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Schriftenreihe des UNESCO-Clubs Hannover

   
   

 

     
   

Kurzer Abriß der Geschichte der Türkei

I. Geschichtstabelle: Übersicht

vor unserer Zeitrechnung:

Altorientalische Zeit

10.000:

Erste Besiedlung in Anatolien

5000-3000:

Chalkolithikum (›Kupferzeit‹)

ab 3000:

Frühbronzezeit, Rad, Handel mit Mesopotamien

2500-2000:

Hattische Fürstentümer

2200:

Hethitische und archaische Wanderungen

1950-1750:

Assyrische Händlerkolonien, Schrift in Anatolien

1750:

Altes Hethitisches Reich

1450:

Hethitisches Großreich

1200-1100:

Dorische Wanderungen

1194-1184:

Antike Datierung des Trojanischen Krieges

1150:

Seevölker zerstören Hethiterreich

900-580:

Reich von Urartu um den Van-See, an den Küsten griechische Siedlungen

695:

Kimmerier ziehen durch Kleinasien, zerstören Phrygerreich

609-560:

Alyattes, König der Lyder, vertreibt die Kelten/Galater. Erfindung der Münze

Griechische Antike

550:

Artemistempel in Ephesos. Kyros gründet Perserreich

546:

Perser zerstören Lyderreich. Ende der Herrschaft des Kroisos

540:

Perser haben lonischen Bund unterworfen

544-483:

Heraklit, Philosoph aus Ephesos

499-494:

Ionischer Aufstand gegen Perser

478:

2. Sieg der Athener über Perser. Attischer Seebund mit Einfluß in Ionieri

353:

Tod Mausolos’, des Statthalters von Karien (danach ›Mausoleum‹)

336-323:

Alexander der Große

334/333:

Eroberung Kleinasiens durch Alexander

323-280:

Diadochenkämpfe

230:

Attalos I. von Pergamon vertreibt Galater (Kelten) aus seinem Reich

202:

Gründung der Bibliothek von Pergamon/Bergama

190:

Beginn römischen Einflusses

180:

Zeusaltar in Pergamon

146:

Römer zerstören Karthago, üben über griechische Welt mit Hilfe Pergamons Hegemonie aus

133:

Attalos III. vererbt Reich von Pergamon an Rom

88:

Mithridates VI. von Pontus läßt 80.000 Römer ermorden

64:

Pompeius besiegt Mithridates

27:

Beginn römischer Kaiserzeit. In Ostanatolien Partherkriege, armenische Pufferstaaten

Hellenismus und römisches Imperium

nach Beginn unserer Zeitrechnung:

55-58:

Paulus in Ephesos

98-117:

Kaiser Trajan, größte Ausdehnung des Römischen Reiches

258-310:

Finanzkrise und Hungersnöte im Römischen Reich

323-337:

Alleinherrschaft Konstantins des Großen

324:

Gold-Solidus neue Münze, jahrhundertelang stabile Währung

325:

Konzil von Nicaea/Iznik

Byzanz, Konstantinopel, Ostrom, Islam

330:

Byzanz neue Reichshauptstadt

375:

Hunneneinfall nach Europa. Beginn der Völkerwanderung

391:

Christentum Staatsreligion

395:

Letzte Teilung des Römischen Reiches in Ost- und Westreich

457-518:

Thrakische Dynastie in Byzanz

476:

Ende des Westreichs von Rom

527-565:

Justinian I. Kaiser (Apostata, der ›Abtrünnige‹)

529:

Schließung der Akademie in Athen. Codex Iustinianus

532:

Nika-Aufstand

537:

Vollendung der Hagia Sophia

610-641:

Herakleios I. Kaiser

622/3:

Hiära. Beginn der islamische Zeitrechnung

638:

Jerusalem arabisch-islamisch

646:

Ägypten von Muslimen erobert

674-678:

Erste muslimische Belagerung Konstantinopels

716-820:

Syrische Dynastie in Byzanz

717-718:

Zweite muslimische Belagerung Konstantinopels

730-787:

Erster Ikonoklastenstreit (Bilderverbot in der christlichen Kunst)

800:

Karl der Große in Rom zum Kaiser gekrönt. Ende des Einen Reiches

802-813:

Auseinandersetzungen mit den Bulgaren

813-843:

Zweiter Bilderstreit

866-1056:

Makedonische Dynastie in Byzanz (mit einigen Zwischenkaisern)

1048:

Pedenegische Türken dringen in europäischen Reichsteil ein

16.7.1054:

Schisma zwischen römisch-katholischer und griechisch-orthodoxer Kirche

1071:

Schlacht von Manzikert/Malazgirt. Türken siedeln in Anatolien

Selçuken, Zeit der Kreuzzüge

1075:

Iznik/Nicaea selçukische Hauptstadt

1081 -1118:

Kaiser Alexios I., Beginn der Komnenen-Dynastie in Byzanz (bis 1185)

1092-1107:

Kılıç Arslan I., rum-selçukischer Sultan

1097:

1. Kreuzzug, Eroberung von Nicaea/Iznik,

1099:

Eroberung von Jerusalem

1146:

2. Kreuzzug scheitert bei Dorylaion/Eskiwehir

1155-1192:

Izzeddin Kılıç Arslan II., rum-selçukischer Sultan

1178:

Ende des Danxwmendiden-Beyliks, Beginn selçukischer Blüte

1185-1204:

Angeloi-Dynastie in Byzanz

1190:

Deutscher Kaiser Friedrich Barbarossa ertrinkt während des 3. Kreuzzugs im Silifke Çayı [griech. Saleph, heute Gök Su]

1204:

4. Kreuzzug. Kreuzfahrer erobern Konstantinopel, gründen dort Lateinisches Kaiserreich (bis 1261). Bildung byzantinischer Reiche in Nicaea/Iznik (bis 1261) und Trapezunt/Trabzon (bis 1461)

1211-1220:

Izzeddin Keykavus I., rum-selçukischer Sultan

1220-1237:

Alaeddin Keykubad, I., rum-selçukischer Sultan

1237-1246:

Gıyaseddin Keyhüsrev, II., rum-selçukischer Sultan, erste Zeichen des Niedergangs (Baba-Ishak-Aufstand 1240)

1243:

Schlacht am Kösedaği

1261:

Byzantiner erobern Konstantinopel zurück. Palaiologendynastie (bis 1453)

1281 -1324:

Osman Herrscher eines kleinen Territoriums in Nordwestanatolien

1318:

Mongole Timurtaş setzt letzten Selçuken-Herrscher ab

Osmanen

1324-1362:

Orhan Bey Herrscher der Osmanen

1326:

Bursa von Osmanen erobert, wird Hauptstadt

1335:

Ende des Ilhan-Reiches in Persien

1362-1389:

Murad I. Sultan der Osmanen

1363:

Edirne/Adrianopel wird von den Osmanen erobert, wird Hauptstadt. Byzanz zahlt den Osmanen Tribut

1389-1402:

Bayazid I. Sultan der Osmanen

1391:

Zum 1. Mal wird Konstantinopel von den Osmanen belagert (danach 1395, 1396 und 1400)

1402:

Mongolenheer Timurs besiegt Osmanen bei Ankara. Wiederaufleben der kleineren türkischen Fürstentümer und osmanischer Thronstreit

1413-1421:

Mehmed I. Sultan der Osmanen

1421-1451:

Sultan Murad II.

1451-1481:

Sultan Mehmed II.

29.5.1453:

Osmanen erobern Konstantinopel, machen es zu ihrer Hauptstadt. Ende von Byzanz

1481-1512:

Sultanat Bayazid II.

1512-1520:

Sultanat Selims I.

1517:

Osmanen erobern Rest Ostanatoliens und Ägypten

1520-1566:

Sultanat Süleymans 1. des Prächtigen

1529:

1. Belagerung Wiens durch die Osmanen

1538:

Seeschlacht von Preveza: Osmanen gewinnen Seeherrschaft im Mittelmeer

1566-1574:

Sultanat Selims II.

1571:

Seeschlacht von Lepanto: Osmanen verlieren Seeherrschaft wieder

1574-1595:

Sultanat Murads III.

1595-1603:

Sultanat Mehmeds III.

1603-1617:

Sultan Ahmed I.

1617-1618:

Erstes Sultanat Mustafas I.

1618-1622:

Sultan Osman II.

1622-1623:

Zweites Sultanat Mustafas I.

1623-1640:

Sultan Murad IV. (* 1612)

1640-1648:

Sultan Ibrahim

1648-1687:

Sultan Mehmed IV. (gest. 1692)

1656-1715:

Wesire der Köprülü-Familie bemühen sich um Restauration osmanischer Macht

1683:

2. Belagerung Wiens

1687-1691:

Sultan Süleyman II.

1691-1695:

Sultan Ahmed II.

1695-1703:

Sultan Mustafa II.

1699:

Frieden von Karlowitz: Osmanen verlieren Ungarn und Siebenbürgen

1703-1730:

Sultan Ahmed III. (gest. 1736)

1727:

Erste türkische Druckerei im Osmanischen Reich

1730-1754:

Sultan Mahmud I.

1754-1757:

Sultan Osman III.

1757-1773:

Sultan Mustafa III.

1773-1789:

Sultan Abdülhamid I.

1774:

Frieden von Küçük Kaynarca: Rußland erreicht das Schwarze Meer

1789-1807:

Sultan Selim III. (gest. 1808)

1807-1808:

Sultan Mustafa IV.

1808-1839:

Sultan Mahmud II.

1826:

Abschaffung des Janitscharenkorps (Massaker auf dem Hippodrom in Istanbul)

1829:

Griechenland unabhängig

1831:

Erste türkische Zeitung im Osmanischen Reich

1839-1861:

Sultan Abdülmecid I.

1839-1876:

Tanzimat-Periode, Reformen im Osmanischen Reich

1861-1876:

Sultan Abdülaziz

1868:

Mecelle, Bürgerliches Gesetzbuch des Islamischen Rechts

1870:

Universität Istanbul gegründet

1876:

Sultan Murad V. (gest. 1904)

1876-1909:

Sultan Abdülhamid II. (gest. 1918)

1876:

Erste osmanische Verfassung (wird 1877-1908 außer Kraft gesetzt)

1881:

Schuldenverwaltung der Großmächte (Düyun-x umumiye) erhält Zugriff zu wichtigsten osmanischen Staatseinnahmen

1889:

1. Besuch Wilhelms II. in Istanbul (der 2. Besuch folgt 1898)

1908:

Jungtürkische Revolution, Wiedereinsetzung der Verfassung, Wahlen

1909-1918:

Sultan Mehmed V.

1912/13:

Osmanen verlieren letzte europäische Gebiete bis Edirne

1914-1918:

im 1. Weltkrieg kämpft das osmanische Reich auf Seiten der Mittelmächte. Nach dem Waffenstillstand von Mondros werden Teile der Türkei besetzt

1918-1922:

Sultan Mehmed VI. (gest. 1926)

Atatürk und die Türkische Republik

1919

Besetzung Anatolien von Italienern (Antalya bis Konya) und Franzosen (Kiliken, Adana)

15.5.1919

Landung griechischer Truppen in Smyrna (Izmir)

19.5.1919

Mustafa Kemal Pawa geht in Samsun an Land: Marsch auf Ankara

1919:

Kongresse von Erzurum und Sivas, Beginn des Widerstandes gegen die alliierten Besetzungen unter Mustafa Kemal (Atatürk)

1919 – 1922

Rückeroberung der besetzten Gebiete durch Mustafa Kemal Pawa

 

Vertreibung der Griechen aus Westanatolien durch Ismet Inönü

16.3.1920

Besetzung Istanbuls durch Alliierte Truppen

23.4.1920:

»Große Türkische Nationalversammlung« in Ankara

10.8.1920

Friedensvertrag von Sèvres, Aufteilung der Türkei. Vertrag von Sèvres sieht Gebietsabtretungen der Türkei und Zugeständnisse an die Alliierten vor

1921:

Einigung zwischen der UdSSR und Mustafa Kemal über türkische Ostgrenze

9.9.1922:

Heer Mustafa Kemals befreit Izmir von griechischer Besetzung

1922

Endgültige Absetzung des Sultans, Abschaffung des Sultanats

1923:

Vertrag von Lausanne, Anerkennung der kemalistischen Türkei

13.9.1923

Ankara wird zur Hauptstadt der Türkei proklamiert

29.10.1923:

Türkei wird Republik

3.3.1924:

Aufhebung des Kalifats

1923-1938:

Reformen Atatürks

1925

Bekleidungsreform

1926

Rechtsreform, Code Civil

1928

Lateinische Schrift

 

Gesetz über den Laizismus

1930/34

Schrittweise Einführung des Wahlrechts für Frauen

1932

Sprachreform, Einführung des ‚Türkei-Türkisch‘

1933

Kulturinitiative (Musik, Oper, Künste nach westlichem Vorbild)

1935

Familien- und Namensrecht

 

Die Prinzipien des ‚Kemalismus‘:

 

 

1. Laizismus

2. Demokratie

3. Nationalismus

4. Etatismus

5. Revolutionarismus

6. Republikanismus

10.11.1938:

Tod Atatürks (* 1881)

1938-1950

Ismet Inönü Präsident. Vorsitzender der unter Atatürk gegründeten Republikanischen Partei

bis 1945

Neutralität im 2. Weltkrieg, Kriegseintritt auf Seiten der Alliierten 1945.

1945

Aufnahme in die UNO

1946:

Übergang zum Mehrparteien-System durch Gründung der Demokratischen Partei (DP/Democratic Partisi)

1950:

Die konservative ›Demokratische Partei‹ gewinnt Parlamentswahlen. Abkehr von ›linken‹ Reformen Atatürks

1950-1960

Staatspräsident Celal Bayar, Ministerpräsident Adnan Menderes

1952:

Türkei wird NATO-Mitglied

1955:

Bagdad-Pakt (CENTO) mit USA, Iraq und Iran.

ab 1955:

Zunehmend diktatorische Regierungsform: Parteienverbote, Einschränkung der Bürgerrechte etc. Konzentration auf die Landwirtschaft, wirtschaftliche Stagnation, Zypernkrise, terroristischer Widerstand nimmt zu

27. 5.1960:

Militärputsch zur ›Rettung der Demokratie‹ und des Kemalismus unter General Cemal Gürsel

1961:

Hinrichtung des gestürzten Ministerpräsidenten Menderes, die Türkei erhält eine neue, demokratische Verfassung.

1961-1965:

Wahlen erbringen eine Koalitionsregierung zwischen der Republikanischen Partei (CHP) und der Gerechtigkeitspartei (AP/Adalet Partisi); Staatspräsident Cemal Gürsel, Ministerpräsident Ismet Inönü; instabile Mehrheiten, mehrfache Regierungs- und Koalitionswechsel

1964:

Assoziationsabkommen mit der EWG

1965-1961:

Ministerpräsident Süleyman Demirel (AP, 1965 und 1969 absolute Mehrheiten), rechtskonservative Regierungspolitik. Sozialistische und kommunistische Widerstandsbewegungen, Unruhen, Terror und Straßenschlachten. Oppositionelle Parteiengründungen: Türkische Arbeiterpartei (TIP/Türkei Isçi Partisi, linksradikal), Republikanische Vertrauenspartei (CGP/Cumhuriyetçi Güven Partisi, konservativ), Partei der Nationalistischen Aktion (MHP/Milliyetçi Hareket Partisi, rechtsextrem; paramilitärische Jugendorganisation Bozkurt / ›Graue Wölfe‹)

12.3.1971:

2. Militärputsch zur Minderung der innenpolitischen Spannungen

1971-1975:

Konservative Staatsführung unter Nihat Erim. Autotitäre Unterdrückung der Opposition und der Unruhen.

1974:

Intervention auf Zypern, Ausrufung der Türkischen Republik Nordzypern

1975-1977:

Koalition der Rechtsparteien MSP, AP, MHP unter Demirel. Chaotische innenpolitische Zustände. Terror der ›Grauen Wölfe‹. Kriegsrecht über die Großstädte und die Ostanatolischen Provinzen verhängt

1977:

Wahlsieg der Republikanischen Volkspartei/CHP, Ministerpräsident Bülent Ecevit. ›Staatsbankrott‹

1979:

Minderheitsregierung der AP, MSP, MHP unter Demirel

Januar 1980:

Europarat rügt Menschenrechtssituation in der Türkei

12.9.1980:

3. Militärputsch wegen bürgerkriegsartiger Unruhen in der Türkei, Auflösung aller Parteien, Gewerkschaften und der Großen Türkischen Nationalversammlung. Einsetzung eines Nationalen Sicherheitsrates unter General Kenan Evren, der später Staatspräsident wurde. Betätigungsverbote und Inhaftierungen von Teilen der bisherigen politischen Eliten, Razzien, Sicherstellung von Schußwaffen etc. Nach dem Verfassungsbericht von 1981 werden 45.000 Personen inhaftiert, 13.000 Personen unter Anklage gestellt und 16 Todesurteile ausgesprochen.

31.8.1982:

Internationale Juristenkommission in Genf (ILC) rügt Menschenrechtsverletzungen und Folterpraktiken in türkischen Gefängnissen

7.11.1982:

Referendum akzeptiert neue Verfassung. Wahl Kenan Evrens, des Haupts der putschenden Militärs, zum Präsidenten. Langsamer Übergang zur Demokratie

1983:

Neuzulassung von politischen Parteien, darunter: Nationalistisch-Demokratische Partei (MDP/Millyetçi Demokraçi Partisi) unter Turgut Sunalp, Mutterlandspartei (ANAP/Anavatan Partisi) unter Turgut Özal, Populistische Partei (HP/Halçi Partisi) unter Necdet Calp.

6.11.1983:

Parlamentswahlen. Sieger die rechtsdemokratische Partei ANAP Turgut Özals (wird 1987 in vorgezogener Neuwahl bestätigt). Wirtschaftlich am Liberalismus orientiert

Dez. 1987:

Vorgezogene Neuwahlen. – Im Parteienspekrtrum etablieren sich seit 1987:

Ergebnis der letzten Parlamentswahlen (›Große Nationalversammlung‹) 1987, 1991, 1995

Partei

Stimmen
1995

Sitze
1995

Stimmen
1991

Sitze
1991

Stimmen 1987

Sitze
1987

Partei des rechten Weges (DYP)

19,2 %

135

27,1 %

178

20%

59

Mutterlands-
partei (ANAP)

19,7 %

132

24,0 %

115

36%

275

Sozial-
demokratische Volkspartei (SHP)

10,7 %

75

20,8 %

88

24%

99

Islam.-fundam. Wohlfahrts-
partei (1991 mit Nationale Arbeiter-
partei (RP/ MCP) * )

21,3 %

158

16,8 %

62

7%

-

Demokratische Linkspartei (DSP)

14,6 %

75

10,7 %

7

8%

-

*1991 Wahlbündnis.
Derzeit (1995) mehrere der 450 Sitze durch Parteienverbot und Ausschluß von Abgeordneten vakant.

RP (Refah Partisi)* [Wohlfahrtspartei], Vorsitzender: Necmettin Erbakan. –
ANAP (Anavatan Partisi)** [Mutterlandspartei], Vorsitzender: Turgut Özal, später Mesut Yılmaz. –
DYP (Doäru Yol Partisi) [Partei des Rechten Weges], Vorsitzende: Süleyman Demirel, später Tansu Çiller. –
SHP (Halçi Partisi) [Sozialdemokratische Volkspartei], Vorsitzender: Erdal Inönü. –
DSP (Demokratik Sol Parti) [Demokratische Linke Partei], Vorsitzender: Bülent Ecevit. –
CHP (Cumhuriyet Halk Partisi) [Republikanische Volkspartei], Vorsitzender: Deniz Baykal. –
MHP (Milliyetçi Hareket Partisi) [Nationalistische Aktionspartei], Vorsitzender: Alparslan Türkew. –
HADEP (Halkxn Demokrasi Partisi) [Demokratische Partei des Volkes], Vorsitzender: Murat Bozlak. –
YDH (Yeni Demokrasi Hareketi) [Neue Demokratische Bewegung], Vorsitzender: Cem Boyner.
* Fusion mit den Parteimitgliedern der DP (Demokratische Partei).
** Fusion mit den Parteimitgliedern der BBP (Große Einheitspartei).

Neue Presse (Hannover), Nr. 299, Freitag, 22. Dezember 1995, S. 3, und Hannoversche Allgemeine Zeitung, Nr. 301, Mittwoch, 27. September 1995, S. 3 (Kompilation)

II. Tabellen zur Geschichte des Sultanats

A. Dynastie der Seldschuken (Selçuk)

Herkunft der Seldschuken aus dem nordwest-iranischen Bereich des turksprachigen Azerbaidjan (halbnomadische Stämme, ›Kara Koyunlu‹, ›Aq Koyunlu‹ u.a.). Erste Staatsbildungen in Azerbaidjan, Hauptstadt Tabriz (›Persisches Seldschukenreich‹).

Selçuk

gest. 1030

 

Togrul Beg

1030-1063

‚Schutzherren‘ der Kalifen von Baghdad.

Alp Aslan

1063-1072

Schlägt den byzantinischen Kaiser Romanos IV. Diogenes bei Mantzikert am Van-See; Anatolien wird erobert.

Eroberung von Armenien, Georgien und Phrygien.
Aus dem Osten folgen turkmenische Völker nach: Oghusen und Mongolen.

Sultan Süleyman

gest. 1086

gründet Seldschukenreich von ›Rom‹
(= Byzanz) in Iconium / Konya.

Sultan Kılıç Arslan

Sultan Kotb Eddin

Verteidigung von Konya gegen Barbarossa

Sultan Alâeddin Khaikobad

1220-1237

Kulturelle und politische Blütezeit.

1207-1273 Mêvlâna Djellaleddin Rûmî.

Sultan Alâedin III

gest. 1307

fällt im Kampf gegen die Mongolen.

Sultan Süleyman

gest. 1086

gründet Seldschukenreich von ›Rom‹
(= Byzanz) in Iconium / Konya.

Sultan Kılıç Arslan

Sultan Kotb Eddin

 

Verteidigung von Konya gegen Barbarossa

Sultan Alâeddin Khaikobad

1220-1237

Kulturelle und politische Blütezeit.

1207-1273 Mêvlâna Djellaleddin Rûmî.

Sultan Alâedin III

gest. 1307

fällt im Kampf gegen die Mongolen.

Eroberungen der turkmenischen Mongolen aus Zentralasien unter Dschingis Khan.
Aufteilung des mongolischen Großreiches in des russische Reich der ›Goldenen Horde‹
(›‹ = türkisch ›Armee‹), die chinesische Mongolendynastie, das vorderasiatische Mongolenreich der ›Il Khane‹ (›il‹ = türkisch ›Provinz‹) und das zentralasiatische Mutterland
um Ulan Bator.

In Anatolien lösen die Dynastien Karamanli (1275-1466) im Süden und die Dynastie der Osmanen im Norden sukzessive die Seldschuken ab.

B. Dynastie der Osmanen

Herkunft der Osmanen von wandernden, nomadischen Turkmenenstämmen aus dem Gebiet von Chorrassan / Nordostiran und Turkmenistan.

Süleyman

Anfang
13. Jh.

Einwanderungszeit.

Ertogrul

1231-1288

Eroberungen in Nordwestanatolien.

Sultan Osman ‚Gazi‘ (‚der Siegreiche‘)

1288-1326

Gründer der Osmanischen Dynastie; Hauptstadt Eskiwehir, ab 1300 Afyon Karahisar; 1326 Kapitulation von Bursa.

Sultan Orkhan

1326-1359

Ausbau der Residenzstadt Bursa;

1354 Überquerung der Dardanellen bei Gallipoli (Gelibolu).

Sultan
Murat I.

1359-1389

Ausweitung des Reiches in Anatolien;

Eroberungskriege auf dem Balkan:

1363 Edirne (Adrianopel) / Maritza

1375 Niw

1382 Sofia

1389 Schlacht von Kossovo Polje (Amselfeld), Sieg über den serbischen Fürsten Lazar, der hingerichtet wird; Murat wird von einem serbischen Gefangenen ermordet.

Sultan Bayazid I. Yildirim (der Blitz)

1389 1402

Viele Kriegszüge an allen Grenzen (‚wie ein Blitz‘); 1396 Schlacht von Nikopolis an der Donau;

erste Belagerung von Konstantinopel; der byzantinische Kaiser wird dem Sultan tributpflichtig.

1402 Schlacht von Ankara; der Sultan fällt im Kampf gegen Timur Leng.

Die turkmenischen ›Mongolenheere‹ von Timur Leng (›der Lahme‹) erobern von Buchara und Samarkand in Mittelasien ausgehend Persien, Mesopotamien und Anatolien. Sie besiegen in der Schlacht von Ankara das Osmanische Heer, ziehen dann aber wieder nach Mittelasien ab.
Das Osmanische Reich zerfällt vorübergehend in ein Machtvakuum und konkurrierende Stämme.

Sultan Süleyman I.

1403-1411

 

Sultan Musa

1411-1413

Sultan Mehmet I.

1413-1421

Erneute Einigung und Festigung des Reiches (‚der Erneuere‘).

Sultan Mehmet II. Fatih (‚Eroberer‘)

1451-1401

1453 Eroberung von Konstantinopel.

Istanbul wird Hauptstadt des Reiches.

Sultan Bayazid II. (‚der Fromme‘)

1481-1512

Kampf gegen die Mamluken in Ägypten;

Eroberungszüge in Polen, Österreich (Villach) und Italien (Friaul)

Sultan
Selim I. (‚der Grausame‘)

1512-1520

Eroberungen in Syrien, Palästina (Jerusalem), Ägypten, Mekka;

Annahme des Kalifen- und Scherifentitels (‚Hüter der Heiligen Städte‘)

Sultan Süleyman I. (‚der Prächtige‘)

türkisch: Kanunî (‚der Gesetzgeber‘)

1520-1566

1529 Erste Belagerung von Wien. –

Politischer und kultureller Höhepunkt des Osmanischen Reiches. –

Tod bei Szigetvár beim Zweiten Feldzug gegen Wien.

Niedergang der Sultansmacht, MachKılıçtgewinn des Hofes, des Militärs und der Notablen parallel zum militärischen Machtverlust im Äußeren und zum Ende der Expansionsphase; zunehmend verlustreiche Kriege gegen das aufsteigende und expansive Zarenreich und Einbeziehung in die europäischen Hegomonialkriege zunächst noch unter Einschluß des Habsburger Reiches, später vor allem von England und Frankreich in wechselnden Bündnissen und Koalitionen.

1595-1687 Haremswirtschaft, Dominanz von Sultaninnen und Sultansmüttern.

1687-1757 Regierungsmach bei Großweziren der Familie der Köprülü.

1754-1808 Wechselnde Machtursupation durch Eunuchen und Janitscharen.

Sultan
Selim II (‚der Säufer‘)

1566-1574

1571 Seeschlacht von Lepanto

Verschiebung der internationalen Machtbalance zwischen Habsburg, Zarenreich und Osmanischem Reich zu Lasten des Letzteren; Einmischung von England und Frankreich.

Sultan Ahmet I.

1603-1617

Bau eines Garten-
hauses im Dolma-
bahçe-Garten

 

Sultan Mehmet II.

1649-1687

1683 Belagerung von Wien, Niederlage.

Sultan
Süleyman II.

1687-1691

Verlust von Belgrad

Sultan Ahmet II.

1691-1703

1698 Frieden von Karlowitz

Sultan Ahmet III.

1703-1730

1700 Frieden von Konstantinopel.

1710-1711 Sieg über Rußland.

1713 Frieden von Adrianopel (Edirne)

1716 Krieg gegen Habsburg und Venetien.

1718 Frieden von Passarowitz.

Sultan Mahmud I.

1730-1754

1736 Russisch-türkischer Krieg.

1739 Rückeroberung von Belgrad;

Frieden von Belgrad.

Sultan Mustafa III.

1757-1774

1768 Russisch-türkischer Krieg.

1770 Seeschlacht von Çeçme; Verlust der Flotte; Niederlage an der Donau.

Sultan Abdülhamid I.

1774-1789

1774 Friede von Küçük Kainarce (Bulgarien): Sonderrechte für Rußland, ‚Schutzmacht für die orthodoxen Christen‘; 1786 Kriegserklärung an Rußland.

Sultan Selim III.

Dominierender Einfluß des Hofes;

Ansätze zu inneren Reformen.

1789-1807

1791 Frieden von Sistow mit Rußland;

Flottenaufbau durch Campbell (‚Inglizi Mustafa‘).

Janitscharen-
verschwörung; Selim wird gefangen gesetzt.

Sultan Mustafa IV.

1807-1808

Ermordet Selim III. am 28.7.1808 und wird dann von Aufständischen gefangen gesetzt.

Sultan Mahmud II. (‚der Reformer‘)

Innenpolitische Reformen; Heeresreform;
1826 Vernichtung der Janitscharen;

Verbot des den Janitscharen verbundenen Bektaw-Ordens.

1808-1839

gest. 1840

1809 Frieden mit England.

1812 Frieden von Bukarest mit Rußland.

1821 Befreiungskrieg Griechenlands.

1828 Russische Kriegserklärung.

1829 Türk.-russ. Frieden von Adrianopel.

1831 Aufstand Mohammed Alis in Ägypten.

Sultan Abdulmecid

1839 Tanzimat-Reformen;

1856 Hati Humayun.

1839-1861

1850 Bau des ersten Kiosk des Yıldız Sarayı;

Ausbau 1894.

1853 Bau des Dolmabahçe Sarayı

1853-1856 Krimkrieg.

1856 Garantie der territorialen Integrität der Türkei durch die Westmächte.

Sultan Abdulaziz

Reaktionäre Innenpolitik.

1875 unter dem Druck des Auslandes Verfassungs-
entwurf begonnen.

1861-1876

1863-67 Bau des Çirağan Sarayı (1910 abgebrannt)

1865 Bau des Beylerbeylı Sarayı

 

Sultan Murad V.

Reformpolitische Ziele;

Verfassung wird 1876 verkündet.

Wegen (erblicher) Geisteskrankheit abgesetzt.

 

 

Sultan Abdülhamid II.

Restauratives politisches Konzept.

März/April 1877 Eröffnung des ersten türkischen Parlaments;

Mai 1877 Auflösung des Parlaments.

Verfassungs-
bruch, Rückkehr zur Despotie, Folter und Hinrichtungen.

1908 Jungtürkische Revolution

1876-
1908/9

Lebt in Verfolgungs-
wahn abgeschieden im Yıldız Sarayı.
Ab 1908 unter Hausarrest im Beylerbeylı Sarayı.

1876-1878 Orientalischer Krieg

Sultan Mehmet V. Reşan

Regierung des Jungtürkischen Triumvirats Enver Bey, Talaat Bey und Cemal Bey

1912 Gegenrevolution der ‚Liga für militärische Einheit‘, anschließend Rückkehr der Jungtürkischen Regierung

1908-1918

1911 Türkisch-Italienischer Krieg um Tripolis, Abtretung Libyens.

1912 Frieden von Lausanne.

1912 Erster Balkankrieg.

1913 Frieden von London.

1913 Zweiter Balkankrieg, Vertrag von Bukarest; Türkisch-Bulgarischer Frieden.

Bündnis mit dem Deutschen Reich.

1914-1918 Erster Weltkrieg, die Türkei kämpft an der Seite der Achsenmächte.

Sultan Mehmet VI.

1918-
1922/4

1918 Türkischer Waffenstillstand.

Quelle u.a.:

Richard Peters: Geschichte der Türken. Stuttgart 1966 (2. verb. Aufl.; 1961. Urban Bücher 54. Kohlhammer Verlag) – u.a.

In der vorliegenden Fassung abgedruckt aus: Gerhard Voigt: Ein Jahrzehnt Türkeipartnerschaft

   
   

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Letzte Bearbeitung: 26.02.2011

   
   

 

     
   

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