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Türkei  1992

Eine Studienfahrt mit Schülern der Bismarckschule Hannover

Ein erster Erfahrungsbericht

von Gerhard Voigt

I. Die Planung der Reise

Von unserer Partnerschule in der Türkei, der Istanbul Lisesi, erhielten wir im Früh­jahr 1992 - anknüpfend an unsere Vereinbarungen beim letzten Besuch einer türkischen Schülergruppe in der Bismarckschule 1990 unter der Leitung des dortigen stellvertretenden Direktors, Herrn Hamit Alkir, und die darauf fol­gen­de Korrespondenz mit Herrn Bangert, dem Leiter der deutschen Abteilung der Istan­bul Lisesi, die Einladung, dieses Jahr im Herbst wieder mit einer Rei­se­grup­pe unsere lang­jäh­rigen Freunde in der Türkei zu be­suchen.

Nachdem vergangenes Jahr die geplante Reise wegen innerschulischer Be­la­stun­­gen verschoben werden mußte, wa­gen wir dieses Jahr einen neuen Versuch und versammeln interessierte und aufgeschlossene Schülerinnen und Schüler der Klas­senstufen 9 bis 13 in der Türkei-AG, die in leider nur allzu kurzer Zeit un­se­­re Türkei-Reise vorzubereiten hatte.

Unsere Konzeption sah ursprünglich - orientiert an unserer letzten Tür­kei­reise - vor, während des Besuches unserer Partnerschule in Istanbul bei Gast­fa­mi­­­lien auf­genommen zu werden; doch, wie noch zu berichten sein wird, mußte hier mit der Unterbringung im Schulinternat vorlieb genommen werden. Der an­schlie­­ßen­de Teil unserer Reiseplanung, eine Rundreise durch die westliche Tür­kei, wurde mit nur unwesentlichen Modifikationen, die an Ort und Stelle not­wen­dig wurden, von uns durchgeführt. Der Osten der Türkei, den wir in einer äl­te­ren Planung ge­rade in Hinblick auf die dramatischen Veränderungen durch den Bau des Ata­türk­-Stausees besuchen wollten, haben wir schon von Beginn unserer neu­­en Pla­nun­gen an wegen der aktuellen Konflikte aus unserem Programm ge­nom­­men. Im Mit­telpunkt unseres Interesses standen nun die Hauptstadt Ankara, die Land­schaf­ten Kappadokiens um Göreme und Ürgüp, die Selçukenstadt Konya und die klas­sischen Küsten des Mit­telmeeres und der Ägäis.

Wir fliegen mit dem Flugzeug in einem Charterflug der Öger-Türk-Tours, der uns vom Reisebüro UMUT vermittelt wurde, von Hannover nach Istanbul und zu­rück von Izmir aus, um noch einen Tag Rückreise zu sparen. Ursprünglich woll­ten wir im Lande selbst mit dem regulären Linienbus fahren; doch ermöglichte uns die Istanbul Lisesi die Anmietung eines preiswerten "Midi-Busses" mit 27 Sitz­plätzen zu eben dem Preis, den wir für unsere Bustickets vorgesehen hatten. Auf der einen Seite erleichterte uns das die Programmplanung sehr, auf der an­de­ren Seite waren unsere beiden Busfahrer permanenter Anlaß für langwierige Dis­kussionen über den Programmablauf, die Fahrtroute und die Bezahlung, was alle in vielen Orientreisen entwickelte Fähigkeiten an Verhandlungsgeschick und -aus­dauer forderte! Die Unterkunft und Ver­pflegung wurde auf einfachstem Ni­veau entsprechend unserer knappen Kasse organisiert. Doch scheint die Er­näh­rung (einschließlich der tagsüber verzehrten trockenen Kekse und der Wasser- und Cola-Diät) ausreichend gewesen zu sein, da niemand ernsthaft verhungert ist. Insgesamt war so die Reise nicht nur interessant und lehrreich, nicht nur an­gefüllt mit Kontakten und freun­dschaftlichen Begegnungen, sondern insgesamt, den­ke ich, ein eindrucksvolles Erlebnis und ein großer Spaß für alle - auch wenn die individuellen Interessen in der Gruppe zwischen Baden, Einkaufsbummel im Touristen-Basar und Antike doch recht weit gestreut waren. Die Kosten pro Per­son konnten wie geplant bei knapp über 1000.-- DM für Flug (540.-- DM) und 14 Tage Programm, Verpflegung und Unterkunft in der Türkei gehalten werden.

Die Reise ist Teil der UNESCO-Arbeit der Bismarckschule Hannover und steht in der Folge der gegenseitigen Besuche von Schülern und Lehrern in der Schul­part­­ner­schaft zwischen der Bismarckschule Hannover und der Istanbul Lisesi. Die Un­­ter­bringung in Istanbul im Internat der Partnerschule; das Programm und die Ver­pflegung der Gruppe übernahm in fürsorglicher und freundschaftlicher Form die Partnerschule während des Aufenthalts in Istanbul; an einzelnen Pro­gramm­punk­ten, auch über das "Hineinschauen" in den türkischen Unterricht hinaus, wur­den Schülerinnen und Schü­ler der Istanbul Lisesi beteiligt. Entsprechend der Ein­­bin­­dung in die UNESCO-Projektschul-Konzeption der Bismarckschule hat der UNES­­CO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V., die in­halt­li­che Be­treuung der Veranstaltung übernommen. Es wird dabei ge­wün­scht, daß sich die Rei­seteilnehmer über die aktuelle Reise hinaus als Ver­eins­mit­glieder an der weiteren UNESCO-Arbeit beteiligen. Die Leitung der Türkei-Rei­se haben Gerhard Voigt und Ulrich Wehking übernommen. Als "Reserve" für einen eventuellen Not­fall stand Till Büthe bereit. An der Fortsetzung der Türkei-Ar­beit in den näch­sten Jahren werden sich noch Günter Fuchs, der schon an der Türkei-Reise 1989 teilgenommen hatte, und Lothar Nettelmann beteiligen, so daß eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Schulpartnerschaft gesichert er­scheint.

II. Eine problematische Planungssituation

Die Vorbereitung des Besuches in un­se­rer tür­ki­schen Partnerschule, der Istan­­bul Lisesi, und der daran an­schlie­ßenden Informationsfahrt durch die west­li­che Türkei im Herbst 1992 hat­te mit recht ungünstigen Vor­aus­set­zungen und eini­­gen Schwie­rig­kei­ten zu kämpfen. Trotz­dem konnte die Reise planmäßig in der Zeit vom 2. - 16.10.92 stattfinden und wurde insgesamt in­halt­lich und menschlich ein gleicher Erfolg wie die letz­ten beiden Reisen im Rahmen der UNES­CO-Schul­part­nerschaft unserer Schule. Vor allem der Besuch in unserer Part­ner­schu­le wur­de dankbar und freudig aufgenommen und zu einem Zeichen für die Kon­ti­nui­tät und Festigkeit unserer Partnerschaftsbeziehung. Dies war letztlich auch das zen­trale Argument für uns, die Reise mit einer sehr kleinen und nach mei­nen Vor­stellungen doch nicht intensiv genug vorbereiteten Schülergruppe zu un­ter­nehmen. Nachdem im letzten Jahr, 1991, die da­mals ge­plante Türkei-Reise wegen un­­über­windlicher or­ga­nisatorischer Schwie­rigkeiten in der Bis­marck­schule (Stun­den­­plan- und Termin­pro­ble­me, Ar­beitsüberlastung der beteiligten Kol­le­gen) ab­ge­sagt werden mußte, was uns gerade in Hinblick auf unser In­ter­esse an einer funk­­tio­nierenden Schul­partnerschaft besonders leid tat, konn­ten die Vor­be­rei­tun­gen für 1992 erst ver­spätet beginnen, da wir zu­nächst von einer Be­teiligung un­se­rer Thea­ter-AG unter Till Büthe an dem in Istanbul im Mai 1992 geplanten tür­kisch-deut­­schen "Festival" unserer Part­ner­schu­le aus­gingen, was sich aus per­so­nellen Grün­den zerschlug.

Der erwartete Be­such aus Istanbul konnte dann we­­gen der Un­ter­richts­ver­säum­nisse im Istan­bu­ler "Schneewinter" 1991/92 auch nicht statt­fin­den, so daß wir in eine ernsthafte Rei­se­pla­nung erste zwei Monate vor den Sommerferien ein­­tre­ten konnten - zu spät für viele an der Rei­se interessierten Schü­le­rin­nen und Schüler. So kam es dann auch zu mehreren vorläufigen An­­mel­dun­gen, die dann aus ver­schiedenen Grün­­den zurückgezogen wurden. Noch wenige Tage vor dem Ab­­flug mußte eine Teilnehmerin wegen eines Autounfalls und der dabei erlittenen Ver­­letzungen absagen. Eine kleine Reflexion der dadurch ent­stehenden Pro­bleme - die Reise war da­durch akut ge­fähr­det! - ist sicher­lich angebracht. So über­zeu­­gend und ehrlich die einzelnen ge­nann­ten Hin­de­rungsgründe auch sein mö­gen [hier per­sön­li­che Vor­würfe zu ma­chen, liegt mir fern!], so fällt es doch auf, daß die Neigung und Be­­reit­schaft zu spontanem und kurz­fri­stigen Rück­zug von ein­ge­gangenen Ver­pflich­tungen heute sehr häufig zu be­obachten ist und länger­fri­sti­ge Pla­nun­gen oft sehr belastet. Hier sind Ver­änderungen in der Alltagskultur un­­se­rer Gesellschaft zu be­obach­ten, die auch ne­ga­ti­ve Auswirkungen ge­ra­de auf das erwartete En­ga­gement de­­rer haben, von denen die not­wen­di­gen Ak­tivitäten in unserer Ge­sell­schaft, sei es in der Schu­le, in der Öf­fentlichkeit oder der Po­li­tik, er­war­­tet werden. Viel Leer­lauf und letztlich er­folg­loses Bemühen wird da­durch pro­voziert.

Die so üb­rig gebliebene Reisegruppe ist mit acht Teil­­neh­mern recht klein, wenn auch im zwischen­schu­­li­­schen Vergleich und im Sinne der in­ter­na­tio­na­len Be­­gegnung und ihrer Mul­tiplikatorenwirkung noch ar­­beits­fähig. Zwei Lehrer müs­sen die Grup­pe bei einer aufwendigen Auslandsreise ohnehin aus Si­cher­­heits­grün­den be­glei­ten; die daraus erwachsenden Be­la­stun­gen für den Schulalltag sind uns durch­­aus bewußt und sind gegenüber der Bedeu­tung des Türkei-Aus­­tau­­sches sorg­fäl­tig ab­zu­wägen. Diese Aufgabe übernahmen 1992 Gerhard Voigt und Ulrich Weh­king; aus Elternkreisen begleitete uns als zusätzliche Be­gleit­per­son der Stief­va­ter von André, Herr Rainer Meese, was sich nicht nur wegen sei­nes Engagements und seiner selbst erworbenen Türkisch-Kenntnisse, sondern vor allem wegen sei­ner konstruktiven und freundschaftlichen Art, mit der er das Grup­penprogramm stützte, ein außerordentlicher Glücksfall für uns war. André und seine Familie ge­hörten zu den Wenigen, die bei dem letzten Besuch unserer tür­kischen Gäste in Hannover bereit waren, einen Schüler bei sich aufzunehmen, woraus sich eine dauer­hafte Verbindung und Freundschaft ergab, an die sie in Istan­bul er­neut anknüpfen konnten! So denke ich, daß auf der mensch­lichen Ebe­ne in der Rei­segruppe kaum ernsthafte Probleme aufgetreten sind - wobei ich die Schwie­rig­keiten in der Restaurantwahl für ein allen ge­neh­mes Abendessen und die manch­mal notwendigen - rechtlich aus unserer Sicht ge­botenen - Ein­schrän­­kun­gen bei Wünschen nach nächtlichen Unternehmungen und Disko-Be­su­chen oder das ambivalente Interssse einiger Teilnehmer an an­ti­ken Ruinenstätten nicht für we­sentlich oder die Erinnerung ernsthaft trübend ein­schätze. Wenn wir schon bei persönlichen Animositäten sind: in Zukunft werde ich es schon in den Rei­­se­be­dingungen klar machen, daß während der Fahrt im Bus keine Musik über Bord­­lautsprecher ertönen sollte; hierzu gibt es schließlich heu­te den "walkman"! Die Geschmacksdivergenzen und das individuelle Ruhe­be­dürf­nis sind hier sicher­lich höherrangig als die süchtige Abhängigkeit von dauern­der Musikberieselung - nach meiner Einschätzung eine akustische Um­welt­ver­schmutzung!

Doch zurück zu den "essentials" unserer Türkeireise, den Zielen und In­hal­ten: Uns scheint der Kontakt mit der Türkei ge­rade in der gespannten in­ner­ge­sell­schaftlichen und in­nen­po­li­ti­schen Situation in Deutschland ein be­­deutsames in­­terkulturelles Zeichen zu sein, des­sen politische Bedeutung nicht unterschätzt wer­­­den sollte. Sieht man hinzu, daß von türkischer Sei­­te her sehr eindringlich der Wunsch ge­äußert wir­d, die Kon­ti­nui­tät der Kon­takte und Begegnungen zu wah­­ren, und be­rück­sichtigt man, daß dieser Kon­­takt dem ge­genseitigen Lernen und der in­ter­kul­­turellen Er­fah­rung auf beiden Seiten dient, sind sehr kon­kre­te Fol­­ge­­wir­kun­gen schon jetzt zu be­obachten. Das Interesse ist ge­gen­seitig und je­weils auch in die eige­ne Ge­sell­schaft hinein wirksam! Die kontinuierliche Türkei-Ar­beit tritt da­­mit in der UNES­CO­-Pro­jekt­ar­beit un­se­rer Schule ergänzend und er­­­wei­ternd neben un­seren traditionellen Ar­­beits­­schwer­­punkt Polen.

Wir er­war­ten nun für 1993 wie­der einen Besuch aus Istanbul an unserer Schu­­­­le und hof­fen, daß die öko­no­mi­sche Ent­wick­lung der Tür­kei diese Reise noch mög­­lich ma­chen wird. Auch wir wer­den im näch­sten Jahr wieder, dies­mal früh­­zei­ti­ger, mit der Per­spek­tiv­pla­nung wei­te­rer Türkeireisen be­ginnen.

III. Zum Verlauf der Reise

Mit der Flugbuchung wurde das Reisebüro  UMUT-Reisen in der Lim­mer­stras­se 69, 3000 Hannover 91, beauftragt. Der Charterflug wurde von Öger-Türk-Tours veranstaltet, mit denen wir auch schon unsere letzten beiden Reisen un­ter­nommen hatten. Erfreulich war die unbürokratische und kurzfristige Buchung ohne Stornostaffeln, allein mit einer zehnprozentigen Anzahlung bei unserer Bu­chung, wobei bei der notwendigen Reduzierung der Teilnehmerzahl zum end­gül­ti­gen Buchungstermin zwei Tage vor dem Abflug der Anzahlungsbetrag voll auf den nun gezahlten Flugpreis angerechnet wurde. Der Preis nach und von Istan­bul betrug 490,-- DM, der Abflug von Izmir schlug - bei einem Direktflug nach Han­nover - mit zusätzlich 50,-- DM pro Person zu Buche. Hier wäre es wün­schens­wert, wenn auch unsere Schulleitung etwas mehr Initiative entwickeln wür­de, eine gerechtere Finanzierung der Aufwendungen der mitreisenden Kol­le­gen zu finden und nicht den erzwungenen Reisekostenverzicht als selbst­ver­ständ­lich akzeptieren würde. Hieran könnten in Zukunft solche aufwendigeren UNES­CO-Programme scheitern. - Der Rückflug erfolgte lei­der schon am Vormittag des 16. Oktober; spätere Flüge waren nicht ver­fügbar. Ansonsten war die Flug­­rei­se unproblematisch und routinegemäß pro­fessionell.

Am Freitag, 2.10., trafen wir uns um 18 Uhr auf dem Flughafen Hannover-Lan­genhagen zu unserem Flug nach Istanbul mit BIRGENAIR BHY 241, der um 20 Uhr begann. Der Flug in einer DC 10 war ruhig und problemlos bis zur Landung in Istanbul gegen Mitternacht Ortszeit. Wir wurden dann am Samstag, 3.10., um 1 Uhr in der Frühe mit einem Schulbus der Istanbul Lisesi abgeholt. Vorher gab es noch einige Verzögerungen, da das Gepäck von Herrn Meese nicht aufzufinden war und ich derweilen auf der Suche nach den "Abholern" der Schule den Si­cher­­heitsbereich der Ankunfthalle verlassen mußte. Erst einige Anrufe beim Flug­­hafen am nächsten Vormittag und eine Intervention von Hamit Bey bei dem Sicher­heits-Chef des Flughafens brachten das Gepäck wieder zum Vorschein.

Wir wurden nach der nächtlichen Ankunft auf dem Schulgelände im Schul­in­ter­nat un­ter­ge­bracht. Am Vormittag trafen wir dann unseren Freund und Kol­le­gen Hamit Alkir, den stellvertretenden Direktor der Istanbul Lisesi. In einem freund­schaftlichen Gespräch mit Hamit Bey stellte es sich dann heraus, daß es bei der Planung unseres Besuches in Istanbul noch unerwartete Schwierigkeiten ge­­­geben hatte. Nach der Einladung war unsere Bestätigung und unsere Teil­neh­mer­liste durch einen wohl verzögerten Postweg erst nach Beginn der türkischen Som­merferien bei der Deutschen Abteilung eingetroffen - und über die Ferien lie­gen geblieben. Erst nach dem Anruf von Herrn Bangert, dem Leiter der deut­schen Abteilung der Schule, wenige Tage vor unserer Abreise in Hannover und nach Bestätigung unserer Reisepläne, konnten in Istanbul die konkrete Vor­be­rei­tung für unseren Aufenthalt beginnen. Die türkische Schulleitung wurde so von un­­serem Ankunftstermin erst vier Tage vorher informiert. Eine Un­ter­brin­gung in Gastfamilien war daher nicht mehr zu organisieren. Dennoch bemühte sich die Schule mit allen ihren Kräften, uns einen erlebnis- und kontaktreichen Aufent­halt in Istanbul und in der Schule zu ermöglichen, uns soviele Infor­ma­tio­nen wie mög­lich zu vermitteln und uns bei unserer Planung der weiteren Stu­dien­reise durch die Türkei zu helfen. Unübertroffen war dabei wieder die freund­liche Zu­wen­dung und Betreuung durch Hamit Bey, dem wir dafür ganz herz­­lich zu dan­ken haben. Ich denke, er ist der gute Geist des Schul­part­ner­schafts­pro­gram­mes zwi­schen unseren Schulen. Mit ihm zusammen, der am Samstag we­gen zusätzlicher "Wo­chenendkurse", wie sie an den türkischen Elitegymnasien für Schulbewerber üb­lich sind, in der Schule anwesend war, haben wir dann die wei­­tere Pro­gram­m­pla­nung durchgesprochen. Unsere Schülerinnen und Schüler wa­ren  mit einem tür­kischem Schüler im Basar und sammelten erste Eindrücke von dieser über­wäl­ti­genden Stadt. Das Mittagessen und das Abendessen wurdenin der Schule ein­ge­nom­men. Die Lehrer folgten abends einer Einladung von Hamit Bey zu einem Es­sen in einem nahe gelegenen Restaurant.

Der nächste Tag, der Sonntag, 4.10., war erholsam und erlebnisreich. Auf Ein­la­dung von Hamit Bey unternahmen wir eine ganztägige Schiffahrt auf dem Bospe­­rus, die von einem Fischessen in Anadolu Kavagi gekrönt wurde. Dann folg­te abends für uns Lehrer noch eine zusätzliche Einladung von Hamit Bey zu einem festlichen Abendessen im "Lehrer-Club". Wir hoffen, daß es uns gelingen mö­ge, bei einem zukünftigen Besuch unserer türkischen Freunde in Hannover die­­sem Maß an Gastfreundschaft und Zuwendung Entsprechendes ent­ge­gen­zu­setzen!

Am Montag, 5.10., waren wir vormittags in der Schule; nach einem Empfang beim Direktor gingen die Schüler für einige Stunden in den Unterricht mit, wäh­rend wir Lehrer in einem Gespräch mit Herrn Bangert die Perspektiven unserer Schul­partnerschaft erörterten. Hier gibt es einiges neu zu überdenken, was sich aus der unterschiedlichen Schul­organisation ergibt. In der Istanbul Lisesi sind der Leistungsdruck und die zeit­liche Belastung der Schülerinnen und Schüler der­zeit vor allem in den obe­ren Klassen, der Lise, so hoch, daß an eine Aus­lands­fahrt während der Schulzeit kaum zu denken ist; die verschiedenen Schul­part­nerschaften der Istanbul Lisesi kon­zentrieren sich daher zunehmend auf die Mit­telstufe, die Orta. Das bedeutet, daß die Schüler, die nach Hannover kommen kön­nen, zwischen dreizehn und fünf­zehn Jahre alt sind - was für die Interessen und Programme während der Rei­se sicher gravierende Folgen hat. Da wir im Prin­zip die Unterbringung in Fa­mi­lien beibehalten wollen, was in etwa doch Gleich­altrigkeit voraussetzt, wären bei uns bestenfalls die siebten und achten Klas­sen angesprochen. Aus diesen in der Bismarckschule aber kontinuierlich Tür­kei-Arbeitsgemeinschaften und Reise- und Austauschgruppen zusammenzustellen, ist sehr schwierig, wenn nicht un­mög­lich. Als konkrete Perspektive sehen wir hier eigentlich nur die Möglichkeit, den tür­kischen Besuchern jeweils den zeit­li­chen "Erstrang" zuzubilligen und zu ver­su­chen, unsere Gäste in Familien un­se­rer unteren Klassen unterzubringen, um dann gerade an diese Schülerinnen und Schü­ler das Angebot zu machen, in den da­rauffolgenden Jahren an dem Schul­part­ner­schaftsprogramm teilnehmen zu kön­nen. Gegenseitige Toleranz, wenn in man­chen Fällen das Prinzip der Gleich­al­trig­keit nicht ganz eingehalten werden kann und wenn von unserer Seite auch wie­der etwas ältere Schülerinnen und Schü­ler mitfahren, müßte zwischen den Schu­len vereinbart und selbst­ver­ständ­lich akzeptiert sein. In diesem Sinne will Herr Ban­gert in den nächsten Wochen noch einmal an unsere Schulleitung schreiben, was die Grundlage für einige Pla­nungs­gespräche in der Bismarckschule sein wird. Dabei hoffen wir, daß sich, ge­ra­de in Anbetracht der herzlichen Aufnahme un­serer Gruppe in Istanbul, der ge­plan­te Besuch einer türkischen Schülergruppe im Frühjahr 1993 in Hannover kon­struktiv realisieren läßt. Persönlich denke ich aber, daß es notwendig ist, ge­rade in den unteren Klassen nicht nur in Pri­vat­ini­tiative der beteiligten Kollegen und über die Klassenlehrer sondern in einer - hof­fentlich - eindringlich wer­ben­den Stellungnahme durch den Schulleiter selbst bei Schülern und Eltern über die UNESCO-Arbeit (z.B. den UNESCO-Club!) und die Schulpartnerschafts­ak­ti­vi­tä­ten mit der Istanbul Lisesi zu informieren. Zu­sätz­li­ches schriftliches In­for­mations­material kann und wird der UNESCO-Club und in sei­nem Rahmen die TÜR­KEI-AG zur Verfügung stellen.

Zurück zu unserem Programm in Istanbul! Mit einigen Anrufen mit Hilfe von Herrn Bangert und Hamit Bey wurden die letzten Hotelbestätigungen eingeholt und die Anmietung eines eigenen Reisebusses organisiert. Unter der Begleitung von Herrn Wehking und Herrn Meese wurde ein gemeinsamer Stadtrundgang mit einer Besichtigung des Topkapi Saray unternommen. Zusätzliche Aufregung ver­ur­­sachte (auch bei unseren Gastgebern) eine Knie-Verletzung von Beatrice durch einen Sturz über einen Gully im Straßenpflaster. Nach einer Notversorgung in der Schule gingen wir, während der Rest der Gruppe den Topkapi Saray be­such­te, zur Ambulanz des staatlichen Schularztes, wo die Wunde genäht wurde.

Der Dienstag, 6.10., war für die Schule frei wegen des "Istanbul-Feiertages" in Gedenken an die Rettung der Stadt vor hundert Jahren vor einer englischen Be­setzung. So hatten wir Zeit und Ruhe für eine ausführliche Stadtbesichtigung, die sich auf die wesentlichen touristischen Sehenswürdigkeiten konzentrierte: Hagia Sophia, Sultan Ahmet Camii, Süleymaniye Camii und Basar. Das weitere Pro­gramm sollte inhaltlich eingehender von den Teilnehmern unserer Reise be­schrie­ben werden, so daß ich mich hier auf einige kurze Bemerkungen und Stichworte kon­zentrieren kann, vor allem in Hinblick auf Erfahrungen, die bei der Vor­be­rei­tung und Durchführung kommender Reisen wichtig sein können.

Am Mittwoch, 7.10., begannen wir vormittags mit der Busfahrt nach Bursa. We­gen der langen Fahr­strecke - durch übrigens sehenswerte Gebirgslandschaften in der Umgebung des Ulu Dag und mit einer Fährfahrt über den Izmit Körfezi - muß­te sich die Stadtbesichtigung auf die beiden wesentlichen Bauwerke be­schrän­ken: die Ulu Camii, als Hallenkuppelmoschee des 15. Jahrhunderts Aus­gangs­punkt der osmanischen Baukunst uns Symbol der Hauptstadtfunktion Bur­sas vor der Eroberung Konstantinopels, und die Yesil Camii und daneben die Sul­tansgräber in der Yesil Türbe. Es folgte dann die Weiterfahrt nach Ankara. Ent­sprechend unserer Vorbuchung kamen wir, zum wiederholten Male, im Devran-Ho­tel am Opernplatz am Rande der Altstadt Ulus unter. In den vergangenen drei Jah­ren ist dieses Hotel, wie wir bald feststellen mußten, sehr herunter ge­kom­men, unsauber und mit Kakerlaken "gesegnet", was einige sensible Teilnehmer un­serer Reise zu einer improvisierten Nacht im Aufenthaltsraum bewog - und uns schließ­lich zu einer Abkürzung unseres Aufenthaltes in Ankara. Ein weiteres Pro­blem wurde abends akut, das uns in unterschiedlicher Weise bei unserer gan­zen Reise begleitete: die ständige Auseinandersetzung mit unseren Busfahrern. Faik Gizer und sein Sohn Erkan, selbst Besitzer des Fahrzeuges (eines ja­pa­ni­schen ISUZU-Midi-Busses mit 27 Plätzen und Klimaanlage), waren kompetente Rei­se­­begleiter; der Fahrstil des Vaters, der nahezu alle Strecken allein fuhr, war schnell, geschickt und "türkisch" (was uns manchmal etwas gewagt vorkam), und er fuhr uns pünktlich und unfallfrei. Dem entsprach aber auch sein Eigen- und Ge­schäftssinn, der mit unseren Vorstellungen immer wieder zusammenstieß. In un­serem Kontrakt hatten wir uns verpflichtet, einen Fahrer auf unsere Kosten zu beherbergen und zu verpflegen. In Ankara stellte sich nun heraus, daß die bei­den von uns finanziell gleichgestellt werden wollten. Die Auseinandersetzungen wa­ren türkisch hart und erregt - letztlich aber nicht persönlich verletzend, so daß nach einem Telefonanruf in der Istanbul Lisesi, der unseren Standpunkt be­stä­tigte, unsere Voraussetzung durchgesetzt wurde. Aber es kostete Zeit und Ner­ven und den eisernen Willen, Ruhe zu bewahren! Daß in der Folgezeit die Fah­rer, sehr hilfsbereit, weitere Hotelverhandlungen, Gaststättenreservierungen und Bezahlungen für Museumseintritte für uns übernahmen und erst jeweils abends mit uns abrechneten, und dabei, nachdem sie erst einmal akzeptiert hat­ten, daß unsere knappe Kasse tatsächlich - sehr zu ihrem Bedauern - nur je­weils unterste Preisniveaus zuließen, korrekt unsere Preislimits und ggf. Ab­leh­nun­gen einhielten, war für uns eine gern akzeptierte Erleichterung (und ent­sprach dem Auftrag, den die Istanbul Lisesi den Fahrern mitgab, uns fürsorglich zu betreuen!), gab aber den beiden natürlich die Möglichkeit, in direkter Ver­hand­lung hier und da für sich Freiplätze und Preisvorteile zu erhandeln, und so die Enttäuschung aus Ankara unter der Hand wett zu machen. Sei's drum, uns scha­dete das ja nicht! Problematischer war es, daß sie immer zielstrebig die­je­ni­gen Hotels und Gaststätten ansteuerten, deren Besitzer sie kannten und - so ist zu vermuten - die ihnen besondere Provisionen versprachen. So mußten wir eini­ge Male unsere eigenen Vorstellungen doch recht vehement zur Geltung bringen. In der nächsten Übernachtung in Göreme gab es dabei menschlich problematische Ver­stimmungen, die zu einer harschen Kritik an unseren Fahrern von dritter Sei­te führte; doch davon gleich mehr.

Am Donnerstag, 8.10., erfüllten wir vormittags in Ankara das Programm, wegen des­sen wir die türkische Hauptstadt besuchten: den Besuch des "Hitti Museum" [das archäologische "Museum der anatolischen Kulturen"], das zu den in­ter­es­san­tes­ten und sehenswürdigsten archäologischen Sammlungen überhaupt gehört und ro­mantisch in einem restaurierten Bedesten (überdachten Basar) und Han aus dem 16. Jahrhundert untergebracht ist, und die Besichtigung des "Anit Kabir", des Grabgebäudes Atatürks und türkischen Ehrenmales. Hier ist vor allem die zeit­geschichtlich-politische Bedeutung hervorzuheben; das Thema "Atatürk" ist als Grundlage jedes Verständnisses der Türkischen Republik für eine sinnvolle Vor­bereitung einer Türkeireise unabdingbar. Der bei unseren Reisen sonst er­wünschte und interessante Informationstermin beim türkischen Ministerium für Na­tionale Erziehung mußte wegen der zu kurzen Vorbereitungszeit der dies­jäh­ri­gen Fahrt leider ausfallen. Wir hoffen, daß wir unsere nächste Reise, tur­nus­ge­mäß voraussichtlich 1994, wieder mit fachlich kompetenten Informationsgesprächen ver­sehen können.

Nachdem wir dieses Besuchsprogramm zwar intensiv aber doch zügig Mittags ab­geschlossen hatten, beschlossen wir in Übereinstimmung mit unseren Bus­fah­rern, die die Unsauberkeit des Hotels ebenfalls bemängelten, um 15.30 Uhr die vor­zeitige Fahrt nach Göreme. Auf unsere Bitte hin rief der Sohn des Busfahrers bei der Grand Pensyon Avilar in Göreme an, um unser vorzeitiges Kommen an­zu­kün­digen und sagte ohne weiteren Kommentar, daß alles in Ordnung sei. In Göre­me selbst stellte sich seine Information plötzlich anders dar, daß die Pension nicht frei sei und am Abend, es war schon gegen 23 Uhr, ohnehin nicht mehr zu er­reichen sei. Der Busfahrer versteifte sich dabei auf ein preiswertes Hotel in Orta­hisar und versicherte, daß es mit der Pension nach seinem Anruf keine Schwie­rigkeiten mehr geben würde. Das war nun offensichtlich ein Irrtum (um nichts Schlimmeres zu unterstellen). Am Abend des folgenden Tages war der Be­sitzer der Grand Pensyon Avilar in Göreme - übrigens nur wenige Minuten Bus­fahrt von unserem Hotel entfernt, ich hatte sie schon während unserer Rund­fahrt durch Kappadokien tagsüber entdeckt! - in unser Hotel gekommen, um zu fra­gen, warum wir nicht am Abend gekommen waren, woraus wir schließen muß­ten, daß der Busfahrer uns telefonisch definitiv angemeldet hatte. Besonders un­an­genehm und peinlich war die Situation dadurch, daß wir die Buchung in der Pen­sion auf ausdrückliche Empfehlung des sehr geschätzten Kollegen Ali Beltir von der Tellkampfschule vorgenommen hatten, der uns zudem noch ein Em­pfeh­lungs­schreiben mitgegeben hatte. Herr Yusuf Imanoglu war daher zurecht sehr be­troffen darüber, daß wir kurzfristig auf Anraten des Busfahrers ein anderes Ho­tel gewählt hatten, obwohl er schon ein Abendessen vorbereitet und Be­sich­ti­gungs­vorschläge für den nächsten Tag überlegt hatte, die für uns ohne Zweifel äußerst interessant und erfreulich gewesen wären. Ich mußte ihm in allen Punk­ten Recht geben und habe mich eindringlich bei ihm entschuldigt und nur ver­sucht zu erklären, wie es bei uns zu dem peinlichen Mißverständnis gekommen ist. Daß wir dabei keine persönlichen Angriffe auf unsere Busfahrer äußerten, son­dern vor allem die Sprachschwierigkeiten betonen mußten, dürfte aus der Si­tua­tion heraus verständlich sein. Doch verfolgte ich eine recht harte und emo­tio­nale Auseinandersetzung mit den Busfahrern, in die wir uns dann nicht mehr ein­mischten, die aber zu einer größeren Behutsamkeit im Umgang mit unseren Wün­schen und Vorbereitungen in den folgenden Tagen führte. Ich gab den Em­pfeh­lungsbrief von Ali Beltir ab; die Freude von Yusuf Imanoglu über diese freund­lichen Zeilen, die er mir ins Englische übersetzte, war ersichtlich. Ich den­ke und hoffe, daß wir doch noch ohne bleibende Verärgerung und Re­sen­ti­ments voneinander geschieden sind - auch in unserer eigenen Überzeugung, wenn irgend möglich, bei unserer nächsten Türkeireise tatsächlich in der Grand Pen­syon Avilar unterzukommen. Am Abfahrtstag, dem Samstag, haben wir dann Herrn Imanoglu noch einmal in seiner Pension aufgesucht und einen Brief und ein Geschenk für Ali Beltir abgeholt; daß wir dabei freundlich noch mit Tee be­wir­tet wurden, ist für uns ein Zeichen für die herzliche kappadokische Gast­freund­schaft. Danke!

Noch einmal zurück zu unserem Besichtigungsprogramm. Am Freitag, 9.10., ha­ben wir ganztägig Besichtigungen in Kappadokien durchgeführt und dabei un­se­rem ortskundigen Busfahrer weitgehend frei Hand gelassen. Die byzantinischen Höh­lenkirchen im Tal von Göreme standen ebenso auf dem Programm wie das chal­kolithische Höhlental von Zelve, wie verschiedene großartige Aussichtspunkte über die "Phantasielandschaft" der hundertausend Tuffkegel von Kappadokien und der Besuch einer "unterirdischen Stadt", Özkonak bei Avanos. Über die Ein­drücke und die Bedeutung dieses touristisch hervorgehobenen Gebietes in Zen­tral­anatolien braucht hier nicht viel gesagt zu werden. Schönheit und Exotik der Land­schaft werden harmonisch ergänzt durch die historische Bedeutung, die in­ter­essanten Lebensformen in dieser Vulkanlandschaft und die heutige wirt­schaft­liche Intensität, mit der hier eine spezialisierte Landwirtschaft mit Wein-, Frucht­baum- und Gemüseanbau die Lebensgrundlage der Bevölkerung bildet.

Nach dem schon erwähnten Morgenbesuch bei Herrn Imanoglu folgte am Sams­tag, 10.10., die Weiterfahrt nach Konya. Auf dem Wege besichtigten wir einige alte selçukische Hane in unterschiedlichem Erhaltungszustand und schließlich das vortrefflich Restaurierte Sultanhani, mit dem mich die ganze Chronologie mei­ner eigenen Türkeireisen verbindet, nachdem ich es 1970 auf dem Wege nach Iran erstmalig besuchen konnte, als es noch halb verfallen und nur liebevoll be­treut vom Ortsvorsteher Herrn Öztürk abseits aller touristischer Pfade lag. Am Nach­mittag treffen wir dann in Konya ein und schließen gleich eine erste Stadt­be­sichtigung an: die Karatay Medrese ist wiederum ein sehenswerter Raum der slçu­kischen Baukunst; die Medrese Ince Minare ist seit langem erstmalig wieder ge­öffnet, nachdem der selçukische Innenraum, ein Kuppelbau wie die Karatay Me­drese aus kunstvoll verschränkten Ziegeln, gestützt durch einen Unterbau aus "tür­kischen Dreiecken", in den letzten zwanzig Jahren sorgfältig restauriert wor­den ist. Genau wie die Alaettin Camii, oben auf den innerstädtischen Zi­ta­del­len­hügel, deren Restauration noch nicht abgeschlossen ist, steht die Ince Minare Camii auf der UNESCO-Liste des kulturellen Welterbes; beide Bauwerke sind über ih­ren historisch und künstlerisch exeptionellen Wert hinaus Wahrzeichen der Kul­tur­epoche der Selçuken in Anatolien, der ersten großen türkischen Dynastie, der dann das osmanische Reich nachfolgte.

Wir übernachteten, wieder einmal, im Otel Tur nahe dem Mevlâna; ich wurde im Hotel wie mehrfach auf der Straße in Konya wiedererkannt und herzlich be­grüßt. Dabei erfuhr ich, daß wir 1985, bei unserer ersten Türkeireise im Rahmen un­­se­rer Schulpartnerschaft mit dem Istanbul Lisesi, tat­säch­lich die ersten Gäste im neueröffneten Otel Tur gewesen sind. Wenn sich auch die Preise, ge­recht­fer­tig­terweise, etwas gehoben haben, ist dennoch dieses Ho­tel in Sauberkeit und Ser­vice für die untere Preiskategorie vorbildlich. Die per­sönlichen Gespräche mit dem Hotelier drehten sich dann bald auch um die ver­schiedensten aktuellen und fa­miliären Fragen und hinterließen das be­frie­di­gen­de Gefühl, gerne gesehen zu sein. Ein Aufenthalt in Konya - auch wenn dies oft von Bewohnern z.B. Istanbuls oder Ankaras nicht verstanden wird, da hier hi­storisch zu erklärende Stereotype und Vorurteile den Umgang erschweren - ist über den historisch-kulturellen Zu­sam­menhang hinaus auch wegen der viel­fäl­ti­gen persönlichen Kon­takt­mög­lich­kei­ten für Studienreisen mit Schülern sehr zu em­pfehlen.

Daß wir hier einmal den verständlichen Wunsch nach spätnächtlichen Ge­sprächs­kontakten mit Gleichaltrigen "qua Amt" unterbinden mußten, tut uns in­halt­lich leid, war aber wegen der vorgegebenen Aufsichtspflicht bei einer Schul­ver­anstaltung vor allem bei für uns nicht genau abschätzbaren Risiken nicht an­ders zu entscheiden, auch wenn Konya als Stadt mit besonders geringer Kri­mi­na­li­tät gilt.

Im Mittelpunkt des Programmes am Sonntag, 11.10., stand vormittags der Be­such der Tekke des Mevlâna, des "Klosters" der "tanzenden Derwische" und des Grab­mals ihres Begründers, Çeladin Rûmi, des großen mystischen Dichters und Phi­losophen des 13. Jahrhunderts am Hofe des Selçukensultans Alaettin Khai­ko­bads.  Die Auseinandersetzung mit der islamischen Mystik, so fremd sie heutigem Ra­tionalismus auch sein mag, vermittelt faszinierende religionsgeschichtliche und phi­losophische Anregungen und führt oft zu einer vertieften Beschäftigung mit dem Sufismus, was auch uns Heutigen neue kulturkritische Perspektiven auf un­se­re eigene Existenz eröffnet. So hoffe ich, daß dieser Kontakt mit dem Mevlâna doch dem einenen oder anderen Reiseteilnehmer mehr geben kann als nur einen son­nigen Museumsbesuch in Konya. Nachmittags ergänzte eine Stadtbesichtigung un­sere Eindrücke: vor allem der Moschee- und Medresen-Komplex des Sahip Ata, lei­der recht zerfallen und noch nicht weiter restauriert, vermittelt noch etwas von der Ursprünglichkeit der selçukischen Bautradition. Den Abschluß bildete eine Fahrt in die nahe gelegenen Ausflugsorte Meram und Sille. An einem Stausee ist hier ein idyllisch gelegener Picknickplatz entstanden, der von Konya aus Feier­tags gern besucht wird. Der Tradition der christlich-orthodoxen Gemeinde von Sille, in einer Basilika und einer verfallenen Grabkapelle repräsentiert, konn­ten wir uns dann jedoch ebensowenig intensiv widmen wie der in Sille be­rühm­ten Teppichknüpferei.

Am Montag, 12.10., fahren wir weiter durch den Taurus und besuchen zu­nächst, an der Küste des Mittelmeeres angekommen, das Naturschauspiel der Was­ser­fälle von Manavgat. Die römisch-hellenistischen Ruinen von Side sind durchaus einer Besichtigung wert; doch ist es gut, sie an den Anfang des "Antiken-The­mas" zu stellen, weil sie sonst ganz in den Schatten des großartigen Thea­ters von Aspendos und später des Reichtums der Bauwerke von Ephesus tre­ten wür­den: war Side doch ein untergeordnetes Provinz- und Seeräubernest, an dem sich gleichwohl typische Züge der hellenistisch-römischen Geschichte des Na­hen Os­tens nachzerichnen lassen bis hin zu den Völkerverflechtungen und Macht­­in­tri­gen, wo z.B. die Herrscher von Pergamon den Römern testamentarisch ihre Be­sitz­tümer in Side vermachten. Weiter führt uns der Weg nach Antalya; ein tech­­ni­scher Defekt an der doppelten Lichtmaschine im Bus, die wohl durch die Kli­­ma­­an­lage überansprucht gewesen ist, verbessert die Stimmung der Busfahrer kei­­nes­wegs. Um Zeit für die Reparatur zu sparen, wollen sie uns die am Weg lie­gen­­de Besichtigung von Aspendos noch bei einbrechender Dunkelheit aufzwingen. Im hef­tigen Streit setzen wir durch, am nächsten Tag noch einmal zurück zu fah­­ren, um genügend Zeit für Besichtigungen und Fotos zu haben. Der aggres­si­ve Fahr­stil des wütenden Fahrers war für einige weitere Ängste und graue Haa­re gut. Das von dem Sohn vorgeschlagene Feriencamp bei Beldibi westlich von An­­tal­ya, wohl in seinem eigenen Besitz, war, wie er selbst dann ein­ge­stehen mußte, jetzt außerhalb der Saison ungepflegt und verwahrlost, so daß wir auf Rück­­fahrt nach Antalya bestanden, die dann unterbrochen wurde von Re­pa­ra­tur­be­­mühungen am Fahr­zeug am Straßenrand in der Dunkelheit. Schließlich fanden wir eine passende und preiswete Übernachtung im Konaalty-Hotel gegenüber des Stran­des in der west­lichen Peripherie von Antalya und in einem benachbarten Re­staurant ein schmack­haftes Pide-Essen - beides gesucht und ausgehandelt zu un­serer Zu­frie­den­heit von unseren Busfahrern, die jetzt wieder freundlich und loyal waren: merk­würdige Stimmungswechsel!

Der Dienstag, 13.10., wurde vormittags für die Busreparatur benöltigt; diese Zeit benutzten wir nach gemeinsamer Fahrt in die Ortsmitte von Antalya für den Geld­umtausch, die notwendige telefonische Buchungsbestätigung für unseren Rück­flug beim Vertrags-Reisebüro in Izmir, und schließlich für den nun fälligen wei­teren Arztbesuch von Beatrice, wo ihr die Fäden an ihrer Kniewunde gezogen wur­den; das ging wiederum sehr schnell und für einen Pauschalbetrag von fünf Mark, nachdem die Behandlung in der Ambulanz in Istanbul kostenlos gewesen war, so daß wir unsere Krankenversicherung gar nicht in Anspruch nehmen muß­­ten. Auf Vorschlag von Erkan, des Sohnes des Busfahrers, der uns in der Stadt fürsorglich begleitete (man ließ uns ja nirgends aus den Augen!) machten wir für den Rest des Vormittages dann eine Bootsfahrt auf der Bucht von An­tal­ya. Nachmittags fuhren wir mit dem reparierten Bus zurück nach Aspendos. Ge­wis­se Interessendivergenzen traten hier auf; drei Teilnehmerinnen verzichteten - ohne daß wir dafür viel Verständnis aufbringen konnten - auf den Aspendos-Be­such und hielten sich während dieser Zeit in einem "Touristen-Basar" mit vor­wie­gend Schmuck- und Modeangeboten auf. Der Rest der Gruppe hatte dann auf der Rückfahrt noch Gelegenheit, sich diese Touristenfalle selbst etwas näher an­zu­schauen. Was daran so interessant sein soll, ist mit unbegreiflich! Aber diese ba­nalen touristischen Interessen vom Einkaufsbummel bis zum Baden waren in un­serer Gruppe stärker präsent als bei den vergangenen Reisen, was von uns wi­derwillig zu akzeptieren war. So war die Beurteilung der Region Antalya, die sich allein auf den Massentourismus eingestellt hat, auch durchaus kontrovers. Wäh­rend sich einige hier pudelwohl fühlten (und wohl einen Zusatzurlaub viel zu we­nig genießen konnten), war für andere hier die Kommerzialisierung und der städte­bauliche Schrecken ins Unerträgliche gesteigert. Für mich persönlich gilt wohl: nachdem ich voller Interesse Side und Aspendos kennen lernen konnte, wer­de ich die türkische Südwestküste wohl nie wieder bei von mir vorbereiteten Grup­penreisen mit ins Programm nehmen, dafür ist der inhaltliche Ertrag ge­messen am Zeit- und Wegaufwand viel zu gering, es sei denn, eine Studienreise würde sich in­tensiv vorbereitet kritisch mit den räumlichen, ökonomischen und so­zialen Fol­gen des Massentourismus in einer Armutsregion befassen: hier böte die­ses Ge­biet, ergänzt um die Ägäisorte Marmaris, Bodrum und Kusadasi ideale Un­­ter­suchungs­möglichkeiten.

Touristische Irritation bot abends noch der Vorschlag von Erkan, mit der Grup­pe um Mitternacht in eine Touristendisko zu gehen - und das möglichst bis vier Uhr nachts, nach den Maßstäben unserer Aufsichtsverpflichtungen zu­min­dest für die jüngeren Teilnehmer ein indiskutabler Vorschlag. So entschieden wir zum Groll der Reisegruppe, einen "Nachtbummel" für die achtzehnjährigen bis ein Uhr Nachts zu akzeptieren, ansonsten aber eine solche Nachtveranstaltung zu un­terbinden. Ergebnis an diesem Abend: drei Mädchen fuhren mit den Bus­fah­rern und mir noch einmal hinein nach Antalya zum Hafen; die Mädchen machten mit Erkan eine einstündige Tour "Antalya by night" (ob das so überaus span­nend war, wage ich zu bezweifel), während der Busfahrer Faik mit mir Freunde auf einem der im Hafen liegenden Touristenboot besuchte - bei einigen Gläsern Raki und "mehrsprachiger" Unterhaltung.

Unsere Busfahrer hatten den Kummer, daß die Busreparatur recht teuer ge­wor­den war und daß dadurch ihr Bargeld knapp wurde; die Repararatur an der Licht­maschine für die Klimaanlage wurde zudem nicht durch die Garantie der Bus­herstellerfirma gedeckt. So erklärte ich mich bereit, vorübergehend mit Bar­geld auszuhelfen, wenn bei der Weiterfahrt das Geld für das Tanken zu knapp wür­de. Daß daraus am Ende eine Zusage, insgesamt mehr für die Reise zu zahlen, her­aus interpretiert werden sollte, stellte sich am Abflugstag in Izmir heraus; doch, und so konnten wir uns auch argumentativ behaupten, ein solches Ver­spre­chen gab es mit Sicherheit nicht! Im übrigen reichte das Geld auch so bis Izmir und daß die beiden Fahrer nicht mehr genug Geld zur Heimfahrt nach Is­tan­­bul hätten, mag ich nun gar nicht glauben. Der Ärger darüber, daß die Agen­tur, die die Fahrt vermittelt hatte, den zweiten Teil des Geldes bis zum En­de der Fahrt nicht überwiesen hatte, kann ich zwar verstehen, doch dürfte das ganz nor­mal gewesen sein, da der Vertrag des Busfahrers Restzahlung nach Ab­schluß der Gesamtfahrt vorsah.

Diese Querelen mit unseren ansonsten so hilfsbereiten und fürsorglichen Bus­fah­rern  lädt zu einigen weitergehenden Überlegungen ein. Im Laufe der Fahrt stell­te sich heraus, daß die beiden sich weniger als Fahrer, denn als Un­ter­neh­mer einschätzten und als solche sicherlich zu der neuen, gegenüber der Ar­bei­ter- und Beamtenschaft materiell prosperierenden aufsteigenden türkischen Mit­tel­schicht zu zählen sind. Der Vater, der Grundbesitz und ein Touristenboot (in Bo­drum oder, wenn ich die Angaben richtig ordnen konnte, derzeit in Istanbul lie­gend) sein eigen nennt und ebenso Eigentümer des Busses ist, der Sohn, der eine eigenes Touristencamp bei Antalya besitzt und ein Studium der Fach­rich­tung Fremdenverkehr absolviert (in der Türkei sehr beliebt), für die unser Stan­dard des Reisen und unsere low-price Hotels weit unter ihrem eigenen ge­wohn­­ten Reisestandard lagen, empfanden sich objektiv, nach türkischen Maß­stä­ben wohl zurecht, sozial weit über Lehrern und Schülern stehend; daß deutsche Leh­­rer ihren sozialen Status ganz anders definieren und mit einem gesunden Selbst­bewußtsein Busse nach ihren eigenen Vorstellungen und Wünschen an­mie­ten, führt zu Konflikten. Auf der anderen Seite paßte es aber auch nicht in ihr Welt­bild, daß eine deutsche Reisegruppe so wenig Geld zur Verfügung hatte, daß sie sich tatsächlich den Standards türkischer Schulen anpassen mußte. Diese zwei­seitige Irritation war dann Ursache täglicher Auseinandersetzungen, bei de­nen die beiden Seiten sich wohl immer wieder durch unerwartete Reaktionen über­raschten. Notwendig und für die reibungslose Abwicklung der Fahrt war hier die erworbene Fähigkeit, im türkischen Sinne lange und kontroverse, oft ge­stikulierend und lautstark geführte Auseinandersetzungen ohne persönliche Be­leidigungen und Gesichtsverluste durchzustehen und am Ende augenblicklich wie­der in die ebenso ritualisierte Freundschaftlichkeit überschwenken zu können.

Die Weiterfahrt am Mittwoch, 14.10., durch den Naturpark Termessos im süd­west­lichen Taurus war landschaftlich reizvoll, wenn auch wohl für unsere per­ma­nen­ten Busschläfer kaum erinnerlich. Wir mußten wegen der Länge der Fahrt die Be­sichtigung der Sintertrerrassen von Pamukkale und des antiken Badeortes Hie­ra­polis recht knapp halten; doch auch so beeindruckte die Landschaft wieder. Die "Baumwollburg" ist ein exzeptionelles Naturdenkmal und ist trotz der nach­mit­täglichen Besuchermengen immer wieder reizvoll zu be­trach­ten, ob man nun bar­fuß durch die warmen Wässer der Sinterbecken geht oder das Treiben nur vom Rande her beobachtet. Die Fahrt nach Selçuk führt schon wieder in die Dun­kelheit; da wir am Morgen noch einen weiteren Schrek­ken erlebten, als André sei­nen Ausweis als verloren meldete und daher ein Kon­su­latsbesuch am nächsten Ta­ge in Izmir drohte [Organisationspläne bis hin zu der Möglichkeit, diese Fahrt mit der regelmäßigen Dolmuslinie zu unternehmen] muß­ten wir auf einem ver­kehrs­günstig gelegenen Hotel in Selçuk bestehen; der Vor­schlag des Busfahrers, in Kusadasi unterzukommen - natürlich bei einem Freund von ihm! - gefiel uns auch deshalb nicht, weil für die Be­sich­tigung von Efes, d.h. der Ruinen und Aus­grabungen von Ephesus, für die wir reichlich Zeit einplanen wollten, ein län­ge­rer Anreiseweg notwendig gewesen wäre (und Kusadasi sicher als Ort weniger at­traktiv ist als Selçuk!). Das Hotel "Vic­toriaIchnie wieder", erfüllen sich denn die Hoff­nun­gen und Erwartungen, mit Reisen in die Türkei etwas in unserer Ge­sell­schaft zu ver­ändern, bei den Schülern und Schülerinnen Bewußtseinsver­än­de­run­gen ein­zu­lei­ten, die über das Akzeptieren von fremden Toilettenformen hin­aus­gehen...? Un­ser Staat Deutschland, unsere Gesellschaft, driftet ab in In­to­le­ranz, Frem­den­feind­licheit und Rechtsideologien - es tut weh, in dieser schlimmen Zeit zu leben. Pes­simismus und Überdruß am eigenen Wirken sind eine ge­fähr­liche Grundlage der Lehrerexistenz.

Die Türkeireisen haben in unserem Konzept der Interkulturellen Erziehung einen festen Stellenwert, sind eingebunden in parallele Schwerpunktaktivitäten wie der Schulpartnerschaft mit Posen, wie der Studienfahrten und der Dritte-Welt-Arbeit, dem UNESCO-Club und den Bemühungen der Fachkonferenzen, dem wachsen­den Anteil ausländischer Schülerinnen und Schüler pädagogisch und cur­ri­cular gerecht zu werden.

Hier überrascht es dann um so mehr festzustellen, wie wenig instutionalisierte und überindividuelle Festigkeit das Konzept der UNESCO-Schule aufweist, wie sehr es von den Zufälligkeiten einzelner Initiativen und Arbeitsschwerpunkte ab­hän­gig ist; ist das nun so zu interpretieren, daß die interkulturelle Schwer­punkt­setzung tatsächlich der Grundströmung unserer politischen Kultur so zu­wi­der läuft, daß sie nur individuell oder in kleinen Gruppen als Gegenströmung am Le­ben gehalten werden kann - die verhängnisvollen politischen Entwicklungen in un­serem Lande lassen dies plausibel erscheinen -, oder liegt es doch eher an den Besonderheiten der Institution Schule, mit den seltsamen Idiosynkasien des deut­schen Gymnasiallehrers - und seiner meist gebrochenen Enkulturation als ewig in der Schule lebender Mensch - und dem Paradoxon des immer das Gleiche leh­ren zu müssen in einer nie abreißenden Folge von Schülergenerationen und da­bei selbst älter zu werden, sich zu entwickeln, zu welchem Ziel...? So ver­knüpft sich die Frage nach dem Sinn innerschulischer interkultureller Er­zie­hung, dem die Türkeireisen beitragen sollen, mit der Frage nach den Paradoxien schu­­lischen Lernes überhaupt...

V. Résumé

Das wichtigste Argument, die Türkeireise 1992 trotz zu kurzer Vor­be­rei­tungs­zei­ten und einer sehr kleinen Anzahl von beteiligten Schülerinnen und Schülern durch­zuführen, war die Einsicht, daß von unserer Seite unser Willen zur Kon­ti­nui­tät der Schulpartnerschaft mit der Istanbul Lisesi zu demonstrieren und eine dauer­hafte Perspektive des Schüleraustausches zu entwickeln sei. Dieses Ziel konn­te, wie die intensiven Gespräche in unserer Partnerschule erwiesen, erfüllt wer­den; un­sere Reise war, so meine abschließende Einschätzung, nicht nur sinnvoll son­dern notwendig und bleibt eine gute Grundlage für die Fortsetzung der Tür­kei­ar­beit an unserer Schule, in der Hoffnung, weitere Kolleginnen und Kollegen eben­so wie eine ausreichende Zahl von Schülerinnen und Schülern daran zu in­ter­essieren. Die Probe darauf wird uns beim nächsten Besuch einer türkischen Grup­pe in unserer Schule voraussichtlich im Mai/Juni nächsten Jahres ab­ver­langt werden.

Die allseits übereinstimmend gesehenen Einschränkungen der Möglichkeiten die­ser Reise haben sich wie vorhergesehen bestätigt, insbesondere durch die zwangs­weise nur exkursorische inhaltliche Vorbereitung der Gruppe, die zu einem weniger differenzierten Programmablauf führte und einen spontanen In­ter­es­senkonsens im Tagesverlauf erschwerte. Dennoch habe ich den Eindruck, daß durch das sehr vielfältige Programm, das auch touristische "highlights" bot, al­len Interessen zumindest ansatzweise Nahrung gegeben werden konnte, wobei Kom­promisse und Einschränkungen hinsichtlich der kurzen Gesamtreisezeit und den notwendigen Rahmenbedingungen einer Schulveranstaltung akzeptiert werden muß­ten. Neben einer kritischen Überprüfung von Busanmietung und Hotel­bu­chung sind neue Überlegungen zur Programmplanung der nächsten Reise si­cher­lich in folgenden Punkten notwendig:

1. Unbedingt längere Vorbereitungszeiten einplanen (dazu wird ein konkreter Pro­grammplan vorgelegt werden)!

2. Ein differenzierteres Programm in Istanbul mit der Partnerschule vorher ab­spre­­chen (hängt dabei von Punkt 1 ab)!

3. Die inhaltliche Thematik des Studienfahrtanteils genauer definieren und

4. eine räumliche Beschränkung vornehmen (z.B. mit Schwerpunkt auf Ankara, Kappa­dokien und Konya und einer Programmausweitung in thematischer Rich­tung Osten [Pro­ble­me der heutigen Türkei] oder Westen [Antike und Kul­tur­ge­schichte] wobei die Südküste sicherlich entfallen kann).

Auch wenn diese Reise unter gewissen Einschränkungen durchgeführt werden muß­te, denke ich letztlich, daß sie notwendig gewesen ist und im Rahmen ihrer Mög­lichkeiten zu einem Erfolg geführt werden konnte. So hoffe ich, daß sich die An­strengungen und Mühen gelohnt haben wie Geduld und Verständnis der Kol­le­gin­nen und Kollegen, die von den vielfältigen UNESCO-Aktivitäten unserer Schule be­troffen werden und ich hoffe auf das gemeinsame Einverständnis, daß diese in­terkulturellen Lernmöglichkeiten zu den zentralen Aufgaben der heutigen Er­zie­hung gehören.

Teilnehmerliste der Türkei-Studienfahrt

Bismarckschule Hannover

Verantwortlicher Leiter:

  1. Voigt, Gerhard 

Begleitpersonen:

  2. Wehking, Ulrich  

  3. Meese, Rainer  

Teilnehmende Schüler der Bismarckschule Hannover:

  4. Basch, André    

  5. Glembotzky, René 

  6. Jatschmenew, Vera 

  7. Puschmann, Daniel

  8. Ringst, Rebecca  

  9. Strate, Svenja   

10. Wessolowski, Beatrice 

11. Wieloch, Claudia  

       

Hinflug:  Fr., 02.10.92
Rückflug: Fr., 16.10.92


Erstellt:
Hannover, 31.10.92, Revidiert: 25.07.2005 / 10.03.2006 / 15.03.2008 / Fassung vom 5.11.2009

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KompetenzFokus Interkulturelle Kommunikation:
Verband der Politiklehrer e.V., Hannover – UNESCO-Club für die UNESCO-Schule am Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. – Deutsch-Türkische Vereinigung für Sozial- und Geisteswissenschaftlichen Austausch, Hannover (Arbeitsgemeinschaft)

 

Stand: 20.03.2010 - bismarckschule.voigt@gmx.de

Verantwortlich: Gerhard Voigt, Oberstudienrat i.R.

Versitzender des Verbandes der Politiklehrer e.V., Hannover