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Gerhard Voigt

Die Türkei-Partnerschaft der Bismarckschule Hannover

Die Partnerschaft mit der Istanbul Lisesi

Inhalt:
1. Die Aufgaben der TÜRKEI-AG im UNESCO-Club

2. Die Türkeifahrt der Bismarckschule Hannover 1985
3. Zu den Inhalten einer Türkeifahrt
4. Organisatorische Erfahrungen und Tipps
5. Résumé

Istanbul Lisesi

Die Türkei-Partnerschaft der Bismarckschule Hannover

1. Die Aufgaben der TÜRKEI-AG im UNESCO-Club

Die aktuellen Probleme, die eine ganze Generation in der Türkei prägen werden und die damit auch für uns Deutsche Bedeutung erlangen werden, lassen es um so wichtiger erscheinen, den ständigen Kontakt zwischen beiden Völkern und Kulturen auch auf der unteren Ebene der persönlichen Bekanntschaft nicht abreißen zu lassen, im Gegenteil: zu fördern und auszubauen. Hier fühlen sich auch die UNESCO-Schulen angesprochen. Auch das türkische Erziehungsministerium hat den Wert solcher Kontakte erkannt und unterstützt Schulpartnerschaften mit deutschen Schulen. Gerade kürzlich hat das türkische Ministerium mit dem niedersächsischen Kultusminister ein Schwerpunktprogramm für Schulpartnerschaften vereinbart, in das sich die Aktivitäten der Bismarckschule einpassen lassen. Von unserer Seite her besteht auch der Wunsch, noch zu einem weiteren türkischen Gymnasium Beziehungen aufzunehmen. Dabei würden wir ein weniger elitäres Gymnasium als unsere jetzige Partnerschule, die Istanbul Lisesi, möglichst im ländlichen Raum bevorzugen, um dadurch die Spannweite des türkischen Bildungswesens erfahren zu können und eventuell auch konkretere Partnerschaftshilfe zu betreiben, als es gegenüber einem gut ausgerüsteten Gymnasium in Istanbul, das mit an der Spitze der jährlich ermittelten „Leistungsrangliste“ der türkischen Schulen steht, möglich und notwendig ist.

Die TÜRKEI-AG im UNESCO-Club der Bismarckschule Hannover versucht, sich mit den Möglichkeiten und Problemen von Schulpartnerschaften auseinanderzusetzen, und will die Thematik „Türkeikontakte“ einer breiteren Schulöffentlichkeit vermitteln. In Arbeit mit Medien und Materialien werden die Grundzüge der Geschichte und Landeskunde der Türkei erarbeitet. Darüber hinaus bietet die TÜRKEI-AG ihren Mitgliedern die Möglichkeit, sich intensiv mit selbst gewählten Schwerpunktthemen aus Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft oder Zeitgeschichte zu beschäftigen, um daraus z.B. Berichte, Teile von Ausstellungen, Beiträge zu Informationsveranstaltungen oder Erkundungsthemen für Türkeireisen abzuleiten. Damit sind wir auch schon beim derzeitigen Hauptthema, um das sich die Arbeit der TÜRKEI-AG dreht: um die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung einer etwa vierzehntägigen Studienreise in die Türkei vor und in den Herbstferien 1989. Im Mittelpunkt wird der Besuch  in unserer  Partnerschule, der Istanbul Lisesi, stehen. Das Erziehungsministerium in Ankara wird zu einem Informationsgespräch aufgesucht werden. Begleitet wird dieses Informationsprogramm durch eine Fülle privater Kontakte und einer informativen Rundreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die westliche Türkei. Damit folgen wir den Spuren einer ersten Türkei-Reise der Bismarckschule Hannover vom Herbst 1985, über die noch zu berichten sein wird. Vorher, noch im Juni dieses Jahres, hatten wir aber die Freude, zum ersten Male eine Schülergruppe aus Istanbul bei uns begrüßen zu dürfen. Seit wir bei unserem letzten Besuch im Herbst 1985 – ein weiterer geplanter Kontakt während unserer Orientfahrt 1987 kam wegen der türkischen Sommerferien nicht zustande – unsere Einladung übermittelt hatten, laufen zögernd aber zielstrebig die Vorbereitungen für diesen Besuch. Nach einem durch den Wechsel der an der Istanbul Lisesi unterrichtenden deutschen Lehrer erschwerten Korrespondenz brachte der persönliche Besuch unserer stellvertretenden Clubvorsitzenden Sehnaz Çelik im Herbst 1988 den entscheidenden Durchbruch. Ihr bescheidenes aber zielstrebiges und höflich-konsequentes Auftreten in Istanbul, ihrer alten Heimat, bis sie zum Ende ihrer Schulzeit an unserer Schule die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen konnte, hat nach allen Berichten aus der Istanbul Lisesi dort einen ganz großen und für unsere Schule und den UNESCO-Club äußerst bedeutsamen Eindruck gemacht.[1]

2. Die Türkeifahrt der Bismarckschule Hannover 1985:

Auftakt der Schulpartnerschaft mit der Istanbul Lisesi

Ende Oktober 1985 wurde von der Bismarckschule Hannover eine erste Studienfahrt in die Türkei durchgeführt. Diese Studienfahrt trug einen ganz besonderen Charakter dadurch, daß sie nicht als Unterrichtsveranstaltung eines Leistungskurses in einem fachlich definierten Zusammenhang durchgeführt wurde, sondern von einer speziell für den neuen Arbeitsschwerpunkt gegründeten Türkei-Arbeitsgemeinschaft von der Gesamtkonferenz mit einem Erkundungsauftrag versehen wurde, der durch vorbereitende Aktivitäten wie durch die Fahrt selbst erfüllt werden sollte. Vierzehn Schüler und Schülerinnen der 12. und 13. Klasse und die Lehrer Hans Gütte, Ulrike Schulz und Gerhard Voigt übernahmen diesen Auftrag.

Die Bismarckschule Hannover versteht sich als UNESCO-Schule und hat sich der Arbeitsgemeinschaft der UNESCO-Schulen in Deutschland schon vor über dreißig Jahren angeschlossen. Dieser Akt ist eine Selbstverpflichtung dazu, den Geist der UNESCO sowohl in Unterrichtsveranstaltungen wie in außerunterrichtlichen Projekten und Aktivitäten wirksam werden zu lassen und dem Schüler nahezubringen. Geist der UNESCO, das heißt für uns: eine weltoffene Schule, lebendig, nicht erstarrt in Routine und fachlicher Verengung. UNESCO-Geist, das heißt auch: Völkerverständigung, Kontakte über die Grenzen hinweg, Abbau verengender Nationalismen, Abbau von trennenden Vorurteilen und ein sensiblerer Umgang mit dem Mitmenschen. UNESCO-Geist bedeutet aber auch, mehr zu tun als nur das, was verlangt wird, eigene Phantasie zu entwickeln und bereit zu sein zur ständigen Erneuerung des eigenen Engagements: der Schule einen neuen Sinn geben!

Auf ihrem Weg als UNESCO-Schule hat die Bismarckschule viele Stationen hinter sich gebracht. Zufrieden sind wir damit noch nicht. In den letzten Jahren wurden vor allem Schülerkontakte und Austauschprogramme gefördert. Über Jahre hinweg verband die Bismarckschule eine Partnerschaft mit einer Schule in Livonia in den USA. Nach dem Auslaufen dieses Austausches ist nun die Partnerschaft mit einer anderen amerikanischen Schule im Aufbau. Unter schwierigen politischen Rahmenbedingungen suchen, wir auch den Kontakt mit dem V. Liceum in Pozna /Posen in der Volksrepublik Polen aufrecht zu erhalten. Darüber wird an anderer Stelle berichtet. Die Verhärtungen im deutsch-polnischen Verhältnis verlangen immer neue Anläufe, um die Beziehungen auf der menschlichen Ebene herzustellen und zu sichern. Wir hoffen, mit diesen Kontakten nach West und Ost ein klein wenig aktive Friedenspolitik zu leisten.

Doch fehlt im Weltmaßstab, dem sich die UNESCO verpflichtet fühlt, eine weitere Dimension, die ungleich schwerere praktische Probleme aufwirft: der Blick über Europa und die „westliche“ Industriewelt hinaus in die Region der Armen, in die Dritte Welt. Nur vorsichtig können wir uns in die Probleme dieser Länder einleben, ohne in den Verdacht neokolonialer Einmischung zu geraten. Unbefangenheit ist hier noch schwerer zu erreichen als in den Beziehungen zu Polen. Ein erster Versuch zum Kontakt mit dieser Region ist die Aufnahme von Schulpatenschaften mit Schulen in Cochabamba/ Bolivien und bei Windhuk/Namibia, wobei die Bismarckschule Hannover unmittelbare finanzielle Hilfe sowohl für die Gesundheitsfürsorge für die Schülerinnen und Schüler als auch für die Beschaffung von Lernmitteln leisten will. Doch ein persönlicher Kontakt zu diesen Schulen wird über den Schriftwechsel hinaus nicht stattfinden können.[2] Daher wollen wir zunächst einmal Kontakte zu einem Land aufnehmen, das zwar einerseits als Brücke zur Dritten Welt und auch zur islamischen Kultur dienen kann, andererseits aber in vielfacher Weise noch mit der deutschen Geschichte und Gegenwart verbunden ist: der Türkei.

In der Erkenntnis, daß die Türkei ungeachtet aller inneren politischen und sozialen Probleme zu einem wichtigen Partner Deutschlands und Mitteleuropas geworden ist – der beantragte und verhandelte EG-Beitritt der Türkei bestätigt das ebenso wie die Verbindungen durch Arbeitsmigration und Tourismus – und in der Beobachtung vielfältiger Vorurteile und Ressentiments in der deutschen Bevölkerung, die es zu bekämpfen gilt, ist es unser Ziel, durch dauerhafte Kontakte und Partnerschaften zumindest im Rahmen der Schulöffentlichkeit aufklärerisch und emotional entspannend zu wirken.

Konkret sollte während dieser ersten Studienfahrt in die Türkei erkundet werden, ob trotz organisatorischer Probleme Studienfahrten und Informationsreisen in dieses Land risikolos durchgeführt werden können, ob sich in der Türkei Informationsmöglichkeiten und Gesprächskontakte in unserem Sinne herstellen lassen, ob dauerhafte Kontakte zu unterschiedlichen Kreisen in der Türkei hergestellt werden können, auf die bei späteren Reisen zurückgegriffen werden kann, und ob schließlich eine konkrete Schulpartnerschaft, ggf. mit Schüleraustauschangeboten, mit einer Schule in der Türkei eingeleitet werden kann. Das Résumé vorweg: Alle Fragen konnten in hohem Maße und mehr als erwartet positiv beantwortet werden.

3. Zu den Inhalten einer Türkeifahrt

Die Beschäftigung mit der Türkei ist in der derzeitigen Situation für deutsche Schüler in mehrfacher Hinsicht wichtig und interessant. Ganz abgesehen von den historischen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei – die gleichwohl immer etwas einseitig blieben –, auf die zurückzugreifen jedoch eine gute Grundlage für gegenseitiges Verständnis schaffen könnte, sind heute einige Probleme aufgetaucht, die einen gesellschaftlichen und politischen „Handlungsbedarf“ wecken, der sicher anders aussehen muß, als einige politische Kreise in der BRD es sich heute vorstellen, und sicher anders, als es die primitive Behandlung des „Ausländerthemas“ in Teilen der Öffentlichkeit nahe legt.

Die große Anzahl bei uns lebender Menschen türkischer Staatsangehörigkeit oder türkischer Herkunft ist eine Folge zweier korrespondierender Probleme – unkontrolliertes Wirtschaftswachstum in der BRD mit seinem temporären Arbeitskräftebedarf auf der einen, die sozialen Probleme eines sogenannten „Schwellenlandes“ auf der anderen Seite –, die zusammen zu der für die betroffenen Menschen überaus belastenden Arbeitsmigration führten. Diese nach längerer Zeit in keinem der beiden Länder mehr voll integrierten, entwurzelten Menschen sind die eigentlichen Opfer des ökonomischen Fortschrittes. Ihre unverschuldeten Probleme sind eine humane, soziale und politische Aufgabe und Verpflichtung für die Nutznießer jahrzehntelangen Wirtschaftswachstumes, der sich die deutsche Gesellschaft nicht durch Hinweis auf international verschlechterte wirtschaftliche Rahmenbedingungen (und die Unfähigkeit der deutschen Politik, mit den sozialen Folgen der Wirtschaftsentwicklung fertig zu werden) entledigen kann; auch die Türkei ist von diesen Wirtschaftsproblemen, viel härter noch als die BRD, betroffen, was sich im letzten Jahrzehnt mehrfach zu krisenhaften politischen Entwicklungen verdichtete, die die Situation des Landes bis heute problematisch erscheinen lassen.

Wir gehen davon aus, daß diese tief verwurzelte Problematik nur durch Informationen und enge Kontakte bewältigt werden kann und daß jede Ausgrenzungs- und Abgrenzungspolitik nur zu Deformationen des Bewußtseins führt, deren negative, oft aggressive Folgen letztlich auf uns selbst zurückfallen. Ziel der Beschäftigung mit dem Thema „Türkei“ ist es daher, tieferes Verständnis für die türkischen Menschen, ihre historische und kulturelle Herkunft, ihre Traditionen und Wertvorstellungen, ihre soziale und politische Einbindung in den türkischen Staat und die türkische Gesellschaft bei den deutschen Jugendlichen zu wecken, was auch den Prozeß der Selbstreflexion und der Selbstfindung im Kontakt mit der sozialen Umwelt fördern soll.

Das wird durch die aktuellen Bemühungen der türkischen Republik um Aufnahme in die EG noch dringender, da damit der politische und kulturelle Kontakt zu diesem Land enger und alltäglicher wird und Mißverständnisse und Vorurteile zu politischem Sprengstoff werden können, die die friedenserhaltenden Integrationsbemühungen der europäischen Bewegung, von ökonomischen und politischen Rivalitäten ohnehin schon recht belastet, zunichte machen könnten. Hier sich auf die völkerverbindenden Grundsätze der Vereinten Nationen und der UNESCO zu beziehen, kann dem zunächst ökonomisch motivierten europäischen Zusammenschluß die dringend benötigte politische und kulturelle Dimension zurückgewinnen.

Die üblichen Studienfahrten greifen in ihrer Konzeption zu kurz, um das anspruchsvolle Arbeitsprogramm des Arbeitsschwerpunktes „Türkei“ an der Bismarckschule Hannover zu erfüllen; eine längerfristige Einbindung in vielfältige Aktionen, Projekte und Unterrichtsveranstaltungen ist ebenso notwendig wie die Perspektive eines dauerhaften Kontaktes zu Personen und Schulen in der Türkei, der längerfristig eine echte Schulpartnerschaft entwächst.

Die Gründung der „Türkei-Arbeitsgemeinschaft“ an der Bismarckschule Hannover ist nur ein erster Schritt in diese Richtung. Um den hohen Anspruch an dieses integrative Arbeitsprojekt zu dokumentieren, wurde eine erste Studienfahrtplanung für eine Reise in die Türkei im Herbst 1985 auch aus der sonst üblichen organisatorischen Einbindung der Studienfahrten herausgelöst und der Türkei-AG zugewiesen, die damit Koordinations- und Organisationsaufgaben zwischen den inhaltlichen Beiträgen der verschiedenen Fächer übernimmt: eine deutliche Verpflichtung zur ernsthaften und kontinuierlichen Arbeit der Arbeitsgemeinschaft, die im Jahr 1986/87 als „Orient-AG“ (in der Vorbereitung einer Sommerreise in die Türkei und in den Nahen Osten) weitergeführt und 1988/89 erneut als „Türkei-AG“ wiederaufgenommen wurde, jetzt mit zwei neuen aktuellen Vorhaben, und zwar der Vorbereitung eines Besuches von Schülern der türkischen Partnerschule in Istanbul (Istanbul Lisesi) in Hannover im Juni 1989 und der Vorbereitung einer weiteren Türkeifahrt im Herbst des gleichen Jahres, die sich an den Konzeptionen und Erfahrungen der Reise 1985 orientiert.

Die erste geplante Studienfahrt, die von den Mitgliedern der Türkei-AG durchgeführt wurde, hatte damit Pilotfunktion für die Schule, wobei vor allem die möglichen Fortsetzungen und Vertiefungen der Kontakte und der Informationsmöglichkeiten geprüft werden sollten. Schon die erste Konzeption dieser Reise, wie sie von der Gesamtkonferenz und später von der Bezirksregierung genehmigt worden ist, sieht einen Programmschwerpunkt im Besuch der Partnerschule in Istanbul und in zusätzlichen Informationen über das Bildungswesen in der Türkei, u.a. durch einen Besuch im Ministerium für Nationale Erziehung in Ankara.

Durch Gespräche mit Schülern und Jugendlichen, nicht nur aus unserer Partnerschule, sollte ein Eindruck von der sozialen und ökonomischen Situation des Landes und den dadurch geformten Lebensbedingungen der türkischen Jugendlichen vermittelt werden. Daß bei diesem notwendigerweise auf zentrale Themenbereiche konzentrierten Programm auch der Kontakt mit der reichen Kultur und Geschichte der Türkei nicht fehlen darf, versteht sich, nach den einleitenden Ausführungen, von selbst.

Dies kann und darf aber nicht zum touristischen Selbstzweck werden, sondern soll die Basis zum Verständnis der heutigen Situation des Landes sein. Um beide inhaltlichen Aspekte gleichermaßen intensiv bearbeiten zu können, wurde die Reise in mehrere Abschnitte unterteilt, die jeweils ein eigenes inhaltliches Profil gewannen. Istanbul vermittelte zunächst den grundlegenden ersten Eindruck der Vielfältigkeit der türkischen Lebensverhältnisse und ihrer tiefen historischen Verankerung, geleitet durch die unmittelbaren Eindrücke des Besuchs in der Istanbul Lisesi.

Ankara führte, auch durch das Gespräch im Ministerium, in die Aktualität des türkischen Staatswesens ein; der Schatten des Republikgründers Atatürk wird hier besonders mächtig. Konya ist demgegenüber eine Art Gegenpol: islamische Tradition und Kultur werden als auch heute wirksame Werte und bewundernswerte Kulturleistungen erkennbar. Der letzte Teil der Reise entsprach dann eher üblichen Türkeirundreisen – jetzt aber auf einer gefestigten Informationsbasis –, indem bemerkenswerte Landschaften – Kappadokien, Pamukkale, Ägäisküste – und weltberühmte historische Stätten, die durchaus auch für sich genommen eine Studienreise wert sind – Pergamon, Troja –, in den Vordergrund rückten. Als stärker erlebnisbetonte Phase, gleichzeitig mit deutlich erholsamerem Ablauf, rundete dieser letzte Teil die Türkeireise zu einem harmonischen Ganzen, das den Schülern wichtige und wertvolle Eindrücke und Einsichten vermitteln konnte.

In späteren Reisen könnten über den Eindruck der räumlichen Disparitäten dieses großen Landes hinaus eventuell auch stärker die Probleme der ländlichen Räume der Problemgebiete Ostanatoliens in den Planungsmittelpunkt treten. Doch bei der zweiten Türkeireise wird zunächst das bewährte Grundprogramm wiederholt mit einige Verbesserungen und Abrundungen, die Ergebnis der Erfahrungen der ersten Reise sind.

4. Organisatorische Erfahrungen und Tips

Türkeireisen werden von Schulen heute schon häufiger organisiert. Die Aktualität dieses Themas und Reiseziels wird erfreulich oft erkannt und richtig eingeschätzt. Besonders interessant sind dann natürlich Veranstaltungen von Schulen mit hohem Anteil türkischer Schüler, die im Rahmen einer solchen Studienfahrt den deutschen Mitschülern ihre Heimat vorstellen können. Aber auch für Schulen des weiterführenden Schulwesens, auch für Gymnasien, in denen der Ausländeranteil relativ gering ist, bietet der Kontakt mit der Türkei, wenn er entsprechend sorgfältig vorbereitet und inhaltlich aufgefangen wird, wichtige Lernanstöße; ist doch die sogenannte „Ausländerproblematik“, die oft explizit Türkenfeindlichkeit hervorruft, ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das weitgehend unabhängig von der tatsächlichen Kontakthäufigkeit zwischen den Nationalitätengruppen ist. Dies Thema muß an anderer Stelle intensiver und umfassender ausgeführt und verbreitert werden; die gesellschaftswissenschaftlichen Grundeinsichten, die bei der Konzeption unserer Türkei-Kontakte eine Rolle gespielt haben, müssen hier vorausgesetzt werden. Dies gilt auch für die vielfältigen kritischen Ansätze über Rezeptionsweisen bei Fernreisen, die das Thema Auslandsstudienfahrten doch noch schwieriger und differenzierter erscheinen lassen, als es der auf die Individualpädagogik verengte Lehrerblick gerne wahrhaben will. Nur so viel: Reisen allein beseitigt noch keine Vorurteile, bekräftigt sie sogar oft. Eine sinnvolle Studienreise bedarf der intensiven pädagogischen und sachinformativen Einbettung, Vorbereitung und Auswertung!

Einige scheinbar recht banale Anmerkungen über das Alltagsverhalten in der Türkei können den Schülern schon eine wertvolle Hilfe sein, sich innerlich auf den Türkei-Besuch einzustimmen. Einige solche Bemerkungen, die im konkreten Falle der Studienfahrtvorbereitung der Bismarckschule Hannover mit den Schülern intensiv diskutiert wurden, sollen hier kurz aufgeführt werden: Grundsätzlich ist zu sagen, daß die Türkei sich, zunehmend stärker, den uns bekannten „westlichen“ Verhaltens- und Umgangsformen anpaßt, so daß eine Reise kaum problematisch ist; das wird unterstützt durch die immer häufigeren Kontakte mit Touristen, auch uninformierten Reisenden aus Mitteleuropa, überall in der Türkei. Doch gibt es doch noch einige Besonderheiten, auf die aufmerksam gemacht werden soll, wenn wir nicht als Touristen, sondern als Gäste begrüßt werden wollen.

Wichtig ist vor allem die formbetonte Höflichkeit des zwischenmenschlichen Umgangs, die Höflichkeitsfloskeln, Zurückhaltung, Verzicht auf drängende Eile und Nötigung und Respekt mit einschließt. Mit Höflichkeit können auch unbekannte Situationen gemeistert werden. Zwiespältig sind die Verkehrsformen im Handel. Während bei Lebensmitteln und Gegenständen des täglichen Bedarfs Handeln um den Preis unüblich, bei geringwertigen Gegenständen ungehörig ist, sollte mit steigendem Wert der angebotenen Ware zunehmend intensiver auch über den Preis verhandelt werden. Feilschen um des Feilschens willen ist jedoch nicht angebracht; es ist auch nicht angebracht, um minimale Preisdifferenzen übermäßig lange zu verhandeln. Preisverhandlungen dienen der gegenseitigen Information über die derzeitigen Marktbedingungen, der Information über die Ware und der Vertrauensbildung zwischen Käufer und Verkäufer. Wer gar nicht ernsthaft kaufen will, sollte mit dem Handeln erst gar nicht anfangen, um nicht in ernsthaften moralischen Kaufzwang zu geraten.

Zur Höflichkeit gehört auch das Respektieren bestimmter Kleidungsgewohnheiten. Dabei sind in der Türkei zwischen Stadt und Land heute auffallende Unterschiede zu beobachten. Die etwas besser situierten Kreise der Großstadt kleiden sich modisch und elegant, z.T. auffällig vornehm. Die traditionelle Kleidung ist schlicht, verhüllend und Körperformen eher kaschierend. Für den Besucher ergeben sich so nur einige Grundregeln: den „üblichen Grad“ der Körperbedeckung auch bei Hitze einhalten (nicht in Badehose etc. durch die Straßen laufen!), in ländlichen Gebieten besser auch Oberarme und Oberschenkel bedeckt halten (keine Bermudashorts oder Miniröcke). Verstärkt gilt das beim Besuch von Dienststellen, Behörden, Ministerien, Schulen etc. und ohne Ausnahme natürlich bei der Besichtigung von Moscheen, bei denen Frauen Kopfbedeckung tragen sollten. In Privatwohnungen zieht man übrigens seine Straßenschuhe aus.

Der Umgang zwischen Mann und Frau ist in der Öffentlichkeit traditioneller und distanzierter als bei uns. „Knutschereien“ in der Öffentlichkeit sind z.B. strikt verpönt. Es ist in der Türkei oft noch unüblich, daß Frauen allein ausgehen oder in Restaurants gehen. Das kann u.U. zu Mißverständnissen unangenehmer Art oder zu Gefährdungen führen, so daß wir empfehlen, zum einen grundsätzlich auch in der Freizeit nur in Gruppen unterwegs zu sein und zweitens „gemischte“ Gruppen zu bilden. Die Reiseteilnehmer sollten gegenseitig aufeinander achten und gegenseitiges Verantwortungsgefühl zeigen: dann sind ernsthafte Risiken nicht zu erwarten. Man spricht übrigens auf der Straße Personen des jeweils anderen Geschlechts nicht an.

Abschließend noch ein paar praktische Hinweise, wie wir mit Erfolg unsere Studienreisen organisiert haben: Zunächst haben wir ein Reisebüro nur für eine Flugbuchung nach Istanbul und zurück in Anspruch genommen. Unsere Programm- und Routenwünsche sind ohne Schwierigkeiten und wesentlich billiger selbst zu organisieren, wenn kein allzu großer Wert auf Unterbringungskomfort gelegt wird und die Bereitschaft besteht, im Lande selbst zu improvisieren und Programmänderungen zu akzeptieren. Mir scheint das eine für die Türkei angemessene, landesnahe Form des Reisens zu sein. Wege im Lande selbst sind ohne Probleme mit den Linienbussen zurückzulegen.

Am „Otogar“ jeder Großstadt ist das Gruppenticket einen Tag vor der Weiterreise zu sehr günstigen Preisen zu erhalten (z.B. Istanbul-Ankara pro Person ca. 12.-- DM[3] umgerechnet). Ausflüge können auch mit Mietbussen (Kleinbusse der „Dolmuw-“ d.h. Sammeltaxen-Betriebe) unternommen werden. Für eine Tagestour mit zwei Kleinbussen ist etwa mit Kosten von insgesamt 300.-- DM zu rechnen.

Hilfreich ist es, wenn man sich von Ort zu Ort durch persönliche Empfehlungen weiterleiten läßt; das hilft über viele Unsicherheiten und Mißverständnisse hinweg. So können auch Hotelbuchungen an Ort und Stelle durch Bekannte vorgenommen werden. Für uns ist das besonders leicht, da wir zunächst unsere Partnerschule in Istanbul besuchen, wo wir jetzt schon viele Bekannte und Freunde antreffen werden. Sehr hilfreich ist es – und bei offiziellen Schulkontakten ebenso wie bei Informationswünschen an Ministerien und Dienststellen in der Türkei rechtlich sogar notwendig –, rechtzeitig etwa ein halbes Jahr vor Reiseantritt Kontakt beim Erziehungsattaché des zuständigen türkischen Generalkonsulats zu suchen und mit ihm die Reiseplanung durchzusprechen. Er veranlaßt dann die notwendigen Genehmigungen in der Türkei und gibt der Gruppe ein offizielles Empfehlungsschreiben mit, das bei allen Behördenkontakten in der Türkei, bis hin beim Besuch von Museen und Gedenkstätten, sehr hilfreich ist.[4]

Schulstudienfahrten müssen, das sei hier nur am Rande erwähnt, natürlich auch von den deutschen Dienststellen (in Niedersachsen bei der zuständigen Bezirksregierung) genehmigt werden, was bei den recht teuren Türkeireisen einen sehr eingehenden Begründungsaufwand verlangt. Hier ist der Status einer UNESCO-Schule sehr hilfreich. Wer eine solche Reise zum ersten Male beantragt, sollte sich bei Schulen mit Türkei-Erfahrungen näher über das Procedere und über die inhaltlichen Begründungen informieren. Auch die Ausführungen zu den Gründen der Türkei-Kontakte im vorliegenden Text können dabei hilfreich sein.

Die Kosten sind zwar absolut gesehen relativ hoch, im Verhältnis zu den Leistungen jedoch sehr günstig. Flugreisen nach Istanbul werden von Hannover aus derzeit bei türkischen Reisebüros wie z.B. Öger-Tours oder Türk-Tur für ca. 450.- bis 550.- DM angeboten. Für den Aufenthalt im Lande einschließlich Busfahrten, (einheimischer) Verpflegung und Programmkosten sind dann noch einmal bei einer Gesamtreisedauer von zwei Wochen ca. 500.- bis 600.- DM hinzuzurechnen. Wer natürlich Sonderwünsche in Bezug auf Unterkunft und Verpflegung hat und z.B. Kebab und Brot als Grundnahrungsmittel nicht akzeptieren will, muß sehr schnell erheblich mehr ausgeben. Ein ausreichender Versicherungsschutz – Reiseausfallversicherung für die Flugbuchung, Kranken- und Unfallversicherung [besonders wichtig, seitdem die gesetzlichen Krankenversicherungen für Krankenkosten in der Türkei i.d.R. nicht mehr zahlen], für Begleitpersonen auch Haftpflichtversicherung – sollte in jedem Falle gewährleistet sein.

5. Résumé

Die Türkeikontakte sind für die Bismarckschule Hannover und den UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., zu einem zentralen Arbeitsbereich geworden, in dem sehr interessante und für den Bildungsauftrag einer UNESCO-Schule wichtige Ergebnisse erzielt werden konnten. Der persönliche Kontakt mit diesem vielfältigen wie zwiespältigen Land zwischen Europa und Asien am Schnittpunkt der Kulturen ist nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die begleitenden Lehrer faszinierend und fruchtbar. Durch die Einbindung in die vielfältige UNESCO-Schularbeit, durch die Bereitschaft zur inhaltlichen Reflexion und durch den möglichen Vergleich mit anderen Partnerländern und -schulen in Polen, in Finnland und den USA wird eine sinnvolle Beobachtungsdistanz geschaffen, die auch kritische Distanz zur eigenen Kultur ermöglicht und damit Änderungen denkbar werden läßt.

Hier endet aber die Möglichkeit einer Überprüfung der Ergebnisse durch die Beschränkungen der innerschulischen Organisationsformen. Es wäre sinnvoll und wünschenswert, wenn sich hier ein Kontakt zur wissenschaftlichen Begleitung durch die Hochschule, durch Pädagogik, Politikdidaktik und Sozialpsychologie herstellen ließe, um aufbauend auf die jetzt schon sehr fundierten praktischen Erfahrungen und ersten Reflexionsansätze zu verallgemeinerbaren Ergebnissen zu kommen, die der UNESCO-Arbeit im Bereich der internationalen Schulpartnerschaften und Begegnungen neue Impulse vermitteln könnten.[5]



[1]      im Original folgt hier: Abb. 3: Route der Türkei-Reise 1985. Aus dem Reisebericht des UNESCO-Clubs [entspricht bis auf kleine Abweichungen auch der Reise 1989]

[2]      Die hier erwähnten Schulpartnerschaften entsprechen dem Stand vom Ende der 80er Jahre, als dieser Bericht erstmalig in den »Oldenburger Vor-Drucken« veröffentlicht wurde. Heute, 1997, werden die Partnerschaften mit Pozna (Polen) und der Istanbul Lisesi (Türkei) fortgeführt, Schüleraustauschprogramme laufen mit einer anderen Schule in den USA bei Chicago und mit Chartre (Frankreich); ein Patenschaftsprojekt wird erfolgreich mit einer karitativen Organisation in Bolivien durchgeführt und eine enge Zusammenarbeit hat sich mit der Eötvös-Lorand-Universität Budapest (Ungarn) bei regelmäßigen Oberstufen-Studienfahrten ergeben. Daneben wird das THIMUN-Projekt regelmäßig fortgeführt. (Anmerkung 1997).

[3]      Alle hier genannten Preise entsprechen dem Stand von 1987-90. Doch haben sich die Größenordnungen außerhalb der Saison bis heute (1997) nicht wesentlich erhöht. Busfahrten etc. sind durch die höheren Energie- (Treibstoff-) Kosten etwas teurer geworden. Vgl. den Bericht zur Türkei-Fahrt 1996 in diesem Heft!

[4]      Diese Möglichkeiten bestehen bedingt durch die große Zahl von Türkei-Reisen durch Schülergruppen heute kaum noch. Die innenpolitischen Konflikte in der Türkei machen zudem die offiziellen Stellen wenig Kontakt- und Auskunftfreudig; das gilt vor allem auch im Bildungsbereich. Dagegen werden Schul- und Hochschulkontakte leichter, da das Lehrpersonal an Kontakten sehr interessiert ist.

[5]      im Original folgt hier: Abb. 4: Plakat und Signet der TÜRKEI-AG im UNESCO-Club

İstanbul Lisesi

Unsere Partnerschule stellt sich vor

İstanbul   Lisesi

 

Die Lage der Schule

Das İstanbul Lisesi liegt an prominenter Stelle in der Altstadt Istanbuls in unmittelbarer Nähe der Hagia Sophia, der Sultan Ahmet Moschee, der Hohen Pforte (des früheren osmanischen Regierungsviertels), des Zeitungsviertels (Bab-i Ali) und des grossen Bazars.

Die Dachterrasse der Schule bietet einen herrlichen Ausblick auch auf das Galataviertel, das Goldene Horn und den Topkapi Saray.

Geschichtliches

Eigentlich handelt es sich bei diesem imposanten dreistöckigen Gebäude mit den charakteristischen Dachaufbauten um den Sitz der bis 1933 tätigen deutsch-französischen Schuldenverwaltung.

Schon 1884 eröffneten zwei Herren, Abdi Kamil aus Saloniki und Herr Nadir, ein pensionierter Offizier, eine sog. Sultani-Schule, die Sens-Ül-Metakip-Schule. Ab 1912 ist der Name „Istanbul Lisesi“, zugleich deren heutiger Name, verbürgt. Im ersten Weltkrieg benutzte man das Gebäude als Krankenhaus, die Fassade in Gelb, die Türen in Schwarz wegen des Todes von Mitgliedern der Pfadfinder des Istanbul Lisesi bei den Dardanellen. Angeblich sollen so die Traditionsfarben des Istanbul Lisesi Schwarz-Gelb entstanden sein.

In jener Zeit unterrichteten insgesamt 9 deutsche Lehrer an der Schule und bildeten somit die frühe deutsche Abteilung am Istanbul Lisesi.

Als reine Jungen-(Knaben-)schule trug sie damals den Namen „Istanbul Erkek Lisesi“, den sie erst in den 80er-Jahren ablegen sollte.

Die Internatsschule des Istanbul Erkek Lisesi zog 1933 in das Schulgebäude ein. Im Erdgeschoss und unterem Stockwerk befanden sich Unterrichts- und Verwaltungsräume, das 2. Stockwerk war dem Internat vorbehalten: der berühmte 100-Mann-Schlafsaal wird gerne erwähnt.

Im Jahre 1958 bildete man erneut eine deutsche Abteilung am Istanbul Erkek Lisesi, die ständig ausgebaut wurde.

Eine für die Belange der Schule wesentliche Schulstiftung wurde im Jahre 1982 gegründet und nahm ihren Sitz im rechten Nebengebäude, angrenzend an das iranische Generalkonsulat.

Es folgte eine längere Bauphase für ein modernes Erweiterungsgebäude auf der linken Seite mit Sportsalon, Theatersaal, Cafeteria und grossem Speisesaal, in das 1984 dann das Internat umziehen konnte.

Auf diese Weise ergab sich für die deutsche Abteilung die Möglichkeit, ihr „Klausnerdasein“ zu beenden und in die ehemaligen, grosszügigen Internatsräume im 1. Stock des Hauptgebäudes einzuziehen.

Dieses Jahr 1984 war auch in anderer Hinsicht für die Schulgeschichte von grosser Bedeutung: eine Woche lang, geehrt durch den Besuch des Staatspräsidenten der Türkischen Republik, Herrn Kenan Evren, feierte das jetzt umbenannte Istanbul Lisesi sein 100-jähriges Bestehen.

Auch der Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Herr Richard v. Weizsäcker, liess es sich nicht nehmen, im Jahre 1986 diese Schule zu besuchen, obwohl zu diesem Zeitpunkt Rückkehrerkinder am Istanbul Lisesi kaum zu finden waren.

Seit 1986/87 werden die naturwissenschaftlichen Unterrichts- und Sammlungsräume umfangreich modernisiert. In den modernen Chemie-, Biologie-, Physiklaboren und den neuen Räumen für den praktischen Unterricht in Gruppen dokumentieren ausgewählte deutsche Lehrer den anerkannt hohen Standard ihres naturwissenschaftlichen Unterrichts. Der Computerunterricht ist seit 1985 mit 20 Acron-Computerplätzen möglich.

Baulich interessantes befindet bzw. befand sich in den unteren „Gemächern“ des Hauptgebäudes: im Keller vermutet man einen jetzt verschütteten Geheimgang bis zum Goldenen Horn. Ein Schülerprojekt befasste sich mit den Resten einer historischen Zisterne in einem Nebengeschoss des Schulgebäudes.

Heute

An unsere Schule werden Schüler nach Bestehen einer landesweiten Aufnahmeprüfung aufgenommen. Diese Schüler werden insgesamt 8 Jahre, davon zwei Jahre in einer Vorbereitungsklasse, drei Jahre in der Mittelstufe, drei Jahre in der Gymnasialstufe unterrichtet. Die Ausbildung erfolgt in den Naturwissenschaften in deutscher Sprache. Deutsch ist also nicht nur erste Fremdsprache, sondern auch Unterrichtssprache. Es verlassen junge Menschen unsere Schule, die den Weg einer doppelten Bildung gehen. Sie integrieren sich leicht in die Eliten anderer Länder, sprechen eine Fremdsprache flüssig und tragen zur Entwicklung ihres Landes bei, da sie später einmal führende Positionen einnehmen werden. Absolventen des Istanbul Lisesi werden in die Lage versetzt, die Brücke zu Europa zu gestalten und zu festigen. Der Erfolg des traditionellen und alt-ehrwürdigen Istanbul Lisesi ist unumstritten.

Das Kollegium setzt sich zusammen aus dem Direktor, seinem Stellvertreter; 6 Unterdirektoren, einem deutschen Abteilungsleiter, 3 Schulpädagogen, 40 türkischen und 28 deutschen Lehrern.

Der Elternverein – Die Elternpflegschaft

Während der Elternverein sich den erzieherischen Problemen der Schule widmet, findet die Elternpflegschaft ihre Aufgabe in der finanziellen Unterstützung und trägt zur Entwicklung und Förderung der Schule bei. Sie sorgt dafür, dass Fehlendes und Notwendiges besorgt wird.

Die Stiftung des Istanbul Lisesi

Die Erziehungsstiftung des Istanbul Lisesi wurde am 20.12.1982 von Absolventen, Lehrern und der Schulleitung des Istanbul Lisesi mit der Absicht gegründet, dieses ehrenwerte Istanbul Lisesi in seiner Erziehungsarbeit und seinen positiven Funktionen zu fördern. Sie übernimmt Aufgaben wie beispielsweise die Vergabe von Stipendien innerhalb und ausserhalb der Schule, lässt Anlagen erbauen und einrichten, honoriert erfolgreiche Schüler etc... Die Stiftung hat somit Funktionen sowohl innerhalb der Schule als auch innerhalb des türkischen Erziehungswesens.

Der Istanbuler Sportverein

Der Sport hat, wie wir wissen, in der Erziehung eine grosse Bedeutung. Der Istanbuler Sportclub, der sich zu einem professionellen Sportclub entwickelt hat, ist eine Gründung des Istanbul Lisesi und wird von der Vereinigung ehemaliger Absolventen des Istanbul Lisesi gefördert. Sein traditioneller Name und sein Symbol werden auch beibehalten werden, wenn der Verein in naher Zukunft in eine Aktiengesellschaft umgestaltet wird. Durch die Einrichtung neuer Sportanlagen wird auch den Schülern die Möglichkeit gegeben, zu trainieren und sich sportlich zu entwickeln, Gegenwärtig spielt der Fussballverein in der 3. Liga und die Basketballmannschaft in der 2. Liga. Beide Mannschaften legen grossen Wert auf Nachwuchskräfte des Istanbul Lisesi.

Schüleraustausch am Istanbul Lisesi

Dem Schüleraustausch messen wir grosse Bedeutung bei. Wir begreifen in diesen Tagen besser als früher, dass Grenzen Brücken haben müssen, über die Menschen, Freundschaften, Ideen hin und her gehen können. Der Sprachunterricht wird intensiviert, ein Deutschlandbild wird aus eigener Anschauung vermittelt.

Unsere Partnerschulen:

  • Gymnasium Bad Nenndorf (2005 nicht mehr aktiv)

  • Bismarckschule Hannover  (Unesco – Schule am Maschsee)

  • Städt. Gesamtschule Porz

  • Genovevagymnasium Köln

  • Schulzentrum Köln-Ostheim-Gymnasium/Kurt Tucholsky Hauptschule/Albert-Schweizer-Realschule

  • Hansa-Gymnasium Köln

  • IGP-Integrierte Gesamtschule Bergisch-Gladbach

  • Rabanus-Magnus-Gymnasium,  117-er Ehrenhof,  D-6500 Mainz

  • Internationale Gesamtschule Heidelberg

  • Deutsche Schule Athen /  Dörpfeld Gymnasium

Statistiken:

Das Istanbul Lisesi ist eine der erfolgreichsten Anadolu Schulen. Das zeigen die Erfolgsquoten der vergangenen 10 Jahre. (1981-1990).

Die Statistik zeigt den Zugang der Absolventen zu den Universitäten.

Jahres-Zahlen

Allgemeine Erfolgsquote

Fakultäten für Ingenieurwesen

Fakultäten für Pharmazie und Zahnmedizin

Wirtschaftswissen­schaften Betriebswirtschaft

   

 in Prozent  

in Zahlen  

in Prozent  

in Zahlen  

in Prozent  

in Zahlen  

in Prozent  

1990  

85 

67  

47  

14  

20  

27  

19  

1989  

89  

58  

41  

13  

9  

30  

21  

1988  

82  

61  

40  

14  

9  

28  

19  

1987  

91  

83  

49  

23  

14  

29  

17  

1986  

88 

65  

42  

28  

18  

40  

26  

1985  

90 

62  

39  

27  

17  

34  

21  

1984  

96 

40  

34  

38  

32  

20  

27  

1983  

96 

56  

38  

42  

28  

20,  

14  

1982  

95 

48  

34  

27  

19  

21  

15  

1981  

93 

63  

47  

26  

20  

13  

9  

[Quelle: Aus einem Informationsblatt der Istanbul Lisesi ]

[Zitiert nach: Voigt, Gerhard (Hrsg.): Ein Jahrzehnt Türkeipartnerschaft. Ein Bericht über die Partnerschaft der Bismarckschule Hannover mit der Istanbul Lisesi 1985 bis 1996 im Rahmen der Arbeit einer UNESCO-Projekt-Schule Mit dem Reisebericht der Türkei-Studienfahrt der Türkei-Arbeitsgemeinschaft der Bismarckschule im Frühjahr 1996. Hannover: UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. [An der Bismarckschule 5, D 30173 Hannover], 1997 (Schriftenreihe des UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., Heft 9) ISBN 3-930307-08-1]

Das genannte Heft ist hier im Volltext publiziert!

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KompetenzFokus Interkulturelle Kommunikation:
Verband der Politiklehrer e.V., Hannover – UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. – Deutsch-Türkische Vereinigung für Sozial- und Geisteswissenschaftlichen Austausch, Hannover (Arbeitsgemeinschaft)

 

Stand: 20.03.2010 - bismarckschule.voigt@gmx.de

Verantwortlich: Gerhard Voigt, Oberstudienrat i.R.

Versitzender des Verbandes der Politiklehrer e.V., Hannover