sozialen Lernens und der persönlichen Sozialentwicklung der
Schüler zu kümmern.
Þ Das Gymnasium
tendiert dazu, Problemlagen zu individualisieren und ihrer
gesellschaftlichen Dimension zu berauben. Das führt zu Problemlösungswegen
allein auf individueller Ebene, wenn eigentlich das soziale Umfeld zu
betrachten wäre.
Þ Negative
Folge der Individualisierung von Problemlagen ist, daß „unlösbare"
Probleme mit Mitteln der Leistungsbewertung zur Klassifizierung in
„geeignete" und „ungeeignete" Schüler führt.
Þ Soziale
Probleme sind erst dann lösbar, wenn sie als solche erkannt werden.
Þ Integration
heißt nicht „Umsozialisierung" oder affirmative Anpassung.
Þ Wo können
deutsche Schüler von der Anwesenheit ausländischer Schüler in den
Lerngruppen profitieren?
Þ Die
Schulfächer mit eigenen Symbolsprachen sollten ihre Chance nutzen, die
Verbalisierungsprobleme derjenigen Schüler, die in einer Fremdsprache
(Deutsch) lernen müssen, durch Erfolgserlebnisse überwinden zu helfen.
Mathematik und Naturwissenschaften sollten dadurch leichter erlernbare
Fächer für nichtdeutschsprachliche Schüler werden
Þ Der
Förderunterricht sollte seine fachorientierte Rolle überdenken.
Als
Fragestellungen ergeben sich daraus: Sind differenzierte Bewertungsmodi
im Verbalisierungsbereich praktikabel? Sollte der muttersprachliche
Unterricht auch im Gymnasium ermöglicht werden? Können feste Lerngruppen für
spezifische Lerndefizite auch über den Förderunterricht hinaus eingerichtet
werden? Welche Binnendifferenzierungsmodelle der Unterrichtsmethoden sind im
Gymnasium erprobt worden? Können nonverbale Arbeitsformen in der Benotung
eine stärkere Betonung erlangen? Wie können Unterrichtsinhalte aus dem
Erfahrungsbereich der ausländischen Schüler in den Gymnasialunterricht
integriert werden?"
Auf diese Fragen
kann im Zusammenhang unserer Darstellung keine Antwort gegeben werden; doch
legen die erläuterten Zielsetzungen der UNESCO-Schularbeit durchaus
Diskussionsrichtungen nahe, die über den Anlaß hinaus fruchtbare
Auseinandersetzungen und schulische Veränderungen initiieren könnten.
Zum Abschluß
dieses Kapitels über Widerstände und Probleme der konkreten
UNESCO-Schul-Arbeit soll noch verallgemeinernd eine Zielsetzung angedeutet
werden, die sehr schwer zu erfüllen ist, die aber dem interkulturellen
Ansatz erst seinen allgemeingültigen Wert gibt: Interkulturelles Lernen
steht in der Tradition der Aufklärung; Rationalität der Auseinandersetzung
und Distanz der Beobachtung und Begutachtung sind die Grundlagen dessen, was
aus dem interkulturellen Ansatz der eigenen Situation gegenüber als
Reflexionsbereitschaft und Ideologiekritik entwickelt werden kann. Unsere
Auffassung ist, daß nur diese Distanz zu gesellschaftlicher Kreativität
führt, daß gesellschaftliche Verantwortung und Veränderungsbereitschaft, die
wir für den gültigen Kernbestand der politischen Bildung halten, nur durch
Rationalität und Kritikfähigkeit gesichert werden können.
5.
Patenschaften: UNESCO-Schule und „Dritte-Welt-Didaktik"
Die Aufgaben und
Ziele der UNESCO sind eng mit den Problemen der Dritten Welt verbunden.
UNESCO-Arbeit an einer Schule in einem der reichsten Industrieländer der
Welt muß sich daher die Frage gefallen lassen, wie sie die „ferne" und doch
so brennend aktuelle Problematik der Dritten Welt mit einbezieht, im
Bewußtsein erhält. Durch Reisen und Schüleraustausch bei traditionellen
Schulpartnerschaften ist diese Aufgabe nicht zu bewältigen. Ehe wir, näher
in unserem geographischen Bereich bleibend, uns mit zwei Beispielen für
solche Schulpartnerschaften beschäftigen – mit einer Schule in Polen und
einer Schule in der Türkei – wollen wir uns in einem Exkurs mit Chancen und
Problemen einer Aktionsform der UNESCO-Schul-Arbeit beschäftigen, die in
letzter Zeit stärker als Lern- und Handlungsmöglichkeit ins Bewußtsein
getreten ist: mit der Patenschaft zu Schulen und Bildungseinrichtungen in
Ländern der Dritten Welt. Die ist gleichzeitig der Anlaß, neben einigen
konkreten Aktionshinweisen die grundlegende Problematik einer aktuellen
Dritte-Welt-Didaktik anzureißen, auch um Interesse für eine vertiefte
Beschäftigung mit diesem brisanten Thema in anderen
Diskussionszusammenhängen anzuregen. Zunächst ein kurzer Abriß der
Überlegungen, die in der Bismarckschule Hannover mit Unterstützung des
UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover,
e.V., seit 1988 zum Aufbau von zwei Patenschaften geführt haben.
UNESCO-Modellschulen unterscheiden sich laut Definition von anderen Schulen
dadurch, daß sie zwar wie sie Projekte, Patenschaften und Austauschprogramme
machen, daß diese aber bei uns umfassender und stärker schulintegriert sind
als sonst. Mit den bestehenden Schüleraustauschprogrammen mit Polen und
Finnland und den angebahnten bzw. geplanten mit der Türkei und den USA hat,
wie es scheint, die Bismarckschule die Grenzen von Austauschprogrammen
erreicht, weil die Zahl der Schüler weitere kaum noch zulassen wird. Selbst
wenn weitere Programme (z.B. mit Frankreich) begonnen werden könnten, würden
jedenfalls Länder der „Dritten Welt" fehlen müssen: die Entfernungen und
damit die Reisekosten sind zu hoch, die potentiellen Gastgeber nicht in der
Lage, uns aufzunehmen oder gar einen Besuch zu erwidern. Bei Kontakten von
deutschen UNESCO-Schulen mit Einrichtungen der „Dritten Welt" hat sich
deshalb immer ergeben, daß es entweder ausgesprochene Hilfsprogramme im
schulischen Bereich sind oder ein Besuch über viele Jahre hinweg geplant und
angespart wird, um dann womöglich nicht stattzufinden.
Der UNESCO-Club
der Bismarckschule hat deshalb die Unterstützung von zwei Projekten in der
„Dritten Welt" beschlossen:
1. Namibia: im
Auftrage der Niedersächsischen Landesregierung besuchte eine Delegation
von Lehrern unseres Landes Namibia, um die Probleme des Schulunterrichtes
von Farbigen kennenzulernen. Sie bestehen vor allem auf dem Lande, wo in
Einzelfällen Farmer Schulen für die Kinder ihrer Landarbeiter eingerichtet
haben; zum anderen für Mädchen, die später einen Beruf ergreifen wollen
und nicht die Tradition der frühen Heirat ohne vorherige Ausbildung
fortsetzen wollen. Wir wollen eine Schule für Mädchen in der Hauptstadt
Windhuk unterstützen; das können wir selbständig oder durch Mitarbeit bei
einem schon bestehenden Projekt der Robert-Bosch-Gesamtschule in
Hildesheim tun.
2. Bolivien:
Cochabamba, die zweitgrößte Stadt Boliviens, ist ein wichtiges
Schulzentrum mit mehreren Internatsschulen, deren oft sehr arme Schüler
durch Patenschaften (z.B. Kindernothilfe) unterstützt werden.
Übergreifende Hilfen, u.a. eine jährliche ärztliche Untersuchung aller
Kinder, fallen in zunehmendem Maße der Inflation zum Opfer. Wir wollen
deshalb das Schulzentrum Cochabamba in diesem Bereich [innerhalb dessen
aber mit freier Verfügung über die Summe] unterstützen. Als Vermittler für
die Überweisung des Geldes stehen „el Puente" in Hildesheim
(„Dritte-Welt-Laden") oder die Kindernothilfe in Duisburg bereit. Der
UNESCO-Club bürgt mit seinem Vermögen für Spenden von je 100.-- DM pro
Projekt und Jahr. Wir hoffen aber, diese Summe – und mehr! – durch Spenden
zu bekommen. Bei einem wesentlich höheren Spendeneingang könnten wir die
beiden Projekte um so besser ausstatten oder ggf. noch weitere in Angriff
nehmen. Wir hoffen sehr, daß das Überweisen des Geldes nur der Auslöser
von brieflichen und anderen Kontakten sein wird. Diese müßten von
Einzelschülern oder ganzen Klassen übernommen werden.
Dieser konkrete
Anlaß führt uns zu einigen allgemeineren Reflexionen über die
Dritte-Welt-Didaktik, welche die Grundlage eines Unterrichts sein kann, der
das Patenschaftsprojekt vorbereitet und pädagogisch umsetzt. Daß dem Thema
„Dritte Welt" ein im einzelnen wie auch immer anzusetzender hoher
Stellenwert im schulischen Curriculum einzuräumen ist, darüber besteht –
zumindest in den letzten Jahren – bei den meisten Fachdidaktikern kaum
Dissens. So finden wir das Thema in nahezu allen Richtlinien und
Schulbüchern der Fächer Erdkunde, Politik und Geschichte. Wie sich diese
Bedeutung in das Alltagsleben des einzelnen übersetzen läßt, darüber finden
sich, wie noch nachzuweisen sein wird, kaum Aussagen. Unterhalb der ganz
abstrakten Ebene der Anerkennung einer „existentiellen Bedeutung" wird der
angebliche Konsens schon brüchig. Die Zuordnung des Themas „Dritte Welt" zu
allgemeinen Problemkreisen ist unsicher.
· Ist der
„Nord-Süd-Konflikt" als Funktion der „Ost-West-Auseinandersetzung"
anzusehen?
· Sind
Entwicklungsländerprobleme vor allem „Schwachstellen" in der
internationalen Arbeitsteilung, die unsere eigene ökonomische Zukunft
berühren? – Ist das Schicksal der armen Länder vor allem ein ethisch zu
bewertendes Sozialproblem, das unser Gewissen belastet und unser Mitgefühl
anspricht? – Sind die lokalen Konflikte in der „Dritten Welt" Teil einer
internationalen Friedensbedrohung?
Schon die in der
Pädagogik wie in der Öffentlichkeit angeführten Ziele der
„Dritte-Welt-Didaktik" sind heterogen und teilweise widersprüchlich. Eine
Auseinandersetzung mit den dominierenden Begründungszusammenhängen ist auch
innerhalb der UNESCO-Schul-Arbeit notwendig. Nur in Kenntnis der gängigen
Begründungen, die stereotypen bzw. ideologischen Charakter zeigen, läßt sich
der Grad der Akzeptanz dieses Unterrichtes bei Schülern und in der
Öffentlichkeit abschätzen und lassen sich Motivationshemmnisse erkennen und
didaktisch aufarbeiten. Folgende Begründungszusammenhänge treten meist in
den Vordergrund:
1. Die
Zielsetzung allgemeinbildender Weltläufigkeit zeichnet sich durch
Maßstabslosigkeit aus; ein Kriterium für die Rangfolge „wichtiger Inhalte"
läßt sich in einer pluralistischen Gesellschaft nicht mehr finden, es sei
denn, man setzt sich dem Vorwurf manipulativer, herrschaftssichernder
Bildungsideologien aus.
2. Humanitäre
Zuwendung ist prinzipiell positiv zu beurteilen; als Basis für
Lernprozesse ist sie jedoch nicht tragfähig. Man beobachte nur, wie
schnell Mitleid und Mitempfinden je nach (oft fragwürdiger) Information
„umkippt" und wie zufällig und z.T. manipuliert dieses Interesse sich über
die Krisengebiete der Welt verteilt. Die inhumane Asylantenhetze ist nur
ein widerliches Beispiel dafür.
3. Ausgehen von
eigenen Interessen ist eine Grundforderung der heutigen Pädagogik. Aber
welche Naivität verbirgt sich hinter der Anschauung, ökonomische und
politische Interessen des Staates wären ohne weiteres als Interessen des
einzelnen Schülers wahrzunehmen; oftmals sind sie nur Gruppen- und
Herrschaftsinteressen. Die demokratisch wünschenswerte Interessenidentität
müßte sich zunächst einmal legitimieren.
Die Schüler,
ihrer Alterstufe jeweils entsprechend, legen an das Thema „Dritte Welt" noch
andere Maßstäbe und Erwartungen an, die es zu kennen und zu berücksichtigen
gilt.
Das
Schülerinteresse ist mit den Schlagworten „Exotik" und „Abenteuer" zu
umreißen. Die psychischen Hintergründe dieser Interessen, besonders in der
Pubertät, sollen hier nicht näher aufgerollt werden, es genügt der Hinweis,
daß sich in der Zuwendung zur Exotik Verdrängungsprozesse eigener
unbewältigter Konflikte manifestieren, daß – hier auch ideengeschichtlich –
in der Figur des „guten Wilden" eine Projektion eigener tabuisierter
Bedürfnisse und in der Figur des „Barbaren" oder „Unterentwickelten" die
uneingestandene Angst vor der Verletztlichkeit der eigenen Person und
Identität ausdrückt. Diese Schülerbedürfnisse unreflektiert zu befriedigen
und sie als „Sachmotivation" zu verkennen hieße, der Schule die Rolle eines
Fluchtweges aus der Realität zuzuweisen.
Das Interesse des
Lehrers (von verdrängten oder uneingestandenen Exotikbedürfnissen einmal
abgesehen: es ist interessant zu untersuchen, welche verdeckten Motive z.B.
zur Berufswahl des Geographielehrers oder des Entwicklungshelfers führen!)
äußert sich völlig anders. Er denkt in gesellschaftlichen oder ethischen
Kategorien, betont mitmenschliche, humanitäre Verpflichtungen und fordert
Solidarität mit den Armen ein (wenn er sich überhaupt engagiert auf den
Themenbereich Dritte Welt einläßt – siehe das schon erläuterte viel weiter
reichende Begründungsspektrum). Der pädagogische Leitbegriff der
„Betroffenheit" wird dann zur Grundlage der didaktischen Reflexion.
Ist Betroffenheit
nun mit „Solidarität" mit der Dritten Welt zu umschreiben? Theo Rauch
schreibt dazu (in: Geographie als politische Bildung", 1978, S.251): „Die
Realität zeigt auch, daß Lernprozesse und gesellschaftliches Handeln auch
ohne die Grundlage eigener Erfahrung, allein basierend auf
Solidaritätsgefühlen, zustande kommen können. Deutliches Beispiel hierfür
scheint mir der Vietnamkrieg zu sein... Grundlage des Solidaritätsempfindens
ist hier weniger die gemeinsame Interessenlage, sondern der Widerspruch
zwischen gesellschaftlichen Normen und Realität, die aus der Erfahrung
solcher Widersprüche resultierende Empörung über Unrecht." Dies Zitat zeigt
jedoch deutlich, daß die Maßstäbe, nach denen das Empörungspotential
gemessen wird, daß die Anlässe, an denen sich Empörung entzündet,
gesellschaftlichen Voraussetzungen und der Aufbereitung in den Medien
unterliegt; es zeigt gleichermaßen, daß hier vor allem die informierte
Mittel- und Oberschicht, Träger der studentischen Protestbewegung der
60er-Jahre, angesprochen wurde und wird. Als allgemeine
Unterrichtsvoraussetzung dürfte diese „Solidarität" wohl kaum in Frage
kommen. Um die Einsichten einer schulischen Beschäftigung mit der
Dritte-Welt-Thematik kurz zu umreißen, sollen nachfolgend einige Thesen zum
Lernbereich Dritte Welt vorgestellt werden, ehe auf die praktischen Probleme
von Schulpatenschaften eingegangen wird:
1. Das Thema
„Dritte Welt" ist dadurch gekennzeichnet, daß es sich weitgehend den
persönlichen Erfahrungen von Lehrern und Schülern entzieht; eine
unmittelbare Betroffenheit ist daher in der Regel nicht festzustellen.
2. Vorhandenes
subjektives Interesse unreflektiert als Basis der didaktischen
Strukturierung anzunehmen, greift zu kurz und verliert sich in
manipulativem Gebrauch vorhandener Exotik- und Abenteuerbedürfnisse.
3. Der Schule
die Rolle als allwissender Richter über zukünftige Lebensbedürfnisse
zuzuerkennen bedeutet, den Schüler in eine rezeptive Haltung des
Nicht-Akzeptiert-Seins zu drängen. Eine tragfähige Motivation ist darauf
nicht aufzubauen.
4. Das Bild der
„Dritten Welt", verstellt von einer Vielzahl interessengeleiteter
Vorurteile, Fehldeutungen und Wertungen, ist Bestandteil der eigenen
politischen Kultur und als solches sowohl repräsentativ für die Struktur
des politischen Bewußtseins insgesamt als auch selbst politische
Handlungen und Wertungen induzierend.
Der Aufbau von
konkreten Schulpatenschaften und „Dritte-Welt-Projekten" verlangt
sorgfältige Vorüberlegungen bezüglich der Einbindung in die allgemeine
UNESCO-Schul-Arbeit (bei anderen Schulen in ein entsprechend
auszudifferenzierendes Arbeitsfeld der Schule insgesamt) und in Hinblick auf
die Einbeziehung der damit angesprochenen Probleme und Erfahrungen in den
Unterricht. Da Dritte-Welt-Projekte in der Schule kaum von Schülerseite
spontan initiiert werden dürften, muß von Anfang an deutlich gemacht werden,
daß die Schule beim Aufbau einer solchen Patenschaft nicht als
Interessenverwalter externer Organisationen oder politischer Gruppen ihren
Schülern gegenübertritt, sondern daß Dritte-Welt-Projekte und
Schulpatenschaften Bestandteil und Konsequenz des schulischen
Bildungsauftrages sind und an diesen Bildungszielen gemessen und geprüft
werden müssen. Dabei ist auf die Zielbestimmung des Schulgesetzes im Rahmen
übergreifender grundgesetzlicher Rechte und Verpflichtungen ebenso zu
rekurrieren, wie die jeweilige Erlaß- und Verordnungslage zu berücksichtigen
ist. Vor allem kann es Schwierigkeiten und Einsprüche geben, wenn die Schule
(durchaus aus ehrenwerten Motiven) mit dem allgemeinen Sammlungsverbot an
Schulen, mit dem Sammlungsgesetz (das bei öffentlich genehmigten Sammlungen
die Einrichtung eines staatlichen Sammlungskontos oder vergleichbare
finanzielle Kontrollen verlangt) oder mit der Verpflichtung zur
Unabhängigkeit von außerschulischen ökonomischen oder politischen Interessen
kollidiert oder wenn schließlich mit geltendem Haushaltsrecht Probleme
entstehen. Die Zusammenarbeit mit einer kontrollierten gemeinnützigen
Organisation ist somit empfehlenswert, doch darf diese nicht im eigenen
Interesse in der Schule wirksam werden.
Es ist somit
ersichtlich, daß zunächst die pädagogische Begründung und Verankerung des
Dritte-Welt-Projektes, der Schulpatenschaft oder der humanitären Hilfe
erfolgen und von den schulischen Gremien abgesegnet werden muß. Die
Begründung von solchen Aktionsformen sind vielschichtig und geben einen
guten Überblick über pädagogische Möglichkeiten der Schule, die im laufenden
Fachcurriculum meist vernachlässigt werden müssen, nichtsdestoweniger aber
zu den ureigensten Zielen schulischer Arbeit gehören:
Schulpatenschaften und sonstige humanitäre Kontakte zu Schulen und Schülern
in der Dritten Welt eröffnen den deutschen Schülerinnen und Schülern sonst
verschlossene direkte Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten, die bei
aller Exemplarik und Zufälligkeit eine Chance bieten, sich dem Thema nicht
nur durch die Vermittlung von Medien zu nähern. Der unmittelbare Kontakt,
auch wenn er zunächst einseitig als Patenschaftsangebot formuliert wird,
weckt Zuwendung, Aufmerksamkeit und Interesse, das vom Unterricht begleitend
und auswertend aufgegriffen werden kann und muß. Für die beteiligten
Schülerinnen und Schüler ergibt sich mehr als beim medienbegründeten
kognitiv gewichteten Unterricht die Notwendigkeit, das Verhältnis von
Handeln und Realität zu beachten, kritisch zu überprüfen (soweit das in
einem solchen schwierigen Themenfeld überhaupt möglich ist) und zu
verantworten. In einem sonst diesem pädagogischen Ansatz aus praktischen
Gründen meist verschlossenen Themenbereich ergeben sich so erste Ansätze zum
handlungsorientierten Lernen.
Die Schule findet
in sorgfältig ausgewählten Patenschaftsprojekten Identifikations- und
Zentrierungsangebote, die die schulischen Aktivitäten dauerhafter machen,
über die Schülergenerationen hinaus verknüpfen; von diesen zentralen Themen
können dann viele Fächer profitieren und im positiven Falle Ansätze zu
fächerübergreifenden Aktivitäten und Unterrichtsvorhaben finden.
Durch die Arbeit
an Dritte-Welt-Projekten und Patenschaften findet die Schule Zugang zu
Personen und Institutionen, die sich in der BRD mit den jeweiligen Regionen
und Problemfeldern beschäftigen; das eröffnet neue Informations- und
Gesprächsmöglichkeiten, die in ihrer Unmittelbarkeit und ihrem Engagement
für die Schülerschaft äußerst anregend sein können.
Diese allgemeinen
Zielbestimmungen sind dann projekt- und schulbezogen zu konkretisieren und
vorab in den schulischen Gremien zu diskutieren. Erst wenn die
angesprochenen Themen schulische oder unterrichtliche Umsetzung erfahren
haben (z.B. durch Ausstellungen in der Schule bzw. in den Klassen,
Informationsveranstaltungen, Filmabende etc.) und wenn eine umfassende
Projektbeschreibung als schriftliche Information z.B. für das Kollegium und
die Elternschaft vorliegt, stellt sich im Gespräch in den Klassen von ganz
alleine die Frage, inwieweit die Schülerinnen und Schüler sich selbst aktiv
an der Realisierung des Patenschaftsprojektes beteiligen können und wollen.
In der Spannweite der möglichen eigenen Beiträge – Hilfe bei Veranstaltungen
und Ausstellungen, Kontakte zu lokalen Informationsträgern, Anfertigung von
Berichten, Kontakte mit den Medien, Leserbriefe, Briefe an die Patenschule –
hat dann auch die finanzielle Spende ihren Platz und wird gleichwie die
anderen Aktionsformen auf ihre Einsatzmöglichkeit, ihren Nutzen und ihre
Wirksamkeit hin diskutiert und verantwortet werden müssen.
Die Patenschulen
oder anderen Adressaten von Dritte-Welt-Aktivitäten sollen in diesem
pädagogischen Prozeß von Objekten humanitärer Zuwendung und Hilfe zu
Subjekten und Partnern werden, die letztlich über ihre Zukunft und die Wege
aus ihren materiellen Problemsituationen selbst entscheiden müssen, auch bei
der Annahme und Verwendung von Hilfe. Die Patenschaftsprojekte sollen dazu
dienen, verbreitete Überlegenheitslegenden der eigenen politischen Kultur
abbauen zu helfen; sie sollen bewußt machen, daß Hilfe nicht nur aus der
Sicht des positiv motivierten Gebers zu sehen ist, sondern auch aus der
Sicht des Hilfsbedürftigen, der durch Hilfsannahme auch in die Gefahr der
Abhängigkeit und Unselbständigkeit kommt, eine Situation, die u. U. seine
Hilfsbedürftigkeit erst perpetuiert. Humanitärer Impetus, gefühlsmäßige
Zuwendung und kritische Abwägung der gesellschaftlichen und politischen
Folgen der Hilfe, auch ihrer möglichen negativen Auswirkungen, müssen
unterrichtlich – jedoch sicher altersstufendifferenziert! – aufgearbeitet
und diskutiert werden, um das Patenschaftsprojekt zu einer Grundlage
selbstverantwortlichen politischen Lernens und Handelns zu machen.
Gerhard Voigt
II. Die Partnerschaft zwischen dem V. Liceum in Posen/Poznań und der
Bismarckschule Hannover
Die Partnerschaft
der Bismarckschule und des V. Liceum ist mehr als ein Schüleraustausch
zwischen deutschen und polnischen Schülern.
Sie ist
einbezogen in die Städtepartnerschaft der beiden Messestädte Hannover und
Poznań . Übrigens ist diese Städtepartnerschaft entstanden aus dem Kontakt
hannoverscher Besucher (Aussteller, Vertreter der Stadtverwaltung und des
Rates sowie insbesondere des Oberbürgermeisters) in Posen und der
entsprechenden polnischen Gäste in Hannover. Aus geschäftlichen wurden
freundschaftliche Kontakte. Der Warschauer Vertrag vom 7. Dezember 1970
wurde damit durch Bürger der Städte Hannover und Poznań umgesetzt und ein
wichtiges Stück Aussöhnung und Normalisierung praktiziert.
Die Idee, eine
Städtepartnerschaft zu vereinbaren, wurde schon Anfang der siebziger Jahre
entwickelt. Sie reifte – oder besser: es galt, eine ungeheure Zahl von
kleinen Fragen und großen Problemen zu klären und zu bewältigen. Im Jahre
1979 konnte dann der Vertrag unterzeichnet werden. Gleichzeitig wurde in
Hannover eine Deutsch-Polnische Gesellschaft gegründet, der auch wir eng
verbunden sind. Auch sie setzte sich die Aufgabe, zur Aussöhnung und
Verständigung mit Polen beizutragen.
Die
Schulpartnerschaft ist nun nicht durch eine konsequente Planung
zustandegekommen. Sie ist vielmehr die logische Entwicklung, die 1975 in
gewisser Weise zufällig begann.
Für einen
Leistungskurs bot sich die Gelegenheit einer Studienfahrt nach Polen. Für
alle Beteiligten war es die erste Begegnung mit Polen. Aus dieser
erfolgreichen Reise mit ihren überwältigenden Eindrücken entstand sofort der
Wunsch, für das Jahr 1976 wieder eine Reise mit einem Leistungskurs zu
planen. Inzwischen hatte sich aber aufgrund der Ölpreiskrise und des
überraschenden Regierungswechsels in Niedersachsen eine neue Situation
ergeben. Die Landesregierung genehmigte keine Studienfahrten ins Ausland
mehr – ausgenommen nach Rom oder Griechenland für die Altsprachler. Es
entsprach dem pädagogischen Selbstverständnis des Fachlehrers, auch einer
gewissen Oppositionshaltung gegenüber schulbürokratischen Hemmnissen, nach
Ersatzlösungen zu suchen. Wir knüpfen dabei an die Praxis der Fahrten in die
USA oder die Niederlande zu unseren damaligen Partnerschulen an. In diese
Reisen wurden jeweils die Osterferien einbezogen. Diese Reisen in die Länder
USA, Niederlande, England und Frankreich waren schon in den fünfziger Jahren
Ausdruck des Selbstverständnisses dieser UNESCO-Schule am Maschsee, der
Bismarckschule. In diesem Zusammenhang wurde eine für 1976 geplante und
abgesagte Reise dann im März/April 1977 während der Osterferien
durchgeführt. Diese weder durch die Schulbehörde noch durch die Schulgremien
genehmigungspflichtige Reise – sie war rechtlich eine Privatreise unter der
Leitung und der Verantwortung des Lehrers – stand unter der ausdrücklichen
Unterstützung der Schulleitung und fand positive Resonanz im Kollegium. Im
nachhinein kann festgestellt werden, daß hierbei der Charakter als
UNESCO-Schule deutlich wurde, ohne daß das damals besonders reflektiert oder
auch nur hervorgehoben wurde.
Aufgrund dieser
zunächst gegebenen organisatorischen Rahmenbedingungen wurde eine Konzeption
entwickelt. Sie gilt bis heute für unsere nach wie vor in den Ferien – z.T.
unter Einbeziehung von Unterrichtstagen – durchgeführten Studienreisen nach
Polen und in die Türkei. Aus beiden haben sich dann die
Austauschkonzeptionen entwickelt. An den Reisen sollen Schüler und
Schülerinnen der gesamten Oberstufe und eventuell ab Klasse 10 sowie einige
Lehrer und Lehrerinnen teilnehmen können. In einer besonderen Arbeitsgruppe
werden die Reisen organisatorisch und inhaltlich vor- und nachbereitet; wenn
möglich wird eine Reisedokumentation angefertigt. Der fehlende Bezug zu
einer Kursthematik und den entsprechenden Lernzielen wird ersetzt durch eine
eindeutig starke Motivation während der Teilnahme, eine individuelle Öffnung
für andere Wahrnehmungen. Dieses Prinzip, das im hohem Maße auch
außerschulisches Lernen bedeutet, wird beim Schüleraustausch noch verstärkt
und soll bei diesem Thema dann besprochen werden.
Die Reise 1977
verlief so erfolgreich, daß auch für 1978 sofort eine weitere Reise geplant
wurde, die dann aber bis 1979 verschoben werden mußte. Bei dieser Reise kam
durch die Vermittlung des polnischen Jugendreisebüros JUVENTUR ein Kontakt
mit unserer späteren Partnerschule zustande. Die Schule empfing uns sehr
herzlich, und spontan wurde beiderseits die Frage eines Schüleraustausches
erörtert. Zunächst war es wohl mehr ein Wunsch, ohne die Realisierbarkeit
überhaupt abschätzen zu können.
Zum
entscheidenden Faktor wurde dann der Abschluß des Partnerschaftsvertrages
zwischen Hannover und Poznań sowie auch die Gründung der Deutsch-Polnischen
Gesellschaft Hannover, der mehrere Kollegen und Kolleginnen der
Bismarckschule angehören. Es ist jetzt müßig, all die Bemühungen und Ansätze
nachzuzeichnen, die dann zum Abschluß des Partnerschaftsvertrages der beiden
Schulen führten. Wesentlich aber war – und dies ist ein immer wieder zu
beobachtender Faktor in der Zusammenarbeit mit einem sozialistischen und in
hohem Maße bürokratisierten Land – ein außergewöhnliches Maß an
Durchsetzungsvermögen und Hartnäckigkeit unsererseits. Glücklicherweise ist
die Situation im Jahre 1989 sehr stark erleichtert; einige wichtige
Problemebenen sollen aber skizziert werden:
Die bestehenden
Hemmnisse sind im wesentlichen politischer Art. Es waren sowohl innen- als
auch außenpolitische Gründe, die die polnischen Behörden bewegten, äußerst
zurückhaltend in Fragen eines Schüleraustausches zu sein. In den siebziger
Jahren hatte es bereits einige wenige Ansätze gegeben, daß auch polnische
Schülergruppen die Bundesrepublik besucht hatten. Zumeist handelte es sich
aber um einmalige Angelegenheiten. In einem Falle wurde die Polenreise einer
Hamburger Schule, die an sich sehr erfolgreich war, von einer begleitenden
Journalistin nachträglich aber in einer Illustrierten völlig instinktlos,
unqualifiziert und sogar mit – möglicherweise ungewolltem – revanchistischem
Unterton beschrieben. Der Bericht wurde uns in Polen gezeigt, und es wurde
uns klar gemacht, daß man sich das keinesfalls bieten lassen könne. Diese
Ereignisse hatten zum Abbruch des Schüleraustausches geführt. Die Warschauer
Behörden erteilten unter diesen Umständen keine Genehmigungen mehr.
Ein weiteres
Hindernis war der offenkundige Druck auf das polnische
Volksbildungsministerium sowie das Außenministerium, der durch die DDR
ausgeübt wurde. Es gab in den siebziger Jahren umfangreiche
Austauschprogramme zwischen Polen und der DDR auf vielen Ebenen. Der DDR
waren die sich anbahnenden Kontakte mit uns ein Dorn im Auge, und sie
versuchte mit allen Mitteln, diese zu hintertreiben.
In der polnischen
Staats- und Parteiführung dominierten damals noch die sogenannten
„Betonköpfe", die keinerlei Interesse an den Kontakten Jugendlicher mit der
Bundesrepublik hatten. Sie fürchteten sicherlich um ihren Einfluß, ja
Machterhalt; die Bestätigungen haben sich dafür ja in den vergangenen Jahren
ergeben. Die Denkkategorien des „Kalten Krieges" dominierten noch.
Andererseits gab
es in Polen Kräfte, die, als Fachleute hochqualifiziert, aus
unterschiedlichen Motiven heraus eine Hinwendung zum Westen als notwendig
erachteten. Es waren Technologen, Ökonomen, Geisteswissenschaftler,
Journalisten – vor allem diejenigen, die an Reformentwürfen arbeiteten. Sie
hatten die Reformdiskussionen in der Bundesrepublik studiert und erkannt,
daß nur durch qualitative Reformen eine positive Entwicklung möglich wäre.
Der persönliche Kontakt zu diesen Fachleuten, die an wichtigen
Entscheidungsprozessen mitwirkten, entwickelte sich sehr kollegial und zum
Teil auch privat sehr herzlich. Gleiches ist zum Beispiel auch von den
Teilnehmern der Schulbuchkonferenzen zu sagen.
Da sämtliche uns
betreffenden Entscheidungen aber auf höchster Ebene fielen, das heißt im
Politbüro und der Parteispitze, konnten sich die zuständigen Fachleute in
den Ministerien und weiteren nachgeordneten Behörden der Schulbürokratie
nicht durchsetzen.
Es war für uns
ein glücklicher Umstand, daß 1979 nach Abschluß des Partnerschaftsvertrages
Hannover-Poznań ein Austausch- und gemeinsames Arbeitsprogramm der beiden
Städte beschlossen wurde. In dieses erste Programm wurde nun der
Schüleraustausch der Bismarckschule mit dem V. Liceum einbezogen. Dies
geschah durch die besondere Unterstützung von Oberbürgermeister Schmalstieg
(Hannover) und Stadtpräsident Sleboda (Poznań ). Vorausgegangen waren
direkte Gespräche des Schulleiters der Bismarckschule Hannover mit dem
Leiter der Partnerschule und dem dortigen Kurator (Oberschulrat) sowie mit
dem Vizepräsidenten der Stadtverwaltung in Poznań .
Ein gravierendes
Problem war die Unterbringung. Es wurde vereinbart, daß die Gruppen jeweils
in einer Jugendherberge oder einem Jugendheim wohnen sollten. Dies war
damals unumgänglich, da die Unterbringung der deutschen Schüler von der
polnischen Seite aufgrund der oft zu kleinen Wohnungen als schwierig
angesehen wurde. Der eigentliche Grund waren aber die starken
grundsätzlichen Vorbehalte einiger politischer Kreise in Polen, die durch
die Unterbringung im Jugendheim beschwichtigt wurden. Unser Ziel war aber
von Anfang an der echte Austausch, das heißt: auch das Wohnen in den
Familien der gastgebenden Schule.
Da dies vorerst
nicht möglich war, reservierten wir in Hannover in einem Jugendheim, in dem
auch eine Beköstigung erfolgen konnte, die entsprechende Anzahl Zimmer für
den vorgesehenen Zeitraum im Juni 1981. Ein Plan für den zwölftägigen
Aufenthalt wurde erstellt. Wir gingen dabei von folgenden Gesichtspunkten
aus:
1. Die
polnischen Schüler sollten so oft wie möglich am Unterricht in der
Bismarckschule teilnehmen. Diese Schüler, die Deutsch als zweite
Fremdsprache mit sechs Wochenstunden erlernen, sollten natürlich in erster
Linie Deutsch sprechen und hören. Dies war der primäre Wunsch der
polnischen Lehrer. Diesem Wunsch konnte aber nur durch die Teilnahme auch
an allen Fächern der Aufgabenfelder B und C entsprochen werden. Gerade die
sogenannten Sachfächer eignen sich aufgrund ihrer im hohem Maße
beschreibenden Sprache sowie der Verwendung der – bekannten –
Symbolsprachen sehr gut. Da in Polen Russisch erste Pflichtfremdsprache
ist und diese Fremdsprache auch an der Bismarckschule als zweite
Pflichtfremdsprache unterrichtet wird, wurde auch dieser Unterricht [und
teilweise auch der Englischunterricht] besucht. Die polnischen Schüler
nahmen dann auch an fast allen Unterrichtsfächern teil.
2. Es sollte
ein Programm erstellt werden, um nach landeskundlichen Kriterien Hannover
und seine Umgebung kennenzulernen. Wir entschieden uns für eine
Besichtigung eines Industriebetriebes (VW-Werk), den Besuch einiger
Stadtteile sowie einen Ausflug in die Nachbarstadt Hildesheim. Ein Empfang
beim Oberbürgermeister und ein Gespräch über die Kommunalpolitik wurden
ebenfalls eingeplant.
3. In weiteren
Veranstaltungsbesuchen sollten die Gäste Hannovers vielfältiges
Kulturprogramm kennenlernen.
4. Es sollte –
trotz der organisatorischen Hemmnisse – ein intensiver Kontakt der Gäste
mit den Schülern und Schülerinnen der Bismarckschule und ihren Familien
möglich sein. Zu diesem Zweck erklärten sich interessierte Schülerinnen
und Schüler der Bismarckschule bereit, die Betreuung von jeweils einem
polnischen Schüler oder einer Schülerin zu übernehmen. Dies bedeutete, daß
alle außerschulischen Aktivitäten und Programmpunkte mit der polnischen
Gruppe und einigen hannoverschen Schülern gemeinsam abliefen. Daneben gab
es ausreichend Freizeit, bei der die Schülerinnen und Schüler nach eigenem
Ermessen ein Programm erstellten, die Stadt besuchten oder die Gäste
einzeln oder in kleinen Gruppen privat einluden.
Letztere Aussagen
beziehen sich aber noch nicht auf das Jahr 1981. Nachdem nämlich im April
1981 bei einem Besuch in Poznań noch zugesichert worden war, daß die Gruppe
im Juni kommen könne, erfolgte wenige Wochen vor dem vereinbarten Termin die
Absage. Die Krise hatte sich in Polen verschärft, und die mündlich
zugesagten Genehmigungen wurden in Warschau zurückgezogen.
An diesem und dem
folgenden Beispiel wird die Einbeziehung der innerpolnischen Problematik wie
auch der deutsch-polnischen Konfliktbereiche deutlich.
Die Ausrufung des
Kriegszustandes am 13. Dezember 1981 hieß für uns zunächst einmal, die
Hoffnung aufzugeben, in absehbarer Zeit den Schüleraustausch zustande zu
bringen. Nach wenigen Monaten ergaben sich aber schon wieder einige
Kontakte. Die Drähte zwischen den beiden Stadtverwaltungen waren ohnehin
nicht abgerissen und nur durch das Kappen der Telefonleitungen erschwert.
Auch der Kontakt zur Polnischen Botschaft in Köln war für die Hannoveraner
weiterhin sehr gut. Es sei an dieser Stelle die sehr kollegiale
Zusammenarbeit mit der Botschaft der Volksrepublik Polen hervorgehoben. Man
bemühte sich dort in außerordentlicher Weise, den eingeschlagenen Weg der
Normalisierung fortzuführen und tat für uns alles, was im Rahmen der
Situation möglich war.
Im April 1982
bekamen wir bereits die Nachricht, daß der 1981 um ein Jahr verschobene
Schüleraustausch auch im Juni 1982 stattfinden könne. Die polnischen
Schülerinnen und Schüler würden kommen. Trotz gewisser Skepsis liefen alle
Vorbereitungen an. Leider erfolgte wieder eine Absage, deren Begründung mit
den Schwierigkeiten der gegebenen Situation von uns nachvollzogen werden
konnte.
Während die
Bedingungen des Kriegszustandes nach und nach gelockert wurden – bis zur
endgültigen Suspendierung am 22. Juli 1983 – und nun polnischerseits die
Voraussetzungen wieder gegeben waren, verschlechterten sich jedoch die
deutsch-polnischen Beziehungen im Laufe des Jahres 1983. Die Kontakte der
beiden Partnerstädte und der beiden Partnerschulen blieben davon unberührt.
In mehreren Gesprächen wurde ein Vertrag zwischen den beiden Schulen
abgeschlossen. Der Vertrag sieht einen Austausch von Schülern und Lehrern,
aber auch die kontinuierliche Förderung des Deutschunterrichts in Poznań
durch Lehrmittel und Medien vor, die aus einem Spezialfond des Fördervereins
der Elternschaft der Bismarckschule finanziert werden. Außerdem sollte die
Lehrerausbildung an beiden Schulen mit einbezogen werden.
Auch der Kontakt
der Lehrer und Lehrerinnen von Hannover und Poznań hat sich als sehr
fruchtbar erwiesen.
Zunächst waren
die Deutschlehrerinnen aus Poznań beteiligt, dann aber auch die
Fachlehrerinnen für die Fremdsprachen Russisch, Englisch und Französisch. In
diesen Fachbereichen – wie überhaupt überwiegend in Polen – unterrichten an
unserer Partnerschule nur Frauen. Den Fremdsprachlerinnen ging es vor allem
um die modernen Methodiken im Unterricht der deutschen Schulen. Aber auch
andere Fachlehrer aus Poznań haben von der Begegnung mit der Bismarckschule
profitiert. Andererseits haben gleich viele Kolleginnen und Kollegen der
Bismarckschule das V. Liceum besucht und ihrerseits vom Meinungsaustausch
hohen Gewinn gehabt. Zur Zeit lehrt erstmals an einer polnischen Schule eine
Lehrerin aus der BRD durch unsere Vermittlung an unserer Partnerschule in
Poznań für mindestens zwei Jahre als „Assistent Teacher" das Fach Deutsch.
Auch diese Seite der UNESCO-Arbeit ist wesentlich und muß hervorgehoben
werden.
Eine weitere
Ergänzung erfuhr die Schulpartnerschaft zwischen dem Seminar für Deutsche
Literatur und Sprache der Universität Hannover und dem Institut für
Germanische Philologie der Adam-Mickiewicz-Universität (UAM) in Poznań .
Dies war vor allem für die polnischen Partner wichtig, da die
Lehrerausbildung dort in der zweiten Phase im Kontakt zwischen der
Ausbildungsschule und der Universität erfolgt.
Beim
Zustandekommen des Austausches 1983 waren die Germanisten der UAM sehr
behilflich. Insbesondere der damalige Institutsdirektor, Professor Orłowski,
hat sich in entscheidender Weise eingesetzt und organisatorisch geholfen.
Im September 1983
reiste nun eine Schülergruppe für zwölf Tage nach Poznań . Die Unterbringung
erfolgte im Studentenheim, die Beköstigung aber in der Schule. Alles war
kompliziert und für unsere Verhältnisse mühevoll. Teilweise wurde es mit
Humor, teilweise aber auch mit Beklemmung aufgenommen – lernten wir doch, in
Ansätzen zumindest, den polnischen Alltag kennen.
Die Zielsetzungen
der polnischen Kollegen waren nicht deckungsgleich mit unseren. Beides stand
aber in gewisser Beziehung zueinander! Die polnischen Gastgeber stellten uns
eine gut funktionierende Schule vor. Daß der Schulbesuch dort in der Regel
in zwei Schichten abläuft, sei nur am Rande erwähnt. Schulraumknappheit
wegen des starken Bevölkerungswachstums erzwingt dies.
Wie üblich wurde
uns die ganze Schule gezeigt, auch das Zahnarztzimmer, um dessen Tür die
polnischen Schülerinnen und Schüler immer einen großen Bogen machten. Die
Schule ist für polnische Verhältnisse modern ausgestattet und bietet auch
für die Freizeitgestaltung sehr viel. Uns wurde nichts vorenthalten, und wir
nahmen jeweils in kleinen Gruppen am Unterricht teil. Nachmittags war dann
ein umfangreiches Besuchsprogramm vorgesehen, das aber auch bei bester
physischer Konstitution nicht durchgehalten werden konnte. Hinzu kamen
nämlich die Einladungen am Abend. Die Gastgeber rissen sich geradezu darum,
die deutschen Gäste, jeweils in kleinen Gruppen, privat einzuladen. Auch in
diesem Zusammenhang ergaben sich eine Fülle von Eindrücken und Erfahrungen.
Näheres dazu ist einer gesonderten Darstellung vorbehalten. Posen wurde uns
als Stadt der Kultur dargestellt und als eine Stätte, die zusammen mit
Gnesen bis zu den historischen Wurzeln des polnischen Staates zurückzuführen
ist. Der gesamte Aufenthalt war einschließlich seiner Vor- und Nachbereitung
für Schüler und Lehrer die praktische Umsetzung und Erfüllung des
UNESCO-Gedankens.
Zur Problematik und Auswertung des Austausches
Es lassen sich
verschiedene Problemebenen herausarbeiten und zum Teil weiter untergliedern.
Da sind zunächst einmal die politischen Rahmenbedingungen, die bis dato eine
wesentliche Rolle spielten und deshalb auch zu Beginn der Skizzierung des
Zustandekommens dieser Partnerschaft erwähnt wurden. Für uns war es dabei
ein wesentliches Ziel, die Schüler zur Wahrnehmung solcher politischer
Zusammenhänge und ihrer sozialen Auswirkungen zu sensibilisieren.
Ansatzpunkte ergaben sich genügend und sind mit Sicherheit auch in der
Zukunft zu erwarten, wenn auch mit gewissen Verlagerungen. Es ergibt sich
die Konfrontierung mit der DDR, da sie im Transit mit der Eisenbahn
durchfahren werden muß. Die sich ergebenden Fragen können aber nur skizziert
werden. Gleichwohl war und ist es Aufgabe des Lehrers, dann beim Geschehen
sozusagen vor Ort Erklärungen zu geben oder Problematisierungen vorzunehmen.
Grenzkontrollen,
Visa, die Spannungen angesichts der „Kontrollorgane der DDR", die damals
zwar korrekt auftraten, aber noch unangenehm wirkten. Man kann davon
ausgehen, daß die Transitreisenden alle schon diese Erfahrungen gemacht
haben. Interessant waren trotzdem die Fragen der „Kontrollorgane", warum man
denn nach Polen führe. Im Tonfall schwang unverkennbar eine gewisse
Herablassung mit. Durchfahrt durch Berlin mit langem Warten und Blick auf
die Mauer und die weiteren Grenzanlagen. Dann in Frankfurt/Oder wieder die
bewachte Grenze seitens der DDR.
In Polen ergaben
sich Berührungspunkte zur Politik in geringerem Maße. Man muß aber sagen,
daß in diesem Zusammenhang die Sensibilisierung eine wesentliche Rolle
spielt.
Die polnischen
Schüler informierten uns natürlich über die damals verbotene Solidarność
und den wenige Monate zuvor erfolgten Papstbesuch: ein Politikum ersten
Ranges – gewollt und auch verstanden.
Die
Versorgungsmängel ergaben zwangsläufig Diskussionen über die Wirtschaft
beider Länder. Die oft neidlose Anerkennung und Bewunderung durch junge
Polen kann Beklemmungen hervorrufen und muß in intensiven Gesprächen durch
den Lehrer aufgefangen werden.
Der politische
oder sozio-ökonomische Gesichtspunkt sollte auf keinen Fall in der Erwartung
des Lehrers überbewertet werden. Bei allen Begegnungen stellt sich nämlich
heraus, daß es sich bei den Schülern und Schülerinnen dieser beiden Länder
um Jugendliche handelt, die völlig identische Probleme, Wünsche, Sorgen und
Wertvorstellungen haben. Dieser Gesichtspunkt aber, bei dem am Ende der
Begegnung die Erkenntnis der „Normalität" und der individuellen Sympathie
oder auch Antipathie steht, ist doch das, was wir mit dem UNESCO-Gedanken
als allererstes erreichen wollen. Der Versuch, politisch zu diskutieren,
sollte vom begleitenden Lehrer sehr behutsam und zurückhaltend umgesetzt
werden. Auf der anderen Seite ergeben sich nämlich eine Fülle von
Individualerfahrungen, die ihrerseits durchaus gesellschaftspolitisch
interpretiert werden können. Es genügt dabei, die Summe der
Schülererfahrungen zu sammeln und in Ruhe zu besprechen.
Ein Beispiel:
Einer unserer Schüler wollte gern eine „Prawda" haben. Am Kiosk konnte er
keine bekommen. Er bat also seinen am Abend zuvor gewonnenen Freund, ihm
eine bei einem Kiosk zu besorgen. Der polnische Schüler reagierte eisig und
wollte um keinen Preis diesen kleinen Dienst leisten. Nach massiven Bitten
tat er es doch. Eine Verkäuferin am Kiosk kramte dann den Stapel der
druckfrischen „Prawda" hervor; man erkannte, daß offensichtlich monatelang
kein Exemplar verkauft worden war und die Zeitungspakete ungeöffnet dem
Altpapier zugeführt worden waren. Unser Schüler klemmte sich die „Prawda"
unter den Arm und schritt fröhlich von dannen. Mehrere Passanten haben ihn
angerempelt und beschimpft. Die polnischen Schüler, die ihn begleiteten,
haben nicht alle polnischen Schimpfworte übersetzen wollen oder können.
Eine Episode am
Rande, aber doch typisch. Die polnischen Schüler diskutierten nicht über die
Sowjetunion. Auf dieses brisante Thema ging man nur mit abfälligen Witzen
und aggressiven Bemerkungen ein oder man schwieg bewußt.
Über die
innerpolnischen Probleme wurden aber ungeniert die Meinungen ausgetauscht,
und man erzählte ohne jegliche Hemmungen. Ein Politikum erfuhren unsere
Schüler über das Verhältnis der polnischen Jugend zur Kirche. Eine Reflexion
würde jetzt den Rahmen sprengen. Es ist aber völlig anders als das
oberflächliche oder kritisch-distanzierte Verhältnis der großen Mehrheit
unserer Schüler zu den Kirchen.
Ein wichtiges
Politikum ist die Begegnung mit der Geschichte, und zwar mit der eigenen
deutsch-polnischen Vergangenheit.
Es sind zwei
Epochen der gemeinsamen Geschichte, die von wesentlicher Bedeutung sind: Die
Zeit der Teilungen, also der Nichtexistenz des polnischen Staates von 1795
bis 1919, und die Zeit der Okkupation von 1939 bis 1945. Beide stehen in
einem inneren Zusammenhang, bedeuteten sie doch den Abwehrkampf der Polen um
die Existenz ihres Staates und ihrer Nation. Es ist nun unbedingt nötig, in
einer Vorbereitungsphase die Rolle und Praxis der preußisch-deutschen
Politik, vor allem nach der Reichsgründung 1871, zu klären. Es sei hier
erinnert an die Germanisierungspolitik unter Bismarck, die Ansiedlung und
Privilegierung von Deutschen und die Unterdrückungsmaßnahmen gegenüber den
Polen in ihrer eigenen Heimat.
All diese Dinge
sind den polnischen Schülern sehr wohl bekannt. Sie reagieren mit völligem
Unverständnis, wenn sich in Gesprächen auch historische Bezüge im
Spannungsfeld zwischen Polen und Deutschen ergeben und manche unserer
Schüler kaum wissen, wer Friedrich der Große war, oder wenn sie die
ehemaligen preußischen Provinzen mangels ausreichender Kenntnisse nicht
bezüglich dieses deutsch-polnischen Problems sehen.
Zeugen des
Abwehrkampfes des polnischen Bürgertums gegenüber Preußen kann man in Posen
ausreichend finden: Das kleine, damals polnische Theater in der Nähe des
größeren, ehemals deutschen Theaters; die Raczynski-Bibliothek, ein schöner,
im klassizistischen Stil errichteter Bau; dann die Cegielski-Werke, die von
dem damaligen Gymnasiallehrer für Griechisch und Latein Cegielski als
Konkurrenz zu den deutschen und jüdischen Firmen gegründet wurden; ferner
das frühere Palais des Kronprinzen und dann die vielen Villen und zum Teil
protzigen Häuser aus der preußischen Zeit.
Neben diesem
Abwehrkampf, der zur Jahreswende 1918/19 zum sogenannten „Großpolnischen
Aufstand" führte, ist es dann der Widerstandskampf während der
Okkupationszeit. Es war ein Kampf gegen die physische und psychische
Vernichtung des polnischen Volkes. Leider sind die Kenntnisse unserer
Schüler über den begonnenen polnischen „Holocaust" zumeist sehr gering. Da
im Schulunterricht bezüglich des Zweiten Weltkrieges im Rahmenthema
Nationalsozialismus in der Regel andere Akzente gesetzt werden, ist das
Wissen der Schüler oft Anekdotenwissen der Eltern und Großeltern und
manchmal gar die unverfälschte Reproduktion der Vorurteile, die einmal von
der Nazipropaganda geprägt worden sind.
Es ist nötig,
auch diese Dinge anzusprechen, denn in jeder polnischen Stadt gibt es Zeugen
dieser Zeit, mit denen die Schülerinnen und Schüler konfrontiert werden.
Ich nenne nur die
wenigsten: in Warschau das Pawiak-(Gestapo-)Gefängnis, das Ghettodenkmal und
den Wiederaufbau der systematisch zerstörten Altstadt, in Danzig die
Westerplatte, in Łódź die Gedenkstätte des „Kinder-KZ" und das
Gestapo-Gefängnis „Radegast", in Lublin das KZ Majdanek; und die anderen KZ
mit ihren Gedenkstätten: Stutthof auf dem Gebiet des ehemaligen Freistaates
Danzig, Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Sobibor und Belzec, Kulmhof, an der
Europastraße zwischen Warschau und Posen gelegen, und Groß Rosen östlich von
Breslau.
In jeder Stadt
gibt es Gedenktafeln für ermordete Bürger und Widerstandskämpfer. Man muß
die Schüler unbedingt auf diese Dinge vorbereiten. Sie müssen vorher Zeit
haben, über die Begriffe Schuld, Verantwortung und Versöhnung nachzudenken
und zu sprechen. Die gesamte Problematik kann ihnen erst bewußt werden, wenn
sie dann in Posen auf dem Gelände der ehemaligen Festung stehen, von den
Tausenden Gefallenen erfahren und die Grabreihen sehen.
Diese
schockartige Konfrontation mit der Geschichte ist zugleich, so makaber es
klingt, ein didaktisch sinnvoller Ansatz, über die Problematik der
Geschichte und auch über Geschichtsbewußtsein zu sprechen. Zusammen mit der
Nachbereitung ergeben sich dann erst die tiefgehenden Eindrücke und der
Lernerfolg.
Wir haben
bezüglich der Begegnung mit der Geschichte die günstige Möglichkeit, weite
Bereiche der deutschen und polnischen Geschichte deutlich zu machen.
Gleichzeitig ergibt sich aber auch die zwingende Notwendigkeit zur
intensiven Vor- und Nachbereitung.
Es wären nicht
nur vertane Chancen: es wäre eine Brüskierung von Gastgebern, mit
unvorbereiteten Jugendgruppen nach Polen zu reisen. Solche Reisegruppen, die
aus vielen Ländern anzutreffen sind, gewinnen leider zu oft falsche und für
uns peinliche Eindrücke und nehmen dann leicht diese falschverstandenen
Erkenntnisse mit nach Hause. Bei diesen Jugendlichen spielt das „Ghetto" des
billigen Luxushotels [da es einfach zu wenige einfache
Unterkunftsmöglichkeiten für die vielen Jugendreisegruppen gibt] und der
billig zu erwerbende Alkohol eine Rolle.
Gerade in den
Berührungspunkten zur Geschichte wird deutlich, daß die UNESCO ja nach dem
Kriege gegründet wurde, um im internationalen Erziehungsprozeß der Jugend
mit Hilfe von Begegnungen die Probleme der Völkervernichtung und des Hasses
zu bewältigen und die Weichen für die Zukunft eines friedlichen Miteinanders
zu stellen. Diesem zentralen Anliegen der UNESCO kann in Polen vor allem
auch für uns Deutsche wie kaum in einem anderen Lande, vielleicht mit
Ausnahme noch von Israel und der Sowjetunion, Rechnung getragen werden.
Die pädagogische
Situation in polnischen Schulen
Die pädagogischen
Probleme, die im Bereich einer polnischen Schule sichtbar werden, sollen nur
kurz angesprochen werden. Das Schüler-Lehrer-Verhältnis ist eher als
traditionell anzusehen. Direktor, Lehrer und Lehrerinnen gelten als
Respektspersonen und werden auch mit „Herr Direktor" oder „Frau Professor"
angeredet. Der Unterricht läuft in hohem Maße als Frontalunterricht ab.
Ansätze zu einer Mitbeteiligung der Schüler an der Unterrichtsplanung und
-gestaltung gibt es kaum. Die Reformdiskussion der sechziger und siebziger
Jahre in Westeuropa ist an der Schulwirklichkeit in Polen spurlos
vorübergegangen, und es hat keine Versuche zu einer entsprechenden Reform
gegeben. Gleichwohl wurden alle Reformen von Expertengremien beobachtet und
ausgewertet. Das Problem der Nichtumsetzung lag in der Starrheit des
bürokratischen Systems, des politischen Dogmatismus bzw. der eindeutigen
Reformunfähigkeit des realen Sozialismus. Alle wesentlichen politischen und
sozialen Reformen in Polen mußten ertrotzt werden, und das gelang nur in
Schwächephasen des Staates.
Andererseits muß
man die ungeheuer schwierigen Aufbauphasen nach dem Kriege sehen. Polen
hatte das Problem, überhaupt ein leistungsfähiges Bildungssystem zu
entwickeln, und das ist im wesentlichen gelungen! Die Frage nach Reformen
wird denn auch nicht als so gravierend angesehen.
Hinzu kommt, daß
die einzige wesentliche oppositionelle Kraft, die katholische Kirche, in
ihrem Wesen als stockkonservativ gilt und unter allen katholischen Kirchen
in Europa wohl eher als reformfeindlich einzustufen ist. Aber auch dieses
hat wiederum Gründe, die aus der spezifischen Geschichte des Landes
abzuleiten sind.
Bei aller
berechtigten Kritik muß man in Polen sehr vorsichtig sein mit Werturteilen,
die westliche Maßstäbe zum Vergleich anlegen! Aber auch dies gehört zu den
Erfahrungen, die in Polen gemacht werden. Das bedeutet bei Schülerreisen
nach Polen für den begleitenden Lehrer ein hohes Maß an Aufnahmebereitschaft
und sehr viel Geschick, die Schülerinnen und Schüler zu sensibilisieren.
Man sollte das
intensive Gespräch mit den polnischen Kollegen und Kolleginnen suchen.
Übrigens unterrichten kaum Männer in den Schulen. Bei den Gesprächen sind
die gegenseitigen Erwartungen und Wünsche nicht deckungsgleich. Für die
polnischen Lehrerinnen und Lehrer steht die Information im Vordergrund. Sie
möchten von der moderneren Methodik und den Erfahrungen in unseren Schulen
profitieren. Dem sollte man unbedingt durch Bücher über Didaktik und
Methodik der einzelnen Unterrichtsfächer als mitzubringende Geschenke
Rechnung tragen. Für uns bundesdeutsche Lehrer steht dann oft die Diskussion
über eine bestimmte uns sichtbare Problematik im Vordergrund. Dieser Ansatz
zu einer kritischen Reflexion hat aber in der Ausbildung und Praxis des
Lehrerberufes in Polen nicht den gleichen Stellenwert wie bei uns. Konkret:
Über die Anweisung des Herrn Direktors wird eben nicht diskutiert, sondern
im Lehrerzimmer geschimpft. Einen Personalrat gibt es natürlich auch nicht.
In den Jahren
1980/81 hatte die SolidarnoÑ ƒ -Gruppe einer Schule eine gewisse
Kontrollfunktion wahrgenommen. Nach Zerschlagung dieser unabhängigen
Gewerkschaft blieb alles wieder beim Alten. Es ist ungeheuerlich, welche
Chancen das kommunistische System stalinistischer Prägung in diesem
Zusammenhang nicht nur vertan, sondern sogar zerschlagen hat. Diese
Zerstörung einer politischen Kultur, die in der Zeit der Aufklärung begann
und neu in den sozialen und politischen Bewegungen des 19. und 20.
Jahrhunderts weiterentwickelt wurde, wird erst jetzt wieder durch
Basisbewegungen reaktiviert. Die Chancen, die der reale Sozialismus gehabt
hat, sind auf Generationen vertan.
Dies muß man
wissen, um Reaktionen von Lehrern und Schülern, Meinungsäußerungen etc.
richtig verstehen zu können. In diesem Zusammenhang steht auch die geradezu
verklärte Betrachtung des Westens und die totale Verdammung alles Eigenen.
Jahrelange, zum Teil primitive Propaganda hat das genaue Gegenteil dessen
bewirkt, was sie eigentlich erreichen wollte. Dies führte aber nicht nur zu
einer Nichtreflexion, sondern sogar zu einer emotionalen Ablehnung all
dessen, was irgendwie mit dem Staat und dem politischen System
zusammenhängt. Das hat zur Konsequenz, daß auch unbestritten positive
Leistungen, die Aufbauleistungen in diesem am schwersten durch den Krieg
betroffenen Land, von den Bürgern nicht mehr wahrgenommen oder gar „in Grund
und Boden verdammt" werden. All diese Irrationalitäten sind Ausdruck und
Mitverursacher der Sozialpathologie. Die Verfahrenheit der gesamten
Situation, die nach ökonomischen Kriterien totale Hoffnungslosigkeit und
andererseits die gegenwärtige völlig irrationale Euphorie machen dieses Land
immer wieder interessant.
Es ist zu
empfehlen, in Auswertungsgesprächen die Schüler längere Phasen erzählen zu
lassen. Nicht nur, um manche Sachverhalte zu klären, sondern auch, um den
Hang unserer Schüler zur Überheblichkeit – ein seit Jahren sich
entwickelndes bundesdeutsches Phänomen – einzudämmen. Die Überheblichkeit
aufgrund der westdeutschen ökonomischen Stärke erscheint uns zusammen mit
der neuen Reproduktion klassischer deutscher Vorurteile das entscheidende
Problem der gegenwärtigen jungen Generation im Zusammenhang mit den
östlichen Nachbarländern der BRD, vor allem in Bezug auf Polen, zu sein.
Übrigens gibt es bei Jugendlichen aus der DDR gegenüber Polen ähnliche
Erscheinungen. Wir können jedoch aufgrund unserer langjährigen Erfahrung in
diesen skizzierten Problembereichen von positiven Ergebnissen sprechen –
aber: die Problematik muß uns Lehrern bewußt sein.
Der Gegenbesuch der polnischen Schüler
Nun zum
Gegenbesuch der polnischen Schüler: Vorab müssen wir feststellen, daß uns
ein riesengroßer Stein vom Herzen fiel, als wir hannoverschen Kollegen die
polnischen Schüler und Lehrer und den Herrn Direktor am Bahnhof in Helmstedt
im Empfang nahmen, um gemeinsam mit dem Bus nach Hannover zu fahren.
Die polnischen
Gäste konnten nämlich nicht, wie geplant und abgesprochen, ein Jahr später –
im September 1984 – nach Hannover kommen! Zunächst schlug die sogenannte
„Wende" in Bonn aufgrund gewisser Sonntagsreden, die wohl die
Dauermobilisierung des Potentials der Vertriebenenverbände zum Ziel hatten,
voll durch. Die politischen Fronten verhärteten sich, obgleich die
innenpolitischen Voraussetzungen in Polen durch den zunehmenden
Liberalisierungs- und Demokratisierungsprozeß an sich sehr positiv waren für
unsere gemeinsame UNESCO-Arbeit.
Die vorläufig
zugesagten Genehmigungen wurden in Warschau zurückgezogen, obwohl das
Volksbildungsministerium sich für die Fahrt ausgesprochen hatte; dort saßen
viele Reformer, die die gemeinsame Arbeit weiterhin selbstverständlich
unterstützen wollten. Im Außenministerium gab es eine positiv eingestellte,
starke Fraktion, vor allem im Bereich der Westexperten. Verhindert hat dann
die Fortführung des Schüleraustausches das sogenannte
Administrationsministerium, das während des Kriegszustandes gebildet worden
war und in dem die „Betonfraktion" dominierte. Inwieweit Druck aus der DDR
zur Verhinderung unserer Kontakte erfolgte, ist von dieser Stelle aus nicht
zu beurteilen. Man muß aber davon ausgehen, daß dieser permanent erfolgt,
wenngleich alle relevanten politischen Kräfte in Polen den Weg der
Unabhängigkeit von der Sowjetunion und der DDR in bezug auf die Westpolitik
beschritten und beschreiten.
Ab 1985 haben
dann alle am Zustandekommen Beteiligten politisch gekämpft, um diesen
Schüleraustausch nicht durch das dumme und unverantwortliche Gerede gewisser
Sonntagspolitiker in der Bundesrepublik und der Betonfraktion in Warschau
kaputt gehen zu lassen.
Politische Amts-
und Funktionsträger, vor allem in der Sozialdemokratischen Partei und der
F.D.P., setzten sich für uns ein. Auf polnischer Seite verdanken wir eine
wichtige Unterstützung dem damaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten
Rakówski. Der Oberbürgermeister von Hannover und der Stadtpräsident von
Poznań setzten sich ebenfalls nachdrücklich ein. Die Botschaft der
Volksrepublik Polen hat unser Bemühen ebenfalls sehr wohlwollend
unterstützt. Den entscheidenden Durchbruch hat dann aber eine Intervention
des ehemaligen Bremer Bürgermeisters Hans Koschnik als Vorsitzender des
interfraktionellen Polenausschusses im Bundestag beim ZK-Sekretär für
Auswärtiges im Politbüro im Dezember 1985 während der Brandt-Reise nach
Warschau zu unseren Gunsten verursacht.
Mit zwei Jahren
Verspätung – das deutsch-polnische Verhältnis hatte sich nach der Rede des
Bundespräsidenten zum Gedenktag des 8. Mai 1945 und dank der Bemühungen des
deutschen Außenministers und jetzt auch aller im Bundestag vertretenen
Parteien merklich entspannt – konnten wir die polnischen Gäste im September
1986 empfangen. Kleinere Pannen bei der Vorbereitung gehören zum polnischen
Alltag und sollen nicht extra erwähnt werden.
Die politische
Hintergrundproblematik wurde aber skizziert, um deutlich zu machen, daß
fruchtbare UNESCO-Arbeit in diesem europäischen Entspannungsprozeß mit
deutschen und polnischen Jugendlichen nur innerhalb der gegebenen
Rahmenbedingungen ablaufen kann. Leider ist ein Hemmschuh, der aufgrund
bundesdeutscher Kulturquerelen entstandene Kompromißbeschluß der
Kultusministerkonferenz von 1982, die „Perlenkette", d.h. die sogenannte
Grenze von 1937, auch auf physischen Landkarten für den Schulgebrauch zu
verzeichnen, noch immer nicht beseitigt. Die auch jetzt, 1989, am Vorabend
zum fünfzigsten Jahrestag des Kriegsbeginnes wieder hochgespielte unselige
Grenzdiskussion hat zur Folge, daß das Kulturabkommen mit Polen nach wie vor
auf Eis liegt und der Wunsch des Bundeskanzlers, noch zu seiner Amtszeit ein
Deutsch-Polnisches Jugendwerk zu gründen, als etwas zu optimistisch
einzustufen ist. Wir müssen akzeptieren, daß Polen seine Prinzipien hat und
diese trotz wirtschaftlicher Depression beibehält. Die Selbstachtung der
Polen läßt es nicht zu, daß sie sich verkaufen!
Also auch in
diesem Bereich spüren wir die Grenzen der UNESCO-Arbeit! Das bedeutet aber
nun nicht, daß die Arbeit behindert wird. Man muß sagen, daß alle
anstehenden Probleme einvernehmlich in sinnvollen Kompromissen geklärt
werden konnten.
Der
Schüleraustausch von 1986 kann kurz skizziert werden: An mehreren Tagen
erfolgte vormittags gemeinsamer Unterricht in der Bismarckschule. Daneben
wurde ein gemeinsames Besichtigungsprogramm abgewickelt. Zum offiziellen
Teil gehörte auch ein Empfang beim Oberbürgermeister, der unsere gemeinsame
Arbeit würdigte. Die Kultur kam ebenfalls nicht zu kurz, und außerdem gab es
intensive persönliche Kontakte. Am Abschluß der zwölf Tage waren alle
Beteiligten erschöpft aber glücklich. Wir hatten die Hoffnung, 1987 ohne
Probleme den Besuch erwidern zu können. Plötzlich kam aber von polnischer
Seite der Vorschlag, aus dem Schüleraustausch eine gemeinsame Ferienaktion
deutscher und polnischer Schüler an der Ostsee zu machen. Offensichtlich
hatten die gemeinsamen Gegner in der polnischen Politik wieder einen Versuch
gestartet, uns aus der Schule herauszudrängen und damit die langjährige
Arbeit zu blockieren. Wir sahen es so! Gemeinsam mit den polnischen Partnern
fanden wir einen sinnvollen Kompromiß: Wir vereinbarten, daß der
Schüleraustausch fortan themenorientiert ablaufen sollte, und zwar beim
Besuch und Gegenbesuch. Dies bedeutete, daß im September 1987 die
hannoversche Gruppe zunächst vier Tage gemeinsam mit den polnischen Schülern
an einem See bei Posen (im Warthe-Netze-Bereich) einen Segelkurs machen und
auch im Zeltlager gemeinsam wohnen sollte. Der enge Kontakt und die bewußt
primitive Unterbringung am See wurden als sehr positiv aufgenommen.
Anschließend fuhr man nach Poznań zum ersten Schultag nach den polnischen
Sommerferien. Dort liefen Unterrichts- und Begleitprogramm entsprechend ab.
Unsere Schüler erlebten noch eine sehr schöne Jubiläumsfeier in den
gemeinsamen Tagen. Die Unterbringung erfolgte dort in der Jugendherberge.
Beim Gegenbesuch
1988 fand zunächst – im Rahmenthema Sport – ein gemeinsames Zeltlager am
Steinhuder Meer statt, bei dem man Surfen und Segeln lernen konnte.
Anschließend kamen die Schüler in die Bismarckschule. Das etwas verkürzte
Programm entsprach dem vorhergehenden. Die Unterbringung erfolgte in der
Jugendherberge am Maschsee, so daß die polnischen Schüler zu Fuß die
Bismarckschule erreichen konnten. Das Maschseefest bildete einen Höhepunkt.
Für die Lehrer und Schüler an der Bismarckschule war der Schüleraustausch
mit Polen zu einem Stück Normalität und Routine geworden. Die Anstrengungen
und Belastungen hatten sich gelohnt.
Die für die Jahre
1989 und 1990 geplanten Fahrten stehen unter dem thematischen Aspekt
Geographie. Dies bedeutet, daß innerhalb der vorgesehenen zwölf Tage ein
gemeinsamer viertägiger Besuch der „Dreistadt" Gdańsk-Sopot-Gdynia
stattfindet. Dort sollen gemeinsam Studien unter stadtgeographischen,
ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten erfolgen. Wissenschaftler der
Universität Danzig haben sich gern zur Hilfestellung bereit erklärt.
Die restliche
Zeit wird wieder gemeinsam in Poznań verbracht. Novum ist, daß nun endlich
die Unterbringung in den Gastfamilien erfolgt. Damit ist in diesem
Zusammenhang unser Ziel erreicht und auch hier ein Stück Normalität unter
Freunden hergestellt.
Die Details des
Gegenbesuches sind noch nicht konzipiert. An dieser Stelle sei auch die hohe
Unterstützung durch die Stadt Hannover erwähnt, ohne die unter den gegebenen
Umständen der Schüleraustausch nicht hätte durchgeführt werden können. Dank
gebührt insbesondere dem Oberbürgermeister und den Kollegen im Kulturamt der
Stadt Hannover, das für die Kontakte mit Poznań zuständig ist.
Außerdem haben
wir wesentliche Hilfe und Unterstützung vom Deutschen Polen-Institut in
Darmstadt erhalten: Herr Dedecius hat sich persönlich dafür eingesetzt, daß
wir aus dem Fond des Herrn Bundespräsidenten von Weizsäcker erhebliche
Mittel für Ausflüge, Konzerte und Lehrmaterial als Starthilfe zur Verfügung
gestellt bekamen.
Nachbemerkungen für begleitende Lehrkräfte
Man sollte
möglichst jede nach Polen reisende Jugendgruppe gut vorbereiten; für
Schüleraustauschgruppen ist dies aber unabdingbar. Nähere Ausführungen dazu
sind in einem Aufsatz von meiner Kollegin Eva Helms und mir enthalten.
Wesentliche Punkte sind die Sensibilisierung für das Alltägliche sowie die
Bewußtmachung des „bei uns" Selbstverständlichen. Es ist wichtig, bekanntes
Wissen über Polen aus dem Geschichts- und Erdkundeunterricht zu wiederholen.
Weiterhin muß vorher und hinterher über die Problematik des
vorurteilsbesetzten Wissens gesprochen werden. Da in Polen „alles anders ist
als in der DDR", sollte man versuchen, die Schüler zur Aufnahme des Neuen
aufzuschließen bzw. spontane Schüleräußerungen während des Aufenthalts zu
sammeln und möglichst darüber zu sprechen.
Ein delikates
Problem sind die Fragen nach den Gastgeschenken. Schüler weigern sich oft,
Schokolade und Kaffee mitzunehmen, da sie nicht „Weihnachtsmann" spielen
wollen.
Man muß ihnen
dann sagen, daß jemand sich riesig und auch wirklich echt über ein solches
Mitbringsel freut, weil er es sich gegen Landeswährung nicht kaufen kann und
gegen US-Dollar nur zu horrenden Preisen! Wenn demnächst alle Waren,
abgesehen von den allernötigsten Grundnahrungsmitteln, nicht mehr
subventioniert werden und der Verkauf auch in Landeswährung möglich ist,
dann werden mit Sicherheit alle Preise über dem bundesdeutschen Niveau
liegen. Auch an diesen Beispielen kann man die Bitternis des völlig
abgesunkenen Lebensstandards deutlich machen.
Beim Besuch
polnischer Jugendlicher sollte man versuchen, z.B. im Rahmen einer
alternativen Stadtführung wie in Hannover, bei der auch die Stätten der KZ
und die Gräber ermordeter polnischer und russischer Zwangsarbeiter besucht
werden, oder auch durch eine gemeinsame Fahrt zur Gedenkstätte
Bergen-Belsen, eine spezifische Form der Betroffenheit angesichts der
Teilnahme von Angehörigen der Opfernation zu erreichen. Wir haben z.B. 1986
zusammen mit den polnischen Austauschschülern und gleichzeitig anwesenden
amerikanischen Austauschschülern Bergen-Belsen besucht; eine vollständige
Darstellung und Auswertung kann jetzt nicht vorgenommen werden. Nur eines:
Wir waren am Ende des Rundganges, als wir uns vor der Gedenkstätte trafen,
völlig unfähig, Worte für die Eindrücke und Gedanken zu finden. Wir haben
geschwiegen. Hier mußte dann der Lehrer das Schweigen angemessen durch
wenige Sätze beenden. Ich muß sagen, daß ich selten unter einer solchen
Spannung schweigend verharrt habe.
Ein
Anfangsproblem sollte noch erwähnt werden: Für die polnischen Schüler
bedeutet es eine sehr hohe Auszeichnung, in die Bundesrepublik fahren zu
dürfen. Die Auswahl stellt in der Regel eine Belohnung für sehr gute
Leistungen dar. Alle Schülerinnen und Schüler werden aber vorher
eindrücklich ermahnt, ihre Schule, ihre Stadt und ihr Land würdevoll zu
vertreten. Die polnischen Lehrerinnen legen dann – zumindest solange man
sich noch nicht so gut kennt – sehr viel Wert auf vorbildliches und
diszipliniertes Verhalten ihrer „Zöglinge". Man sollte also bei gemeinsamen
Veranstaltungen, bei denen es darum geht, gemeinsame Regeln aufzustellen und
einzuhalten oder auch das Ende einer abendlichen Veranstaltung festzulegen,
recht behutsam vorgehen. Wir hannoverschen Lehrer haben in solchen Fällen
vorgelebt, wie wir kollegiale Entscheidungsprozesse, auch zusammen mit dem
Schulleiter, durchführen und umsetzen. Hier hat sich aber inzwischen ein
völlig problemloses kollegiales Miteinander und Lernen voneinander ergeben.
Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt ist der Konsens im eigenen Kollegium. Ein
Schüleraustausch, vor allem in diesem sensiblen Bereich, ist nur möglich,
wenn er von einer breiten Mehrheit des Kollegiums und auch der Elternschaft
getragen wird. Außerdem gibt es an der Bismarckschule den Konsens, den
Schüleraustausch auf möglichst viele „Schultern" zu verteilen. Bisher sind
jeweils andere Kolleginnen und ein anderer Kollege zur Begleitung
mitgefahren. Gleiches gilt für den parallel ablaufenden Lehreraustausch, bei
dem pro Jahr eine kleinere Delegation von Lehrern und Lehrerinnen fährt oder
bei uns zu Gast ist. Diese wenige Tage dauernden Besuche dienen außerdem
jeweils der Vorbereitung des dann folgenden Besuches mit der Schülergruppe.
Wir erkennen inzwischen, daß vor allem im Zusammenhang mit den sinkenden
Schülerzahlen und den dadurch kleiner werdenden Schulen die Belastung
steigt. Dies hat zur Folge, daß wir die „Ermüdungen" spüren. Die Frage, ob
und inwieweit man alle Aktivitäten im vollen Umfange aufrecht erhalten kann,
ist nicht grundsätzlich zu klären. Neben Stundenentlastungen für besonders
belastete Kollegen und Kolleginnen bietet sich auf anderer Ebene eine
Kooperation mit einer anderen Schule an, die vielleicht noch keinen
Austausch praktiziert.
Bezüglich unseres
Türkeiaustausches kooperieren wir z.B. mit dem Gymnasium Bad Nenndorf.
Solche Regelungen sind gegebenenfalls zu erörtern. Auf keinen Fall aber
sollte man angesichts der für die Zukunft zu erwartenden sozialen Spannungen
in Europa und des Wachsens von Vorurteilspotentialen in der Bevölkerung von
einer sinkenden Bedeutung der UNESCO-Arbeit ausgehen. Noch ein Hinweis: In
der Bismarckschule wird gegenwärtig erwogen, Erfahrungsberichte über alle
Ansätze der UNESCO-Arbeit und auch über die frühere Arbeit seit den
fünfziger Jahren zusammenzustellen und zu veröffentlichen. Zu nennen wären
Aktivitäten bezüglich japanischer und afrikanischer Gruppen, ein Austausch
mit den USA sowie ein amerikanisch-europäisches UN-Projekt in Den Haag (THIMUN),
der laufende Finnlandaustausch und die Englanderfahrungen.
Lothar Nettelmann
III. Die
Türkei-Partnerschaft der Bismarckschule Hannover
1. Die Aufgaben der
TÜRKEI-AG im UNESCO-Club
Die aktuellen
Probleme, die eine ganze Generation in der Türkei prägen werden und die
damit auch für uns Deutsche Bedeutung erlangen werden, lassen es um so
wichtiger erscheinen, den ständigen Kontakt zwischen beiden Völkern und
Kulturen auch auf der unteren Ebene der persönlichen Bekanntschaft nicht
abreißen zu lassen, im Gegenteil: zu fördern und auszubauen. Hier fühlen
sich auch die UNESCO-Schulen angesprochen. Auch das türkische
Erziehungsministerium hat den Wert solcher Kontakte erkannt und unterstützt
Schulpartnerschaften mit deutschen Schulen. Gerade kürzlich hat das
türkische Ministerium mit dem niedersächsischen Kultusminister ein
Schwerpunktprogramm für Schulpartnerschaften vereinbart, in das sich die
Aktivitäten der Bismarckschule einpassen lassen. Von unserer Seite her
besteht auch der Wunsch, noch zu einem weiteren türkischen Gymnasium
Beziehungen aufzunehmen. Dabei würden wir ein weniger elitäres Gymnasium als
unsere jetzige Partnerschule, die Istanbul Lisesi, möglichst im ländlichen
Raum bevorzugen, um dadurch die Spannweite des türkischen Bildungswesens
erfahren zu können und eventuell auch konkretere Partnerschaftshilfe zu
betreiben, als es gegenüber einem gut ausgerüsteten Gymnasium in Istanbul,
das mit an der Spitze der jährlich ermittelten „Leistungsrangliste" der
türkischen Schulen steht, möglich und notwendig ist.
Die TÜRKEI-AG im
UNESCO-Club der Bismarckschule Hannover versucht, sich mit den Möglichkeiten
und Problemen von Schulpartnerschaften auseinanderzusetzen, und will die
Thematik „Türkeikontakte" einer breiteren Schulöffentlichkeit vermitteln. In
Arbeit mit Medien und Materialien werden die Grundzüge der Geschichte und
Landeskunde der Türkei erarbeitet. Darüber hinaus bietet die TÜRKEI-AG ihren
Mitgliedern die Möglichkeit, sich intensiv mit selbst gewählten
Schwerpunktthemen aus Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft oder Zeitgeschichte
zu beschäftigen, um daraus z.B. Berichte, Teile von Ausstellungen, Beiträge
zu Informationsveranstaltungen oder Erkundungsthemen für Türkeireisen
abzuleiten. Damit sind wir auch schon beim derzeitigen Hauptthema, um das
sich die Arbeit der TÜRKEI-AG dreht: um die inhaltliche und organisatorische
Vorbereitung einer etwa vierzehntägigen Studienreise in die Türkei vor und
in den Herbstferien 1989. Im Mittelpunkt wird der Besuch in unserer
Partnerschule, der Istanbul Lisesi, stehen. Das Erziehungsministerium in
Ankara wird zu einem Informationsgespräch aufgesucht werden. Begleitet wird
dieses Informationsprogramm durch eine Fülle privater Kontakte und einer
informativen Rundreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die westliche
Türkei. Damit folgen wir den Spuren einer ersten Türkei-Reise der
Bismarckschule Hannover vom Herbst 1985, über die noch zu berichten sein
wird. Vorher, noch im Juni dieses Jahres, hatten wir aber die Freude, zum
ersten Male eine Schülergruppe aus Istanbul bei uns begrüßen zu dürfen. Seit
wir bei unserem letzten Besuch im Herbst 1985 – ein weiterer geplanter
Kontakt während unserer Orientfahrt 1987 kam wegen der türkischen
Sommerferien nicht zustande – unsere Einladung übermittelt hatten, laufen
zögernd aber zielstrebig die Vorbereitungen für diesen Besuch. Nach einem
durch den Wechsel der an der Istanbul Lisesi unterrichtenden deutschen
Lehrer erschwerten Korrespondenz brachte der persönliche Besuch unserer
stellvertretenden Clubvorsitzenden Sehnaz Çelik im Herbst 1988 den
entscheidenden Durchbruch. Ihr bescheidenes aber zielstrebiges und
höflich-konsequentes Auftreten in Istanbul, ihrer alten Heimat, bis sie zum
Ende ihrer Schulzeit an unserer Schule die deutsche Staatsbürgerschaft
annehmen konnte, hat nach allen Berichten aus der Istanbul Lisesi dort einen
ganz großen und für unsere Schule und den UNESCO-Club äußerst bedeutsamen
Eindruck gemacht.
2. Die Türkeifahrt
der Bismarckschule Hannover 1985:
Auftakt der Schulpartnerschaft mit der Istanbul Lisesi
Ende Oktober 1985
wurde von der Bismarckschule Hannover eine erste Studienfahrt in die Türkei
durchgeführt. Diese Studienfahrt trug einen ganz besonderen Charakter
dadurch, daß sie nicht als Unterrichtsveranstaltung eines Leistungskurses in
einem fachlich definierten Zusammenhang durchgeführt wurde, sondern von
einer speziell für den neuen Arbeitsschwerpunkt gegründeten
Türkei-Arbeitsgemeinschaft von der Gesamtkonferenz mit einem
Erkundungsauftrag versehen wurde, der durch vorbereitende Aktivitäten wie
durch die Fahrt selbst erfüllt werden sollte. Vierzehn Schüler und
Schülerinnen der 12. und 13. Klasse und die Lehrer Hans Gütte, Ulrike Schulz
und Gerhard Voigt übernahmen diesen Auftrag.
Die
Bismarckschule Hannover versteht sich als UNESCO-Schule und hat sich der
Arbeitsgemeinschaft der UNESCO-Schulen in Deutschland schon vor über dreißig
Jahren angeschlossen. Dieser Akt ist eine Selbstverpflichtung dazu, den
Geist der UNESCO sowohl in Unterrichtsveranstaltungen wie in
außerunterrichtlichen Projekten und Aktivitäten wirksam werden zu lassen und
dem Schüler nahezubringen. Geist der UNESCO, das heißt für uns: eine
weltoffene Schule, lebendig, nicht erstarrt in Routine und fachlicher
Verengung. UNESCO-Geist, das heißt auch: Völkerverständigung, Kontakte über
die Grenzen hinweg, Abbau verengender Nationalismen, Abbau von trennenden
Vorurteilen und ein sensiblerer Umgang mit dem Mitmenschen. UNESCO-Geist
bedeutet aber auch, mehr zu tun als nur das, was verlangt wird, eigene
Phantasie zu entwickeln und bereit zu sein zur ständigen Erneuerung des
eigenen Engagements: der Schule einen neuen Sinn geben!
Auf ihrem Weg als
UNESCO-Schule hat die Bismarckschule viele Stationen hinter sich gebracht.
Zufrieden sind wir damit noch nicht. In den letzten Jahren wurden vor allem
Schülerkontakte und Austauschprogramme gefördert. Über Jahre hinweg verband
die Bismarckschule eine Partnerschaft mit einer Schule in Livonia in den
USA. Nach dem Auslaufen dieses Austausches ist nun die Partnerschaft mit
einer anderen amerikanischen Schule im Aufbau. Unter schwierigen politischen
Rahmenbedingungen suchen, wir auch den Kontakt mit dem V. Liceum in Poznań/Posen in der Volksrepublik Polen aufrecht zu erhalten. Darüber wird an
anderer Stelle berichtet. Die Verhärtungen im deutsch-polnischen Verhältnis
verlangen immer neue Anläufe, um die Beziehungen auf der menschlichen Ebene
herzustellen und zu sichern. Wir hoffen, mit diesen Kontakten nach West und
Ost ein klein wenig aktive Friedenspolitik zu leisten.
Doch fehlt im
Weltmaßstab, dem sich die UNESCO verpflichtet fühlt, eine weitere Dimension,
die ungleich schwerere praktische Probleme aufwirft: der Blick über Europa
und die „westliche" Industriewelt hinaus in die Region der Armen, in die
Dritte Welt. Nur vorsichtig können wir uns in die Probleme dieser Länder
einleben, ohne in den Verdacht neokolonialer Einmischung zu geraten.
Unbefangenheit ist hier noch schwerer zu erreichen als in den Beziehungen zu
Polen. Ein erster Versuch zum Kontakt mit dieser Region ist die Aufnahme von
Schulpatenschaften mit Schulen in Cochabamba/ Bolivien und bei
Windhuk/Namibia, wobei die Bismarckschule Hannover unmittelbare finanzielle
Hilfe sowohl für die Gesundheitsfürsorge für die Schülerinnen und Schüler
als auch für die Beschaffung von Lernmitteln leisten will. Doch ein
persönlicher Kontakt zu diesen Schulen wird über den Schriftwechsel hinaus
nicht stattfinden können. Daher wollen wir zunächst einmal Kontakte zu einem
Land aufnehmen, das zwar einerseits als Brücke zur Dritten Welt und auch zur
islamischen Kultur dienen kann, andererseits aber in vielfacher Weise noch
mit der deutschen Geschichte und Gegenwart verbunden ist: der Türkei.
In der
Erkenntnis, daß die Türkei ungeachtet aller inneren politischen und sozialen
Probleme zu einem wichtigen Partner Deutschlands und Mitteleuropas geworden
ist – der beantragte und verhandelte EG-Beitritt der Türkei bestätigt das
ebenso wie die Verbindungen durch Arbeitsmigration und Tourismus – und in
der Beobachtung vielfältiger Vorurteile und Ressentiments in der deutschen
Bevölkerung, die es zu bekämpfen gilt, ist es unser Ziel, durch dauerhafte
Kontakte und Partnerschaften zumindest im Rahmen der Schulöffentlichkeit
aufklärerisch und emotional entspannend zu wirken.
Konkret sollte
während dieser ersten Studienfahrt in die Türkei erkundet werden, ob trotz
organisatorischer Probleme Studienfahrten und Informationsreisen in dieses
Land risikolos durchgeführt werden können, ob sich in der Türkei
Informationsmöglichkeiten und Gesprächskontakte in unserem Sinne herstellen
lassen, ob dauerhafte Kontakte zu unterschiedlichen Kreisen in der Türkei
hergestellt werden können, auf die bei späteren Reisen zurückgegriffen
werden kann, und ob schließlich eine konkrete Schulpartnerschaft, ggf. mit
Schüleraustauschangeboten, mit einer Schule in der Türkei eingeleitet werden
kann. Das Résumé vorweg: Alle Fragen konnten in hohem Maße und mehr als
erwartet positiv beantwortet werden.
3. Zu den Inhalten
einer Türkeifahrt
Die Beschäftigung
mit der Türkei ist in der derzeitigen Situation für deutsche Schüler in
mehrfacher Hinsicht wichtig und interessant. Ganz abgesehen von den
historischen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der
Türkei – die gleichwohl immer etwas einseitig blieben –, auf die
zurückzugreifen jedoch eine gute Grundlage für gegenseitiges Verständnis
schaffen könnte, sind heute einige Probleme aufgetaucht, die einen
gesellschaftlichen und politischen „Handlungsbedarf" wecken, der sicher
anders aussehen muß, als einige politische Kreise in der BRD es sich heute
vorstellen, und sicher anders, als es die primitive Behandlung des
„Ausländerthemas" in Teilen der Öffentlichkeit nahe legt.
Die große Anzahl
bei uns lebender Menschen türkischer Staatsangehörigkeit oder türkischer
Herkunft ist eine Folge zweier korrespondierender Probleme –
unkontrolliertes Wirtschaftswachstum in der BRD mit seinem temporären
Arbeitskräftebedarf auf der einen, die sozialen Probleme eines sogenannten
„Schwellenlandes" auf der anderen Seite –, die zusammen zu der für die
betroffenen Menschen überaus belastenden Arbeitsmigration führten. Diese
nach längerer Zeit in keinem der beiden Länder mehr voll integrierten,
entwurzelten Menschen sind die eigentlichen Opfer des ökonomischen
Fortschrittes. Ihre unverschuldeten Probleme sind eine humane, soziale und
politische Aufgabe und Verpflichtung für die Nutznießer jahrzehntelangen
Wirtschaftswachstumes, der sich die deutsche Gesellschaft nicht durch
Hinweis auf international verschlechterte wirtschaftliche Rahmenbedingungen
(und die Unfähigkeit der deutschen Politik, mit den sozialen Folgen der
Wirtschaftsentwicklung fertig zu werden) entledigen kann; auch die Türkei
ist von diesen Wirtschaftsproblemen, viel härter noch als die BRD,
betroffen, was sich im letzten Jahrzehnt mehrfach zu krisenhaften
politischen Entwicklungen verdichtete, die die Situation des Landes bis
heute problematisch erscheinen lassen.
Wir gehen davon
aus, daß diese tief verwurzelte Problematik nur durch Informationen und enge
Kontakte bewältigt werden kann und daß jede Ausgrenzungs- und
Abgrenzungspolitik nur zu Deformationen des Bewußtseins führt, deren
negative, oft aggressive Folgen letztlich auf uns selbst zurückfallen. Ziel
der Beschäftigung mit dem Thema „Türkei" ist es daher, tieferes Verständnis
für die türkischen Menschen, ihre historische und kulturelle Herkunft, ihre
Traditionen und Wertvorstellungen, ihre soziale und politische Einbindung in
den türkischen Staat und die türkische Gesellschaft bei den deutschen
Jugendlichen zu wecken, was auch den Prozeß der Selbstreflexion und der
Selbstfindung im Kontakt mit der sozialen Umwelt fördern soll.
Das wird durch
die aktuellen Bemühungen der türkischen Republik um Aufnahme in die EG noch
dringender, da damit der politische und kulturelle Kontakt zu diesem Land
enger und alltäglicher wird und Mißverständnisse und Vorurteile zu
politischem Sprengstoff werden können, die die friedenserhaltenden
Integrationsbemühungen der europäischen Bewegung, von ökonomischen und
politischen Rivalitäten ohnehin schon recht belastet, zunichte machen
könnten. Hier sich auf die völkerverbindenden Grundsätze der Vereinten
Nationen und der UNESCO zu beziehen, kann dem zunächst ökonomisch
motivierten europäischen Zusammenschluß die dringend benötigte politische
und kulturelle Dimension zurückgewinnen.
Die üblichen
Studienfahrten greifen in ihrer Konzeption zu kurz, um das anspruchsvolle
Arbeitsprogramm des Arbeitsschwerpunktes „Türkei" an der Bismarckschule
Hannover zu erfüllen; eine längerfristige Einbindung in vielfältige
Aktionen, Projekte und Unterrichtsveranstaltungen ist ebenso notwendig wie
die Perspektive eines dauerhaften Kontaktes zu Personen und Schulen in der
Türkei, der längerfristig eine echte Schulpartnerschaft entwächst.
Die Gründung der
„Türkei-Arbeitsgemeinschaft" an der Bismarckschule Hannover ist nur ein
erster Schritt in diese Richtung. Um den hohen Anspruch an dieses
integrative Arbeitsprojekt zu dokumentieren, wurde eine erste
Studienfahrtplanung für eine Reise in die Türkei im Herbst 1985 auch aus der
sonst üblichen organisatorischen Einbindung der Studienfahrten herausgelöst
und der Türkei-AG zugewiesen, die damit Koordinations- und
Organisationsaufgaben zwischen den inhaltlichen Beiträgen der verschiedenen
Fächer übernimmt: eine deutliche Verpflichtung zur ernsthaften und
kontinuierlichen Arbeit der Arbeitsgemeinschaft, die im Jahr 1986/87 als „Orient-AG"
(in der Vorbereitung einer Sommerreise in die Türkei und in den Nahen Osten)
weitergeführt und 1988/89 erneut als „Türkei-AG" wiederaufgenommen wurde,
jetzt mit zwei neuen aktuellen Vorhaben, und zwar der Vorbereitung eines
Besuches von Schülern der türkischen Partnerschule in Istanbul (Istanbul
Lisesi) in Hannover im Juni 1989 und der Vorbereitung einer weiteren
Türkeifahrt im Herbst des gleichen Jahres, die sich an den Konzeptionen und
Erfahrungen der Reise 1985 orientiert.
Die erste
geplante Studienfahrt, die von den Mitgliedern der Türkei-AG durchgeführt
wurde, hatte damit Pilotfunktion für die Schule, wobei vor allem die
möglichen Fortsetzungen und Vertiefungen der Kontakte und der
Informationsmöglichkeiten geprüft werden sollten. Schon die erste Konzeption
dieser Reise, wie sie von der Gesamtkonferenz und später von der
Bezirksregierung genehmigt worden ist, sieht einen Programmschwerpunkt im
Besuch der Partnerschule in Istanbul und in zusätzlichen Informationen über
das Bildungswesen in der Türkei, u.a. durch einen Besuch im Ministerium für
Nationale Erziehung in Ankara.
Durch Gespräche
mit Schülern und Jugendlichen, nicht nur aus unserer Partnerschule, sollte
ein Eindruck von der sozialen und ökonomischen Situation des Landes und den
dadurch geformten Lebensbedingungen der türkischen Jugendlichen vermittelt
werden. Daß bei diesem notwendigerweise auf zentrale Themenbereiche
konzentrierten Programm auch der Kontakt mit der reichen Kultur und
Geschichte der Türkei nicht fehlen darf, versteht sich, nach den
einleitenden Ausführungen, von selbst.
Dies kann und
darf aber nicht zum touristischen Selbstzweck werden, sondern soll die Basis
zum Verständnis der heutigen Situation des Landes sein. Um beide
inhaltlichen Aspekte gleichermaßen intensiv bearbeiten zu können, wurde die
Reise in mehrere Abschnitte unterteilt, die jeweils ein eigenes inhaltliches
Profil gewannen. Istanbul vermittelte zunächst den grundlegenden ersten
Eindruck der Vielfältigkeit der türkischen Lebensverhältnisse und ihrer
tiefen historischen Verankerung, geleitet durch die unmittelbaren Eindrücke
des Besuchs in der Istanbul Lisesi.
Ankara führte,
auch durch das Gespräch im Ministerium, in die Aktualität des türkischen
Staatswesens ein; der Schatten des Republikgründers Atatürk wird hier
besonders mächtig. Konya ist demgegenüber eine Art Gegenpol: islamische
Tradition und Kultur werden als auch heute wirksame Werte und
bewundernswerte Kulturleistungen erkennbar. Der letzte Teil der Reise
entsprach dann eher üblichen Türkeirundreisen – jetzt aber auf einer
gefestigten Informationsbasis –, indem bemerkenswerte Landschaften –
Kappadokien, Pamukkale, Ägäisküste – und weltberühmte historische Stätten,
die durchaus auch für sich genommen eine Studienreise wert sind – Pergamon,
Troja –, in den Vordergrund rückten. Als stärker erlebnisbetonte Phase,
gleichzeitig mit deutlich erholsamerem Ablauf, rundete dieser letzte Teil
die Türkeireise zu einem harmonischen Ganzen, das den Schülern wichtige und
wertvolle Eindrücke und Einsichten vermitteln konnte.
In späteren
Reisen könnten über den Eindruck der räumlichen Disparitäten dieses großen
Landes hinaus eventuell auch stärker die Probleme der ländlichen Räume der
Problemgebiete Ostanatoliens in den Planungsmittelpunkt treten. Doch bei der
zweiten Türkeireise wird zunächst das bewährte Grundprogramm wiederholt mit
einige Verbesserungen und Abrundungen, die Ergebnis der Erfahrungen der
ersten Reise sind.
4. Organisatorische
Erfahrungen und Tips
Türkeireisen
werden von Schulen heute schon häufiger organisiert. Die Aktualität dieses
Themas und Reiseziels wird erfreulich oft erkannt und richtig eingeschätzt.
Besonders interessant sind dann natürlich Veranstaltungen von Schulen mit
hohem Anteil türkischer Schüler, die im Rahmen einer solchen Studienfahrt
den deutschen Mitschülern ihre Heimat vorstellen können. Aber auch für
Schulen des weiterführenden Schulwesens, auch für Gymnasien, in denen der
Ausländeranteil relativ gering ist, bietet der Kontakt mit der Türkei, wenn
er entsprechend sorgfältig vorbereitet und inhaltlich aufgefangen wird,
wichtige Lernanstöße; ist doch die sogenannte „Ausländerproblematik", die
oft explizit Türkenfeindlichkeit hervorruft, ein gesamtgesellschaftliches
Phänomen, das weitgehend unabhängig von der tatsächlichen Kontakthäufigkeit
zwischen den Nationalitätengruppen ist. Dies Thema muß an anderer Stelle
intensiver und umfassender ausgeführt und verbreitert werden; die
gesellschaftswissenschaftlichen Grundeinsichten, die bei der Konzeption
unserer Türkei-Kontakte eine Rolle gespielt haben, müssen hier vorausgesetzt
werden. Dies gilt auch für die vielfältigen kritischen Ansätze über
Rezeptionsweisen bei Fernreisen, die das Thema Auslandsstudienfahrten doch
noch schwieriger und differenzierter erscheinen lassen, als es der auf die
Individualpädagogik verengte Lehrerblick gerne wahrhaben will. Nur so viel:
Reisen allein beseitigt noch keine Vorurteile, bekräftigt sie sogar oft.
Eine sinnvolle Studienreise bedarf der intensiven pädagogischen und
sachinformativen Einbettung, Vorbereitung und Auswertung!
Einige scheinbar
recht banale Anmerkungen über das Alltagsverhalten in der Türkei können den
Schülern schon eine wertvolle Hilfe sein, sich innerlich auf den
Türkei-Besuch einzustimmen. Einige solche Bemerkungen, die im konkreten
Falle der Studienfahrtvorbereitung der Bismarckschule Hannover mit den
Schülern intensiv diskutiert wurden, sollen hier kurz aufgeführt werden:
Grundsätzlich ist zu sagen, daß die Türkei sich, zunehmend stärker, den uns
bekannten „westlichen" Verhaltens- und Umgangsformen anpaßt, so daß eine
Reise kaum problematisch ist; das wird unterstützt durch die immer
häufigeren Kontakte mit Touristen, auch uninformierten Reisenden aus
Mitteleuropa, überall in der Türkei. Doch gibt es doch noch einige
Besonderheiten, auf die aufmerksam gemacht werden soll, wenn wir nicht als
Touristen, sondern als Gäste begrüßt werden wollen.
Wichtig ist vor
allem die formbetonte Höflichkeit des zwischenmenschlichen Umgangs, die
Höflichkeitsfloskeln, Zurückhaltung, Verzicht auf drängende Eile und
Nötigung und Respekt mit einschließt. Mit Höflichkeit können auch unbekannte
Situationen gemeistert werden. Zwiespältig sind die Verkehrsformen im
Handel. Während bei Lebensmitteln und Gegenständen des täglichen Bedarfs
Handeln um den Preis unüblich, bei geringwertigen Gegenständen ungehörig
ist, sollte mit steigendem Wert der angebotenen Ware zunehmend intensiver
auch über den Preis verhandelt werden. Feilschen um des Feilschens willen
ist jedoch nicht angebracht; es ist auch nicht angebracht, um minimale
Preisdifferenzen übermäßig lange zu verhandeln. Preisverhandlungen dienen
der gegenseitigen Information über die derzeitigen Marktbedingungen, der
Information über die Ware und der Vertrauensbildung zwischen Käufer und
Verkäufer. Wer gar nicht ernsthaft kaufen will, sollte mit dem Handeln erst
gar nicht anfangen, um nicht in ernsthaften moralischen Kaufzwang zu
geraten.
Zur Höflichkeit
gehört auch das Respektieren bestimmter Kleidungsgewohnheiten. Dabei sind in
der Türkei zwischen Stadt und Land heute auffallende Unterschiede zu
beobachten. Die etwas besser situierten Kreise der Großstadt kleiden sich
modisch und elegant, z.T. auffällig vornehm. Die traditionelle Kleidung ist
schlicht, verhüllend und Körperformen eher kaschierend. Für den Besucher
ergeben sich so nur einige Grundregeln: den „üblichen Grad" der
Körperbedeckung auch bei Hitze einhalten (nicht in Badehose etc. durch die
Straßen laufen!), in ländlichen Gebieten besser auch Oberarme und
Oberschenkel bedeckt halten (keine Bermudashorts oder Miniröcke). Verstärkt
gilt das beim Besuch von Dienststellen, Behörden, Ministerien, Schulen etc.
und ohne Ausnahme natürlich bei der Besichtigung von Moscheen, bei denen
Frauen Kopfbedeckung tragen sollten. In Privatwohnungen zieht man übrigens
seine Straßenschuhe aus.
Der Umgang
zwischen Mann und Frau ist in der Öffentlichkeit traditioneller und
distanzierter als bei uns. „Knutschereien" in der Öffentlichkeit sind z.B.
strikt verpönt. Es ist in der Türkei oft noch unüblich, daß Frauen allein
ausgehen oder in Restaurants gehen. Das kann u.U. zu Mißverständnissen
unangenehmer Art oder zu Gefährdungen führen, so daß wir empfehlen, zum
einen grundsätzlich auch in der Freizeit nur in Gruppen unterwegs zu sein
und zweitens „gemischte" Gruppen zu bilden. Die Reiseteilnehmer sollten
gegenseitig aufeinander achten und gegenseitiges Verantwortungsgefühl
zeigen: dann sind ernsthafte Risiken nicht zu erwarten. Man spricht übrigens
auf der Straße Personen des jeweils anderen Geschlechts nicht an.
Abschließend noch
ein paar praktische Hinweise, wie wir mit Erfolg unsere Studienreisen
organisiert haben: Zunächst haben wir ein Reisebüro nur für eine Flugbuchung
nach Istanbul und zurück in Anspruch genommen. Unsere Programm- und
Routenwünsche sind ohne Schwierigkeiten und wesentlich billiger selbst zu
organisieren, wenn kein allzu großer Wert auf Unterbringungskomfort gelegt
wird und die Bereitschaft besteht, im Lande selbst zu improvisieren und
Programmänderungen zu akzeptieren. Mir scheint das eine für die Türkei
angemessene, landesnahe Form des Reisens zu sein. Wege im Lande selbst sind
ohne Probleme mit den Linienbussen zurückzulegen.
Am „Otogar" jeder
Großstadt ist das Gruppenticket einen Tag vor der Weiterreise zu sehr
günstigen Preisen zu erhalten (z.B. Istanbul-Ankara pro Person ca. 12.-- DM
umgerechnet). Ausflüge können auch mit Mietbussen (Kleinbusse der „Dolmuw-"
d.h. Sammeltaxen-Betriebe) unternommen werden. Für eine Tagestour mit zwei
Kleinbussen ist etwa mit Kosten von insgesamt 300.-- DM zu rechnen.
Hilfreich ist es,
wenn man sich von Ort zu Ort durch persönliche Empfehlungen weiterleiten
läßt; das hilft über viele Unsicherheiten und Mißverständnisse hinweg. So
können auch Hotelbuchungen an Ort und Stelle durch Bekannte vorgenommen
werden. Für uns ist das besonders leicht, da wir zunächst unsere
Partnerschule in Istanbul besuchen, wo wir jetzt schon viele Bekannte und
Freunde antreffen werden. Sehr hilfreich ist es – und bei offiziellen
Schulkontakten ebenso wie bei Informationswünschen an Ministerien und
Dienststellen in der Türkei rechtlich sogar notwendig –, rechtzeitig etwa
ein halbes Jahr vor Reiseantritt Kontakt beim Erziehungsattaché des
zuständigen türkischen Generalkonsulats zu suchen und mit ihm die
Reiseplanung durchzusprechen. Er veranlaßt dann die notwendigen
Genehmigungen in der Türkei und gibt der Gruppe ein offizielles
Empfehlungsschreiben mit, das bei allen Behördenkontakten in der Türkei, bis
hin beim Besuch von Museen und Gedenkstätten, sehr hilfreich ist.
Schulstudienfahrten müssen, das sei hier nur am Rande erwähnt, natürlich
auch von den deutschen Dienststellen (in Niedersachsen bei der zuständigen
Bezirksregierung) genehmigt werden, was bei den recht teuren Türkeireisen
einen sehr eingehenden Begründungsaufwand verlangt. Hier ist der Status
einer UNESCO-Schule sehr hilfreich. Wer eine solche Reise zum ersten Male
beantragt, sollte sich bei Schulen mit Türkei-Erfahrungen näher über das
Procedere und über die inhaltlichen Begründungen informieren. Auch die
Ausführungen zu den Gründen der Türkei-Kontakte im vorliegenden Text können
dabei hilfreich sein.
Die Kosten sind
zwar absolut gesehen relativ hoch, im Verhältnis zu den Leistungen jedoch
sehr günstig. Flugreisen nach Istanbul werden von Hannover aus derzeit bei
türkischen Reisebüros wie z.B. Öger-Tours oder Türk-Tur für ca. 450.- bis
550.- DM angeboten. Für den Aufenthalt im Lande einschließlich Busfahrten,
(einheimischer) Verpflegung und Programmkosten sind dann noch einmal bei
einer Gesamtreisedauer von zwei Wochen ca. 500.- bis 600.- DM
hinzuzurechnen. Wer natürlich Sonderwünsche in Bezug auf Unterkunft und
Verpflegung hat und z.B. Kebab und Brot als Grundnahrungsmittel nicht
akzeptieren will, muß sehr schnell erheblich mehr ausgeben. Ein
ausreichender Versicherungsschutz – Reiseausfallversicherung für die
Flugbuchung, Kranken- und Unfallversicherung [besonders wichtig, seitdem die
gesetzlichen Krankenversicherungen für Krankenkosten in der Türkei i.d.R.
nicht mehr zahlen], für Begleitpersonen auch Haftpflichtversicherung –
sollte in jedem Falle gewährleistet sein.
5. Résumé
Die
Türkeikontakte sind für die Bismarckschule Hannover und den UNESCO-Club für
die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., zu einem
zentralen Arbeitsbereich geworden, in dem sehr interessante und für den
Bildungsauftrag einer UNESCO-Schule wichtige Ergebnisse erzielt werden
konnten. Der persönliche Kontakt mit diesem vielfältigen wie zwiespältigen
Land zwischen Europa und Asien am Schnittpunkt der Kulturen ist nicht nur
für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die begleitenden Lehrer
faszinierend und fruchtbar. Durch die Einbindung in die vielfältige
UNESCO-Schularbeit, durch die Bereitschaft zur inhaltlichen Reflexion und
durch den möglichen Vergleich mit anderen Partnerländern und -schulen in
Polen, in Finnland und den USA wird eine sinnvolle Beobachtungsdistanz
geschaffen, die auch kritische Distanz zur eigenen Kultur ermöglicht und
damit Änderungen denkbar werden läßt.
Hier endet aber
die Möglichkeit einer Überprüfung der Ergebnisse durch die Beschränkungen
der innerschulischen Organisationsformen. Es wäre sinnvoll und
wünschenswert, wenn sich hier ein Kontakt zur wissenschaftlichen Begleitung
durch die Hochschule, durch Pädagogik, Politikdidaktik und Sozialpsychologie
herstellen ließe, um aufbauend auf die jetzt schon sehr fundierten
praktischen Erfahrungen und ersten Reflexionsansätze zu verallgemeinerbaren
Ergebnissen zu kommen, die der UNESCO-Arbeit im Bereich der internationalen
Schulpartnerschaften und Begegnungen neue Impulse vermitteln könnten.
Literaturauswahl
Literaturempfehlung für die Türkei-Reise
Ackermann, Irmgard, Hg.: Als Fremder in
Deutschland. Berichte, Erzählungen, Gedichte von Ausländern. München
1983 [dtv].
Die umgekehrte Perspektive. Eröffnet einen Blick auf uns und
sensibilisiert für interkulturelle und soziale Spannungen.
Atanasiu, N.:
Wandlungen und Wandlungsmöglichkeiten der türkischen Agrarstruktur.
Geographische Rundschau 1970. Heft 1. S. 19-22
Barthold, Wilhelm: Zwölf Vorlesungen über die
Geschichte der Türken Mittelasiens. „Die Welt des Islams", Beiband,
Band 14 bis 17, 1932/35 (bearbeitet von Theodor Menzel und Heinrich
Schaeder) {photomechanischer Nachdruck. Darmstadt 1962 [Wissenschaftliche
Buchgesellschaft]}
Blohm, Kurt Wilhelm: Städte und Stätten der
Türkei. Ein Begleiter zu den Kunstwerken Istanbuls und Kleinasiens.
DuMont Kunst-Reiseführer.
Ein thematisch spezialisierter, dort aber kompetenter und informativer
Reiseführer (Archäologie, Architektur und Kulturgeschichte).
Blohm, Kurt Wilhelm: Städte und Stätten der
Türkei. Ein Begleiter zu den Kunstwerken Istanbuls und Kleinasiens.
Köln 19732 [DuMont Kunst – Reiseführer]
Cornelius, Friedrich: Geschichte der Hethiter. Mit
besonderer Berücksichtigung der geographischen Verhältnisse und der
Rechtsgeschichte. Darmstadt 1973 [Wissenschaftliche Buchgesellschaft]
Egli, Ernst: Sinan. Der Baumeister osmanischer
Glanzzeit. Erlenbach – Zürich 1976 [Eugen Rentsch]
Fisher, W.B.:
The Middle East. A Physical, Social and Regional Geography. London
19716 [Methuen]
Freely, John:
Türkei. Ein Führer. München 1984 [Prestel] {The Companion Guide to
Turkey. London 1979}
Die wohl einfühlsamste und anschaulichste Länderbeschreibung, die den
Blick auf das wirklich Interessante lenkt und auch behutsame Wertungen
vornimmt. Eignet sich weniger zur kurzen Information und für praktische
Reisefragen. (Erste Empfehlung trotz relativ hohem Preis!)
Hoff, Edgar P., Marita Korst: Türkei Handbuch.
Rappweiler 1989 [Edgar Hof Verlag / Verlegergemeinschaft ›Individuelles
Reisen‹].
Ein typischer Insider-Reiseführer vor allem für diejenigen, die
nicht nur auf ›ausgelatschten Wegen‹ gehen wollen und für
diejenigen, die – und das stört manchmal, weil es aufgesetzt wirkt
– ›jung, emanzipiert und politisch korrekt‹ reisen wollen. Die Tips
und Anregungen sind gut, die Verfasser/innen sind ein gute Kenner der
Türkei.
Höhfeld, Volker, und Hütteroth, Wolf-Dieter:
Türkei – Probleme einer Evolution. Geographische Folgen sozialer
Wandlungen. Geographische Rundschau 1981, Heft 12. S. 540-548
Hütteroth, Wolf-Dieter: Türkei. Wissenschaftliche
Länderkunden Band 21. Darmstadt 1982. Wissenschaftliche
Buchgesellschaft (548 S., 116 Karten etc.!).
Das geographische Standardwerk über die Türkei, das den derzeitigen
geographischen Forschungsstand umreißt. Sehr umfangreiches
Literaturverzeichnis. (Leider teuer: ca. 75.- DM!)
Itzkowitz, Norman: Das Osmanische Reich. Aufstieg
und Fall der türkischen Herrschaft. In: Bernard Lewis, Hg., Welt
des Islam. Geschichte und Kultur im Zeichen des Propheten.
Braunschweig 1976 [Westermann] {The World of Islam. London 1975}
Kara Mustafa
vor Wien. Das türkische Tagebuch der Belagerung Wiens 1683, verfasst vom
Zeremonienmeister der Hohen Pforte. Hg. von R. F. Kreutel. Übersetzt,
eingeleitet und erklärt von Richard F. Kreutel. München 1967 (Deutscher
Taschenbuch Verlag. dtv dokumente [dtv 450], Originalausgabe
Graz/Wien/Köln 1955, Verlag Styria).
Geschichte aus anderer Perspektive. Hilft historische Stereotypen
aufzubrechen und auch die Türkei als seit langem europäische Macht zu
verstehen.
Kasparek, Aygün und Max: Reiseführer Natur: Türkei.
München 1990 [BLV Verlagsgesellschaft und Büchergilde Gutenberg,
Frankfurt am Main].
Dieser Reiseführer konzentriert sich auf die Naturschutzgebiete, die Tier-
und Pflanzenwelt. Reisen mit diesem Buch verlangt viel Zeit und Ruhe, da
die beschriebenen Gebiete z.T. abgelegen sind, und die Fähigkeit, ohne
Störung der Natur zu sehen, zu beobachten und zu lernen.
Kellner-Heinkele, Barbara, Ingeborg Hauenschild, Hrsg.: Türkei.
Streifzüge im Osmanischen Reich nach Reiseberichten des 18. und 19.
Jahrhunderts. Frankfurt am Main 1990 [Societäts-Verlag].
Der Wandel eines Landes und seine revolutionäre Modernisierung wird dem
Reisenden besonders deutlich beim Vergleich mit den Reiseberichten aus den
letzten beiden Jahrhunderten.
Kortum, Gerhard: Landwirtschaft in der Türkei.
Neuere Entwicklungstendenzen und Perspektiven für die Zukunft.
Geographische Rundschau 1981, Heft 12. S. 549-555
Krieg und Sieg in Ungarn Die Ungarnfeldzüge des
Großwesirs Köprülüzâde Fâzil Ahmed Pascha
1663 und 1664 nach den »Kleinodien der Historien« seines Siegelbewahrers
Hasan Aäa. Übersetzt, eingeleitet und erklärt von Erich Prokosch.
Osmanische Geschichtsschreiber, Herausgegeben von Dr. Richard F. Kreutel,
Band 8. Graz / Wien / Köln 1976 (Verlag Styria).
Langenscheidts Sprachführer Türkisch.
Laufend aktualisierte Ausgaben.
Matschke, Klaus-Peter: Die Schlacht bei Ankara und
das Schicksal von Byzanz. Studien zur spätbyzantinischen Geschichte
zwischen 1402 und 1422. Weimar 1981 [Hermann Böhlaus Nf./Forschungen
zur mittelalterlichen Geschichte Band 29]
Meier-Braun, Karl-Heinz und Yüksel Pazarkaya (Hg.):
Die Türken. Berichte und Informationen zum besseren Verständnis der Türken
in Deutschland. Frankfurt 1983 [Ullstein Sachbuch, Ullstein Buch
34132].
Unverzichtbare Grundinformationen über türkische Kultur und Geschichte.
Leicht lesbar; in der Qualität nicht ganz einheitlich.
MERIAN: dtv-merian Reiseführer Türkei. Text
und Fotos Michael Neumann-Adrian und Christoph K. Neumann. München 1989
(5., aktualisierte Auflage) [dtv 3732].
Ausführliche Kapitel zu weniger bekannten Orten, Festen, Ereignissen etc.
in der Einführung, anschließend regional gegliederter, wenn auch knapp
gefaßter Reiseführer.
MERIAN-Hefte „Türkei" und „Istanbul"
(12/XV Jg. und 5/1985).
Brauchen keine extra Empfehlung: Farbig, anschaulich, kompetent! Das
Türkei-Heft ist aktuell und besonders informativ
Şen, Faruk: Türkei. Land und Leute. Unter Mitarbeit von Kara Blume.
Aktuelle Länderkunden. München 1985 [Becksche Schwarze Reihe 803. C.H.
Beck]
Sehr empfehlenswerte, kenntnisreiche und doch kritische Einführung vor
allem in die gesellschaftlichen Probleme der heutigen Türkei.
Şen, Zeki: Industrialisierung in der Türkei. Das Beispiel Çerkezköy.
Geographische Rundschau 1982, Heft 2. S. 58-62
Peters, Richard: Die Geschichte der Türken.
Stuttgart 19662 [Urban Bücher Bd. 54. Kohlhammer Verlag] {The Story of the
Turks – from Empire to Democracy. New York 1959}
(vergriffen, aber in Bibliotheken erhältlich) Noch immer der beste
Geschichtsabriß; lesbar aber mit wissenschaftlichem Rang. Nicht
aktualisiert für die neueste Zeit.
Polyglott
Reiseführer Türkei (große Ausgabe).
Laufend aktualisierte Ausgaben. Für die „nackten Daten" der Reiseplanung
empfehlenswert. Eignet sich zur kurzen Information und für praktische
Reisefragen.
Ritter, Gert:
Landflucht und Städtewachstum in der Türkei. Erdkunde, 26.Jg.,
1972, Heft 3
Ritter, Gert:
Moderne Entwicklungstendenzen türkischer Städte am Beispiel der Stadt
Kayseri. Geographische Rundschau 1972. S. 93-101
Roth , Jürgen u. a.: Geographie der Unterdrückten.
Die Kurden. rororo Sachbuch. Geschichte, Kultur der Kurden. Reinbek
1978.
Und als zusätzliche, dringende Empfehlung: Hintergründe des
Südostanatolien-Konfliktes.
Runciman, Steven: Die Eroberung von Konstantinopel
1453. München 1977 [dtv WR 4286] {München 1966 [C.H.Beck]. – The Fall
of Constantinopel. London o.J. [Cambridge University Press]}
Steinbach, Udo, Rolf Hofmeier, Mathias Schönborn
(Hg.): Politisches Lexikon Nahost. München 1979. Beck’sche Schwarze Reihe
Bd. 199.
Fundierte Grundlagenartikel zu allen
Nahostländern. Den Artikel über die Türkei schreibt Udo Steinbach
(Deutsches Orient-Institut Hamburg).
Steinbach, Udo:
Atatürks Staat in der Krise. Geographische Rundschau 1981, Heft 12.
S. 534-538
Steinbach, Udo:
Türkei. In: Steinbach, Hofmeier, Schönborn, Politisches Lexikon
Nahost. München, 1979 [Becksche Schwarze Reihe 199. C.H.Beck]
Stratil-Sauer, Gustav: Zur Wirtschaft der modernen
Türkei. Geographische Rundschau 1972. S. 83-92
Tükel, Jale, Hrsg.: Reise Textbuch Istanbul. Ein
literarischer Begleiter auf den Wegen durch die Stadt. München 1987
[dtv 3904].
Literarische Texte zu den Orten und Gebäuden in Istanbul aus einem
Zeitraum von über 1000 Jahren. Auch moderne türkische Autoren sind mit
berücksichtigt. Über weite Strecken ist diese Sammlung eine
Liebeserklärung an Istanbul.
Türkoğlu, A.:
Entwicklungstendenzen der Bodennutzung in der türkischen
Landwirtschaft. In: K. Ruppert, Sozialgeographische Probleme
Südosteuropas. Aspekte raumdifferenzierender Prozeßabläufe. Münchener
Studien zur Sozial- und Wirtschaftsgeograhie, Hgg. von K. Ruppert, F.
Schaffer, E. Thiel. S. 97 – 104. Regensburg 1973 [Michael Lassleben
Kallmünz]
Yurtdaş, Barbara:
Gebrauchsanweisung für die Türkei. München 1989 [Piper]
Ein gut lesbarer, aufschlußreicher Blick auf die türkische Alltagskultur,
der zu Verständnis und Einfühlungsvermögen beitragen kann. Sehr
empfehlenswert! (Von Gastfreundschaft, Höflichkeit, Sitte, Ehre,
Glaube, Speisen, Hygiene und vom Wandel der Gesellschaft.)
Yurtdaş, Barbara: Wo mein Mann zuhause ist. Reinbek 1984 [rororo]
Beste literarische Einführung, die unmittelbar betroffen macht und den
„Blick von Unten" auf die türkische Situation eröffnet. Sollte jeder
lesen!
Einführungen in das Thema Islam
Islam – was ist das? Anmerkungen zur
Entstehungsgeschichte, Verbreitung, Kunst und Kultur. Staatliche
Museen Berlin (West).
Knappste Einführung. Gut verständlich.
Cahen, Claude: Der Islam I. Vom Ursprung bis zu
den Anfängen des Osmanenreiches. Fischer Weltgeschichte Band 14
(Fischer TB).
Grunebaum, Gustav E. von: Der Islam II. Die
Islamischen Reiche nach dem Fall von Konstantinopel. Fischer
Weltgeschichte Band 15 (Fischer TB).
Detaillierte und zuverlässige, aus traditioneller orientalistischer Sicht
geschriebene Einführungen.
Tibi, Bassam: Die Krise des modernen Islams. Eine
vorindustrielle Kultur im wissenschaftlich-technischen Zeitalter.
C.H.Beck (Becklsche Schwarze Reihe 228).
Das Standardwerk über die heutige Situation im Islam.
Said, Edward W. : Orientalismus. Ullstein
Materialien.
Die grundlegende Auseinandersetzung mit des europäischen „Orientbild";
Materialreich (400 S.), polemisch und wissenschaftlich exakt.
Hinweise auf weiterführende Fachliteratur zu den
Themen: Islam allgemein (Geschichte und Glaubenslehre, heutige Probleme),
Orientalismus und Kulturkontakt, Interkulturelle Erziehung,
Ausländerpädagogik und Dritte-Welt-Didaktik
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Grundlegung und Motivation des Geographieunterrichts. In: Fick, a.a.O.
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Bianca, Stefano: Architektur und Lebensform im
islamischen Stadtwesen. Baugestalt und Lebensordnung in der islamischen
Kultur, dargestellt unter besonderer Verarbeitung marokkanischer Quellen
und Beispiele. Zürich 1975 [Verlag für Architektur Artemis,
Studio-paperback].
Bitterli, Urs: Die „Wilden" und die
„Zivilisierten". Grundzüge einer Geistes- und Kulturgeschichte der
europäisch-überseeischen Begegnung. München 1982 [dtv 4396] {München
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Bobek, Hans: Die Hauptstufen der Gesellschafts-
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besonderer Berücksichtigung der geographischen Verhältnisse und der
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Kasseler Schriften zur Geografie und Planung (Gesamthochschule Kassel).
Schmidt-Wulffen, W.D.:
Ethnozentrismus/Eurozentrismus. In: Jander u.a., a.a.O.
Schramke, W.: Zur Paradigmengeschichte der
Geographie und ihrer Didaktik. Geographische Hochschulmanuskripte Heft
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Schulgeographie Heute. Fachliche, didaktische,
unterrichtspraktische Beiträge. Herausgegeben von K.E. Fick.
Frankfurter Beiträge zur Didaktik der Geographie Band II. Frankfurt 1978.
Smolicz, J.J.: Verinnerlichte Werte und kulturelle
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Stüwe, Gerd: Türkische Jugendliche. Eine
Untersuchung in Berlin – Kreuzberg. Bensheim, 1982 (päd.extra
Buchverlag).
Tibi, Bassam: Die Krise des modernen Islam. Eine
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Tworuschka, U.: Der Islam als Anforderung an den
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Unesco-Club für die Unesco-Schule am Maschsee,
Bismarckschule Hannover: Türkei `85. Eine Studienfahrt mit Schülern der
Bismarckschule Hannover vom 25.10.-10. 11.1985. Herausgegeben von
Gerhard Voigt. Hannover 1985 [Bismarckschule Hannover].
Unesco-Kommission, Nationale Schweizerische–: Seminar „Der Islam"
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Vavilov, N.J.:
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Vogt-Göknil, Ulya: Die Moschee. Grundformen
sakraler Baukunst. Zürich 1978 [Verlag für Architektur Artemis,
Studiopaperback].
Weber, Max:
Soziologie, Universalgeschichtliche Analysen, Politik. Stuttgart 1973
[Kröners Taschenausgabe Bd. 229. Alfred Kröner].
Wenzel, H., H. Schulze-Goebel:
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Wirth, Eugen:
Der heutige Irak als Beispiel orientalischen Wirtschaftsgeistes.
In: Die Erde, Jg.87, 1956, S.30-50.
Wirth, Eugen:
Die soziale Stellung und Gliederung der Stadt im Osmanischen Reich des
19. Jahrhunderts. In: Vorträge und Forschungen 11. Konstanz, Stuttgart
1966, S. 403-427.
Wittfogel, K.A.:
Die Theorie der orientalischen Gesellschaft. In: Zeitschrift für
Sozialforschung. Hg. im Auftrag des Instituts für Sozialforschung von Max
Horkheimer. Jahrgang VII/1938, S. 90-122 [Librairie Felix Alcan, Paris]
{reprographischer Nachdruck: München 1970 [Kösel] und München 1980 [dtv]}.
Zur Textgestalt und den verwendeten Quellen:
Quelle: Voigt, Gerhard / Nettelmann, Lothar, 1990: Die
Arbeit einer UNESCO-Schule: z.B. Schulpartnerschaften mit Polen und der
Türkei. Oldenburger Vordrucke, Heft 98/90, Oldenburg.
Der vorliegende
Text [Vgl. Fußnote ] ist eine erweiterte Fassung eines Vortrages für die
„Pädagogische Woche `89" der Universität Oldenburg, Zentrum für pädagogische
Berufspraxis (ZpB), am Mittwoch, 4. Oktober 1989.
Abgedruckt in der
Buchausgabe: Voigt, Gerhard (Hrsg.):
Ein Jahrzehnt Türkeipartnerschaft.
Ein Bericht über die Partnerschaft der Bismarckschule Hannover mit der Istanbul
Lisesi 1985 bis 1996 im Rahmen der Arbeit einer UNESCO-Projekt-Schule Mit dem
Reisebericht der Türkei-Studienfahrt der Türkei-Arbeitsgemeinschaft der
Bismarckschule im Frühjahr 1996. Hannover: UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule
Hannover, e.V. [An der Bismarckschule 5, D 30173 Hannover], 1997 (Schriftenreihe
des UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover,
e.V., Heft 9) ISBN 3-930307-08-1]
(Für die Internet-Publikation ausgegliedert.)
Die drei
Textteile sollen in überarbeiteten Fassungen weiter verwendet werden, und
zwar:
(I) in einer
Informationsschrift über die UNESCO-Schul-Arbeit der Bismarckschule
Hannover und, gekürzt, als Einleitung zum Bericht über das Symposium
„Ausländerpädagogik" (Bismarckschule Hannover, März 1988) [UNESCO-Club und
Verband der Politiklehrer, Ende 1990],
(II) in einem
Heft über Polenreisen und Polen-Schulpartnerschaften als Ergebnis eines
Symposiums über Polenkontakte hannoverscher Schulen im Rahmen der
Deutsch-Polnischen Woche `89 zum zehnjährigen Bestehen der
Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hannover e.V. im Mai 1989 [UNESCO-Club und
Deutsch-Polnische Gesellschaft, Mitte 1990] und
(III) als
Einleitung zum vorgesehenen Reisebericht über die Türkeireise der
Bismarckschule Hannover im Herbst 1989 [TÜRKEI-AG des UNESCO-Clubs, Febr.
1990].
Verwendete Texte
im einzelnen:
Der Text im
Abschnitt I (UNESCO-Arbeit) verarbeitet teilweise Materialien und
Textauszüge, die schon vorher in der UNESCO-Arbeit der Bismarckschule
Hannover verwendet und publiziert worden sind. Die wichtigsten Quellen
werden in den Fußnoten nachgewiesen. Es handelt sich um folgende
Vorveröffentlichungen:
J. Dallwig,
Internes aus dem Club; UNESCO-Club Rundbrief I/89, S. 1 f.
E. Kalthoff,
Patenschaften. In: UNESCO-Club Rundbrief II/88 und I/89
H.-W. Risson,
Arbeitsberichte aus dem Modellschulprogramm der UNESCO, Bonn, 1982
G. Voigt,
Arbeitsschwerpunkt Ausländerpädagogik; Politik Unterricht Aktuell, Juni
1989, Verband der Politiklehrer. S. 9
G. Voigt,
Chancen interkultureller Erziehung? Politik Unterricht Aktuell, Juli 1988,
Verband der Politiklehrer. S. 6
G. Voigt:
Tradition oder Umbruch? Erlebnisse im Nahen Osten. Schriftenreihe des
UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover,
e.V. Hannover 1989
G. Voigt,
Motivation und affektive Lernhindernisse zum Thema „Dritte Welt" und ihre
Bedeutung für das geographische Curriculum. Vortrag im Rahmen einer Tagung
des Verbandes Deutscher Schulgeographen in Berlin, Nov. 1982 (Skript)
Der Abschnitt II.
(Polen, von Lothar Nettelmann) stützt sich auf mehrere kürzere Berichte über
die Polenkontakte der Bismarckschule Hannover, ist sonst aber für ein
Colloquium über Polen-Kontakte hannoverscher Schulen im Mai 1989 [DPG und
Bismarckschule Hannover] und für die vorliegende Publikation verfaßt worden.
Verwendet wurde
neben den schon genannten Quellen:
Lothar
Nettelmann und Eva Helms: Schüleraustausch Poznań -Hannover. In: Arnoldsheimer Texte, Band 23, „Dialog mit Polen". Frankfurt 1984
Der Abschnitt
III. (Türkei) stützt sich in überarbeiteter Form auf:
UNESCO-Club für
die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e. V.: Türkei `85.
Hg. von G. Voigt. Hannover 1985.
Gerhard Voigt:
Tradition oder Umbruch? Erlebnisse im Nahen Osten. Schriftenreihe des
UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover,
e.V., Hannover 1989.
Das
Literaturverzeichnis ist leicht gekürzt übernommen worden aus:
[Interkulturelle Erziehung] aus: Gerhard Voigt: Tradition oder Umbruch?
Erlebnisse im Nahen Osten. Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die
UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. Hannover 1989
[Ausländerpädagogik] aus:
G Voigt, Chancen interkultureller Erziehung?
Politik Unterricht Aktuell, Juli 1988, Verband der Politiklehrer. S. 6
[Dritte-Welt-Didaktik] aus:
G. Voigt, Motivation und affektive Lernhindernisse zum Thema „Dritte Welt"
und ihre Bedeutung für das geographische Curriculum.. Vortrag im
Rahmen einer Tagung des Verbandes Deutscher Schulgeographen in Berlin,
Nov. 1982 (Skript)
[Türkei] aus:
Gerhard Voigt, Tradition oder Umbruch? a.a.O.
Inhalt
Zur
Textgestalt und den verwendeten Quellen
I.
UNESCO-Schulen: Aufgaben und Möglichkeiten
II. Die Partnerschaft zwischen dem V. Liceum in Posen/Poznań und der
Bismarckschule Hannover
III. Die
Türkei-Partnerschaft der Bismarckschule Hannover
Literaturauswahl
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