Studienfahrt in die Türkei 1989
vom 20.10. bis 3.11.89. İstanbul / Partnerschule İstanbul Lisesi - Ankara - Tuz Gölü - Kappadokien /
Göreme - Sultanhanı - Konya - Pamukkale - İzmir - Ephesus / Efes - Pergamon /
Bergama - Troja / Truva - İstanbul (gemieteter Reisebus)
Der
Bericht wurde durchgesehen, leicht korrigiert und umformatiert am 25. Juli
2005.
I.
Vom Konzept zur Realisierung
Vom 20. Oktober bis zum 3. November
1989 reisten neunzehn Schülerinnen und Schüler der Bismarckschule Hannover
in die Türkei.
Ein Jahr zuvor war in der Schule die
„Türkei-Arbeitsgemeinschaft“ gegründet worden, die die inhaltliche und
organisatorische Vorbereitung der Reise wahrnahm. Schließlich beteiligten
sich dreizehn Schüler und sechs Schülerinnen der Klassen stufen zehn bis
dreizehn an diesem Projekt. Die Leitung der Arbeitsgemeinschaft lag in den
Händen der Lehrer Gerhard Voigt und Günter Fuchs; als
weibliche Reisebegleiterin wurde Şehnaz Çelik gewonnen, die als
gebürtige Türkin vor einigen Jahren an der Bismarckschule Hannover ihr
Abitur gemacht hatte und nun als Studentin der Sozialpädagogik an der
Universität Hannover sich vor allem mit Fragen des deutsch-türkischen
Kulturkontaktes beschäftigt und uns darüber hinaus als Dolmetscherin
unschätzbare Dienste leistete.
Fast die Hälfte der Schülerinnen und
Schüler war fünfzehn Jahre alt, acht Teilnehmer waren 16 bzw. 17 und zwei
Teilnehmer achtzehn Jahre alt. Damit war diese Gruppe die wohl im
Durchschnittsalter jüngste Gruppe, die im Rahmen der
Schüleraustauschprogramme der Bismarckschule Hannover zusammengekommen war.
Doch ergaben sich daraus keine Probleme; im Gegenteil: es gab selten eine
derart harmonische und interessierte Reisegruppe wie bei dieser Türkeifahrt.
Die Türkeireise 1989 stand in
der Kontinuität der Schulpartnerschaft mit der Istanbul Lisesi. Schon
1985 ist die erste Schülergruppe der Bismarckschule Hannover zu einem
Erkundungsbesuch in die Türkei gefahren und hat mit der späteren
Partnerschule erste Kontakte geknüpft. Im Juni 1989 konnte dann die erste
türkische Schülergruppe der Istanbul Lisesi zum Gegenbesuch nach
Hannover kommen, wobei die Betreuung der Gruppe in Zusammenarbeit mit dem
Gymnasium in Bad Nenndorf durchgeführt wurde. Die Leitung der türkischen
Gruppe hatte der Stellvertretende Direktor der Istanbul Lisesi, Herr
Hamit Alkır (Hamit bey), der dann auch die Betreuung unserer
Reisegruppe in Istanbul übernahm.
Die Istanbul Lisesi als
traditionsreiches Gymnasium des „anatolischen Typs“ pflegt intensive
Kontakte zu deutschen Schulen – neben Hannover/Bad Nenndorf vor allem mit
der Internationalen Gesamtschule in Heidelberg und mit einigen Schulen in
Köln –, die von verschiedenen Schülergruppen in Begleitung türkischer
Kollegen in diesem Jahr erstmals besucht werden konnten. Diese Kontakte
entsprechen dem deutschsprachigen Schwerpunkt der Istanbul Lisesi, in der –
durch deutsche Lehrer unterrichtet – die
mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer in deutscher Unterrichtssprache
er teilt werden.
Die Istanbul Lisesi nutzt ihren
intensiven Kontakt zu deutschen Schulen dazu, mit großem Erfolg
unterrichtsmethodische Innovationen in das sehr traditionell strukturierte
türkische Schulwesen einzubringen, neben Studienfahrten auch
projektorientierte Unterrichtsveranstaltungen und Besichtigungen und Besuche
außerhalb des Schulgebäudes, was sonst in der Türkei noch nicht üblich ist
und der Schule einen progressiven Ruf verschafft, der – bei gleichzeitig
besonders hohem Leistungsniveau einer „Eliteschule“ – den Erwartungen der
Elternschaft entspricht, die vor allem aus dem aufstrebendem städtischen –
technischen und kaufmännischen – Bürgertum stammt. Die Istanbul Lisesi ist
daher an der Kontinuität und der Vertiefung der Kontakte und der
gegenseitigen Besuche sehr interessiert.
Entsprechend der Organisation des
Besuches der türkischen Schüler in Hannover wurden auch die Schülerinnen und
Schüler unserer Reisegruppe in Istanbul von Gastfamilien aufgenommen. Die
Begleitpersonen wurden im Internat der Schule untergebracht und von Herrn
Alkır und anderen Kollegen der Istanbul Lisesi betreut. Die bei Schülern und
Lehrern aufgenommenen persönlichen Kontakte und Beziehungen waren in ihrer
Herzlichkeit und umfassenden gastfreundlichen Fürsorge ein tiefes,
unvergessliches Erlebnis, das schon in den ersten vier in Istanbul
verbrachten Tagen unseres Türkeiaufenthalts zum Höhepunkt der Fahrt wurde.
Über die Erlebnisse im Einzelnen werden die Reiseteilnehmer an anderer
Stelle selbst berichten.
Das weitere Informationsprogramm
wurde entsprechend der Vorbereitung abgewickelt. Als organisatorische
Änderung und Verbesserung diente die Anmietung eines eigenen Reisebussen für
zehn Tage – an Stelle der ursprünglich vorgesehenen Beförderung mit
Linienbussen und gemieteten Kleinbussen für einzelne Ausflüge –, die durch
die Beziehungen des Herrn Alkır ermöglicht und preislich im geplanten Rahmen
gehalten werden konnte. Die Übernachtung in Hotels der unteren
Preiskategorie ergab keine gravierenden Probleme und war für eine
Schülergruppe durchaus zumutbar.
In Ankara musste die Hotelsuche bei
Ankunft nach einer Nachtfahrt am Mittwochmorgen erfolgen. Gewählt wurde das
Hotel Dewran
im Altstadtviertel Ulus in der Nähe des Opernhauses, in dem schon
1985 die Reisegruppe der Bismarckschule Hannover nächtigte. Für Konya
und Izmir waren Hotels vorgebucht und – schriftlich an die Adresse
der Istanbul Lisesi – bestätigt, wobei in Konya das Otel Tur,
mit dem 1985 gute Erfahrungen gemacht worden waren und das direkt beim
Mêvlâna-Platz sehr besuchergünstig gelegen ist, ausdrücklich vorbestellt
worden war, währen das Hotel Saray in der Altstadt von Izmir – ebenfalls von 1985 her bekannt – erneut
von dem Touristenbüro vermittelt worden war, obwohl es nicht unbedingt eine
Empfehlung wert ist. Die letzte Hotelübernachtung in Çanakkale im Otel
Yildiz wurde vor Ort gebucht, wobei ein etwas strengerer Maßstab an
Sauberkeit und Duschausrüstung angelegt wurde.
Die Durchschnittspreise der
Hotelübernachtungen pro Nacht und Person einschließlich Frühstück waren mit
umgerechnet etwa 18.-- bis 20.-- DM akzeptabel und den Standards angemessen
und nur unwesentlich teurer als vor vier Jahren.
Die Verpflegung in der Türkei ist
weiterhin extrem preiswert, solange man die Garküchen und Kebablokale
aufsucht und sich mit den vielfältigen, wohlschmeckenden und nahrhaften
türkischen Suppen-, Gemüse- und Fleischgerichten begnügt. Şiş-Kebab, Döner,
Köfte, Adana- oder Iskender-Kebab sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der
Vielfalt der Zubereitungen, die auch von diesen billigen Schnellimbissen
angeboten werden. Und natürlich, wir sind ja in der Türkei, haben wir
morgens, mittags und abends Tee getrunken – und in feierlichen Momenten
türkischen Mokka... Die Mahlzeiten haben uns pro Tag und Person weniger als
zehn Mark gekostet (wobei wir vom Standard Halbpension mit Frühstück und
einer warmen Mahlzeit ausgingen und die immer noch erschwingliche weitere
Zusatzverpflegung dem Taschengeldbudget der einzelnen Reiseteilnehmer
überließen).
Deutlich teurer als in den
vergangenen Jahren wurden die Programmkosten durch die hohen Eintrittspreise
zum Beispiel in Ephesus (10.000 t£ = 8 DM), Pergamon oder Troja. Unglücklich
ist es dabei, dass Studentenermäßigungen nur auf solche internationalen
Studentenausweise gewährt werden, die unseres Wissen bundesdeutschen
Schülern nicht zugänglich sind. Im Gegensatz zu 1985 nützte die
Bescheinigung des türkischen Generalkonsulats zur Anerkennung als
Schülergruppe diesmal nichts, mit Ausnahme des Archäologischen Museums in
Ankara, wo der – zufällig anwesende – stellvertretende Direktor in eigener
Verantwortung eine deutliche Schülerermäßigung zubilligte.
II.
Programmübersicht der Türkeifahrt 1989
Der Hinflug wurde gebucht beim
Reisebüro Öger Flugdienst, Büro Hannover [Lange Laube 1, 3000 Hannover 1,
0511-15656/57/58].
In der Türkei ist der
Vertragspartner, durch den auch die Rückflugbestätigung erfolgt, das
Reisebüro Tan Tour in Istanbul [Halaskargazi cad., Kücükbahace sok.,
Samanyolu is merk.Kat 4-5, Şişli/Istanbul, (1)-1328135/36].
Zum Hinflug traf sich die
Reisegruppe am 20. Oktober 1989 um 21 Uhr auf dem Flughafen Hannover (HAJ)
zum Abflug nach Istanbul (IST) mit Istanbul Airlines, Flug IL 321 [Abflug
23.20 Uhr, Abflughalle B; Treffen am Reisebüroschalter zwischen Abfertigung
11 und 12]. Die Ankunft in Istanbul erfolgte dann nach Ortszeit (MEZ +1)
gegen 3.45. Und dann die Überraschung:
Alle Schüler der Gastfamilien waren
mit ihren Eltern am Flughafen, um die Gäste abzuholen. Herr Hamit Alkır
begrüßte uns im Namen der Schule und brachte uns Begleitpersonen zum
Schulgebäude, wo vor dem verspäteten Schlafengehen noch ein erstes
freundliches Begrüßungsgespräch mit „Five o’clock tea“ nachts im
Dienstzimmer von Herrn Alkır stattfand! [Istanbul Lisesi, Cağaloğlu, Türk
ocağı Sok. 4, Istanbul, Türkei]
Das Programm des Wochenendes war den
einzelnen Gastgebern vorbehalten. Die „Reiseleitung“ vergnügte sich unter
Begleitung von Hamit bey am Sams tag, 21.10., mit einem Ausflug auf
dem Marmarameer zu den Prinzeninseln und am Sonntag, 22.10., auf einer
Bootsfahrt durch den Bosporus.
Am Montag, 23.10., stand vormittags
der Besuch der Schule auf dem Programm, eingeleitet mit der türkischen
Nationalhymne um 8.10 Uhr auf dem Schulhof, einem anschließenden offiziellen
Empfang beim Direktor der Schule, einem Gespräch mit dem Leiter der
Deutschen Abteilung, Herrn Berthold Bangert, und mit einer
Doppelstunde Unterrichtsbesuch in verschiedenen Klassen. Nachmittags hatte
die Schule einen gemeinsamen Gang zu den Sehenswürdigkeiten Istanbuls, vor
allem eine Besichtigung des Topkapi Serail.
Am Dienstag, 24.10., wurde zunächst
gemeinsam die Hagia Sophia besucht; anschließend hatten die Schüler
Gelegenheit zu Besichtigungen in kleinen Gruppen gemeinsam mit den
türkischen Schülern.
In der Nacht vom Dienstag zum
Mittwoch unternahmen wir, mit dem am Vormittag angemieteten Reisebus, eine
Nachtfahrt nach Ankara, wo wir morgens gegen sieben Uhr unser Hotel
suchten und buchten, um dann nachmittags am Mittwoch, 25.10., in Ankara zum
ersten Stadtrundgang aufzubrechen. Das Atatürkmausoleum (Anıt Kabir)
und die Zitadelle [Kale] waren unsere Ziele; kurz besuchten wir auch
den Augustus-Roma-Tempel und die angebaute Grabmoschee des Haci
Bayram.
Ein lange vorbereiteter
Programmschwerpunkt war am Donnerstag, 26.10., um 14.30 Uhr der Besuch im
türkischen Erziehungsministerium [Milli Eğitim] mit einem in
mehrfacher Hinsicht interessanten Gespräch über Schule und Ausbildung in der
Türkei. –
Den Vormittag dieses Tages nutzten
wir zu einem Besuch im Archäologischen Museum (Museum der
Anatolischen Kulturen, oder: Hethiter-Museum) mit seinen reichhaltigen und
sehenswerten Sammlungen vor allem Hethitischer Kunstwerke und Grabungsfunde.
Die Busfahrt nach Konya am
Freitag, 27.10., nutzten wir zu einem eintägigen Besichtigungsprogramm in
Kappadokien. Entlang des großen Salzsees (Tuz Gölü) fuhren wir
über Aksaray und Nêvşehir nach Göreme, wo wir das
Freilichtmuseum der frühchristlichen Höhlenkirchen besichtigten. Bei der
Weiterfahrt nach Konya besuchten wir noch das seldschukische
Karvansaray Sultanhani.
In Konya stand am Samstag,
28.10., eine erste Stadtbesichtigung und vor allem die Besichtigung der
Tekke des Mêvlâna, des Gründers des Mêvlevî-Ordens „der tanzenden
Derwische“, Dellal-êd-Dîn Rûmi, im Vordergrund, durch den Konya zu
einem religiösen und geistigen Zentrum der Türkei wurde, was den besonderen
Charakter dieser Stadt bis heute prägt.
Sonnntag, 29.10.:
Nationalfeiertag in der Türkei (Tag der Republik). Alle Museen sind
geschlossen, so dass wir auf einem informellen Stadtrundgang seldschukische
Baudenkmäler besichtigen: Sahip Ata Medrese, Alaettin Moschee,
Ince Menare Medrese und Karatay Medrese. Es ist nicht ganz
leicht, die historischen Inhalte dieser doch so fremdartigen Baukunst zu
vermitteln.
Die Busfahrt nach Pamukkale
am Montag, 30.10., bringt mit den Sinterterrassen einen weiteren
landschaftlichen Höhepunkt, der durch die Besichtigung des hellenistischen
Theaters von Hierapolis abgerundet wird.
Abends er reichen wir Izmir.
Am Dienstag, 31.10., findet von
Izmir aus der Ausflug nach Ephesus statt.
Das „Antikenprogramm“, der letzte
inhaltliche Schwerpunkt unserer Reise, wird an den nächsten beiden Tagen
ergänzt und abgerundet, zunächst am Mittwoch, 1.11., mit einer Fahrt nach
Pergamon [Übernachtung in Çanakkale an den Dardanellen] und am
Donnerstag, 2.11., mit der Besichtigung von Troja [Truva].
Nachmittags erfolgt dann die Busfahrt nach Istanbul, wo wir wieder im
Schulinternat bzw. in den Privatfamilien unterkommen.
Der Freitag, 3.11., beginnt mit dem
Abschiedsempfang in der Schule, wo vor allem über die weiteren
Perspektiven der Schulpartnerschaft gesprochen wird. Um halb zwölf Uhr
fährt uns dann ein von der Schule bestellter Schulbus zum Atatürk-Flughafen,
wo wir gegen 13 Uhr beim Schalter der Istanbul Airlines zum Rückflug
einchecken.
Der Rückflug von Istanbul (IST) nach
Hannover (HAJ) erfolgt wieder mit Istanbul Airlines, Flug IL 530, mit einem
um zwei Stunden vorverlegten Abflug um 15.15 Uhr, der aber nicht ganz
pünktlich eingehalten wird. Aber kurz nach halb vier sind wir in der Luft
und erreichen um achtzehn Uhr Ortszeit nach dreieinhalb Stunden Flug mit
einer „Caravelle“ unser Ziel. Die veränderten Abflugzeiten, durch eine
Zusammenlegung mit einem Flug nach Hamburg verursacht, erfuhren wir bei der
vorgeschriebenen telefonischen Rückflugbestätigung 48 Std. vor Abflug bei
Tan Tour in Istanbul am Mittwoch, 1.11., von Bergama (Pergamon) aus.
Nachzutragen ist vielleicht noch,
dass die Fahrt durch ein umfangreiches Versicherungspaket abgesichert worden
ist, das erfreulicherweise nicht in Anspruch genommen werden musste. Die
Daten dieses Versicherungsschutzes seien hier noch kurz mitgeteilt:
Goebel-Versicherung, An der
Markuskirche 5, 3000 Hannover 1 – Europäische Reiseversicherung AG /
Vereinigte Krankenversicherung AG –
-
Reisegepäckversicherung: 3000,--
DM
-
Reise-Unfallversicherung
–Todesfall: 10.000,-- DM – Invaliditätsfall: 20.000,-- DM
-
Reise-Haftpflichtversicherung –
Personenschäden: 1.000.000,-- DM – Sachschäden: 100.000,-- DM
-
Reise-Krankenversicherung: Kosten
für Heilbehandlung im Ausland 100 % – [50 DM Selbstbeteiligung];
Rücktransport/Rettungsflüge 100 %
-
Reise-Rücktrittskosten-Versicherung: 100 % der Flugkosten – Prämie pro
Person: 39,70 DM
III.
Perspektiven der Zusammenarbeit mit der Istanbul
Lisesi
Die Gespräche in der Istanbul Lisesi
und die Ergebnisse der Studienreise in die Türkei ergeben sehr deutlich die
Bedeutung und Wichtigkeit dieser Kontakte sowohl für die UNESCO-Schul-Arbeit
der Bismarckschule Hannover als auch für die Istanbul Lisesi selbst. Sehr
deutlich wurde der Wunsch von der Schulleitung wie vom Leiter der Deutschen
Abteilung, Herrn Bangert, geäußert, die Kontakte kontinuierlich
weiterzuführen und wenn möglich zu intensivieren. Dies ist ohne zeitliche
und personzahlmäßige Begrenzung verbunden worden mit einer Einladung an
Delegationen, Lehrer und Schüler unserer Schule, sowohl im Rahmen des
offiziellen Schüleraustausches als auch auf privater Basis.
Die Istanbul Lisesi sieht ihre
innovative und im türkischen Schulwesen – ausgewiesen mit dem ersten
Rangplatz bei der Universitätszulassung – führende Stellung eng verbunden
mit ihren vielfältigen Kontakten zu deutschen Schulen. Von dieser
Zusammenarbeit wird ganz deutlich sowohl von deutscher wie von türkischer
Seite eine Multiplikatorenfunktion in die Entwicklung des türkischen
Unterrichtswesens hinein erhofft.
Dabei soll die Bismarckschule
Hannover eine Schlüsselstellung vor allem auch als UNESCO-Schule spielen, da
der Istanbul Lisesi auf längere Sicht die Anregung eines
UNESCO-Schulprogramms in der Türkei vorschwebt. Die Bismarckschule Hannover
kann dabei eine wichtige stützende und beratende Rolle ausüben, die ihr
selbst auf Dauer noch vielfältigere Kontakte in der Türkei sichern wird, als
sie heute schon gegeben sind.
Ein Rolle mag bei dieser Perspektive
auch der hervorragende Eindruck spielen, den unsere Schülergruppe sowohl in
der Schule als auch bei den Gasteltern hinterlassen hat und der zu einer
ganz generellen Hochschätzung der pädagogischen Arbeit der Bismarckschule
führt, die auch begründet worden ist durch die Begeisterung, mit der die
türkischen Schüler, vor allem aber auch der stellvertretende Schulleiter,
Herr Alkır, ihren Besuch in der Bismarckschule Hannover erlebt haben. Vor
diesem Hintergrund ist es verständlich, dass die Istanbul Lisesi den Wunsch
hat, den gegenseitigen Besuchsverkehr sobald als möglich fortzusetzen. Für
weitere türkische Schülergruppen – es besteht schon einen lange Anmeldungs-
und Warteliste für Deutschlandbesuche sowohl bei türkischen Lehrern als auch
bei den Schülern, trotz der schwierigen finanziellen Probleme! – bereitet
die Istanbul Lisesi den nächsten Reisetermin schon im nächsten Jahr vor,
während wir uns in Istanbul in dem Sinne geäußert haben, dass für unsere
kleinere und auch in anderen Schulpartnerschaften engagierte Bismarckschule
wohl ein nächster Besuch in der Türkei, vorbehaltlich der innerschulischen
Willensbildungsprozesse und der notwendigen Vorbereitungszeit, frühestens in
zwei Jahren, das heißt also 1991, stattfinden kann.
Zu den Plänen und Wünschen der
Istanbul Lisesi im Einzelnen: Die Schule will wieder drei Gruppen
zusammenstellen, die getrennt ihre Ziele in Deutschland – Heidelberg, Köln
und Hannover – aufsuchen. Zunächst ist wie der die Anreise mit Bussen
geplant; doch unsere Reise und ihre extrem günstige Kalkulation wird die
Schulleitung veranlassen, auch die Möglichkeiten eines Fluges zu prüfen.
Unter Umständen können wir dabei bei türkischen Reisebüros in Deutschland
Hilfestellung leisten.
Die Istanbul Lisesi bittet darum,
auch wieder von der Bismarckschule Hannover eingeladen zu werden. Als
Begleitpersonen unserer Reise haben wir eine eindeutige Willenserklärung
abgegeben, dass wir diese Einladung befürworten und uns in der
Bismarckschule Hannover um eine entsprechende Genehmigung bemühen werden,
wobei wir bereit sind, die Programmvorbereitung aktiv zu betreuen.
Als Reisetermin wird unter
Berücksichtigung der verschiedenen Ferientermine von der Istanbul Lisesi ein
Zeitraum etwa vom 20. bis 30. Juni 1990 vorgeschlagen, wobei ein Aufenthalt
von 10 bis maximal 14 Tagen in Hannover als sinnvoll angesehen wird. Eine
offizielle Einladung der Kölner Schulen für etwa diesen Zeitraum liegt schon
vor. Wir haben vorgeschlagen, direkt mit den Kölner Schulen Kontakt
aufzunehmen, um Genaueres über deren Programmgestaltung und deren
Erfahrungen mit der Vorbereitung des Besuches zu erfahren.
Die Größe der Reisegruppe für
Hannover wird etwa wieder 30 Personen umfassen, was die Einbeziehung des
Gymnasiums Bad Nenndorf wieder ermöglicht oder, in Anbetracht der
notwendigen Zahl der Gastfamilien, notwendig macht. Wir gehen davon aus,
dass die Schulleitung in Bad Nenndorf und Herr Busse als Koordinator der
Türkeikontakte wie bisher intensiv daran interessiert ist, den Besuch in
Zusammenarbeit mit der Bismarckschule Hannover vorzubereiten und
durchzuführen. Zur Abrundung könnte es sich noch anbieten, auch in Hinblick
auf eine längerfristige Kontinuität der Türkeiarbeit, unserer Nachbarschule,
der Tellkampfschule, eine wie auch immer gewichtete Beteiligung an diesem
Türkeiaustausch anzubieten, was die eben abgeschlossene Studienfahrt der
benachbarten Tellkampf-Schule in die Türkei unter der Leitung des Kollegen
Heintze sehr nahe legt. Diese beiden Kontakte planen wir in Kürze
aufzunehmen und die Arbeitsmöglichkeiten zu erkunden.
Die Istanbul Lisesi bittet aber
ausdrücklich darum, dass die Bismarckschule Hannover als Großstadtschule die
Koordination des Veranstaltungsprogramms übernimmt; es wird gewünscht, dass
die Veranstaltungen von der Gesamtgruppe besucht werden können, wenn man von
dezentralem Unterrichtsbesuch und Besichtigungen im Rahmen der
Familienunterbringung einmal absieht. Das Auseinanderfallen der Gruppe und
der geringe Kontakt der beiden begleitenden Lehrer beim letzten Besuch einer
türkischen Gruppe im Juni 1989 war der einzige kritisch angemerkte Punkt
unserer Gäste.
In Hinblick auf Programm und
Interessenschwerpunkte wurden ausdrücklich keine Wünsche geäußert: das
Kennenlernen des deutschen Lebens, unserer Schulen und daneben sowohl des
kulturellen Lebens als auch der technischen Entwicklungen in Deutschland
stehen für unsere Gäste als Wünsche in einem ausgewogenen Programm
gleichberechtigt nebeneinander, so dass wir in der Programmvorbereitung
freie Hand haben. Es sollte aber berücksichtigt wer den, in welch starker
Weise türkische Gäste auch den „offiziellen Charakter“ des Besuches
verdeutlicht zu sehen erwarten, mit den entsprechenden Empfängen und
Ansprachen, also mit den üblichen türkischen Höflichkeitsritual (möglichst
auch bei offiziellen Dienststellen, so wie wir beim Kultusministerium in
Ankara empfangen worden sind).