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Studienfahrt in die Türkei 1989

vom 20.10. bis 3.11.89. İstanbul / Partnerschule İstanbul Lisesi - Ankara - Tuz Gölü - Kappadokien / Göreme - Sultanhanı - Konya - Pamukkale - İzmir - Ephesus / Efes - Pergamon / Bergama - Troja / Truva - İstanbul  (gemieteter Reisebus)

Der Bericht wurde durchgesehen, leicht korrigiert und umformatiert am 25. Juli 2005.

I.

Vom Konzept zur Realisierung

Vom 20. Oktober bis zum 3. November 1989 reisten neunzehn Schülerinnen und Schüler der Bismarckschule Hannover in die Türkei.

Ein Jahr zuvor war in der Schule die „Türkei-Arbeitsgemeinschaft“ gegründet worden, die die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung der Reise wahrnahm. Schließlich beteiligten sich dreizehn Schüler und sechs Schülerinnen der Klassen stufen zehn bis dreizehn an diesem Projekt. Die Leitung der Arbeitsgemeinschaft lag in den Händen der Lehrer Gerhard Voigt und Günter Fuchs; als weibliche Reisebegleiterin wurde Şehnaz Çelik gewonnen, die als gebürtige Türkin vor einigen Jahren an der Bismarckschule Hannover ihr Abitur gemacht hatte und nun als Studentin der Sozialpädagogik an der Universität Hannover sich vor allem mit Fragen des deutsch-türkischen Kulturkontaktes beschäftigt und uns darüber hinaus als Dolmetscherin unschätzbare Dienste leistete.

Fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler war fünfzehn Jahre alt, acht Teilnehmer waren 16 bzw. 17 und zwei Teilnehmer achtzehn Jahre alt. Damit war diese Gruppe die wohl im Durchschnittsalter jüngste Gruppe, die im Rahmen der Schüleraustauschprogramme der Bismarckschule Hannover zusammengekommen war. Doch ergaben sich daraus keine Probleme; im Gegenteil: es gab selten eine derart harmonische und interessierte Reisegruppe wie bei dieser Türkeifahrt.

Die Türkeireise 1989 stand in der Kontinuität der Schulpartnerschaft mit der Istanbul Lisesi. Schon 1985 ist die erste Schülergruppe der Bismarckschule Hannover zu einem Erkundungsbesuch in die Türkei gefahren und hat mit der späteren Partnerschule erste Kontakte geknüpft. Im Juni 1989 konnte dann die erste türkische Schülergruppe der Istanbul Lisesi zum Gegenbesuch nach Hannover kommen, wobei die Betreuung der Gruppe in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium in Bad Nenndorf durchgeführt wurde. Die Leitung der türkischen Gruppe hatte der Stellvertretende Direktor der Istanbul Lisesi, Herr Hamit Alkır (Hamit bey), der dann auch die Betreuung unserer Reisegruppe in Istanbul übernahm.

Die Istanbul Lisesi als traditionsreiches Gymnasium des „anatolischen Typs“ pflegt intensive Kontakte zu deutschen Schulen – neben Hannover/Bad Nenndorf vor allem mit der Internationalen Gesamtschule in Heidelberg und mit einigen Schulen in Köln –, die von verschiedenen Schülergruppen in Begleitung türkischer Kollegen in diesem Jahr erstmals besucht werden konnten. Diese Kontakte entsprechen dem deutschsprachigen Schwerpunkt der Istanbul Lisesi, in der – durch deutsche Lehrer unterrichtet – die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer in deutscher Unterrichtssprache er teilt werden.

Die Istanbul Lisesi nutzt ihren intensiven Kontakt zu deutschen Schulen dazu, mit großem Erfolg unterrichtsmethodische Innovationen in das sehr traditionell strukturierte türkische Schulwesen einzubringen, neben Studienfahrten auch projektorientierte Unterrichtsveranstaltungen und Besichtigungen und Besuche außerhalb des Schulgebäudes, was sonst in der Türkei noch nicht üblich ist und der Schule einen progressiven Ruf verschafft, der – bei gleichzeitig besonders hohem Leistungsniveau einer „Eliteschule“ – den Erwartungen der Elternschaft entspricht, die vor allem aus dem aufstrebendem städtischen – technischen und kaufmännischen – Bürgertum stammt. Die Istanbul Lisesi ist daher an der Kontinuität und der Vertiefung der Kontakte und der gegenseitigen Besuche sehr interessiert.

Entsprechend der Organisation des Besuches der türkischen Schüler in Hannover wurden auch die Schülerinnen und Schüler unserer Reisegruppe in Istanbul von Gastfamilien aufgenommen. Die Begleitpersonen wurden im Internat der Schule untergebracht und von Herrn Alkır und anderen Kollegen der Istanbul Lisesi betreut. Die bei Schülern und Lehrern aufgenommenen persönlichen Kontakte und Beziehungen waren in ihrer Herzlichkeit und umfassenden gastfreundlichen Fürsorge ein tiefes, unvergessliches Erlebnis, das schon in den ersten vier in Istanbul verbrachten Tagen unseres Türkeiaufenthalts zum Höhepunkt der Fahrt wurde. Über die Erlebnisse im Einzelnen werden die Reiseteilnehmer an anderer Stelle selbst berichten.

Das weitere Informationsprogramm wurde entsprechend der Vorbereitung abgewickelt. Als organisatorische Änderung und Verbesserung diente die Anmietung eines eigenen Reisebussen für zehn Tage – an Stelle der ursprünglich vorgesehenen Beförderung mit Linienbussen und gemieteten Kleinbussen für einzelne Ausflüge –, die durch die Beziehungen des Herrn Alkır ermöglicht und preislich im geplanten Rahmen gehalten werden konnte. Die Übernachtung in Hotels der unteren Preiskategorie ergab keine gravierenden Probleme und war für eine Schülergruppe durchaus zumutbar.

In Ankara musste die Hotelsuche bei Ankunft nach einer Nachtfahrt am Mittwochmorgen erfolgen. Gewählt wurde das Hotel Dewran[1] im Altstadtviertel Ulus in der Nähe des Opernhauses, in dem schon 1985 die Reisegruppe der Bismarckschule Hannover nächtigte. Für Konya und Izmir waren Hotels vorgebucht und – schriftlich an die Adresse der Istanbul Lisesi – bestätigt, wobei in Konya das Otel Tur[2], mit dem 1985 gute Erfahrungen gemacht worden waren und das direkt beim Mêvlâna-Platz sehr besuchergünstig gelegen ist, ausdrücklich vorbestellt worden war, währen das Hotel Saray[3] in der Altstadt von Izmir – ebenfalls von 1985 her bekannt – erneut von dem Touristenbüro vermittelt worden war, obwohl es nicht unbedingt eine Empfehlung wert ist. Die letzte Hotelübernachtung in Çanakkale im Otel Yildiz wurde vor Ort gebucht, wobei ein etwas strengerer Maßstab an Sauberkeit und Duschausrüstung angelegt wurde.

Die Durchschnittspreise der Hotelübernachtungen pro Nacht und Person einschließlich Frühstück waren mit umgerechnet etwa 18.-- bis 20.-- DM akzeptabel und den Standards angemessen und nur unwesentlich teurer als vor vier Jahren.

Die Verpflegung in der Türkei ist weiterhin extrem preiswert, solange man die Garküchen und Kebablokale aufsucht und sich mit den vielfältigen, wohlschmeckenden und nahrhaften türkischen Suppen-, Gemüse- und Fleischgerichten begnügt. Şiş-Kebab, Döner, Köfte, Adana- oder Iskender-Kebab sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der Vielfalt der Zubereitungen, die auch von diesen billigen Schnellimbissen angeboten werden. Und natürlich, wir sind ja in der Türkei, haben wir morgens, mittags und abends Tee getrunken – und in feierlichen Momenten türkischen Mokka... Die Mahlzeiten haben uns pro Tag und Person weniger als zehn Mark gekostet (wobei wir vom Standard Halbpension mit Frühstück und einer warmen Mahlzeit ausgingen und die immer noch erschwingliche weitere Zusatzverpflegung dem Taschengeldbudget der einzelnen Reiseteilnehmer überließen).

Deutlich teurer als in den vergangenen Jahren wurden die Programmkosten durch die hohen Eintrittspreise zum Beispiel in Ephesus (10.000 t£ = 8 DM), Pergamon oder Troja. Unglücklich ist es dabei, dass Studentenermäßigungen nur auf solche internationalen Studentenausweise gewährt werden, die unseres Wissen bundesdeutschen Schülern nicht zugänglich sind. Im Gegensatz zu 1985 nützte die Bescheinigung des türkischen Generalkonsulats zur Anerkennung als Schülergruppe diesmal nichts, mit Ausnahme des Archäologischen Museums in Ankara, wo der – zufällig anwesende – stellvertretende Direktor in eigener Verantwortung eine deutliche Schülerermäßigung zubilligte.

II.

Programmübersicht der Türkeifahrt 1989[4]

Der Hinflug wurde gebucht beim Reisebüro Öger Flugdienst, Büro Hannover [Lange Laube 1, 3000 Hannover 1, 0511-15656/57/58].

In der Türkei ist der Vertragspartner, durch den auch die Rückflugbestätigung erfolgt, das Reisebüro Tan Tour in Istanbul [Halaskargazi cad., Kücükbahace sok., Samanyolu is merk.Kat 4-5, Şişli/Istanbul, (1)-1328135/36].

Zum Hinflug traf sich die Reisegruppe am 20. Oktober 1989 um 21 Uhr auf dem Flughafen Hannover (HAJ) zum Abflug nach Istanbul (IST) mit Istanbul Airlines, Flug IL 321 [Abflug 23.20 Uhr, Abflughalle B; Treffen am Reisebüroschalter zwischen Abfertigung 11 und 12]. Die Ankunft in Istanbul erfolgte dann nach Ortszeit (MEZ +1) gegen 3.45. Und dann die Überraschung:

Alle Schüler der Gastfamilien waren mit ihren Eltern am Flughafen, um die Gäste abzuholen. Herr Hamit Alkır begrüßte uns im Namen der Schule und brachte uns Begleitpersonen zum Schulgebäude, wo vor dem verspäteten Schlafengehen noch ein erstes freundliches Begrüßungsgespräch mit „Five o’clock tea“ nachts im Dienstzimmer von Herrn Alkır stattfand! [Istanbul Lisesi, Cağaloğlu, Türk ocağı Sok. 4, Istanbul, Türkei]

Das Programm des Wochenendes war den einzelnen Gastgebern vorbehalten. Die „Reiseleitung“ vergnügte sich unter Begleitung von Hamit bey am Sams tag, 21.10., mit einem Ausflug auf dem Marmarameer zu den Prinzeninseln und am Sonntag, 22.10., auf einer Bootsfahrt durch den Bosporus.

Am Montag, 23.10., stand vormittags der Besuch der Schule auf dem Programm, eingeleitet mit der türkischen Nationalhymne um 8.10 Uhr auf dem Schulhof, einem anschließenden offiziellen Empfang beim Direktor der Schule, einem Gespräch mit dem Leiter der Deutschen Abteilung, Herrn Berthold Bangert, und mit einer Doppelstunde Unterrichtsbesuch in verschiedenen Klassen. Nachmittags hatte die Schule einen gemeinsamen Gang zu den Sehenswürdigkeiten Istanbuls, vor allem eine Besichtigung des Topkapi Serail.

Am Dienstag, 24.10., wurde zunächst gemeinsam die Hagia Sophia besucht; anschließend hatten die Schüler Gelegenheit zu Besichtigungen in kleinen Gruppen gemeinsam mit den türkischen Schülern.

In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch unternahmen wir, mit dem am Vormittag angemieteten Reisebus, eine Nachtfahrt nach Ankara, wo wir morgens gegen sieben Uhr unser Hotel suchten und buchten, um dann nachmittags am Mittwoch, 25.10., in Ankara zum ersten Stadtrundgang aufzubrechen. Das Atatürkmausoleum (Anıt Kabir) und die Zitadelle [Kale] waren unsere Ziele; kurz besuchten wir auch den Augustus-Roma-Tempel und die angebaute Grabmoschee des Haci Bayram.

Ein lange vorbereiteter Programmschwerpunkt war am Donnerstag, 26.10., um 14.30 Uhr der Besuch im türkischen Erziehungsministerium [Milli Eğitim] mit einem in mehrfacher Hinsicht interessanten Gespräch über Schule und Ausbildung in der Türkei. –

Den Vormittag dieses Tages nutzten wir zu einem Besuch im Archäologischen Museum (Museum der Anatolischen Kulturen, oder: Hethiter-Museum) mit seinen reichhaltigen und sehenswerten Sammlungen vor allem Hethitischer Kunstwerke und Grabungsfunde.

Die Busfahrt nach Konya am Freitag, 27.10., nutzten wir zu einem eintägigen Besichtigungsprogramm in Kappadokien. Entlang des großen Salzsees (Tuz Gölü) fuhren wir über Aksaray und Nêvşehir nach Göreme, wo wir das Freilichtmuseum der frühchristlichen Höhlenkirchen besichtigten. Bei der Weiterfahrt nach Konya besuchten wir noch das seldschukische Karvansaray Sultanhani.

In Konya stand am Samstag, 28.10., eine erste Stadtbesichtigung und vor allem die Besichtigung der Tekke des Mêvlâna, des Gründers des Mêvlevî-Ordens „der tanzenden Derwische“, Dellal-êd-Dîn Rûmi, im Vordergrund, durch den Konya zu einem religiösen und geistigen Zentrum der Türkei wurde, was den besonderen Charakter dieser Stadt bis heute prägt.

Sonnntag, 29.10.: Nationalfeiertag in der Türkei (Tag der Republik). Alle Museen sind geschlossen, so dass wir auf einem informellen Stadtrundgang seldschukische Baudenkmäler besichtigen: Sahip Ata Medrese, Alaettin Moschee, Ince Menare Medrese  und Karatay Medrese. Es ist nicht ganz leicht, die historischen Inhalte dieser doch so fremdartigen Baukunst zu vermitteln.

Die Busfahrt nach Pamukkale am Montag, 30.10., bringt mit den Sinterterrassen einen weiteren landschaftlichen Höhepunkt, der durch die Besichtigung des hellenistischen Theaters von Hierapolis abgerundet wird.

Abends er reichen wir Izmir.

Am Dienstag, 31.10., findet von Izmir aus der Ausflug nach Ephesus statt.

Das „Antikenprogramm“, der letzte inhaltliche Schwerpunkt unserer Reise, wird an den nächsten beiden Tagen ergänzt und abgerundet, zunächst am Mittwoch, 1.11., mit einer Fahrt nach Pergamon [Übernachtung in Çanakkale an den Dardanellen] und am Donnerstag, 2.11., mit der Besichtigung von Troja [Truva]. Nachmittags erfolgt dann die Busfahrt nach Istanbul, wo wir wieder im Schulinternat bzw. in den Privatfamilien unterkommen.

Der Freitag, 3.11., beginnt mit dem Abschiedsempfang in der Schule, wo vor allem über die weiteren Perspektiven der Schulpartnerschaft gesprochen wird. Um halb zwölf Uhr fährt uns dann ein von der Schule bestellter Schulbus zum Atatürk-Flughafen, wo wir gegen 13 Uhr beim Schalter der Istanbul Airlines zum Rückflug einchecken.

Der Rückflug von Istanbul (IST) nach Hannover (HAJ) erfolgt wieder mit Istanbul Airlines, Flug IL 530, mit einem um zwei Stunden vorverlegten Abflug um 15.15 Uhr, der aber nicht ganz pünktlich eingehalten wird. Aber kurz nach halb vier sind wir in der Luft und erreichen um achtzehn Uhr Ortszeit nach dreieinhalb Stunden Flug mit einer „Caravelle“ unser Ziel. Die veränderten Abflugzeiten, durch eine Zusammenlegung mit einem Flug nach Hamburg verursacht, erfuhren wir bei der vorgeschriebenen telefonischen Rückflugbestätigung 48 Std. vor Abflug bei Tan Tour in Istanbul am Mittwoch, 1.11., von Bergama (Pergamon) aus.

Nachzutragen ist vielleicht noch, dass die Fahrt durch ein umfangreiches Versicherungspaket abgesichert worden ist, das erfreulicherweise nicht in Anspruch genommen werden musste. Die Daten dieses Versicherungsschutzes seien hier noch kurz mitgeteilt:

Goebel-Versicherung, An der Markuskirche 5, 3000 Hannover 1 – Europäische Reiseversicherung AG / Vereinigte Krankenversicherung AG –

  • Reisegepäckversicherung: 3000,-- DM

  • Reise-Unfallversicherung –Todesfall: 10.000,-- DM  – Invaliditätsfall: 20.000,-- DM

  • Reise-Haftpflichtversicherung – Personenschäden: 1.000.000,-- DM  – Sachschäden: 100.000,-- DM

  • Reise-Krankenversicherung: Kosten für Heilbehandlung im Ausland 100 % – [50 DM Selbstbeteiligung]; Rücktransport/Rettungsflüge 100 %

  • Reise-Rücktrittskosten-Versicherung: 100 % der Flugkosten – Prämie pro Person: 39,70 DM

III.

Perspektiven der Zusammenarbeit mit der Istanbul Lisesi

Die Gespräche in der Istanbul Lisesi und die Ergebnisse der Studienreise in die Türkei ergeben sehr deutlich die Bedeutung und Wichtigkeit dieser Kontakte sowohl für die UNESCO-Schul-Arbeit der Bismarckschule Hannover als auch für die Istanbul Lisesi selbst. Sehr deutlich wurde der Wunsch von der Schulleitung wie vom Leiter der Deutschen Abteilung, Herrn Bangert, geäußert, die Kontakte kontinuierlich weiterzuführen und wenn möglich zu intensivieren. Dies ist ohne zeitliche und personzahlmäßige Begrenzung verbunden worden mit einer Einladung an Delegationen, Lehrer und Schüler unserer Schule, sowohl im Rahmen des offiziellen Schüleraustausches als auch auf privater Basis.

Die Istanbul Lisesi sieht ihre innovative und im türkischen Schulwesen – ausgewiesen mit dem ersten Rangplatz bei der Universitätszulassung – führende Stellung eng verbunden mit ihren vielfältigen Kontakten zu deutschen Schulen. Von dieser Zusammenarbeit wird ganz deutlich sowohl von deutscher wie von türkischer Seite eine Multiplikatorenfunktion in die Entwicklung des türkischen Unterrichtswesens hinein erhofft.

Dabei soll die Bismarckschule Hannover eine Schlüsselstellung vor allem auch als UNESCO-Schule spielen, da der Istanbul Lisesi auf längere Sicht die Anregung eines UNESCO-Schulprogramms in der Türkei vorschwebt. Die Bismarckschule Hannover kann dabei eine wichtige stützende und beratende Rolle ausüben, die ihr selbst auf Dauer noch vielfältigere Kontakte in der Türkei sichern wird, als sie heute schon gegeben sind.

Ein Rolle mag bei dieser Perspektive auch der hervorragende Eindruck spielen, den unsere Schülergruppe sowohl in der Schule als auch bei den Gasteltern hinterlassen hat und der zu einer ganz generellen Hochschätzung der pädagogischen Arbeit der Bismarckschule führt, die auch begründet worden ist durch die Begeisterung, mit der die türkischen Schüler, vor allem aber auch der stellvertretende Schulleiter, Herr Alkır, ihren Besuch in der Bismarckschule Hannover erlebt haben. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass die Istanbul Lisesi den Wunsch hat, den gegenseitigen Besuchsverkehr sobald als möglich fortzusetzen. Für weitere türkische Schülergruppen – es besteht schon einen lange Anmeldungs- und Warteliste für Deutschlandbesuche sowohl bei türkischen Lehrern als auch bei den Schülern, trotz der schwierigen finanziellen Probleme! – bereitet die Istanbul Lisesi den nächsten Reisetermin schon im nächsten Jahr vor, während wir uns in Istanbul in dem Sinne geäußert haben, dass für unsere kleinere und auch in anderen Schulpartnerschaften engagierte Bismarckschule wohl ein nächster Besuch in der Türkei, vorbehaltlich der innerschulischen Willensbildungsprozesse und der notwendigen Vorbereitungszeit, frühestens in zwei Jahren, das heißt also 1991, stattfinden kann.

Zu den Plänen und Wünschen der Istanbul Lisesi im Einzelnen: Die Schule will wieder drei Gruppen zusammenstellen, die getrennt ihre Ziele in Deutschland – Heidelberg, Köln und Hannover – aufsuchen. Zunächst ist wie der die Anreise mit Bussen geplant; doch unsere Reise und ihre extrem günstige Kalkulation wird die Schulleitung veranlassen, auch die Möglichkeiten eines Fluges zu prüfen. Unter Umständen können wir dabei bei türkischen Reisebüros in Deutschland Hilfestellung leisten.

Die Istanbul Lisesi bittet darum, auch wieder von der Bismarckschule Hannover eingeladen zu werden. Als Begleitpersonen unserer Reise haben wir eine eindeutige Willenserklärung abgegeben, dass wir diese Einladung befürworten und uns in der Bismarckschule Hannover um eine entsprechende Genehmigung bemühen werden, wobei wir bereit sind, die Programmvorbereitung aktiv zu betreuen.

Als Reisetermin wird unter Berücksichtigung der verschiedenen Ferientermine von der Istanbul Lisesi ein Zeitraum etwa vom 20. bis 30. Juni 1990 vorgeschlagen, wobei ein Aufenthalt von 10 bis maximal 14 Tagen in Hannover als sinnvoll angesehen wird. Eine offizielle Einladung der Kölner Schulen für etwa diesen Zeitraum liegt schon vor. Wir haben vorgeschlagen, direkt mit den Kölner Schulen Kontakt aufzunehmen, um Genaueres über deren Programmgestaltung und deren Erfahrungen mit der Vorbereitung des Besuches zu erfahren.

Die Größe der Reisegruppe für Hannover wird etwa wieder 30 Personen umfassen, was die Einbeziehung des Gymnasiums Bad Nenndorf wieder ermöglicht oder, in Anbetracht der notwendigen Zahl der Gastfamilien, notwendig macht. Wir gehen davon aus, dass die Schulleitung in Bad Nenndorf und Herr Busse als Koordinator der Türkeikontakte wie bisher intensiv daran interessiert ist, den Besuch in Zusammenarbeit mit der Bismarckschule Hannover vorzubereiten und durchzuführen. Zur Abrundung könnte es sich noch anbieten, auch in Hinblick auf eine längerfristige Kontinuität der Türkeiarbeit, unserer Nachbarschule, der Tellkampfschule, eine wie auch immer gewichtete Beteiligung an diesem Türkeiaustausch anzubieten, was die eben abgeschlossene Studienfahrt der benachbarten Tellkampf-Schule in die Türkei unter der Leitung des Kollegen Heintze sehr nahe legt. Diese beiden Kontakte planen wir in Kürze aufzunehmen und die Arbeitsmöglichkeiten zu erkunden.

Die Istanbul Lisesi bittet aber ausdrücklich darum, dass die Bismarckschule Hannover als Großstadtschule die Koordination des Veranstaltungsprogramms übernimmt; es wird gewünscht, dass die Veranstaltungen von der Gesamtgruppe besucht werden können, wenn man von dezentralem Unterrichtsbesuch und Besichtigungen im Rahmen der Familienunterbringung einmal absieht. Das Auseinanderfallen der Gruppe und der geringe Kontakt der beiden begleitenden Lehrer beim letzten Besuch einer türkischen Gruppe im Juni 1989 war der einzige kritisch angemerkte Punkt unserer Gäste.

In Hinblick auf Programm und Interessenschwerpunkte wurden ausdrücklich keine Wünsche geäußert: das Kennenlernen des deutschen Lebens, unserer Schulen und daneben sowohl des kulturellen Lebens als auch der technischen Entwicklungen in Deutschland stehen für unsere Gäste als Wünsche in einem ausgewogenen Programm gleichberechtigt nebeneinander, so dass wir in der Programmvorbereitung freie Hand haben. Es sollte aber berücksichtigt wer den, in welch starker Weise türkische Gäste auch den „offiziellen Charakter“ des Besuches verdeutlicht zu sehen erwarten, mit den entsprechenden Empfängen und Ansprachen, also mit den üblichen türkischen Höflichkeitsritual (möglichst auch bei offiziellen Dienststellen, so wie wir beim Kultusministerium in Ankara empfangen worden sind).

Anmerkungen

[1]       Bei einer späteren Reise zeigte sich dann ein fortschreitender Verfall des Hauses, das in einem abzureißenden Sanierungsgebiet lag, so dass wir in der Folgezeit eine andere Unterkunft suchen mussten und diese im Otel Hitit zu unserer Zufriedenheit gefunden haben (Anmerkung 2005).

[2]       Das Otel Tur ist seither unsere „Stammunterkunft“ in Konya und mit den Besitzern verbindet uns fast so etwas wie Freundschaft. Darüber werden wir im Zusammenhang mit späteren Reisen noch Berichten (Anmerkung 2005).

[3]       Vor Ort hätten wir dieses Hotel vielleicht nicht gewählt, dazu war es zu sehr an der Grenze zu Rotlichtviertel, ohne dass wir davon tatsächlich beeinträchtigt worden wären. Doch unseren Schülerinnen und Schülern haben wir strengere Vorsicht auferlegt und private Erkundungen der unmittelbaren Umgebung untersagt. Ab der nächsten Reise suchten wir unsere Unterkunft in Selcuk im Otel Victoria, von wo aus auch die Besuche in Ephesus (Efes) leichter zu organisieren waren (Anmerkung 2005).

[4]       Alle in diesem Bericht erwähnten Adressen, Firmen und Preise entsprechen dem Stand während unserer Türkeifahrt 1989 und sind nicht aktualisiert worden; die Angaben haben also nur noch „historisches Interesse“ (Anmerkung 2005).

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1989 in kopierter Form für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erstellt. 2005 als Inteernetpublikation auf der Seite des UNESCO-Clubs der Bismarckschule Hannover und 2009 auf der Seite http://www.tuerkei-didaktik.de veröffentlicht. Durchgesehen und angepasst am 03.03.2011.

   
   

Verantwortlich für diese Seite

Gerhard Voigt, OStR i.R. - Kontakt vgl. Impressum

bismarckschule.voigt@gmx.de

Bearbeitungsstand:1989 / 2005 / 2009.

Letzte Bearbeitung: 03.03.2011

   
   

 

     
   

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