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Doz. Dr. Y. Gürcan
Ültanir:
Schulen der griechischen und
armenischen Minderheiten in der Türkei
Kultur und Interkulturalität
I. Einleitung
In diesem Kapitel werden erstens
einschlägige Definitionen des Begriffes der Kultur sowie später die
Bedeutung der Interkulturalität gegeben. Wenn man von der Kultur
spricht, fallen die Spielarten der Teilkulturen, bzw. die Beziehungen der
Ethnien in einer Bevölkerung ein. Hier geht es nämlich um Minoritäten
und Majoritäten. Diese Kenntnisse werden im gegebenen Zusammenhang
hinsichtlich der Erziehung verarbeitet.
a. Kultur und Interkulturalität
In Abgrenzung zu dem abstrakten,
traditionell geisteswissenschaftlichen, vom sozialen Kontext weitgehend
losgelösten und abgehobenen Verständnis von Kultur, gehen die Ansätze
interkultureller Pädagogik in Anlehnung an die Ethnologie von einem
erweiterten und zugleich konkreteren Kulturbegriff aus: In diesem Zusammenhang
wird Kultur als „Alltagswissen“ verstanden, das nicht allein die Objektivation
alltäglichen Handeins von Essen und Bekleidung bis zu Berufen und
Verwandtschaftsbeziehungen umfasst, sondern ebenso die Ideen, Alltagstheorien
sowie Deutungsmuster, in denen die Mitglieder einer Kultur in 'natürlicher'
Einstellung die sie umgebende Welt auslegen Treuheit / Otten,
1994 S. 33).
Die Kulturen schaffen bei jeweiligen
Gruppe ökonomische, soziale und auch ideengeschichtlichen Bedingtheiten, und
durch dieses alles eine Identitätsbildung beim Individuum. Auernheimer
(1984) versucht mit folgender Annäherung hinsichtlich unterschiedlicher Aspekte
Kultur zu definieren: „Kultur ist ein gemeinsames geteiltes System von
symbolischen Bedeutungen, das in allen Lebenstätigkeiten mehr oder weniger
mitproduziert wird. Sie ist aus der Auseinandersetzung mit den materiellen
Lebensbedingungen unter bestimmten Produktionsverhältnissen hervorgegangen und
wird unter Anknüpfung an die jeweils vorgefundenen Traditionen tagtäglich neu
geschaffen“ (S. 23). In einer Bevölkerung leben verschiedene Gruppen
verschiedener Herkunft. Die Zugehörigkeit ist dort von großer Bedeutung. Diese
kann verschiedene Rituale, Bräuche, Sitten, Normen, Institutionen,
Bekleidungsart, Dialekte, Mundarten, Musik und Glaubensunterschiede in einer
Religion schaffen. In industrialisierten westeuropäischen Ländern entstammen
diese Unterschiede besonders den Migrationen, dort zeichnen diese Unterschiede
Kulturgrenzen. Wie z.B. die Bauernkultur der Türken in Europa versucht, vor
kapitalistischen Verhältnissen in europäischen Bevölkerungen, ihre Existenz zu
bewahren! Aber auch in der Türkei ist es unsinnig, beispielsweise von der
armenischen, der griechischen und der türkischen oder der kurdischen Kultur zu
reden, weil Kultur eine materielle oder soziale Basis hat. Im 21. Jahrhundert
ist es auch unsinnig von unterschiedlichen Nationalkulturen zu reden.
Nationalkulturen sind, wie wir wissen, ein neuzeitliches Phänomen. Trotzdem
könnte auch falsch sein, dass Religionsunterschiede wie z.B. unter
armenischen, griechischen Minderheiten und der muslimischen Bevölkerung als
nicht bedeutend angesehen werden. Manche Kulturelemente bewahren seit
tausenden von Jahren ihren spezifischen Charakter. Wenn kulturelle Formen und
Inhalte eine materielle Basis, eine spezifische Funktionalität haben, dann
lassen sie sich nicht beliebig auf Lebenssituationen übertragen (Auernheimer,
1984, S. 25). Wenn man von Kulturunterschieden zwischen der Minderheiten- und
Mehrheitskultur spricht, geht es um Kochkultur, Feierkultur, Hochzeitskultur,
Ehekultur, Begräbniskultur usw.
Den Kulturkonflikt erleben viele
Jugendliche aus Minderheitenfamilien besonders bei der Lebensplanung. Nach
traditionellem Muster sollten zum Beispiel die Jungen und Mädchen heiraten.
Hier bleibt den Jugendlichen unter diesen Umständen manchmal nur die Flucht und
der Bruch mit der Familie.
Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe
hilft dem Einzelnen, sich seine Identität zu schaffen. Dabei sind die Kultur
wie auch die Gruppenkulturen von großer Bedeutung. Sie bieten das Material, das
zu individuellen Konstruktionen verarbeitet wird. Die
Identitätsentwicklungsphase beginnt nach Freud in der Familie. Die Schülerinnen
und Schüler kommen mit ihren eigenen Identitäten in die Schule. Es kann sein,
dass Kulturkonflikte entstehen, wenn sie eine sehr strenge kulturelle Herkunft
haben. Becker (2001) schlägt den Lehrerinnen und Lehrern, die ihre
Unterrichten planen, vor: „Die unterschiedliche familiären Voraussetzungen
der Schüler sind für die Unterrichtsplanung besonders relevant, wenn Themen
bearbeitet werden, die sich unmittelbar auf die Familien beziehen, wenn es z.B.
um das Rollenverständnis von Vater und Muter geht, um die Berufstätigkeit der
Eltern, um Wohnverhältnisse, Freizeitaktivitäten, um die Freizeitgestaltung
oder den Urlaub“ (S. 23). Aber für Minderheiten ergeben sich natürlich
unterschiedliche, familiale und kulturelle Voraussetzungen. Hier kann man
religiöse Feiertage als Beispiel geben. Für Klassenlehrer in Grundschulen
gelten kulturelle, multikulturelle und transkulturelle Identitätsentwicklungen
als Schwerpunkte.
Das Verständnis für multikulturelle
Gesellschaften gilt für die Länder, die den Verlauf der Globalisierung
vervollständigt haben. Innerhalb dieses Verlaufs geht es um die Einwanderungen
der Menschen für verschiedene Zwecke. Wegen der geschichtlichen Grundlagen
können die Einheimischen aus verschiedenen Kulturen und sogar Nationen
bestehen. Anatolien ist eins von solchen Ländern, weil ihre geopolitische Lage
eine Brückenfunktion erfüllt. Die Bevölkerungen, die seit dem Altertum bis zur
Besiedlung durch Türken im Jahre 1073 nach Anatolien eingewanderten waren,
haben sich mit den Einheimischen vermischen müssen. Deswegen kann man den
Begriff „Minderheiten“ neben dem Begriff „Mehrheiten“ seit der Urgeschichte
verwenden. Die soziale Lage der Minderheiten unter den Mehrheiten sollte
geklärt werden. Das Hauptproblem der multikulturellen modernen Gesellschaft
besteht darin, inwieweit die Logik, Sprachen, Traditionen und Sitten, Glaube
der Minderheiten unter den Mehrheiten bewahrt werden. Die Antwort auf diese
Frage soll der Maßstab einer modernen Gesellschaft sein.
Der Begriff „Multikulturelle
Gesellschaft“ zeigte sich erst in den hoch industrialisierten Ländern. Der
Migrant ist durch die Anwerbung zur Hilfsarbeit in das industrialisierte Land
gekommen oder ohne „Einladung“ mit dem Ziel, einen Job zu finden. Fast alle
Migranten hatten dieselben Vorstellungen, einen bestimmten Zeitraum in dem
Volk, in das sie eingewandert waren, zu leben, aber mit der Möglichkeit ihre
kulturelle Identität zu bewahren.
Sie könnten manche Rechte erhalten so
wie das Gleichheitsrecht, Einbürgerungsrecht, Options- und Wahlrecht. Die bzw.
der Eingewanderte könnte schon in jenem Land als Migrant überleben. Man soll in
dieser Lage auf die Frage antworten, wer die Migranten eigentlich sind. Die
Antwort auf diese Frage würde den Migrantenbegriff definieren.
Eine Definition kann den Aussagen von
Lord Curzon auf dem Kongress entnommen werden, der in Lausanne am 12.
Dezember 1922 stattgefunden hat. „Während die Leute unter einer fremden
Regierung sich von den anderen, die im selben Lande wohnhaft sind, durch ihrer
Abstammung und ihren Glauben unterscheiden.“ Der Satz meint nämlich, dass eine
Gruppe Minderheiten genannt wird, sofern es angefangen hat, die Unterschiede zu
bewusst zu leben. Das Vorhandensein dieser Unterschiede ist auch die Grundlage
für Diskriminierungen.
Am Ende des Satzes hat Lord Curzon
die Minderheitenproblematik hinsichtlich der damaligen Menschenrechte wie folgt
beschrieben: „... ist es ein nicht zurückzuweisendes Prinzip, dass eine
Minderheit, die in Trauer und Armut leben muss, Garantien für ihre Sicherheit
und ihr Existenz erhält.“
Industrialisierungsverläufe haben
innerhalb der Migrationen in Europa andere Perspektiven für Immigranten
geschaffen: Obwohl alle Rechte, die die Mehrheiten haben, allen Minderheiten
gegeben werden, könnten die Leute aus der Mehrheiten diese Leute aus
Minderheiten diskriminieren, und würden darauf bestehen, für diese
Diskriminierung Recht zu haben. Haut-, Augen und Haarfarbe, Akzent beim
Sprechen, Glaubensunterschiede, unterschiedliche bunte Bekleidungen, das
Verständnis zum Spaß, Eßgewohnheiten werden oft die Gründe für
Diskriminierungen angenommen.
Nach den Verhaltenstypen aus der
Kultur der Mehrheiten können sich die Diskriminierungsformen in einer
Hierarchie vom Vernichten zum Auslachen oder zum Schauen („Gaffen“) zeigen, als
ob man sich zu einer bzw. einem Schwerbehinderten nähern würde. Es ist
gefährlich, dass Diskriminierungsverhalten zu einem allgemeinen Verhalten in
Mehrheiten geworden ist. Den negativen Reaktionen gegen die Minderheiten, die
zum Gruppenverhalten geworden sind, folgt oft die Entstehung von
einschränkenden und ausgrenzenden Normen und Gesetzen gegen diese Minderheiten.
Sofern die Gründe der beiden Weltkriegen im 20 Jh. gesucht werden, kann man
feststellen, dass die Minderheitenproblematik zu den Hauptfaktoren für diese
Kriege gehörte.
Die religiösen Elemente in der
Migrantensituation sind von Bedeutung, weil sie die Kulturunterschiede
sichtbar machen. Bevor die Kinder die Grundschule besuchten, beginnen sie zu
lernen, zu welcher Religion sie gehören. Hier kann man die Bräuche für Taufen
als Beispiel geben. Nach Hamburger (1991) zählen die religiösen Ritualien dazu: „Alle modernen Gesellschaften sind
stark multikulturell von ihrer Entstehung her, im Hinblick auf soziale
Schichten, religiöse und kirchliche Traditionen, politische und subkulturelle
Milieus, Lebensstile und Wertorientierungen. Kulturelle Besonderheiten werden
zu einem Element in der alltäglich erfahrbaren Struktur der sozialen Welt.
Kulturelle Besonderheiten werden zu einem Element in der alltäglichen
erfahrbaren Struktur der sozialen Welt“ (S. 70). Diese Besonderheiten
unterscheiden das Handeln der Gruppen.
Hamburger betont in dem selben
Beitrag, wie sehr die Menschenrechte im Pluralismus von Bedeutung sind: „Ein
solcher allgemeiner Pluralismus verbindet sich mit einer gemeinsamen
Prinzipienorientierung an Menschenrechten und den Grundsätzen des
demokratischen und sozialen Rechtsstaats. Pluralität und Konformität
balancieren sich auf einem fortgeschrittenen Gesellschaftsniveau; ein
zwanghaft reduziertes Pluralitätsverständnis (Nationalismus) dagegen geht in der
Regel einher mit einer schwachen Prinzipienorientierung (Konventionalismus an
Stelle von Universalismus) (S. 71).
Die Gegebenheit, dass in
multikulturellen Gesellschaften die Rechte und die sozialen Rollen
respektiert werden, ist ein Phänomen der multikulturellen Gesellschaft. Personen
fremder Herkunft beliebige unterschiedliche Kulturelemente zu vermitteln ist
nach den pädagogischen Prinzipien kognitiv kaum möglich. Mangelnde Kenntnisse
können zwar unter Zwang aufgenommen aber kaum auf Dauer im Gedächtnis behalten
und verarbeitet werden. Stattdessen ist es noch einfacher zu verwirklichen,
dass die Leute aus unterschiedlicher kultureller Herkunft harmonisch
zusammenleben.
In einem Land, das wegen seiner
geographischen Lage, oder in einer Bevölkerung, die aus diesem Grund als
multiethnisch bezeichnet werden müsste, kann durch die Hochindustrialisierung
ein großer Arbeitskraftbedarf entstehen, was bewirken kann, dass die Einwohner
nach ähnlichen kulturellen Zielen erzogen werden, als ob die Leute aus einer
gleichen kulturellen Herkunft stammen würden. Falls sich die Gesellschaft eines
Landes multikulturell verstünde und man den Pluralismus und Mehrsprachigkeit
neben der Einheit und der offiziellen Sprache freistellen wollte, könnte die
Schule die Aufgabe einer Vereinheitlichung übernehmen, und die Schule könnte
auch die Sprachen der Ethnien fördern. Mehrsprachigkeit, die die Werte der
bilingual sozialisierten Leute und Bilingualismus fördert, könnte selbst als
eine kulturelle Norm bezeichnet werden. Diese Kulturwerte sind beim Verlauf der
Modernisierung ein kultureller Reichtum.
b. Die Lage der Minderheiten in der sozialen Struktur
der Türkischen Republik seit ihrer Errichtung
Das Verständnis für Nationalität im
ottomanischen Imperium war ganz anders als das in der heutigen Türkei. Das
damalige Verständnis unterschied die Minderheiten von der anderen Bevölkerung.
Innerhalb der Grenzen des ottomanischen Imperiums haben ca. seit 600 Jahren
zahlreiche Bevölkerungen zusammengelebt. Damals gab es kein
Nationenverständnis. Das Schaffen eines Nationenverständnisses war damals kaum
möglich, weil das Imperium die muslimischen Bevölkerungen mit den nicht
muslimischen aber unter der dynastischen Herrschaft zusammenfasste. Dieser
Lebensstil hat ca. bis zum ersten Viertel des 19. Jahrhunderts angedauert.
Der Gedanke „Nation“, der innerhalb
der französischen Revolution entstanden war, hat die ottomanischen
Bevölkerungen stark beeinflusst. Durch die revolutionären Ideen, die sich unter
den nicht muslimischen Bevölkerungsteilen dank des Buchdrucks schnell verbreitet
haben, weil es staatlicherseits nur für die nicht muslimischen Ethnien erlaubt
war, den Buchdruck zu verwenden, und durch die Propaganda, die von einigen
einreisenden französischen Generälen auf den ägäischen Inseln und in Ägypten
gegen die ottomanische Herrschaft gemacht wurden und daneben durch alle
oppositionelle Aktivitäten von Engländern im Nahen Osten, der arabischen
Halbinsel und auf dem Balkan haben sich verschiedene extrem nationalistische
Ideen auch unter den damaligen türkischen Intellektuellen verbreitet.
Die Ergebnisse all dieser Ereignisse,
d.h. nationaler Befreiungskampf der christlichen Minderheiten und die
ottomanische Reaktion dagegen – Aufstände mit Waffen und deren Unterdrückung
mit Waffen – haben zu Hass und Rachegefühlen zwischen den muslimischen und den
nicht-muslimischen Bevölkerungsteilen geführt. Der bulgarische Aufstand von
1876, der armenische revolutionäre Aufstand von 1890, die griechische Empörung
von 1896/97 auf Kreta und die revolutionären Aktivitäten der Geheimbündler auf
dem Balkan haben dazu beigetragen, dass sich misstrauische Gedanken unter den
Türken gegen ihre christlichen Mit-Bürger und ‑Bürgerinnen, sogar gegen die
eigenen Nachbarn und Nachbarinnen sowie gegen die diese Gruppen unterstützenden
damaligen europäischen Staaten entwickelten (Lewis, 1988). Dieser politische
Verlauf hat sich negativ auf die eventuell homogene multikulturelle Struktur im
ottomanischen Imperium ausgewirkt. Der Gedanke einer damaligen Re-Islamisierung
hatte das politische Ziel eines „Panislamismus“, während ein türkisches
Nationalgefühl durch die Ideologien des „Pantürkismus“ oder des „Panturanismus“
unter den ottomanischen Intellektuellen geschaffen werden sollte.
Die Rede von Mustafa Kemal (Atatürk)
im nationalen Tag am 1. Dezember 1921 bezog sich darauf: „Sehr geehrte
Herren... Wir sind nicht aus der Gruppe der Fälscher, die was zu tun
vorgibt, was sie nicht zu tun vermag, als ob sie es getan hätte. Meine Herren!
Da wir uns gelobt haben, ohne diese geradezu Fantasten zu tun, als ob wir es
getan hätten, haben wir Feindschaft, Feindseligkeit und die Rache der ganzen
Welt auf uns gezogen. Wir haben gemeint, wohl panislamistisch zu handeln oder
handeln zu wollen. Unsere Feinden haben erwidert: Töten wir sie, damit sie all
dies nicht tun! Wir haben das politische Ziel des „Panturanismus“ nicht gesetzt.
Wir haben gemeint, so handeln zu können und zu wollen. Sie haben erwidert, wie
vorher: Töten wir sie! Die Gegebenheit besteht darin Anstelle dass die Zahl und
Unterdrückungen unserer Feinden vermehrt wird, indem wir von Verhalten, das
nicht von uns geschaffen wurde und geschaffen werden konnte, träumen, müssen
zum öffentlichen Anstand und zum gesetzlichen Anstand zurückkehren. Meine
Herren! Nämlich wir sind ein Volk, das das Leben und die Unabhängigkeit
verlangt. Wir können nur für dieses Ziel unser Leben geben“ (Rede von Atatürk,
1945, S. 193).
Mustafa Kemal hat politische Ziele
gesetzt, die neu gegründete türkische Republik vor den fundamentalistischen
Ideen wie z. B. die für das Wiedererrichten eines islamistischen Staates oder
vor dem extrem nationalistischen Gedanken zu schützen. Sein Wort „Wohl dem der
sagt, dass ich Türke bin, hat ein neues anderes Zweck als der spekulative
Horizont wie z.B Ethnozentrismus oder Islamismus zu schaffen. Dieses
neupolitische Ziel für ein türkisches Bürgertum hat sich schnell unter den
türkischen Intellektuellen verbreitet. Es kommt auf die Zugehörigkeit zu
einem Vaterland und einer gesetzlich anerkannten und souveränen
türkischen Republik an – anstelle der Zugehörigkeit zu Ideen wie
Nationalismus oder dem muslimischen Glaube, welche undefinierbar sind.
Die Lasten der Ergebnisse des I.
Weltkrieges und die Verantwortlichkeiten der neu errichteten Türkischen
Republik wurden auf der Lausanner Konferenz diskutiert und vertraglich
geregelt. Mustafa Kemal hat das Abkommen von Lausanne als einen Sieg gegen das
Abkommen von Sévres bezeichnet.
Die Punkte dieses Abkommens bezüglich
der Minderheiten belasten die Türkische Republik mit der Verantwortung für ihre
Bildung, Sicherheit, für den Wehrdienst und soziale Rechte. Danach muss die
Türkische Republik den in Rahmen vom Lausanne Abkommen genannten Minderheiten
gleiche Rechte zuerkennen. In diesem Abkommen wurden zwei Begriffe „Muslime“ und
„Nichtmuslime“ genannt, statt von Griechen, Armeniern oder Juden zu sprechen.
Da dieser Beitrag sich auf das Feststellen des heutigen Bildungstandes der
Minderheiten bezieht, werden die Ergebnisse im Sinne der Anwendung jeweiliger
Artikel des Abkommens interpretiert. Auszugehen ist dabei von den Artikeln
über die Bildung im Abkommen von Lausanne in Band 8. Da in diesem Beitrag die
Bildungssituation von Minderheiten thematisiert wird, habe ich die jeweiligen
Artikel des Abkommens wie folgt interpretiert:
-
Nach Artikel 37 musste sich die Türkei dazu
verpflichten, alle Regelungen der folgenden Artikel 38 bis 44 in ihr
Grundgesetze aufnehmen; kein Gesetz, keine Regel sogar keine formale Aktivität
des Staates darf jemals im Widerspruch zu diesen Regelungen stehen.
-
Diese Gesetze und ihre Regelungen geben
der Türkei neue Verantwortungen. Unter diesen Verantwortungen steht die
Bildung der Minderheitenkinder:
-
Nach Artikel 38 ist die türkische Regierung dazu
verpflichten, das Leben und die Freiheit ihrer Bevölkerung zu schützen und es
ganz zu verwirklichen, ohne dass sie die Bevölkerung nach ihrem Geburt, ihrer
anderen nationalen Zugehörigkeit, Abstammung, Sprache oder Religion
unterscheidet.
-
Nach Artikel 39 werden die nichtmuslimischen
türkischen Staatsbürger und Staatsbürgerinnen aus Minderheiten die gleichen
bürgerlichen Rechte und politische Rechte, wie die muslimischen Bürgern und
Bürgerinnen erhalten...
-
Nach Artikel 40 werden die nichtmuslimischen
türkischen Staatsbürger und Staatsbürgerinnen aus Minderheiten sowohl nach den
Gesetzen und als auch bei der Anwendung dieser Gesetze den gleichen Prozeduren
und Gewährleistungen wie die muslimischen Staatsbürger und Staatsbürgerinnen
unterstellt. Besonders würden sie die gleichen Rechte haben in den
Institutionen der Wohlfahrt, sowie den Religions- und Sozialinstitutionen, in
alle Schularten oder anderen Lehr- und Erziehungsinstituten, um diese zu
errichten, zu verwalten und zu kontrollieren, in diesen Instituten ihre Sprache
zu verwenden und ihren Gottesdienst frei durchführen zu können, wofür sie aber
alle Ausgaben selbst zu bezahlen haben...
-
Nach Artikel 41 sollte die türkische Regierung
hinsichtlich der öffentlichen Erziehung den Kindern aus diesen türkischen
Staatsbürgerfamilien Möglichkeiten dafür bieten, in denjenigen Städten und
Landkreisen in ihrer Muttersprache erzogen zu werden, in denen sie in ihrer
Mehrheit wohnen. Dieses Urteil sollte die türkische Regierung aber nicht daran
hindern, dass die türkische Sprache an den jeweiligen Schulen
Unterrichtssprache ist.
-
Diese Minderheiten in den Städten und Landkreisen mit
einer entsprechenden Bevölkerungsmehrheit dürfen einen Anteil für
Erziehung, Religion und Wohlfahrt aus dem staatlichen und städtischen
Verwaltungsbudgets oder aus einem anderen Budget beanspruchen, indem sie daran
nach Gerechtigkeitsverhältnissen teilnehmen können.
-
Artikel 42: Gleichartige Genehmigungen und
Möglichkeiten sollten den Stiftungen dieser Minderheiten in der Türkei gegeben
werden und die türkische Regierung darf den Instituten der Minderheiten die den
anderen zugestandenen Möglichkeiten nicht verbieten, um die Instituten für
Religion und Wohltat wieder zu errichten.
-
Artikel 42: Die Rechte, die durch diese Beschlüsse den
nichtmuslimischen Minderheiten von der Türkei anerkannt wurden, sollten auch von
Griechenland den muslimischen Minderheiten in ihrem Land zuerkannt werden.
-
Nach den Artikeln im Abkommen von
Lausanne sind Gesetze für Minderheitenrechte in der türkischen Verfassung und
Gesetze für Minderheitenerziehung in Kraft getreten. Die gesetzlichen
Regelungen beziehen sich auf die Curricula, die Ernennung der Lehrerinnen und
Lehrer an den Minderheitenschulen, die Immatrikulation der Kinder, die
Administrationsrechte, das Recht zur Renovierung der Schulgebäuden, kurz
gesagt: die Lage dieser Schulen bzw. Qualitätssicherung und -entwicklung der
Minderheitenschulen:
-
Die Minderheiten werden mit ihrer Muttersprache
erzogen (Artikel 41 des Lausanner Abkommens; Artikel 42 der türkischen
Verfassung); Lehre und Erziehung in den Minderheitenschulen sollen gemäß den
Atatürkschen Prinzipien stattfinden. Die türkische Sprache ist einzige Sprache
in der Bildung. Lehre und Erziehung müssen in Türkisch erfolgen, aber ihre
Muttersprache darf gelehrt werden (Artikel 42 der türkischen Verfassung).
-
Es ist nötig, dass die türkische Sprache gelehrt wird,
Curricula der Minderheitenschulen und deren Lehrbücher sollten von Ausschüssen
untersucht werden (Richtlinien vom 07.11.1935 und Nr. 2584 bezüglich auf
Minderheitenschulen)
-
Türkischunterricht und Unterricht über die türkische
Kultur werden von Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet, die durch das
Unterrichtsministerium ernannt werden. Es ist möglich, bestimmte Fächer je nach
Situation (Bedarf) in der Minderheitensprache anzubieten; dafür ist die
Genehmigung des Ministeriums nötig (Gesetz 6581 bezüglich auf
Minderheitenschulen und Lehrerinnen und Lehrer für Türkischunterricht und
Unterrichten für türkische Kultur / Gesetz 2983 für Fremdsprachunterricht und
Artikel 64 der Privatschulen).
-
Renovierungen sind mit der Genehmigung des
Erziehungsministeriums durchzuführen (Artikel 20 des Gesetzes für
Privatschulen). Anderenfalls ist Artikel 15 desselben Gesetzes anzuwenden
(Einstellen der Schulen).
-
All diese Schulen fallen unter die Aufsicht des
türkischen Erziehungsministeriums. Sie dürfen keine religiösen Symbole
verwenden und keine religiöse Propaganda machen. In keinem Lehrbuch dürfen
religiöse Motive stehen. Die Bilder von ausländischen Staatsmännern,
ausländische Fahnen oder Kreuze dürfen an Schulwänden nicht angebracht werden
(Gesetz über Einheitserziehung und Rundschreiben von 1924).
-
s ist möglich, dass die Kinder aus türkischen
staatsbürgerlichen Minderheitenfamilien eigene Schulen besuchen. Die Kinder aus
anderen religiösen oder muslimischen Abstammungen dürfen an diesen Schulen
nicht eingeschrieben werden (Rundschreiben vom 11.12.1971 und Nr. 15931).
-
Leiterinnen und Lehrerinnen an Minderheitenschulen
sollten dieselben Qualifikationen, wie die türkischen Lehrerinnen haben. Die
Schulleiterin / der Schulleiter muss nicht unbedingt der Minderheit angehören
(Gesetz 6581).
-
Eine oder einer von den türkischen Lehrerinnen und
Lehrern in Minderheitenschulen soll als erster stellvertretender Direktor
ernannt werden (Gesetz 6581 und Artikel 40 des Gesetzes für Privatschulen).
-
Es ist Voraussetzung, dass die Minderheitenschulen
ähnliche Standards wie die staatlichen Schulen haben (Gesetz 6581; Artikel 12
und 18 des Gesetzes für Privatschulen)
-
Es ist unmöglich, Immobilien, die zu den
Minderheitenstiftungen gehören und durch die Verlautbarungen 1936 festgehalten
wurden, wiederzubilden und wiederzubauen bzw. außerhalb jenes Zwecks zu
verwenden (Rundschreiben des Amtes für Stiftungen vom 7.8.1978 und Nr. 2993)
Die oben genannten Abkommens-,
Gesetzartikel und Regelungen, welche die Lehr- und Erziehungsmöglichkeiten für
Bildung der türkischen Minderheitenkinder bestimmen, habe ich absichtlich
gewählt, weil die Leiter und Leiterinnen der Minderheitenschulen und Eltern der
Schülerinnen und Schüler einige von diesen Artikeln und Bestimmungen
kritisieren und außerdem diese die türkische Perspektive über
Minderheitenrechte bzw. politische Erziehungsziele für innerschulische
Interkulturelle Erziehung zeigen. Die sozio‑politischen Entwicklungen, durch die
diese Gesetze und Bestimmungen in Kraft traten, stießen auf die letzte Periode
des ottomanischen Reiches und die Zeitläufe, die die Verfassung der Türkischen
Republik zur Änderung gezwungen haben. Während die Reformen für das
Erziehungswesen der Türkei geschaffen wurden, wurden die Gesetze für die
Minderheitenerziehung wieder reguliert.
Das Bildungssystem nach der Errichtung
der türkischen Republik war nicht die Erbschaft des ottomanischen Schulsystems.
Die damaligen Institutionen für Erziehung waren nicht auf das türkische
Bürgertum gerichtet. Die Schulen waren in drei Gruppen, in Form wie drei Säulen
sortiert. Die erste Gruppe von ihnen nannte man Wohnviertelschulen oder
Kleinkinderschulen (Sibyan Schulen) und so genannte
Medreseschulen, in denen die Koran-Lehre ausgeübt wurde. In der zweiten
Gruppe standen Schulen für ottomanische Reformbewegungen (damaliger Name
dieser Schulen Tanzimat Schulen) In der dritten Gruppe standen
Privatschulen (College) und Minderheitenschulen.
Mit der Republik wurde eine neue Idee
der Bildung hervorgebracht. Zu diesem Zweck wurde am 3. März 1924 ein Gesetz für
die Vereinheitlichung der Erziehung erlassen. Nach diesem Gesetz wurden
die Schulen der ersten Gruppe abgeschafft, die Schulen der zweiten Gruppe wurden
reformiert und die Schulen in der dritten Gruppe wurden dem
Erziehungsministerium übertragen.
Nur die Kinder der türkischen
Bürgerinnen und Bürger durften nach Artikel 25 des Gesetzes Privatschulen
besuchen. Nach Artikel 26 durften die Unterrichtsprogramme dieser Schulen
durch das Erziehungsministerium erlassen werden
Die folgende Tabelle veranschaulicht
die Zahl der Minderheitenschulen, Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen
und Schüler:
|
Bereich |
Zahl der Schulen |
Schülerzahlen |
Zahl der Lehrerinnen und
Lehrer |
|
Gesamt |
Schüler |
Schülerinnen |
|
Vorklasse |
36 |
542 |
278 |
264 |
28 |
|
Grundschule |
35 |
3118 |
1503 |
1615 |
206 |
|
Mittelschule |
13 |
954 |
397 |
557 |
164 |
|
Gymnasium |
12 |
938 |
381 |
557 |
160 |
|
Berufs- und Technik-gymnasium |
1 |
16 |
16 |
0 |
4 |
|
INSGESAMT |
84 |
4614 |
2178 |
2436 |
398 |
c. Angaben über einige
Prinzipien für die Interkulturelle Erziehung in der Türkei
Das türkische Parlament hat 2002 nach
den Standards der EU-Länder neue Gesetze im Rahmen der Interkulturelle Erziehung
erlassen: einige von diesen beziehen sich auf die Beherrschung und Lehre der
Muttersprachen der türkischen Bürgerinnen und Bürger.
Die Artikel über interkulturelle
Prinzipien in Nr. 24841 des Staatsanzeigers:
-
Artikel 8: ...die Veröffentlichungen dürfen in
der Sprachen und Dialekten, die die türkischen Bürgerinnen und Bürger
beherrschen, gemacht werden. Solche Veröffentlichungen dürfen aber nicht gegen
die Hauptprinzipien der türkischen Verfassung, nämlich die Einheit vom Staat und
der Nation gerichtet sein....
-
Artikel 11 ist eine Änderung des
Erziehungsgesetzes bezüglich der Lehre von Fremdsprachen und des Unterrichts
der anderen Sprachen der türkischen Bürgerinnen und Bürger. Das Ziel dieses
Gesetzes ist,
-
die Bedingungen für die in den Schulen zu
lehrenden Fremdsprachen,
-
die Schulen, in denen eine Fremdsprache
unterrichtet wird,
-
die Lehre derjenigen Sprachen und Dialekte, die
die türkischen Bürgerinnen und Bürger im Alltag beherrschen, zu organisieren.
-
Ein anderes Gesetz ist im Sommer 2002 in
Kraft getreten, um nach den Kriterien von Kopenhagen das ursprüngliche Gesetz
für Stiftungen zu reorganisieren.
-
Ziffer A des 4. Artikels:
An den 1. Artikel des Gesetzes 2762 vom 5.6.1935 ist folgende Ziffer
angefügt:
-
Ohne dass man berücksichtigt, ob Gemeinden eigene
Stiftungen haben, dürfen sie mit der Genehmigung des Ministerrates Immobilien
besitzen, um ihre religiösen, wohltätigen, gesellschaftlichen, erzieherischen,
gesundheitlichen und kulturellen Bedürfnisse zu decken.
II. Verfahren des Beitrags
Das Ziel dieses Beitrags ist, den
Entwicklungsstand der Minderheitenschulen in den letzten Jahren zu zeigen. Die
Minderheiten sind die Ethnien, die im Abkommen von Lausanne genannt waren.
Nämlich Griechen, Armenier und Juden. An den Schulen in fast allen EU-Ländern,
in denen innerschulische Interkulturelle Erziehung angewandt wird, wird seit
ca. 80 Jahren Unterricht in der Muttersprache und der eigenen Kultur der
Minderheiten neben dem Unterricht der offiziellen Sprachen angeboten.
Bei diesem Beitrag wird versucht, die
folgende Frage zu beantworten:
Wie sind die Lehr‑ und Lernbedingungen in
Migrantenschulen gemäß den Entwicklungsplänen?
Für Datenerhebung wurden die Fragebogen
von der ZEvA (Zentrale Evaluations‑ und Akkreditierungsagentur Hannover,
die Aktivitäten für Qualitätssicherung und ‑entwicklung an Hochschulen
durchführt) nach den Bedingungen der türkischen Mittelschulen geändert und
angewandt.
In dieser Umfrage geht es um
folgende Faktoren (vgl. 1995, S. 12):
A. Organisatorische Struktur und
weitere Entwicklung des Faches
-
Welche Informationen zu folgenden Themenbereichen sind für
eine Bestandsaufnahme des Faches unentbehrlich?
– Geschichte,
Entwicklung und jetzige Position des Faches innerhalb der Migrantenschulen
– institutionelle
Struktur der Schule – wissenschaftliches Profil
– Kooperationen –
schulinterne, regionale, nationale und internationale
-
Welche Entwicklungs‑ und
Personalplanungen gibt es für die Schule?
B. Bildungsziele
-
Welche Bildungsziele verfolgen die Fächer der
Migrantenschulen?
-
Wie konkretisiert sich die Internationalisierung in den
Lehrzielen?
-
Sind die Unterrichtsziele dokumentiert, sowie die
Lehrerinnen, Schüler und Schülerinnen?
-
Wie, von wem und in weichem Rhythmus werden Aktualität und
gesellschaftliche Relevanz der Ziele geprüft und sichergestellt?
-
Gibt es spezielle Maßnahmen zur Förderung de Schülerinnen
und Schüler?
C. Beschreibung des Curriculums
-
Studienplan (graphische
Darstellung)
-
Struktur (Pflichtunterricht, Wahlunterricht)
-
Wochenstunden
-
Ausrichtung – national / international
(Fremdsprachenunterricht, Klassenfahrt ins Ausland)
-
Leistungspunkte oder -Nachweise für Unterricht
-
Chancen für Studienplatz in einer Universität
D. Organisation von Unterricht,
Lehrersitzungen (Konferenzen), Klassenfahrten
-
Wie erfolgt die Lehrplanung?
-
Auf welche Weise überprüft die Schule, ob die den Eltern
und Schülern versprochenen Punkte verwirklicht werden?
-
Welche Maßnahmen zur
Qualitätssicherung und ‑verbesserung sind in der Schule etabliert?
-
Welche organisatorischen Faktoren fördern oder hemmen den
Lehrprozess?
E. Bewertung der Lehrpraxis
der Schule
Wie sind die Meinungen der einzelnen
Statusgruppen im Fach (bitte getrennt nach den einzelnen Studiengängen
darstellen) zu folgenden Themen:
F. Absolventenverbleib und
Arbeitsmarkt
H. Ausstattung
Über welche Ressourcen in den im
Folgenden aufgeführten Bereichen verfügt die Schule, um die definierten Ziele
zu erreichen?
-
Mittel für Lehre (aktueller Haushalt)
-
Räume (Klassenzimmer, Arbeitsräume für Schülerinnen
und Schüler etc.)
-
Personal (Lehrerinnen und Lehrer, Verwaltung und
Fortbildungs-Seminare für Lehrkräfte)
-
Investitionsmittel für Großgeräte der letzten drei
Jahre und in Aussicht stehend)
-
Bibliothek und Literaturversorgung
Ich habe zu diesem Zweck eine Umfrage
entwickelt, nachdem Fachleute nach ihrer Meinung gefragt wurden. In der
Zwischenzeit habe ich vom Schulamt in Istanbul die notwendige Genehmigung
verlangt. Danach habe ich mit den Schulleitern bzw. Schulleiterinnen darüber
gesprochen, wie man die Umfragen ausfüllen sollte.
Als Beispielgruppe habe ich dem
Schulamt die griechische Grundschule Zapion, das Getronagon Lyzeum
und die Esayan Grundschule vorgeschlagen.
III. Ergebnisse und Interpretationen
In diesem Abschnitt stehen die
‑Besonderheiten der Schulen aus der Beispielsgruppe. Vorher stehen aber die
Erklärungen einzelner Untertitel. Nämlich es geht hier darum, wonach bei der
Entwicklung einer Schule gefragt werden sollte.
A. Organisatorische Struktur
In diesem Kapitel sollten nach ZevA
(vgl. S. 38) der institutionelle und organisatorische Aufbau der evaluierten
Schule und die Lehrangebote kurz vorgestellt werden. Ziel sei es, den Lesern und
Leserinnen des Selbstreports einen möglichst komprimierten Überblick zu geben.
-
Entwicklung der Grundschule / Mittelschule und
Position innerhalb der Schulen im Primär‑ und Sekundarbereich
-
Entwicklung der Schule‑. Historie, Ausbau und
aktuelles Profil
-
Stundentafel
Personal der Lehreinheit,
der Verwaltung und der technischen Dienste
|
Personal |
|
|
April 2002 |
|
|
Minderheit |
Türkisch |
Lehrer |
Lehrerinnen |
|
Fachlehrer und -lehrerinnen: |
|
|
|
|
|
1……………….. |
|
|
|
|
|
2……………... |
|
|
|
|
|
3……………... |
|
|
|
|
|
Zahl
der Lehrer und Lehrerinnen |
|
|
|
|
|
Verwaltung |
|
|
|
|
|
Schulleiter /-leiterin |
|
|
|
|
|
Stellvertreter/innen |
|
|
|
|
|
1……………… |
|
|
|
|
|
2……………… |
|
|
|
|
|
3……………… |
|
|
|
|
|
Sonstige
(……………………………….) |
|
|
|
|
|
Summe |
|
|
|
|
|
Technischer Dienst |
|
|
|
|
|
1……………… |
|
|
|
|
|
2……………… |
|
|
|
|
|
3…………….... |
|
|
|
|
|
Summe nichtwissenschaftl.
Personal |
|
|
|
|
Außer den Fächern für Türkisch und
Gesellschaftslehre werden alle Fächer von den Lehrer/innen aus den Minderheiten
gegeben. Aber bei den Fächern für Musik und Kunst arbeiten die Lehrer/innen aus
Minderheiten und Mehrheiten zusammen.
Stundentafel der 8 jährigen
Grundschule:
|
|
Schuljahrgang |
|
Fach / Fachbereich |
1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
|
Türkisch |
12 |
12 |
12 |
6 |
6 |
5 |
5 |
5 |
|
Muttersprachlehre der
Minderheiten |
12 |
12 |
12 |
6 |
6 |
5 |
5 |
5 |
|
Mathematik |
4 |
4 |
4 |
4 |
4 |
4 |
4 |
4 |
|
Sozialkunde |
4 |
4 |
4 |
- |
- |
- |
- |
- |
|
Naturwissenschaften |
- |
- |
- |
3 |
3 |
3 |
3 |
3 |
|
Gesellschaftslehre
(Geschichte,
Erdkunde) |
- |
- |
- |
3 |
3
|
3 |
3 |
- |
|
Bürgertumslehre und
Menschenrechte |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
1 |
1 |
|
Geschichte der Türkischen
Republik und Atatürksprinzipien |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
2 |
|
Fremdsprachehre (Deutsch;
Französisch; Englisch) |
- |
- |
- |
1-2-
2 |
1-2-
2 |
4-1 |
4-1 |
4-1 |
|
Kultur- und Ethiklehre der
Minderheiten |
- |
- |
- |
2 |
2 |
2 |
2
1 |
2 |
|
Kunst |
1 |
1 |
1 |
2 |
2 |
2 |
2 |
2 |
|
Musik |
1 |
1 |
1 |
1 |
1 |
1 |
1 |
1 |
|
Sport |
1 |
1 |
1 |
1 |
1 |
1 |
1 |
1 |
|
Technik |
- |
- |
- |
4 |
4 |
3 |
3 |
3 |
|
Verkehrslehre und Lehre für
Erste
Hilfe |
- |
- |
- |
- |
- |
1 |
- |
1 |
|
Einzelne und kollektive
Aktivitäten |
1 |
1 |
1 |
- |
- |
- |
- |
- |
|
Wahlfächer |
- |
- |
- |
4 |
4 |
3 |
3 |
3 |
|
Summe |
36 |
36 |
36 |
36 |
36 |
36 |
36 |
36 |
Wahlbereich
|
|
|
Schuljahrgang |
Wöchentliche Stunden |
|
1. |
Computer |
1‑5 |
1‑2 |
|
2. |
Darstellendes Spiel (Drama) |
1‑3 |
1‑2 |
|
3. |
Sprechen und Rechtschreiben |
1‑5 |
1‑2 |
|
4. |
Zweite
Fremdsprache |
1‑3 |
1‑2 |
|
5. |
Tourismus |
1‑3 |
1‑2 |
|
6. |
Landwirtschaft |
1‑3 |
1‑2 |
|
7. |
Regionale Handwerke |
1‑3 |
1‑2 |
Beim
Wahlbereich arbeiten die türkischen Lehrerinnen und Lehrer mit den anderen
Kolleginnen und Kollegen aus den Minderheiten zusammen.
Während die Leiter und Leiterinnen
aus der Minderheitenlehrergruppe gewählt werden, sollen die Stellvertreter bzw.
Stellvertreterinnen aus der Mehrheiten ernannt werden
Der psychologische Berater bzw. die
psychologische Beraterin, Chef der Personalabteilung, Sekretäre und
Sekretärinnen, Buchhalter bzw. Buchhalterinnen, Beamte der Bibliothek und Diener
bzw. Dienerinnen sind aus der Minderheitengruppe zu ernennen.
Wissenschaftliches Profil
der Schule in der Lehre:
Gibt es eine Kooperation zwischen den
Minderheitenschulen?
Ja ( ) Nein ( )
Wenn ja, mit welchen
Minderheitenschulen und für welche Fächer und Lernförderungen gibt es eine
Kooperation?
Nach den gesetzlichen Regelungen gibt
es eine Kooperation zwischen den Minderheitenschulen von derselben Minderheit,
um einerseits die Lehre und Lernen und Schulverwaltungen zu organisieren,
andererseits Verordnungen vorzubereiten und Änderungen dafür vorzuschlagen.
Gibt es eine Kooperation zu den
anderen Schulen?
Ja ( ) Nein ( )
Wenn ja, mit welchen Schulen und für
welche Fächer und Lernförderungen?
Diese Frage wurde mit NEIN
beantwortet
Internationale Beziehungen
jeweiliger Minderheiten mit dem Land, aus dem sie stammen:
Griechische Minderheitenschulen
hätten Beziehungen mit Griechenland. Im Rahmen des kulturellen Abkommens
zwischen der Türkei und Griechenland kommen jedes Jahr 16 griechische
Fachlehrer und Fachlehrerinnen.
Armenische Minderheitenschulen haben
auf diese Frage wie folgt geantwortet: „Für solche Kooperation sei es nötig,
dass die offiziellen Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien aufgenommen
werden.“
Entwicklungs‑ und
Personalplanungen
Gibt es eine mittelfristige
Personalentwicklung/ ‑planung in der Schule? Was sind ihre Schwerpunkte?
Alle Minderheitenschulen erklären,
dass sie noch keine solche vervollständigte Planung hätten, weil man gerade mit
der Qualitätsentwicklung und ‑sicherung an den Schulen angefangen hat.
Welche Änderungen hat man in der
Organisation vor ?
Sie hätten keine gesetzliche Rechte,
in den Räumlichkeiten Änderungen vorzunehmen. In der Verlautbarung von 1936
gibt es Erklärung dazu, dass die Stiftungen von Gemeinden keine andere
Immobilien besitzen dürften, als die damaligen, und es nicht erlaubt ist, neue
Immobilien und Grundbesitze zu erwerben. Deswegen könnten die Organisationen
der Minderheitenschule in pädagogische Entwicklungen nicht integriert werden.
Die Minderheitenschulen bestehen darauf, dass Einschränkungen bei den
Befugnissen der Stellvertreter/‑innen, den aktuellen Entwicklungen folgend,
gemacht werden sollten.
Gibt es Vorschläge über
Veränderungen bei Curricula und Unterrichtsplanungen ?
Die Armenische Schule hat einen
Vorschlag für den armenischen Unterricht gemacht: „Der Unterricht für
Religion und Ethik hat jede Woche eine Stunde. Da es im Religionsunterricht
um christliche Religion geht, wird er von einem armenischen Lehrer
unterrichtet. Aber da das türkische Unterrichtsministerium annimmt, dass der
Ethikunterricht Kulturunterricht ist, soll er von dem Lehrer des türkischen
Faches oder des türkischen Kulturfaches unterrichtet werden. Dadurch soll
dieser Unterricht praktisch jede Woche zwei Stunden sein. Deswegen ist es
nötig, diese zwei Programme von einander zu unterscheiden. Aber bis zu den 70er
Jahren wurde dieser Unterricht auf armenisch erteilt.“
Die griechische Schule schlägt vor,
dass die Aktivitäten für Curricula (Entwicklung der Curricula) an den
Universitäten stattfinden sollten.
Gibt es eine längerfristige
Personalentwicklung/ ‑planung in der Schule?
Ja ( ) Nein( )
Diese Frage wurde mit NEIN
beantwortet. Das bedeutet, dass es keine Weiterbildungsprogramme für das
Personal gibt. Als Grund nannte man ungenügende Investitionen.
Gibt es Frauenförderungsprogramme?
Gibt es Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils unter dem Personal?
Ja ( ) Nein ( )
Während die armenische Schule auf
diese Frage einmal mit JA und einmal mit NEIN geantwortet hat, hat die
griechische Schule keine Antwort darauf gegeben.
Personalentwicklung/ ‑planung
|
|
Erklärungen |
|
Frist |
Plan 1 |
Plan 2 |
Plan 3 |
Summen |
|
2002 |
|
|
|
|
|
2003 |
|
|
|
|
|
2004 |
|
|
|
|
|
2005 |
|
|
|
|
Nur eine armenische Schule
aus der Beispielsgruppe hat diese Tabelle ausgefüllt:
|
|
Vorschläge |
|
Frist |
Plan 1 |
Plan 2 |
Plan 3 |
Summen |
|
2002 |
Eröffnung der
Vorbereitungsklasse vor dem Gymnasium |
Weiterbildungs
programme für Lehrer und Lehrerinnen durch
Seminare |
Computer unterstützte
Lehre
|
3 |
|
2003 |
Aktivitäten bei TÜBITAK
(Türkisches Institut für wissenschaftliche Forschungen) |
Weiterbildungskurse für
Lehrer und Lehrerinnen |
Ausbildung für
Personalbedarf |
3 |
|
2004 |
Ausbildungsprogramme für
Leiter und Leiterinnen |
Weiterbildungskurse für
Lehrer und Lehrerinnen |
Computer unterstützte
Lehre |
3 |
|
2005 |
Ausbildungsprogramme für
Leiter und Leiterinnen |
Weiterbildungskurse für
Lehrer und Lehrerinnen |
Renovierung der
Schulgebäude |
3 |
B. Bildungsziele:
Für die evaluierte Schule und ihre
Lehrgänge sind die Bildungsziele für Lernen und Lehren zu beschreiben. Diese
Beschreibung des „Solls“ bildet den Bewertungsmaßstab, an dem das „Ist“
gemessen wird. Die Bildungsziele der Schule und der Lehrgänge müssen präzise
und verständlich beschrieben werden. Die interne Selbstevaluation bietet die
Möglichkeit, die Lehrziele zu überdenken und gegebenenfalls neu zu formulieren.
Dabei ist die Verbindung von Zielen und Curriculum sowie die Aktualität und
gesellschaftliche Relevanz der Bildungsziele zu erläutern. (Vgl. ZevA 2000 S.
40)
Bildungsziele
1. Welche Bildungsziele verfolgen
die Fächer der Schule?
|
Fach |
Ziel |
|
1……….
2………. |
1……….
2………. |
Während der türkische Stellvertreter
in der griechischen Minderheitenschule auf jede Lücke in der Tabelle „alles in
Ordnung“ geschrieben hat, gibt es dagegen auf der Umfrage aus der armenischen
Schule folgende Erklärungen: „Während Inhalt, Lehrmaterialien, die Ziele bei den
Unterrichtsplanungen außer dem Armenischunterricht und dem Unterricht für
Religionskultur gemäß den Curricula angeboten würden, seien die Unterrichten
für Minderheitenkultur wegen des Mangels an Büchern, Lehrmaterialien
beeinträchtigt.“ Die andere armenische Schule hat geschrieben, dass das Ziel der
Schule neben den allgemeinen pädagogischen Zielen ist, die mündliche und
schriftliche armenische Sprache zu lehren.
Nach Welchen Kriterien werden die
Unterrichtsziele gesetzt?
Vom Unterrichtsministerium wurden die
Lehrziele für alle Schulen seit der Veröffentlichung des Gesetzes von 3 März
1924 für Vereinbarung die Unterrichtsveranstaltungen gesetzt.
Wie und von wem werden
Bedürfnisanalysen der Ziele vorgenommen?
Die Bedürfnisanalyse der
Unterrichtsziele für die Minderheitenkultur wird von Lehrerinnen und Lehrern
sowie den Schulleitern und Schulleiterinnen der jeweiligen Herkunft gemacht.
Von wem und wie werden all diese
Aktivitäten für die Zielsetzungen der Unterrichtsveranstaltungen bezüglich der
Minderheitenkultur genehmigt?
Die Minderheitenschulen haben
gemeldet, dass die Genehmigung für den Unterricht für Religionskultur und
Muttersprachlehre der Minderheiten etwa vor 40‑50 Jahre gegeben worden sei. Alle
Minderheitenschulen sind vom Gesetz 625 für Privatschulen vom 8.6.1965 abhängig.
Wie und von wem und in welchen
Rhythmus werden Aktualität und gesellschaftliche Relevanz der Ausbildungsziele
überprüft und sichergestellt?
Der türkische Stellvertreter an der
griechischen Minderheitenschule hat auf diese Frage leider nicht geantwortet. In
den armenischen Minderheitenschulen würden zwei mal im Jahr
Fachgruppensitzungen gemacht. Unter der Kontrolle der Schulleitung und der
Lehrerinnen und Lehrer würden erzieherische Aktivitäten durchgeführt und
Seminare angeboten.
Wie konkretisiert sich die
Internationalisierung in den Zielen für Lernbedingungen in den Schulen?
Eine der Minderheitenschule hat
gemeldet, dass es keine solchen Ziele gäbe, weil die Mittel der armenischen
Gemeinde ungenügend seien.
Sind die Bildungsziele
dokumentiert den Lehrern und Lehrerinnen sowie den Schülern und Schülerinnen
zugänglich?
Die armenische Schule hat mit JA auf
diese Frage geantwortet.
Über welche fachlichen und
überfachlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Qualifikationen sollen die Schüler
und Schülerinnen in verschiedenen Phasen (Schuljahr/ Semesterferien/
Klassenfahrten usw.) verfügen?
Außer durch den Unterricht würden die
Fähigkeiten und Qualifikationen der Schüler und Schülerinnen durch Aktivitäten
der psychologischen Beratung und erzieherische Tätigkeiten, wie Wettspiel,
Schachspiel, Fotografieren, Theaterspiele, Malerei, Musik und Sport entwickelt.
Gibt es spezielle Maßnahmen zur
Schülerinnenförderung?
Eine besondere Förderung von
Schülerinnen ist nicht nötig, da die Zahl der Schülerinnen ständig zunimmt.
C. Beschreibung des Curriculums
Der Aufbau und die Gestaltung des
Unterrichtens setzt den konzeptionellen Rahmen für Lehre. Zunächst sind der
curriculare und zeitliche Aufbau des Lehrprogramms sowie die verlangten
Prüfungen/Leistungsnachweise und die von der Aufnahmeprüfung für Studium
gewonnenen Punkte, nämlich die Studienrichtungen der Absolventinnen und
Absolventen kurz zu erläutern (Vgl. ZevA s.41).
Lehrplan (grafische Darstellung)
In den Minderheitenschulen gelten die
gleichen Fächer, Unterrichtsplanungen und wöchentlichen Unterrichtstunden wie
in den vergleichbaren anderen türkischen Schulen; die Stundentafeln der Schulen
in den gleichen Bereichen werden übernommen und angewandt. Aber zusätzlich gibt
es Unterricht in der Minderheitensprache und der Religionskultur im gleichen
Maßstab wie Türkischunterricht und türkischen Literaturunterricht.
Während man in den anderen
Grundschulen wöchentlich 6 x 5 = 30 Stunden unterrichtet, erteilt man in
Minderheitengrundschulen 5 x 7 = 35 Stunden.
Ausrichtung ‑
national/international (fremdsprachliche Unterrichten, Auslandsreise,
Klassenfahrt ins Ausland):
Durch eine Beratungsstelle in den
Schulen und nach Ermittlung der Eltern- und Lehreransichten werden die
erzieherischen Aktivitäten im Inland geplant und durchgeführt. Man würde selten
auf Elternwünsche für Klassenfahrten ins Ausland treffen.
Schülerleistungen:
|
|
Erfolgreich |
Nicht erfolgreich |
|
Schuljahr |
Schülerin |
Schüler |
% |
Schülerin |
Schüler |
% |
|
1997-1998 |
|
|
|
|
|
|
|
1998-1999 |
|
|
|
|
|
|
|
1999-2000 |
|
|
|
|
|
|
|
2001-2000 |
|
|
|
|
|
|
|
2001-2002 |
|
|
|
|
|
|
Aus den Angaben der Schulen stellte
sich heraus, dass alle Schüler und Schülerinnen erfolgreich waren, weil die
Grundschule zur Pflichtschule zählt. Das armenische Minderheitsgymnasium
Getranagon gibt daneben diese folgende Erklärung‑ „Unser Gymnasium hat eine
bekannte Lage unter den anderen Gymnasien der Gemeinde. Leistungsgrad unserer
Schule ist nach dem 5 Punkt-System über 3 (Punkt 1 [eins] steht für
„ungenügend“, Punkt 5 [fünf] für „sehr gut“). Es gibt keine
Leistungsunterschiede zwischen den Schülern und Schülerinnen. Trotzdem kann man
aber feststellen, dass die Mädchen in sozialen Fächern noch erfolgreicher sind,
als die Jungen. Das Verhältnis von erfolgreichen Schülern und Schülerinnen ist
im Schuljahr 2001‑2002 beträgt 83 %.“
Die Preise für Leistungen:
Alle Minderheitenschulen haben
unterschiedliche Preise erhalten. Neben den wissenschaftlichen Preisen von
TÜBITAK (Türkisches wissenschaftliches Institut für Forschung) gibt es
Preise von Wettkämpfen, der unter den Schulen gemacht wurde, für Kenntnisse, für
sportlichen Aktivitäten und für bildende Künste.
Die Absolventen und
Absolventinnen, die die Aufnahmeprüfung fürs Studium bestanden haben und deren
Studiumsrichtungen:
Nur die armenische Schule Getranagon
hat folgende Antwort darauf gegeben.
Nach den Abschlüssen der
Aufnahmeprüfung
|
Studien-jahr |
Naturwissenschaftliche
Richtungen |
Sozialwissenschaftliche
Richtungen |
Studienrichtungen für
Gesundheit |
|
1997 |
10 ABSOLVENT/INNEN
Ingenieur, Naturwissenschaften, Architektur |
14 ABSOLVENT/INNEN
Betriebswissenschaft, Wirtschaftwissenschaft, Internationale
Beziehungen, bildende Künste, Fremdsprachenlehreraus
bildung Journalismus |
-- |
|
1998
|
7 ABSOLVENT/INNEN
Ingenieur, Naturwissenschaften, Architektur |
2 ABSOLVENT/INNEN
Betriebswissenschaft, Wirtschaftwissenschaft |
2 ABSOLVENT/INNEN
Apotheker; Tiermedizin |
|
1999 |
12 ABSOLVENT/INNEN
Ingenieur,
Naturwissenschaften, Stadt und Regionalplanung |
9 ABSOLVENT/INNEN
Betriebs- und
Wirtschaftswissen-
schaft, Lehramt, Geschichte |
1 ABSOLVENT/INNEN
Gesundheitslehre |
|
2000 |
10 ABSOLVENT/INNEN
Ingenieur, Stadtplanung,
Naturwissenschaften,
Molekular-Biologie und Genetik |
11 ABSOLVENT/INNEN
Psychologie, Betriebs- und
Wirtschaftswissenschaft,
Internationale
Beziehun-
gen,
Philologie, Soziologie,
Verkehrswesen |
4 ABSOLVENT/INNEN
Medizin, Tiermedizin,
Apotheker,
Gesundheitslehre |
|
2001 |
16 ABSOLVENT/INNEN
Naturwissenschaften-
lehrerausbildung Ingenieur, Naturwissenschaften,
Maritime Produktion
|
10 ABSOLVENT/INNEN
Psychologie,
Klassenlehrerausbildung, Philologie, Internationale Beziehungen,
Betriebswirtschaft,
Wirtschaftswissen-
schaft, Versicherungswesen, Philosophie,
Psycholo-
gische Beratung |
1 ABSOLVENT/INNEN Medizin |
Die
Studierenden, die beim Studium erfolglos waren
|
Jahr |
Zahl der erfolglosen
Studenten |
Zahl der erfolglosen
Studentinnen |
|
|
|
|
Das Getranagon
Gymnasium antwortet auf diese Frage wie folgt: „Keiner / keine von unseren
Absolventen/innen, die studierten und noch studieren, hat ihr Studium
abgebrochen. Die Schüler und Schülerinnen, die in der Gemeinde bessere
Möglichkeiten haben, machen die Prüfungen für Privatschulen, und verlassen dann
mit dem Gedanken die Minderheitenschulen, dass die Privatschulen ihre
Leistungschance bei der Aufnahmeprüfung verbessern könnte.“
D. Die Organisation der Lehre
Die Erklärungen für
Unterrichtsplanung stehen im Folgenden:
Wie erfolgt – inhaltlich und
organisatorisch – die Unterrichtsplanung?
Da solche Planungen durch das
Unterrichtsministerium gemacht werden, dürfen die Minderheitenschulen daran
nicht teilnehmen.
Auf welche Weise überprüft die
Schule die vorher den Eltern versprochenen Faktoren?
Durch Umfragen und Bewertungen dieser
Umfragen werden die Meinungen der Eltern und Schüler/ Schülerinnen festgestellt
Welche Maßnahmen zur
Qualitätssicherung und ‑verbesserung sind in der Schule etabliert ?
Durch Seminare und Vorträge für
Lehrer und Lehrerinnen – Weiterbildungsprogramme, Organisationen von
Elternabenden – und systematische Aktivitäten der psychologischen
Beratungsstelle der Schule
Welche organisatorischen Faktoren
fördern und hemmen den Lehrprozessen ?
|
Fördernde Faktoren |
Hemmende Faktoren |
|
|
|
Auf diese Frage
wurde nur durch Getranagon Gymnasium wie folgt geantwortet. Aber darunter gibt
es nur die Erklärungen für hemmende Faktoren‑.
-
„An der dauernd abnehmenden Zahl der
Schülerinnen und Schüler in armenischen Minderheitenschulen zeigt sich, dass
sich die Lage dieser Schulen verschlechtert. Stiftung und deren
Verwaltungsorganisationen bemühen sich, mit ihrem geringen Mittel etwas zu
machen. Aber sie sind nicht in der Qualität, auf die es zu einer
organisatorischen Förderung ankommt.“
-
„Die Verordnung des Gesetzes von 1936
für Stiftungen behindert die Schule, die von einer Stiftung abhängig ist,
erstens finanziell. Obwohl unsere Schule im Status der Privatschule ist, wirkt
es sich zweitens auf die Lehre in der Schule negativ aus, dass wir nicht das
Recht haben, die Lehrer / Lehrerinnen des Faches Türkisch und des Faches
Türkische Kultur auszuwählen, jene Lehrer / Lehrerinnen unter der Leitung des
Schulleiters / der Schulleiterin nicht seine / ihre Pflicht zu nehmen, sondern
unter der Leitung des vom Unterrichtsministerium ernannten Stellvertreters zu
handeln, was sich auf die Lehre in der Schule negativ einwirkt. Es schafft bei
der Schulleitung eine doppelte Verwaltung.“
E. Absolventenverbleib und Arbeitsmarkt
Die quantitativen Angaben zum
Übergang in den Beruf und zur beruflichen Integration sind in der Regel nur über
Absolventenuntersuchungen zu ermitteln. Im Selbstreport soll auch dargestellt
werden, wie die Schule sich über die Praxis/Arbeitsmarktlage informiert und wie
erreicht wird, dass die Lehre den Erfordernissen der beruflichen Praxis
angepasst werden (Vgl. ZevA S. 51).
Welche Kontakte hat die Schule zum
Arbeitsmarkt und zu ihren Absolventinnen und Absolventen?
Und:
Welche Informationen hat die
Schule zu Übergang und beruflichem Verbleib der Absolventinnen und Absolventen?
Absolventinnen und Absolventen im
Arbeitsmarkt:
Die Absolventinnen und Absolventen
der Minderheitenschule in letzten 15 Jahren, die promoviert und habilitiert
sind:
|
Dr.
und Doz. Dr. / nach den Studienrichtungen |
Männer |
Frauen |
Das
Getranagon Gymnasium berichtet von 3 Ärzten, Das Zapion Gymnasium gibt den Namen
einer berühmten philosophischen Professorin der Hacettepe Universität an.
Würden die Absolventinnen und
Absolventen gerne Staatsdienste, wie Beamtentätigkeiten ausüben?
|
Art
der Beamtenpflichten |
Männer |
Frauen |
|
1………..
2……….. |
|
|
Die
Schulleitungen betonen, dass die Absolventinnen und Absolventen keine
Beamtenpflichten außer den akademischen Stellen in den Universitäten anstreben
würden, und sie seit Jahren Beamtenpflichten, besonders Bürokratie, Militär und
die Polizei als Arbeitgeber scheuen (vermeiden/ablehnen, d. Red.) würden.
Die Pflichten bei Privatbetrieben
|
Die
Art der selbstständigen Arbeit |
Männer |
Frauen |
|
1………..
2……….. |
|
|
Ingenieurwesen, Arzt, Künstler, Handel, Handwerker
Die in letzten 10 Jahren
erwünschten klein‑ und mittelständige Unternehmen:
|
|
Männer |
Frauen |
Summe |
|
Kleinbetriebe, die zur
ethnischen Gruppe gehören. |
|
|
|
|
Großbetriebe, die zur
ethnischen Gruppe gehören. |
|
|
|
|
Andere
Kleinbetriebe |
|
|
|
|
Anderen Großbetriebe |
|
|
|
|
Familienbetriebe |
|
|
|
Die Schulen
teilen mit, dass ihre Absolventinnen und Absolventen in allen Bereichen tätig
seien.
Stärken und Schwächen der Minderheitenschulen nach diesen
Reporten:
Stärken:
-
·Diese Minderheitenschulen haben bestimmte
erzieherische Traditionen.
-
Die Profile der Schülerinnen und Schüler und der
Eltern sind nicht problematisch
-
Man erlebt keine Disziplinprobleme
-
Naturwissenschaftliche Fächer in Getranagon Lyzeum
sind besser als in den anderen Schulen
Schwächen:
-
Finanzielle Lage der Schulen
-
Man stößt immer auf Schwierigkeiten, qualifizierte
Lehrer/innen und Leiter/innen zu finden.
-
Wegen der Schwierigkeiten aus den schulischen
Verordnungen sind die Weiterbildung von Lehrer/innen nicht in geeigneter Weise
zu machen.
Vorschläge für Verbesserungen:
-
Die gesetzlichen Änderungen sollen durchgeführt
werden, um die finanziellen Schwierigkeiten zu überwinden.
-
Es ist nötig, die Schwierigkeiten aus den Verwaltungen
zu überwinden, die Lehrerinnen und Lehrer vor der Schulleitung und bei ihren
Beziehungen mit der Leitung ins Gleichgewicht zu bringen.
F. Ausstattung:
Qualifiziertes Personal in ausreichender
Zahl ist das „Kapital“ der Schule. In diesem Kapitel sind daher Personalbestand
(lehrendes und nicht-lehrendes Personal), Belastung der Lehrerinnen und Lehrer
durch die wöchentlichen Unterrichtsstunden, Prüfungen, Elternbesuche und
Personalentwicklung und ‑planung zu kommentieren.
Dieses Kapitel soll auch Angaben
darüber geben, wie die räumliche, sächliche und finanzielle Ausstattung der
Schule für Lernen und Lehren im schulischen Gebiet ist. Zu erläutern ist vor
allem, ob die genannten Ressourcen ausreichen, Lehren und Lernen angemessen zu
unterstützen. Dabei sind sowohl die positiven als auch die negativen Effekte der
Ausstattung und Ausstattungssituation auf die Qualität der Lehre aufzuzeigen
(Vgl. ZevA s.51‑52).
Über welche Ressourcen in den im
folgenden aufgeführten Bereichen verfügt die Schule, um die definierten
Entwicklungsziele zu erreichen?
Mittel für die Lehre (aktueller
Haushalt):
Wegen der finanziellen Unmöglichkeiten
kann nicht investiert werden.
Ausgabe für Lehre (Ist‑Zustand):
Diese Schulen können sich nicht um
Gewinn bemühen. Etwa 80 % von Schulbudgets ist bezüglich der Kosten für das
lehrenden und nicht-lehrenden Personals festgelegt.
Wie werden die Bücher,
Zeitschriften usw. für die Bibliothek besorgt?
Nur das Getranagon-Gymnasium hat auf
diese Frage wie folgendes geantwortet.
|
Veröffentlichungen |
Geschenk (% ?) |
Kaufen
(%?) |
|
Bücher |
20 |
80 |
|
Periodische Veröffentlichungen |
|
100 |
Lehrmaterialien:
Wieder hat nur das Getranagon‑Gymnasium
darauf geantwortet:
Im vorletzten Jahr wurden die Labors
in der Schule in Ordnung gebracht, indem man Materialien gekauft oder renoviert
hat. 80 % von ihnen wurden gekauft und die übrigen 20 % hat man als Geschenk
erhalten.
Einkommen:
Die Quellen von Beihilfen:
Die Stellvertreter von der Zapion und
Getranagon Grundschulen haben an diese Stelle die selben Worte geschrieben:
„Durch die Spenden von Eltern.“
Das Getranagon-Gymnasium hat die
Liste wie folgend ausfüllt:
|
|
Ob es eine Unterstützung
gibt |
|
Die
Art der Quellen |
Ja |
Nein |
|
Die
Beihilfe vom Elternverein |
|
|
|
Beihilfe von Stiftungen oder anderen Vereinen |
|
|
|
Unterstützung der Kirche 160.000 Dollar |
X |
|
|
Sonstige
1.
Spende von Eltern 15.000 Dollar
2.
Treuzüge und deren Spende 6.500 Dollar |
|
|
Räume:
Klassenzimmer, Seminarräume,
Arbeitsplätze für Schülerinnen und Schüler etc.:
In den Schulgebäuden gibt es etwa 11‑14
Klassenzimmer, ein Labor für Physik, Biologie und Chemie und in manchen Schulen
gibt es daneben ein Sprachlabor.
Jede Minderheitenschule besitzt einen
Seminarraum, Sporthalle und Bibliothek. Außerdem haben sie ein Lehrerzimmer,
ein Sekretariatsbüro, ein Portierzimmer, Archiv, eine Küche und ein Keller.
Lehrerbedarf:
Ob es unbesetzte Lehrerstelle gibt?
Auf diese Frage wurde von
Getranagon-Gymnasium geantwortet:
„Es gibt im Schuljahr 2001‑2002 kein
Defizit sowohl bei den vertraglichen Lehrerstellen als auch unter den
Kulturlehrern.“
Stärken‑Schwächen‑Profil der
Schule und seine Entwicklungsoptionen:
Wie
sieht das Stärken– Schwächen‑Profil der Schule aus?
Diese Frage wurde nur von dem
armenischen Getranagon-Gymnasium beantwortet:
„Die bedeutendsten Stärken der Schule
liegen in ihrem Bestehen seit 1886 für Erziehung. Aber die finanziellen
Probleme, ungenügende Mittel, die unpassende aktuelle Lage unserer Schule und
einige gesetzliche Hindernisse sind Schwächen‑Profil unserer Schule.
Welche Entwicklungsoptionen werden in
der Schule diskutiert?
Zwingende Teilnahme der Lehrerinnen
und Lehrer an Weiterbildungskursen in den Schulen, Vergrößerung der
Schulleitung, Besorgen der zusätzlichen Personalstelle, die Änderungen beim
Curricula in Gymnasien für die Integrierung in das Aufnahmeprüfungssystem, die
Lösungen des Lehrermangels für Armenisch‑ und Kulturunterrichten.
IV. Literatur
Atatürk, Kemal: Atatürkün Söylev
ve Demeçleri, İstanbul, 1945.
Auernheimer, G: Kultur, Identität
und interkulturelle Erziehung. In: Demokratische Erziehung Nr. 12, 1984.
Becker, G.: Unterricht planen.
Handlungsorientierte Didaktik. Belz Verlag, Weinheim und Basel 2001.
Hamburger, F.: Erziehung in der
multikulturellen Gesellschaft. In „Interkulturelle Erziehung“ IZA 4/ 911. 1991.
Lewis, Bernard: Modern Türkiye'nin
Dogusu, Türk Tarih Kurumu Basimevi‑Akara, 1988.
Atatürk, Kemal: Rede von Atatürk,
Band 1, S. 193, 195-6.
ZevA (Zentrale Evaluations‑ und
Akkreditierungsagentur Hannover) Methoden und Materialien zur
systematischen und flächendeckenden Evaluation, Hannover 2000
Dokument Information:
Veröffentlicht in
politik
unterricht aktuell Heft 1/2003.
"Interkulturelle
Konflikte"
pua
1/2003 - ISSN 0945-1544
Hannover, 2004. A 5, kart. [ISBN 3-9807714-6-6] - vergriffen -
Herausgeber: Verband der Politiklehrer e.V., Hannover
Vorsitzender: Gerhard Voigt, OStR i.R. (2009)
eMail: bismarckschule.voigt@gmx.de
http://www.voigt-bismarckschule.de
Internetausgabe: http://www.pu-aktuell.de/pua2003-1/Minderheitenschulen.htm - Letzte Überarbeitung: 03.08.2004 - revidiert:
03.11.2009 / durchgesehen und auf tuerkei-didaktik.de am 28.02.2011
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