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Zu Besuch in der Türkei Die vierte Studienfahrt der Bismarckschule Hannover zu ihrer Partnerschule in Istanbul 1994
Printausgabe: Schriftenreihe des UNESCO-Clubs für die UNESCO-Schule am
Maschsee, Bismarckschule Hannover, e.V. Heft 6, Inhalt: I. Die vierte Studienfahrt in die Türkei.. 2. Zur Situation in der Türkei. II. Berichte aus den türkischen Familien Bericht von Kathleen: İstanbul, vom 7.5.94 - 14.5.94 Julia Micklinghoffs Protokoll über ihre Gastfamilie. Frauke berichtet über ihre Gastfamilie. Familienbericht von Cathrin Köhler. Familienbericht von Norman May. Christophs Bericht aus der Gastfamilie. Sinas Bericht über den Aufenthalt in ihrer Gastfamilie III. Tagebuch der Türkei-Reise 1994 İstanbul – Eine Liebeserklärung 7. Mai: Ankunft und Begrüßung. 10. Mai: Ausflug entlang des Bosporus 11. Mai: Hagia Sophia und die Yerebatan Zisternen. 2. Rundfahrt durch die Westtürkei 14. Mai: Fahrt nach Kappadokien 16. Mai: Gülşehir, Haci Bektaş, Ankara. 18. Mai: Am Tuz Gölü und in Sultanhanı 20. Mai: Von Konya nach Selçuk IV. Zur Geschichte des türkischen Schulsystems 1. Die gesellschaftliche Situation vor dem Ersten Weltkrieg. Der Ursprung der türkischen Bildungsreformen. 2. Die Entwicklung eines westlichen Schulsystems. Atatürk und die Revolutionierung der türkischen Gesellschaft. 3. Die Bildung in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs. Anmerkungen zur heutigen Situation der türkischen Schulen. 4. Schulpartnerschaft mit der Türkei V. Rückblick auf die Praxis der Bismarckschule Rückblick auf die Geschichte unserer Türkeikontakte Ein kurzfristiges Intermezzo: Die Türkei-Reise 1992 Eine bewährte Konzeption: Die Türkei-Reise 1994 Schulinterne Probleme und Konflikte. Eindrücke und Erfahrungen von unserer vierten Türkeireise Die Türkei-Arbeit im Rahmen des UNESCO-Projektschul-Programmes I. Die vierte Studienfahrt in die Türkei1. Die ReiseorganisationDie vierte Studienfahrt der Bismarckschule Hannover in die Türkei steht wieder im Rahmen der UNESCO-Arbeit der Schule und setzt die seit 1985 erfolgreiche Schulpartnerschaft mit der İstanbul Lisesi fort. Wieder teilt sich das Programm in eine erste Aufenthaltswoche in İstanbul (7.-14. Mai) mit Unterbringung in Gastfamilien und – neben der Erkundung der Stadt – mit Unterrichtsbesuchen in unserer Partnerschule, und in eine zehntägige Busrundfahrt durch die westliche Türkei (14.-24.5.94). Als Zeitraum haben wir diesmal wegen des besonders langen Schuljahres 1993/94 den Zeitraum der viertägigen Pfingstferien als Reisezeitraum gewählt, der durch das vorherige verlängerte Himmelfahrtwochenende und durch die davon eingeschlossenen, ohnehin schulisch nicht allzu sehr belasteten Unterrichtstage verlängert werden konnte. So konnte der Besuch der türkischen Schülergruppe im Spätsommer 1993 bei uns in der Bismarckschule Hannover sehr schnell erwidert werden. Die persönlichen Kontakte, die durch diese gegenseitigen Besuche geknüpft wurden, konnten so erfreulich vertieft werden. Der Empfang in İstanbul war sehr freundlich sowohl in den einzelnen Gastfamilien, wie die nachfolgenden Berichte unserer Schülerinnen und Schüler beweisen, als auch in der Schule. Sehr intensive, auch persönliche Gespräche über die Situation der Schule, die gesellschaftlichen Entwicklungen in der Türkei wie über die weit reichenden Planungen unserer Partnerschule für ihre Zukunft sowohl mit den türkischen Kolleginnen und Kollegen wie auch mit dem Leiter der Deutschen Abteilung, Herrn Helmut Friedl, haben uns unseren Blick für das Land geschärft und uns wichtige Informationen und Denkanstöße geliefert, die sich auch in einigen Beiträgen in diesem Heft widerspiegeln werden. Zur Reise hatte sich eine besonders nette und interessierte Schülergruppe mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der neunten bis zur zwölften Klasse zusammengefunden. Obwohl diese Gruppe im Vergleich zu früheren Reisegruppen in die Türkei ein relativ geringes Durchschnittsalter aufwies, konnte die Reise in sehr harmonischer Form und mit, wie ich denke, sehr gutem fachlichen Ertrag durchgeführt werden. Zu den technischen Einzelheiten der Reiseorganisation – Charterflug, Busanmietung, Unterbringung und Programmgestaltung – wird Grundsätzliches im letzten Teil dieses Berichtes ausgesagt, während die Erlebnisse und Aktivitäten während der Reise aus der Sicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Berichten über den Aufenthalt in İstanbul und in den »Tagesprotokollen« nachzulesen sind. 2. Zur Situation in der TürkeiReise in die Türkei stehen heute in einer kontroversen Diskussion. Bei Eltern und uninformierten Touristen entstehen durch die verschiedentlichen Bombenanschläge der PKK Ängste und Verunsicherungen, die durchaus verständlich sind, aber die tatsächlichen Risiken völlig überschätzen. In der Westtürkei sind nahezu alle anderen Alltagsrisiken für den Reisenden vom Verkehrsunfall, der Erkrankung bis zur Konfrontation mit der unpolitischen Alltagskriminalität – die jedoch auch gemessen an den sozialen Problem in der türkischen Gesellschaft erstaunlich gering ist –, größer als die Gefahr, Opfer eines politisch motivierten Anschlages zu werden. Ich konnte der Schule wie auch den Eltern der Teilnehmerinnen und Teilnehmer klar machen, dass das Bombenrisiko z.B. in London oder anderen touristisch »unbedenklichen« Städten nicht geringer ist als derzeit in İstanbul. Selbstverständlich ist die Lage in Südostanatolien weniger unproblematisch, so dass wir die interessante Frage des Ausbaustandes des Güneydoğu Anadolu Projesi (GAP) mit dem gewaltigen Atatürk-Staudamm nicht in unserem konkreten Reiseprogramm berücksichtigen konnten. Hier folgte ich im Sinne meiner Verantwortung für die Reisegruppe den ausdrücklichen Empfehlungen der Deutschen Botschaft in Ankara, die von einer Reise in bestimmte östliche Provinzen der Türkei abrät, auch wenn in weiten Bereichen das tatsächliche Risiko eines Besuches nicht allzu groß sein dürfte. Bei den Problemen und Entwicklungen in der Türkei, auf die wir unsere inhaltliche Vorbereitung und Reiseplanung dann konzentrierten, standen dann – neben der allgemeinen geographischen und geschichtlichen Information – vor allem die Situation der türkischen Jugendlichen und der Entwicklung des türkischen Schulwesens im Mittelpunkt, ergänzt mit der Erörterung der wachsenden Einflüsse des politisch akzentuierten Islam in der – nach der Atatürkschen Staatskonzeption – laizistischen Türkischen Republik vor dem Hintergrund der kritischen sozioökonomischen Situation des Landes, die durch den Konflikt in Südostanatolien noch verschärft wird. Mehrfach wurde uns in Gesprächen deutlich gemacht, dass die türkische Politik vor einer grundsätzlichen Entscheidung steht, wie sich der Staat weiter entwickeln soll. Wird die durch Atatürk vorgezeichnete „westliche Option“ mit dem Fernziel der Integration in die EU (von dieser jedoch recht misstrauisch begutachtet!) durchzusetzen sein – was sicher auch ein Überdenken des konkreten politischen und militärischen Umganges mit Regional- und Minderheitenkonflikten und die Fortentwicklung des rechtsstaatlichen Bewusstseins in den Führungseliten des Landes voraussetzt –, oder werden sich konservativ-autoritäre Gesellschaftsmodelle entweder in ihrer militärischen oder in einer islamisch-fundamentalistischen Ausprägung durchsetzen? Dabei besteht durchaus die Gefahr, dass die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen sich zu einem gefährlichen Konflikt gerade zwischen diesen beiden tendenziell undemokratischen gesellschaftlichen und politischen Optionen zuspitzt, bei dem die europäische Option auf der Strecke bleibt. Im Rahmen unserer Türkeikontakte und der Schulpartnerschaft mit der İstanbul Lisesi haben wir uns von der Einsicht leiten lassen, dass im Falle der Türkei enge menschliche und schulische Kontakte gerade diejenigen Kräfte stärken, die in der Türkei für die demokratische Option einstehen, dass als zumindest im Bereich der schulischen Türkei-Programme Boykottmaßnahmen eher denjenigen Entwicklungen nützen, die eine an demokratischen und grundrechtlichen Standards orientierte Entwicklung verhindern wollen. Die Türkei in ihrer Gesamtheit ist zwar vielfältig fraktioniert und von tief greifenden sozialen Brüchen gefährdet und verunsichert, sie ist aber weder eine Diktatur noch – wie es teilweise kolportiert wird – vorwiegend ein »Terror- und Folterstaat«, der Besucher und Touristen zur Selbstlegitimation missbraucht. In Gesprächen in der Türkei wird die kritische Sicht auf Fehlentwicklungen und Gefahren immer wieder betont und darum Gebeten, dass gerade eine, wenn auch nicht naiv-unkritische, Zuwendung der Staaten der Europäischen Union zu einer modernisierungsfähigen Türkei die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass die demokratischen Kräfte im Lande genügend Rückhalt und Durchsetzungschancen erhalten. Besonders wichtig ist es dabei, dass die Türkei ihre Wirtschaftskrise überwindet, die für die politische Legitimität einer modernen staatlichen Entwicklung die ernsteste Gefahr bedeutet. Gerade hier ist die EU zur wirtschaftlichen Kooperation angehalten; aber auch eine restriktive Repatriierungspolitik gegenüber türkischen Immigranten in Westeuropa gefährdet tendenziell die politische Stabilität der Türkei. Europa darf nicht versuchen, sich von den sozialen, ökonomischen und politischen Problemen seiner Nachbarn und auch der entfernteren Gebiete der „Dritten Welt“ abzukoppeln, darf sich nicht durch einen »Limes« von den „neuen Barbaren“ (wie es polemisch Rufin benannt und analysiert hat) abgrenzen und Demokratie und Menschenrecht oder überhaupt menschenwürdige Überlebenschance zu einem gehüteten Privileg der sich abschottenden „zivilisierten“ reichen Industriestaaten verkommen lassen, will es nicht auf längere Sicht in einen tödlichen Verteilungskampf und in den „Weltbürgerkrieg“ herein gezogen werden. 3. DanksagungUnsere Reise ist ohne vielfältige Hilfe und Unterstützung, ohne Engagement und unhonorierte Arbeit Vieler ebenso wenig möglich und denkbar wie insgesamt die UNESCO-Arbeit unserer Schule und das Eintreten für ein allgemeines Interkulturelles Lernen im Sinne der Ziele der UNESCO in unserer Gesellschaft auch über die engen Grenzen der Schule und des Unterrichtes hinaus. Die vielfältigen Dankespflichten können hier daher nur direkt auf unsere Reise bezogen auf das Wichtigste beschränkt erfüllt werden. So ist zunächst unseren Reiseteilnehmerinnen und -teilnehmern zu danken für ihr engagiertes Mitmachen bei der Vor- und Nachbereitung und die konstruktive Beteiligung an allen Vorhaben während unserer Reise. Besonderer Dank gilt dabei Herrn Gusky, der mit seinen Türkei- und Türkisch-Kenntnissen und seinem Engagement und seiner täglichen tatkräftigen Hilfe mehr zum Gelingen der Reise beigetragen hat als jeder andere – und das nun zum zweiten Male! Ich hoffe, mit ihm auch zukünftig gemeinsame Reiseprojekte durchführen zu können. In der Türkei ist der İstanbul Lisesi insgesamt für ein Jahrzehnt Partnerschaft und einen herrlichen Aufenthalt in İstanbul in diesem Jahr zu danken. Insbesondere danken wir den gastgebenden Familien; in einigen Teilnehmerberichten wird dieser Dank noch ausführlicher begründet werden. Die Schulleitung unserer Partnerschule, insbesondere Herr Direktor Mahir Yeğmen und unser langjähriger „Hannover-Freund“ Hamit bey, sind für den erfolgreichen Aufenthalt in İstanbul und in der İstanbul Lisesi ebenso dankend zu erwähnen wie unsere beiden Kollegen, die unserer Aufenthalt betreut haben und schon im vergangenen Jahr mit ihrer türkischen Gruppe in Hannover zu Besuch waren, nämlich Filiz hanim und Aslan bey. In unserer Partnerschule waren für den erfolgreichen Verlauf unseres Besuches auch noch die Kollegin Frau Ardıç und der Leiter der Deutschen Abteilung der İstanbul Lisesi, Herr Hellmut Friedl, verantwortlich. Ihnen allen gilt unser ganz herzlicher Dank und die Hoffnung auf ein Wiedersehen in İstanbul oder auch in Hannover. Während unserer Rundreise haben wir viele freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen, von denen hier nur unser Busfahrer, Herr Yusuf Doğan, und der Besitzer des Otel Tur in Konya, der uns in besonderer Weise behilflich war, Herr Mustafa Akseki, mit Dank erwähnt werden können. So wünsche ich hier allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Reise, unseren Gastgebern und Freunden in İstanbul und allen anderen Leser viel Spaß und Interesse bei der Lektüre unseres nachfolgenden Reiseberichtes! Gerhard Voigt
Bericht von Kathleen: İstanbul, vom 7.5.94 - 14.5.94Mit gemischten Gefühlen saß ich am Samstag, den 7.5.94, zusammen mit 11 anderen Schülern der Bismarckschule und zwei Begleitern im Flugzeug nach İstanbul. Einerseits freue ich mich wie wahnsinnig darauf, Mert Demircan, meinen Austauschschüler vom letzten Jahr wieder zu sehen, aber andererseits hatte ich ein leicht unwohles Gefühl im Magen, bei dem Gedanken daran, eine Woche bei einer wildfremden Familie in einem mir bisher noch unbekannten Land, der Türkei, zu verbringen. Aber bereits am Flughafen, als mich Mert mit seinem Vater, einem etwas älteren Maschinenbauingenieur vorstellte, war das alles wie weggepustet. Es war wohl mehr die Angst gewesen, Menschen einer mir fremden Kultur kennenzulernen. Obwohl ich mich mit „meinen Eltern“ weder in Deutsch noch in Englisch verständigen konnte, hatte ich von Anfang an das Gefühl, in ihrer Familie herzlichst willkommen zu sein. Von Tag zu Tag gefiel es mir besser bei den Demircans, denn wir verstanden uns trotz erheblichen Sprachprobleme, die jedoch fast immer durch Merts Übersetzungen vermieden wurden, immer prächtiger. Auch mit dem Bruder von Mert, Mete, habe ich mich bestens verstanden. Er ist 22 Jahre alt und studiert u.a. Chemie an der Universität. Mete spricht ein sehr gutes und fließendes Englisch, da kam ich mir manchmal ganz schön unwissend vor. Da das Verhältnis in der Familie untereinander sehr herzlich und harmonisch war, fühlte ich mich so richtig wie ein dazugehöriges Familienmitglied. Da Merts Mutter, eine ehemalige Landwirtschaftsingenieurin, nicht mehr arbeiten geht, hatte sie genug Zeit, immer die üppigsten und feinsten Leckerbissen auf den Tisch zu bringen. Ich musste also praktisch ständig unverschämt viel essen, aber wenn es nun einmal so phantastisch schmeckte. Es ist nur ein einziges mal vorgekommen, dass mir etwas nicht so ganz gemundet hat, und da brachte mir „meine Mutter“ sofort was neues zu Essen. Auch sonst, wenn „meine Mutter“ z.B. merkte, dass sich bei mir eine Erkältung anbahnte, hat sie mir sofort einen guten und helfenden Lindenblütentee gemacht. „Meine Familie“ hat alles nur erdenkliche getan, damit ich mich absolut wohl fühlte. Sehr schön fand ich auch die Abende, an denen wir nach dem Abendessen noch etwas sitzen blieben und uns über meine Besichtigungen in İstanbul unterhalten haben, oder gemeinsam die Sachen anschauten, die ich gekauft hatte. Ebenfalls sehr interessant war es, einiges über Merts Verwandtschaft zu erfahren u.a. auch wie und wo sich seine Eltern kennen gelernt haben. Mit Mert habe ich mich meistens noch bis in die tiefe Nacht unterhalten. Es war schön mit ihm zu reden, denn in den acht Monaten, die wir uns nicht gesehen hatten, ist er auch ein ganzes Stückchen älter geworden und deshalb schätze ich, verstanden wir uns in İstanbul besser als damals, als Mert bei mir und meiner Familie zu Gast war. So hatte ich zumindest das Gefühl. An meinem letzten Abend in İstanbul bekam ich von „meiner Familie“ zwei tolle Geschenke. Womit hatte ich das verdient, ich hätte mich doch eigentlich mit mehreren Riesengeschenken bei ihnen für alles bedanken sollen! Danach führten sie mich noch ganz groß zum Essen aus und als wir gegen 1.00 Uhr morgens wieder zu Hause waren, haben wir noch ein paar Erinnerungsfotos geschossen und gemeinsam Fotos von meinen Eltern und von Merts Eltern bei der Hochzeit und dem Rest der beiden Familien angeschaut. Mit so tollen Erlebnissen in İstanbul und unvergesslichen Erinnerungen an Mert, Mete und deren Eltern, begaben wir uns am Samstag, den 14.5.94, auf unsere Rundreise durch die Türkei. Ich musste mich bei der Verabschiedung kräftig zusammenreißen, dass ich nicht zu weinen anfing. Nie im Leben werde ich diese vier warmherzigen Menschen je vergessen und ich hoffe innigst, dass der Kontakt nie abbrechen wird, dass Mert mich und meine Familie mal wieder in Deutschland besucht, und dass es möglich ist, dass ich sie noch einmal wieder sehen kann, in İstanbul! Kathleen Pohlmann Julia Micklinghoffs Protokoll über ihre GastfamilieAuf den Aufenthalt in İstanbul hatte ich mich schon seit langem gefreut, denn mit Özge hatte ich mich auch im Sommer in Hannover gut verstanden und jetzt war ich sehr gespannt, auch ihre Eltern kennen zu lernen, von denen sie mir schon viel erzählt hatte. Ihren Vater, der mich mit Özge vom Flughafen abholte, fand ich von Anfang an sympathisch und auch ihre Mutter mochte ich auf Anhieb. Auch mit Özge verstand ich mich, wie erwartet, wieder sehr gut, und es erwies sich sogar als Vorteil, dass ich kein eigenes Zimmer hatte, sondern ein Zimmer mit ihr teilen musste: So konnten wir oft noch bis spät in die Nacht quatschen. Es gab nur ein Problem: Wegen eines Rohrbruchs gab es kein Wasser zum Waschen und Duschen. Aber auch diese Schwierigkeit konnte beseitigt werden, die Familie brachte mich einfach zum Duschen zu der Tante, die in einem anderen Stadtteil wohnte. Dort konnte ich duschen, obwohl Özge und ihre Eltern nicht geduscht hatten und es auch in der Wohnung der Tante wegen der Trockenheit nur wenig Wasser gab. Die Familie zeigte mir in der Woche viel von İstanbul, und mehrmals aßen wir abends in einem Restaurant, wo es sehr gutes türkisches Essen gab. Aber auch in der Familie war das Essen hervorragend, denn die Mutter war eine sehr gute Köchin. Es hat mir alles sehr gut geschmeckt, obwohl ich das meiste des türkischen Essen nicht kannte und vorher noch nie gegessen hatte. Ich merkte bald, dass die Familien in İstanbul doch moderner und mehr westlich orientiert waren, als ich zuerst gedacht hatte, nur den Mädchen gegenüber waren die Eltern sehr streng, Özge durfte z.B. nicht in jeden İstanbuler Stadtteil hineingehen und musste um sieben Uhr zuhause sein, weil es in İstanbul am Abend sehr gefährlich ist. Doch die Kleidung von Özge und ihrer Mutter war sehr modern: keine von beiden trug ein Kopftuch und auch sonst waren Jeans und kurze Röcke an der Tagesordnung. Es kam mir auch nicht so vor, als ob die Frauen als zweitrangig galten und ihren Männern gehorchen mussten. Ich habe mich in der Familie sehr wohl gefühlt, fast wie Zuhause. Als wir nach einer Woche weiterfuhren, war ich sehr traurig, Özge und ihre Familie verlassen zu müssen. Die Gastfreundschaft und Mühe, die sie sich wegen mir machten, obwohl ich manchmal etwas begriffsstutzig war, war wirklich überwältigend, und trotz Verständigungsproblemen haben wir uns alle gut verstanden. Was ich auch total nett fand: Als wir eine Woche später, nach der Rundreise durch die Türkei, wieder in İstanbul waren, um zurück nach Hannover zu fliegen, kamen alle drei extra zum Flughafen, um mich dort noch einmal herzlich zu verabschieden. Julia Micklinghoff Frauke berichtet über ihre GastfamilieNatürlich freute ich mich riesig auf den Aufenthalt in der Türkei; und ich konnte bis zum Abreisetag an gar nichts anderes mehr denken, aber ich hatte auch ein sehr unsicheres Gefühl, denn mein Gastschüler, der im August bei mir gewohnt hatte, hatte sich schon längere Zeit nicht mehr gemeldet, und ich wusste nicht, ob ich nun überhaupt bei ihm unterkommen würde. Aber am İstanbuler Flughafen angekommen, drückten sich schon „unsere“ Türken an den Scheiben der Ankunftshalle die Nasen platt, und als ich unter ihnen auch Ali entdeckte, stand meinem „Urlaub“ in İstanbul nichts mehr im Weg! Ich wurde von Ali und seiner Familie herzlich empfangen, und fühlte mich sofort wie zu Hause. In İstanbul wohnte ich in der Wohnung des Onkels von Ali, der mich ebenfalls begrüßte wie eine alte Bekannte, und mit dem ich mich auch ganz gut auf Englisch unterhalten konnte. Normalerweise wohnt Alis Familie in Eskişehir, einer Stadt, die einige Stunden von İstanbul entfernt ist, aber, und das fand ich auch ziemlich beeindruckend, sie ist extra meinetwegen für sieben Tage nach İstanbul in die Wohnung des Onkels gezogen. Auch wenn ich leider nur wenig vom Französisch des Vaters verstehen konnte, und die Mutter kein Englisch sprach, verstanden wir uns Super, denn mit Händen und Füßen klappte es immer. Alis Bruder konnte allerdings drei Wörter Deutsch: „Gute Nacht“ und „Dankeschön“, worauf er mit Recht unheimlich stolz war! Da wir im asiatischen Teil von İstanbul wohnten, sind wir jeden Morgen zur Schule mit dem Schiff hinüber nach Europa gefahren, was mal etwas anderes war, als mein eintöniger Schulweg mit Bus und Bahn! Im europäischen Teil wohnten auch einige Verwandte von Ali (ich habe ungefähr 14 Leute kennen gelernt, und das ist noch nicht einmal die Hälfte gewesen), die mich ebenfalls so herzlich begrüßt und aufgenommen haben, als ob wir uns schon Jahre kannten. Die Familie hat sich wirklich sehr nett um mich gekümmert, und hat sehr viel mit mir unternommen, so dass ich auch viele Attraktionen von İstanbul gesehen habe, und kein Abend langweilig war. Und mit dem Essen wurde auch nicht gegeizt: egal, wann Ali und ich nach Hause kamen, die Mutter, die übrigens eine sehr, sehr gute Köchin ist, hatte das Essen sofort fertig, um uns damit einzudecken! Aber bei so einem Essen lässt man sich das auch widerspruchslos gefallen! Die Gastfreundschaft der Türken ist wirklich überwältigend, und am Ende der – viel zu kurzen – Woche fühlte ich mich schon so dazugehörig, dass ich am liebsten dageblieben wäre!!! Frauke Rinderhagen Familienbericht von Cathrin KöhlerIm Mai '94 war ich für eine Woche bei Familie Gülen. Ihr Sohn, Burçin, war im Jahr davor bei mir und wir verstanden uns sehr gut. Zuerst lernte ich die Eltern kennen, einige Tage später dann seine Schwester, Burçak, welche 22 Jahre alt ist und gerade in den Prüfungen ihres Studiums stand und deshalb ab und zu bei ihren Studienkollegen wohnte. Die Mutter ist Hausfrau und der Vater Ingenieur in einem Chemiebetrieb, wo z.B. Cremes hergestellt und neu kreiert werden. Viel unternommen haben wir nicht, allerdings waren wir gleich am ersten Abend mit dem Auto am Bosporus, obwohl es sehr regnete. Es war trotz dem Regen ein schöner Blick auf die ganzen Schlösschen und antiken Gebäude mit ihren Lichtern. Ansonsten war ich nur mit Burçin und den anderen „Gastbrüdern und -schwestern“ nach der Schule unterwegs, falls sie nicht für Klassenarbeiten lernen mussten. Morgens sind wir immer gegen 6.20 Uhr aufgestanden, die Mutter allerdings etwas eher, da sie bereits das Frühstück vorbereitete. Nach dem Frühstück habe ich meine Sachen für den Tag zusammengepackt und Burçin musste sich seine Schuluniform anziehen. Seine Mutter gab mir dann immer ein „Lunchpaket“ mit. Gegen 7.25 Uhr sind wir losgegangen, um dann mit Burçins Freund, Taylar, zur Schule zu fahren. Dort haben wir uns nach Unterrichtsschluss wieder getroffen, wenn auch wir unser Programm beendet hatten. Meistens sind wir erst Abends nach Hause gekommen; teilweise hatten wir auch schon etwas gegessen, so dass wir nicht immer gemeinsam mit den Eltern zu Abend aßen. Ich schrieb dann oft noch einige Karten o.ä. und Burçin machte seine Hausaufgaben, oder wir saßen noch etwas mit den Eltern zusammen, was aber in den letzten Tagen weniger wurde, da die Eltern Abends noch jemand besuchten. Es war eine schöne Zeit in İstanbul. Alle waren sehr lieb und freundlich, es hat mir gut gefallen. Vielen Dank! Cathrin Köhler Familienbericht von Norman MayWährend meines Aufenthaltes in İstanbul habe ich bei der Familie Tekin gewohnt. Als ich das Haus, in dem meine Gastfamilie wohnt, zum ersten Mal sah, befürchtete ich, dass das Haus zusammenstürzen könnte, denn es machte von außen keinen vertrauenserweckenden Eindruck. Als ich jedoch die Wohnung betrat, kam ich aus dem Staunen nicht wieder heraus. Ich sah Holzvertäfelungen an den Wänden und Decken, offensichtlich wertvolle Tische und Sitzmöbel. Da war der erste Eindruck schnell vergessen. Meine Gastschwester hieß Müge. Sie war 15 Jahre alt. Ich lernte sie erst in Istanbul kennen, denn sie hat bei ihrem Besuch in Hannover bei Max gewohnt. Ihr Vater arbeitete in der Textilbranche. Ich konnte jedoch nicht in Erfahrung bringen, wo genau und in welcher Stellung er angestellt ist. Müges Mutter ist Hausfrau. Leider konnte ich mich nur mit kleinen Problemen mit meinen Gasteltern unterhalten, denn sie konnten weder deutsch noch englisch sprechen, obwohl sie es in der Schule gelernt hatten. So mussten entweder Müge oder ihr jüngerer Bruder übersetzen. Ihr Bruder besucht eine ähnliche Schule wie Müge. In seiner Schule wird jedoch zur Hälfte in Englisch und zur anderen Hälfte in Türkisch. Schon nach einem halben Jahr Englischunterricht konnte ich mich ohne Probleme mit ihm unterhalten. Ein normaler Schultag begann um 6.30 Uhr. Zum Frühstück gab es meist Toast, Marmelade, Schafkäse und Wurst oder Käse. Um 7.15 Uhr mussten wir am Bus an der Straße sein, der Müge jeden Morgen zur Schule bringt. Dieser schuleigene Bus nahm jeden Schüler des Istanbul Lisesi, der in diesem Stadtteil wohnt, mit zur Schule. Gegen 7.45 traf der Bus an der Schule ein. Obwohl der Unterricht erst 8.30 Uhr begann, waren wir nicht die ersten. Die Busse fahren so früh, weil dann die Straßen noch nicht verstopft sind wie schon eine Stunde später. Montags findet immer ein Appell statt, auf dem die ersten beiden Strophen der Nationalhymne gesungen werden. Danach gehen die Klassen in die Schule, und ihre Schuluniform wird überprüft, die meist nur widerstrebend und/oder unvollständig getragen wird. Wir nahmen nur an einer Mathestunde teil. Sonst besuchten wir Sehenswürdigkeiten von Istanbul. 13 Uhr ist Mittagspause, in der man in der Kantine ein wenig schmackhaftes Essen zu sich nehmen kann. Wenn 14.30 Uhr der Unterricht vorüber war, führten uns unsere Gastschüler zu den Stellen, die sie für sehenswert in Istanbul hielten. Manchmal fuhren wir zusammen mit unsren Gastschülern auch mit den Bussen, die uns am Morgen zur Schule brachten, wieder mit nach Hause. Müge erzählte mir, dass man sehr viel tun muss, um gute Noten in der Schule zu erhalten. Sie hätten Problem mit ihren Lehrern, die in Arbeiten Punkte abziehen, obwohl sie keinen Fehler gemacht hatten. Es käme auch vor, dass sie mehrere Arbeiten an einem Tag oder dass in einer Woche fünf Arbeiten geschrieben würden. Dazu kam, dass geometrische Konstruktionen frei Hand also ohne Lineal oder Zirkel vorgemacht wurden. Müge hatte jedenfalls viel zu klagen. Daheim gab es etwas Kuchen. Während Müge Schularbeiten machte, konnte ich mich etwas ausruhen. Ihr Bruder spielte meist vor dem Haus Fußball. Abends gab es immer ein mehr als reichliches warmes Abendessen. Interessant war auch, dass jeder, ohne zu fragen, den Tisch verlassen konnte. Wenn Müge nicht Schularbeiten machen musste, dann schaute sie zusammen mit der Familie Fernsehen. 23 Uhr waren dann alle zu Bett gegangen. Der Aufenthalt in İstanbul hat viele Vorstellungen und Vorurteile abgebaut oder verändert. Es zeigte sich, dass Istanbul sehr westlich war. Ich hatte einen größeren orientalischen Einfluss im Straßenbild erwartet. Alles, was orientalisch erschien, waren kulturelle Sehenswürdigkeiten, z.B. die Moscheen und Basare. Neuere Gebäude gleichen denen in Westeuropa. Die Menschen kleideten sich westeuropäisch, die Religion spielte keine so große Rolle wie im Osten der Türkei. Die Denkweise und die Einstellung zu ökonomischen Fragen unterschieden sich kaum von denen in Deutschland. Mich erschreckte etwas die unübersehbare Präsenz von Soldaten auf den Straßen. Trotz des Kurdenproblems hatte ich nicht so viele Sicherheitskräfte erwartet. Sie riefen in mir eher Unsicherheit hervor, als mir Schutzgefühl zu geben. Auch im Umgang mit den Schülern des İstanbul Lisesi habe ich viele Erfahrungen und nette Bekanntschaften gemacht. Wir wurden wirklich sehr herzlich empfangen. Norman May Christophs Bericht aus der GastfamilieMit einem leichten Kribbeln im Magen begrüßte ich am Samstagnachmittag Burak und seine Freunde. Ich war immer noch ziemlich nervös, denn man war ja jetzt auf seine Gastfamilie für eine Woche angewiesen. Aber nachdem ich seinen Vater kennen gelernt hatte, wurde mir klar, Dass diese Woche ein Erlebnis wird, das ich nie vergessen werde. So war es auch. Herr und Frau Bakkaloğlu waren sehr nett zu mir, und ich hatte wirklich nie das Gefühl „vernachlässigt“ zu werden. Wenn Burak und ich nach Hause kamen, breiteten meine Gastmutter und Buraks Schwester schon das Essen vor, was bei jedem Ma(h)l besser schmeckte. Während der Mahlzeiten unterhielt ich mich mit Bogac, Buraks Zwillingsbruder, der aber kaum Ähnlichkeit mit ihm hat. Bogac geht auch auf eine Schule, wo in Deutsch unterrichtet wird. So war es also kein Problem für mich, sich mit ihm zu verständigen. Anders als bei der Schwester, sie studiert an der Uni und kann sehr gut Englisch sprechen, was für mich zum Verhängnis wurde. Ich hab' mich zwar prima mit ihr unterhalten, aber mein Englisch machte mir oft einen Strich durch die Rechnung. Naja, so ging das dann auch oft bei den Eltern, aber man hatte trotzdem viel Spaß miteinander. Mit Burak habe ich mich manchmal bis in die Nacht hinein unterhalten und es war fast immer sehr witzig, wenn man sich z.B. die Fotos aus älteren Jahren anschaute oder das Jahrbuch der Schule, was aber auch schon zwei Jahre alt war. Ich hoffe ich konnte einen kleinen Einblick in die Familie geben, bei der ich mich noch mal ganz, ganz herzlich bedanken möchte, dass sie mich so gastfreundlich aufgenommen haben. Es war wirklich SUPER! Und ich hoffe ich kann sie bald noch mal besuchen. Christoph Ossege Sinas Bericht über den Aufenthalt in ihrer GastfamilieMit gemischten Gefühlen bin ich in das Flugzeug nach İstanbul eingestiegen, denn trotz der großen Freude auf die Türkei, wusste ich nicht so recht, was auf mich zukommen würde. Ich hatte nämlich noch keine Gastfamilie, die mich in der ersten Woche unserer Reise beherbergen sollte. Es war sogar noch ungewiss, ob mich überhaupt jemand aufnehmen würde. Doch am İstanbuler Flughafen, als alle ihre Austauschpartner herzlich begrüßten und sich über das Wiedersehen freuten, tippte mir von hinten jemand auf die Schulter und stellte sich als Onur Ergen vor. Als ich dann mit ihm und seiner Mutter nach Hause gefahren bin, war ich wirklich erleichtert, nicht im Internat wohnen zu müssen, sondern das Leben in einer türkischen Familie kennenlernen zu können. Zu Hause wartete schon Onur's Vater und seine Kleine Schwester, und wir haben alle gemeinsam Kuchen gegessen und cay getrunken. Obwohl meine Gasteltern kein Deutsch, und nur wenig Englisch sprechen konnten, habe ich mich prächtig mit ihnen verstanden. Sie haben sich wirklich große Mühe gegeben, mir den Aufenthalt bei ihnen angenehm zu gestalten. Ihre Gastfreundschaft war beeindruckend und so etwas wie „Heimweh“ habe ich in dieser Woche überhaupt nicht empfunden. Nachmittags als das Programm in den Gastfamilien lag, haben wir immer etwas unternommen. Und abends hat die Mutter stets ein reichhaltiges türkisches Essen gekocht. Mit meinem Austauschpartner, Onur, habe ich mich auch sehr gut verstanden und ich wäre froh mich bald revanchieren zu können, indem er mich in Deutschland besucht. Unser Aufenthalt in İstanbul verging viel zu schnell und ich wäre gern noch dort geblieben, jedoch habe ich mich auch schon auf den zweiten Teil meiner Reise gefreut. Sina Waldorf Und nun berichtet TimurDa wir am Vortag erst um 2.00 Uhr nachts nach Hause gekommen waren, ließ mich meine Gastfamilie, Familie Yilmaz, bis 11 Uhr ausschlafen. Nach einem ausgiebigen Frühstück berichtete mir Umut, dass er und die anderen türkischen Schüler geplant hätten, sich in Kadiköy zu treffen. Wir fuhren also mit den Eltern zusammen los zum vereinbarten Treffpunkt (unterwegs wurden mir einige Fragen erklärt und einige Sehenswürdigkeiten, v.a. die Stadtmauer, gezeigt), doch wir kamen ½ Std zu spät. Also beschlossen wir, da die anderen trotz intensiver Suche nicht auffindbar waren, in die Galeria zu gehen (wir überquerten den Bosporus mit einem der Schiffe), wo wir uns erst alles anschauten und dann in die Spielhalle „Fame City“ gingen, wo wir den Rest des Tages verbrachten. Als wir gegen 19.00 Uhr zurückkamen, gingen wir noch ins Atum, um dort Kebap zu essen. Den Rest des Abends verbrachten wir zu Hause und unterhielten uns. Timur Gül III. Tagebuch der Türkei-Reise 19941. In İstanbulİstanbul – Eine LiebeserklärungWer weiß schon, was eine Stadt ist?! Eine Stadt, die das Leben und die Geschichte von Jahrtausenden in sich und unter sich birgt, eine Stadt, die heute zur Megapolis wird, bei der kaum die Millionen ihrer Einwohner abzuschätzen sind... zu alt, um jung zu sein, zu jung, um alt zu werden. Unter den Füßen die alten Zisternen, vielleicht mit den Säulen des Artemision aus Ephesus, Medusa als schrecklich verzerrte Muttergottheit unter den Füßen einer brutalen und harten Welt. Und was Bergen die tieferen Schichten bis hinunter Huhn vorgeschichtliche Zeiten, Byzantion, Konstantinopolis, İstanbul: Stratigraphie der Menschheitsgeschichte. Eine solche Stadt ist nicht leicht zu begreifen. Zunächst und bei jeder neuen Begegnung sperrt sie sich, verschreckt durch ihre Größe, ihr Elend, ihren Lärm über vierundzwanzig Stunden jeden Tages, keine sanfte Schönheit, auch das Imposante oft vom Verfall bedroht; von der aggressiv verschmutzen Luft zerfressene Mauern und Statuen: die Stadt versinkt in sich selbst und findet doch die Kraft zu neuem Wachstum und zur Regeneration. Wie sehnt man sich oft, stundenlang zu fahren, um an den Rändern der Stadt Natur zu erleben, die lichten Küstenwälder am Bosporus, die Fischerdörfer und Sommerpaläste, die diese einst so idyllische Wasserstraße bis zum Schwarzen Meer begleiten, oder die Puppenstubenwelt der Prinzeninseln. Die Vielgestaltigkeit und die Kontraste machen diese Stadt noch aufregender, auch wenn der Blick auf die Stadtsilhouette vom Goldenen Horn oder vom Galata-Turm aus nicht mehr das einstige Attribut der „schönsten Stadt der Welt“ rechtfertigen, zu sehr hat sich Armut, Elend und Schmutz in das Stadtbild hineingefressen. Eine mutige Stadtverwaltung hat im letzten Jahrzehnt mit radikalen „Aufräumungsarbeiten“ begonnen. Entlang der Ufer und des Goldenen Hornes wurden die Elendssiedlungen und kleinen Lagerhäuser und Handwerksbetriebe wegplaniert, neue Grünzüge und Promenaden angelegt, am Bosporus die Seemauer wieder vom Ufer aus sichtbar gemacht und die Festung der „Sieben Türme“ [Yedikule] restauriert. Doch ist es nicht verwunderlich, dass diese radikale Operation eigentlich nur Kosmetik ist, die die eigentlichen Probleme der Stadt, Armut und Bevölkerungswachstum, nicht löst, und die bei den Betroffenen und Verdrängten der Sanierungsmaßnahmen Angst, Ablehnung und Hass hervorruft. Staatliche Willkür und der provokante Kontrast von Armut und auftrumpfendem Reichtum der sich europäisch gebenden Industrie- und Kapitalgesellschaft Bergen sozialen Sprengstoff, der sich in den Wahlgewinnen der islamischen Fundamentalisten erstmals drastisch ausdrückte. Doch auch dies gehört zum Leben der Stadt. Immer wieder zieht es nach İstanbul, Neugier und Wiedererinnern werden immer mehr zu Vertrautheit und Heimweh: doch das immer Neue, das sich Verändernde in der Vertrautheit, die Einschnitte in der Orientierung lassen İstanbul jedes mal wieder zu einem aufregenden Abenteuer werden. Aber sind es nicht vor allem die Menschen, die Begegnungen, die eine Stadt ausmachen? Es ist auch eine Stadt der Emotionen, der Zuwendung, der Höflichkeit und der heftigen Emotionen und Urteile: keine Zeit für Lauheiten und Unverbindlichkeiten, dafür Stil, Kultur und das Bewusstsein der Geschichte. Es ist ein seltsames Phänomen, dass schon wenige Tage in dieser Stadt, wenn sie angenommen wird, die Menschen verändert; sie werden selbstbewusster, deutlicher, ja schöner. Ob das unsere Schülerinnen und Schüler auch erlebt haben? İstanbul ist nicht die Türkei. Aber es gibt keine Türkei ohne İstanbul. So wie jede Megapolis der Welt eine Welt und eine Zeit für sich ist, Mikrokosmos der Probleme und Perspektiven, der Gefahren und Chancen menschlicher Existenz. Die Woche in İstanbul nutzten wir vor allem für vielfältige Gespräche und Informationen und für die Planung unsere Reise und späterer Begegnungen im Rahmen unserer Schulpartnerschaft. Und wir gingen auf Entdeckungswege durch die Stadt, fahren mit der neuen Straßenbahn, besuchen das Chora-Kloster, das seit Jahren Desiderat war, dessen Besuch irgendwie nie zustande kam – so wie es immer noch viele Desiderate für kommende Besuche gibt. Ein Fußweg vom Edirne Kapı bis zum Bahnhof Sirkeci macht die Erstreckung alleine schon des ummauerten Altstadtkernes deutlich... 7. Mai: Ankunft und BegrüßungSchon gegen Mittag kam unser Charterflugzeug der Birgen Hava Yolları auf dem Atatürk-Flughafen von İstanbul an, wo die Gruppe von den Gastfamilien erwartet und begrüßt wurde. So schnell wie möglich verteilten sich unsere Schülerinnen und Schüler auf ihre Gastfamilien und fuhren mit ihnen zu den Wohnungen, um erst am Montag Morgen wieder in der Schule zusammen zu kommen. Die Begleiter, Herr Voigt und Herr Gusky fuhren mit Filiz hanim, die zusammen mit Aslan bey schon im vergangenen Jahr die türkische Reisegruppe nach Hannover begleitet hatte und nun für unseren Aufenthalt in İstanbul verantwortlich war, zur Schule, der İstanbul Lisesi. Es war ein Wiedersehen in vertrauter Umgebung wie auch die Unterbringung im Internat der Schule. Das Begleiter-Team, schulischer Aufsichtspflichten für ein Wochenende ledig, nutze diese Zeit für Gespräche und gemeinsames cay-Trinken mit den Kolleginnen und Kollegen in der Schule – wo am Wochenende gerade Aufnahmeprüfungen für neu angemeldete Schülerinnen und Schüler der Eingangsklassen stattfanden, was Dienst für alle türkischen Kolleginnen und Kollegen bedeutete – und für Streifzüge durch İstanbul, Fahrten mit Bus und der neuen Straßenbahn und einen Besuch im Chora-Kloster am Edirne kapı, wo auch der erste Dia-Film verknipst wurde. Filiz hanim und Aslan bey, der im übrigen in Kürze die Schule verlassen wird, um Schulleiter in einer Grundschule zu werden, haben ein sorgfältig gestaltetes Programm für unseren Aufenthalt in İstanbul ausgearbeitet, bei dem viele interessante Besichtigungen unseren Reise-Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Eindruck von Größe und Vielgestaltigkeit dieser Metropole vermitteln konnten. 9. Mai: Topkapı SarayNachdem die Gastgeber in den Unterricht gegangen waren, machten wir uns auf den Weg zum Topkapı Saray. Mit uns ging ein Mann, der sich als Joschi vorstellte und sagte, er sei der „Führer“. Vor dem Saray angekommen, erklärte man uns, dass das Haupttor heute kein eigentliches Tor ist, sondern das Weltmaß für Reisebusse – kein Bus darf so hoch oder breit sein, dass er nicht hindurch paßt. Hinter dem Tor, das symbolisch „Tor des Reiches“ hieß, lag das Jagdrevier des Sultans. Er hielt sich dort wilde Tiere; Löwen, Tiger, Gazellen und ähnliches, die er ab und zu auch mal abschoß. Wenn man den ehemaligen Jagdbezirk durchquert hat, ist man mit Postkarten vollgeladen, falls man nicht aufpaßt; sie werden einem dort von den Straßenhändlern regelrecht nachgeworfen. Was aber wichtiger ist, man durchschreitet dann das „Tor des Friedens“ – so benannt, weil dahinter der Frieden des Sultans bzw. dessen Gastfreundschaft begann. Vielleicht aber auch, weil dort heute Taschenbesichtigungen durchgeführt werden, um den Palast zu schützen. Keine richtigen Kontrollen, denn bei mir hat der Polizist so ungründlich nachgesehen, dass ich den ganzen Palast hätte in die Luft jagen können. Auf dem Osmanischen Porzellan waren häufig Festungen, Paläste und Orte abgebildet. Nach der Porzellansammlung besuchten wir die Sammlung der europäischen Geschenke, bestehend aus Silber-, Kristall- und Edelsteinwaren. Zuletzt gingen wir durch das Tor der Glückseligkeiten in die Schatzkammer, wo auch Schmuck hergestellt wurde. Am Ende kehrten wir zur İstanbul Lisesi zurück, besuchten den türkischen Unterricht und hatten dann Freizeit. André Basch 10. Mai: Ausflug entlang des BosporusMorgens um 8.30 Uhr treffen wir uns vor der Schule auf der europäischen Seite İstanbuls. Nachdem alle eingetroffen sind, steigen wir in den für unseren Ausflug von der türkischen Schule bereitgestellten Schulbus und beginnen unsere Fahrt mit dem Wechsel der Kontinente. Der erste Teil der Tour durch den asiatischen Stadtteil von İstanbul ist der Beylerbeylı Palast. Dort werden wir beim Betreten erst einmal auf Waffen untersucht, bevor wir den prunkvollen Palast inmitten von uns exotischen Pflanzen erblicken. Während wir durch die Zimmer des Palastes wandern, erklärt uns unser „Palastführer“ interessante Details. Im offiziellen Empfang sind z.B. Bastmatten zum Aufsaugen der Feuchtigkeit ausgelegt. Der Festsaal, nicht weit entfernt vom Seilzimmer, welches seinen Namen aufgrund der vielen Seile in ihm zurecht trägt, beeindruckt uns sehr. In der Mitte verspricht ein kunstvoller Springbrunnen angenehme Kühlung bei hohen Temperaturen. Die internationale Ausstattung des Saales wird durch riesige chinesische Vasen und böhmische Kristall-Leuchter schnell bewusst. Der Harem schließt ein Esszimmer für Frauen und Kinder sowie einen Ruheraum für die Zeit nach dem Essen ein. Eine Treppe führt uns schwungvoll auf die erste Etage, in der sich ein Arbeitszimmer mit vom Sultan selbst gezimmerten Sekretär und ein Versammlungsraum für die Haremsdamen befinden. Das „Rote Zimmer“ symbolisiert Glück und Macht! Uns fällt auf, dass die offiziellen Räume weitaus prunkvoller ausgestattet sind. So ist der „Blaue Saal“ innen mit wertvollen Stuckarbeiten ausgekleidet. Über die 140 m² großen Teppiche können wir nur staunen! Das Meißener Porzellan, das ein Geschenk von Kaiser Wilhelm ist, verweist auf die lange Tradition guter deutsch-türkischer Beziehungen. Im Gästezimmer veranschaulicht unser „Palastführer“ die besondere Bedeutung der Symmetrie für den Beylerbeylı Palast: weil hier eine Türattrappe angebracht ist, der genau gegenüber die eigentliche Tür steht. Die Holzverkleidung dient zur Isolierung, um bei wichtigen Besprechungen im Verhandlungszimmer nicht belauscht zu werden. Besonders gut eignen sich hierfür Nussbaum, Rosenholz, Mahagoni und Ebenholz. Eine aufregende Besonderheit bietet das private Empfangszimmer, da hier die Holzverkleidung ohne einen einzigen Nagel gefertigt ist. Es wurde nicht einmal Klebstoff für die Parkettarbeiten verwendet. Angesichts dieser aufwendigen Verarbeitung ist zu betonen, dass die 5000 Arbeiter und Künstler beim Bau mit Musik begleitet wurden, damit sie besser und schneller arbeiteten. Vielleicht sollte diese angenehme Bereicherung während der Arbeitszeit auch für die heutigen Schüler eingeführt werden... ۞ Nach dieser eindrucksvollen Besichtigung von Prunk und Reichtum führt uns der Bus gemeinsam zu der Glasfabrik Paşabahçe, um uns eine ganz andere Seite des Landes zu zeigen, denn es gibt logischerweise auch eine arbeitende Bevölkerung in İstanbul. In dieser Glasfabrik wird in einigen Abteilungen nur mit der Hand gearbeitet, was uns den Anschein einer Manufaktur gibt, doch ein kleinerer Teil der Arbeiter bedient auch eine vollautomatische Fertigung (die aber wirtschaftlich eine große Rolle spielt z.B. für den Verkauf der Unmengen von kleinen Teegläsern für den Binnenmarkt). Der Betrieb nimmt Bestellungen von glaskünstlerischen Kleinserien (auch für ausländische Auftraggeber z.B. aus Italien) sowie auch die Produktion von hochwertigen Einzelstücken an. Am meisten faszinierte uns die Herstellung von farbigen Gläsern, wobei dies durch Verschmelzen von unterschiedlich gefärbtem Glas entsteht. Später schauten wir uns noch den in einem Nebengebäude der Fabrik gelegenen Verkaufsladen für Glaswaren an. ۞ Der Bus fährt uns weiter zum traditionellen Joghurtessen in Kanlica, wo wir in einem Café den Sonnenschein am Bosporus genießen und uns den kühlen Joghurt schmecken lassen. Das Ende unseren großen Ausflugs bildete das Picknick im Çamlica Park etwas außerhalb der riesigen Stadt İstanbul, deren wahre Ausmaße sich allerdings auch von diesem erhöhten Punkt aus nicht ausmachen lassen. In einem kleinen Waldstück schlagen wir unser „Lager“ auf dem Waldboden bzw. auf den Baumwurzeln auf und atmen ein wenig saubere Luft, die in der Großstadt schon eine Seltenheit zu werden scheint. Leider setzt der verstreute Plastikmüll aus Getränkeflaschen und Tüten der Romantik dieses Ortes ein jähes Ende, aber von den Menschen bleibt eben kein einziges Stück Natur verschont. Ein streuender Hund erhält lange unsere Aufmerksamkeit. Als er schließlich von uns etwas Eßbares erhält, läuft er uns nach. Mit einiger Verspätung können wir uns dennoch von dieser kleinen Oase sich hartnäckig haltender Natur losreißen und wandern zurück zum Bus, der uns zurück zur Schule bringt. Julia Brodersen 11. Mai: Hagia Sophia und die Yerebatan ZisternenHagia SophiaDie Hagia Sophia [die Kirche der Heiligen Weisheit, türkisch: Aya Sofya] wurde im 6. Jh. vom römischen Kaiser Justitian als Kirche errichtet. Sie besteht im wesentlichen aus einem Hauptschiff, zwei Seitenschiffen und einer Apsis, wo auch der Altar steht. Gegenüber und von der Apsis liegen noch zwei Vorräume – Narthex und Exonarthex –, die sich über die ganze Breite der Kirchenschiffe erstrecken und durch die die Gläubigen in die Kirche gelangten, wobei der Kaiser durch sein eigenes Tor Einlass in die Kirche fand. Im Hauptschiff selbst saßen dann der Kaiser und seine Minister, in den Seitenschiffen die weniger Wichtigen. Die Kuppel der Hagia Sophia war die erste ihrer Art auf der Welt. Die Kuppel sollte hier den Himmel symbolisieren. Durch die Fenster in der Kuppel scheint es bei geeignetem Sonneneinfall, als schwebe die Kuppel. Die Spitze dieser Kuppel liegt in 55,60 m Höhe, die Durchmesser des etwas ovalen Kuppelbaues sind 30,88 m und 31,88 m. Durch ihre ungeheure Größe drückt sie auf die Außenmauern. Weil sie anfangs fehlkonstruiert war, stürzte sie zunächst ein. Die Menschen führten dies damals darauf zurück, dass der Kaiser Justitian mit dem Bau der Kirche König Salomon übertreffen wollte, was Gott dann mit dem Einsturz der Kuppel bestrafte. Unter den Säulen, die eventuell vom Artemis-Tempel aus Ephesus stammen, befindet sich auch die „schwitzende Säule“, so genannt, weil sie als einzige Säule der ganzen Kirche feucht ist. An diese Säule soll sich Kaiser Justitian mit dem Kopf gelehnt haben, als er unter Kopfschmerzen litt. Diese seien der Sage nach darauf auch verschwunden, weshalb die Säule auch „Säule der Hoffnung“ genannt wird. Man kann dort seinen Daumen in ein Loch stecken und muss dann die Hand einmal um sich selbst drehen und sich etwas wünschen. In der Mitte des Hauptschiffes sind die Marmorplatten des Fußbodens in Wellenform angeordnet, was das Meer der Schuld symbolisiert, in dem wir leben. Das Gebäude selbst symbolisiert die Arche Noah, die die Menschheit rettet. Im 15. Jahrhundert wurde die ursprünglich griechisch-orthodoxe Kirche in eine Moschee umgewandelt, nachdem die Osmanen Konstantinopel, das dann İstanbul wurde, erobert hatten. Da im Islam Darstellungen von Menschen in Moscheen nicht erlaubt sind, wurden die christlichen Mosaiken abgedeckt. Natürlich befinden sich unter den Mosaiken viele Jesusbilder, die heute teilweise wieder für das Museum freigelegt worden sind. Auf diesen Bildern trägt er entweder ein blaues Gewand, was ihn als Mensch darstellt, oder ein goldenes Gewand, was ihn als Gott beim Halten des Jüngsten Gerichts darstellt. Yerebatan ZisterneDie Yerebatan-Zisterne wurde 532 nach Chr. errichtet, um die Wasserversorgung im regenarmen Sommer zu sichern. Sie ist 140 m lang, 70 m breit und ca. 10 m hoch und fasst etwa 80.000 t Wasser. Die Säulen, die die Decke stützen, sind nicht verziert. Es sind v.a. dorische Säulen, die z.T. aus abgerissenen antiken Bauwerken stammten, und sind nur zweckgebunden, da die Zisterne nicht für Besichtigungen gedacht war. Die Ziegel, aus denen der Boden besteht, stammen aus Rhodos. 1987 wurde die bis dahin etwa zu einem Drittel gefüllte Zisterne ausgepumpt und der Boden gereinigt. Dabei entdeckte man im hinteren Teil am Fuße verschiedener Säulen Darstellungen der Göttin Medusa. Ihr Bildnis steht immer auf dem Kopf, um zu vermeiden, dass sie die Menschen durch Blickkontakt versteinert. Im selben Jahr wurden einige der Säulen noch mit Beton gestärkt, um einen Einsturz der Decke bei möglichen Erdbeben zu verhindern. Aus dem gleichen Grund wurden die Säulen durch ein Netz von Stahlträgern verbunden, das die Last auf alle Säulen verteilt. Timur Gül 13. Mai: Im Ägyptischen BasarAn diesem Freitag stand der zweite Basarbummel auf dem Programm. Es war für uns der erste richtig warme Tag in İstanbul und unser Elan ließ auch etwas nach. Zuerst gingen wir in den Ägyptischen Basar [Mısr Carşısı]. Er war nicht sehr groß, deswegen auch sehr übersichtlich, wodurch wir die Möglichkeit bekamen, uns aufzuteilen und alleine ohne eine erwachsene Begleitung durch den Basar zu stöbern. Es war eine herrliche Atmosphäre dort. Alle Geschäfte waren bunt aufgrund der vielen verschiedenen Kräuter, Gewürze und Süßigkeiten. Allerdings gab es auch getrocknetes Obst sowie einige andere Dinge, z.B. Haarfärbemittel wie Henna, welches in einer Art „Türmchen“ vor den Geschäften aufgebaut war. Außerdem roch es dort unheimlich süß und würzig. Es war dort ziemlich interessant und aufregend für uns. Natürlich gab es auch Schmuck, Teppiche und Souvenirs wie im Großen Basar, aber nicht so häufig. Der Ägyptische Basar wurde 1660 von der Sultanin Hatice erbaut, vorrangig zum Verkauf von Kräutern und Gewürzen aus Ägypten, das damals schon zum Osmanischen Reich gehörte. Der Basar ist -förmig angelegt, überwölbt, und er gehört zum Komplex der Neuen Sultansmutter-Moschee [Yeni Camii = Neue Moschee]. Der Ägyptische Basar bot uns noch einen typisch „orientalischen“ Eindruck, wie wir ihn in İstanbul sonst kaum noch fanden. Da wir noch Zeit hatten, gingen einige von uns noch einmal zum Großen Basar [Kapalı Çarşı], wo wir am vorherigen Tag schon einmal gewesen waren. Cathrin Köhler 2. Rundfahrt durch die Westtürkei14. Mai: Fahrt nach KappadokienWir sollten alle um 8 Uhr an der Schule sein, denn wir wollten 8.30 Uhr abfahren. Wir nutzten natürlich die ganze Zeit für die Verabschiedungszeremonie aus. Es wurden Fotos gemacht, man umarmte sich gegenseitig und wünschte sich alles Gute und schwor Briefe zu schreiben. Es war ein schwerer Abschied, denn uns hatte es allen sehr gut in İstanbul gefallen, und wir hatten viele Eindrücke gesammelt. Obwohl keiner gern mitkommen wollte, fuhr der Bus 8.30 Uhr ab. Danach begann die lange und langweilige Fahrt nach Kappadokien. Am Anfang wollten wir alle wieder umkehren, und es herrschte Begräbnisstimmung. Als wir İstanbul verlassen hatten begannen wir zu schlafen, zu essen oder Walkman zu hören. Nach 2/3 der Strecke, kurz vor Ankara, gab Herr Voigt noch einmal einen Überblick über die Geschichte der Türkei. Um 20 Uhr trafen wir in Gülşehir ein, wo wir 2 Nächte übernachten würden. Wir waren alle sehr geschafft und hatten großen Hunger. Wir fanden ein Hotel, das im Vergleich zu unseren Gastfamilien erschreckend unsauber war. Die Toiletten und Duschen funktionierten kaum oder gar nicht und waren sehr unsauber. Doch das reichliche Abendessen entschädigte uns für die Einfachheit unserer Zimmer. Nach dem Essen machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort, in dem um 22 Uhr nichts mehr los war. Um 0 Uhr war dann endlich Bettruhe. Norman May 15. Mai: KappadokienNach dem Frühstück in Gülşehir brachen wir sofort auf, denn wir wollten an diesem Tag so viel wie möglich von der wunderschönen Landschaft Kappadokiens sehen. Schon auf der Fahrt zu dem Freilichtmuseum, das aus unzähligen, für die Landschaft typischen, Tuffkegeln bestand, gab es viel von der faszinierenden Landschaft zu sehen. Wir sahen viele Bienenstöcke und Schafherden, bei denen das Fell der Schafe mit Henna gefärbt war, denn dort herrscht der Aberglaube, dass dies die Tiere vor Schaden und Verletzungen schütze. Andererseits soll die Farbe die Zugehörigkeit zu Herde signalisieren. Die Landschaft in Kappadokien mit ihren vielen Tuffkegeln entstand vor vielen Millionen Jahren, als das Gebiet eine geologische Unruhezone war. Das führte dazu, dass viele Vulkane ausbrachen und es über einen langen Zeitraum viele Explosionen gab. Dadurch entstand feiner Vulkanstaub, der sich im Umkreis von 50 km absetzte und im Laufe der Jahre unter Druck zu weichem Gestein wurde. Als die Vulkane erneut ausbrachen, legte sich eine Schicht aus flüssiger Lava darüber, darüber kam dann wieder Staub, der zu Tuff wurde, und so entstanden 30-40 Schichtpakete. Doch die Lava bekam beim Erkalten zu festem Gestein Risse, durch die der Regen eindringen konnte. Der Tuff erodierte und die oben drauf liegende Lava bröckelte ab. So entstanden nach Tausenden von Jahren die Tuffkegel, in denen schon seit der Steinzeit Höhlenmenschen gewohnt haben. Danach besichtigten wir eine große byzantinische Klosteranlage, bei der alle Räume und Kirchen aus Höhlen in den Felsen bestanden. Sie wurde um 400 n. Chr. gebaut und als später in den Kirchen bildliche Darstellungen verboten wurden, zogen sich viele Mönche in das abgelegene Kloster zurück. Die Klosteranlage ist unterteilt in ein Frauen- und ein Männerkloster. Neben zahlreichen Kirchen gibt es auch Wohn- und Essräume für die Mönche. Die Kirchen sind teilweise mit prachtvollen, teilweise aber auch mit sehr einfachen Wandgemälden verziert. Es wurden viele byzantinische Fresken auf den Stein gemalt. Etwa im Jahr 650 wurde die Klosteranlage aufgegeben, weil sich der Islam mehr und mehr als stärkste Religion durchsetzte. Leider werden Jahr für Jahr mehr Höhlen für Besucher geschlossen, denn durch die Touristen werden sie oft zerstört und es besteht Einsturzgefahr. Nach dieser interessanten Besichtigung fuhren wir in einen kleinen Ort, Ortahisar, in dem wir auf einen Burghügel kletterten. Von dort hatten wir eine wunderbare Aussicht auf die Landschaft. Julia Micklinghoff 16. Mai: Gülşehir, Haci Bektaş, AnkaraMontagmorgen in einem einsamen Ort in der Türkei: Eine Gruppe von Schülern (12 Schüler, 1 Lehrer und 1 Begleitperson) wachen langsam auf und machen sich nach einem leichten Frühstück auf den Weg nach Ankara. Doch bevor wir uns in die Hauptstadt der Türkei begeben, machen wir noch einen kurzen Halt in dem Ort Hacibektaş. Hacibektaş (früher Sulucakarahüyük) wurde nach seinem türkischem Philosoph benannt, Haci Bektaş. Er ist der Gründer der Bektasi Sekte, die vor allem sich auf türkische, asiatische und islamische Traditionen bezieht. Haci Bektaş wurde 1248 geboren, bei Khorassan in Nishabur. Seine ersten Jahre verbrachte er in Nishabur, wo er Philosophie, Physik und Literatur von türkischen Wissenschaftlern erlernte. Er unterstützte sein Wissen durch Reisen nach Baghdad, Mekka, Syrien und in den Iran. Danach zog er ins heutige Hacibektaş, wo er Lehrer wurde. Vor allem die Probleme des Militärs, der Religion und der türkischen Kultur wurden von Haci Bektaş im Unterricht angesprochen. Mit seiner Frau Kadincik Ana reiste er intensiv durch Regionen Anatoliens, wo sich Türken angesiedelt hatten. Er studierte die türkische Sitte und Tradition, wie sie sogar jetzt noch vorhanden ist, vor allem aber auch der islamische Glaube. Haci Bektaş war sehr „behilflich“ beim Gründen der türkischen Einheit in Anatolien: vor allem der Standpunkt der Frau sollte sich zum positiven ändern (dies passierte aber erst viel später durch Atatürk); es gab nun eine Sprache: Türkisch. Haci Bektaş starb ca. 1337 in Hacibektaş, wo er heute in einer Türbe begraben liegt. Hacibektaş ist heute ein großer Pilgerort für die Anhänger „seiner Sekte“. Die Begräbnisstätte wird oft als Gebetssaal benutzt, obwohl es ein staatliches Museum ist. Wir hatten Pech denn die Begräbnisstätte war geschlossen, so ging es dann weiter nach Ankara. Das Hotel war wirklich Super, und manche sprangen gleich unter die Dusche. Das war eine richtige Wohltat. Später sind wir noch ins Lokal gegangen und haben uns beim Kebab spaßig unterhalten. Nun war das Programm des Tages offiziell beendet. Manche sind noch telefonieren gegangen, andere haben sich noch ein bißchen zusammengesetzt. So um ein Uhr ist dann auch jeder mit Blick auf einen nächsten interessanten Tag eingeschlafen. Christoph Ossege 17. Mai: AnkaraNach dem Frühstück im Hitit Hotel fuhren wir mit unserem Bus zum Ministerium, um dort ein Gespräch über das türkische Schulsystem mit einem guten Freund des Direktors der İstanbul Lisesi, dem „Schulamtsdirektor“ für die Gymnasien in der Türkei – was in etwa unseren niedersächsischen Aufsichtsbehörden der Mittelinstanz bei den Bezirksregierungen entspricht –, zu führen. Leider war der „Schulamtsdirektor“ nicht im Haus, und nach ca. 2 Std. Wartens sagte man uns, wir sollten am Nachmittag wiederkommen. In der Zwischenzeit besuchten wir Anıt Kabir, das Mausoleum Atatürks, welches sich stolz und mächtig auf einem Hügel Ankaras, mit einem fast 1 km² großen Park, erhebt. Das Mausoleum wurde zwischen 1944 und 1953 erbaut. 1953, am 15. Jahrestag seines Todes (10.11.1938), wurde Mustafa Kemal Atatürk dort zur letzten Ruhe gebettet. Der offizielle Eingang des Mausoleums liegt im Norden, wo sich auch der Parkplatz befindet. Eine 260 m lange, von Blumen und Bäumen gesäumte Promenade (Arslank Yol) führt vorbei an steinernen Löwenfiguren, die hethitischen Plastiken nachempfunden sind. Am Ende der 30 m breiten Promenade erreicht man über Treppenstufen den großen Hof, dessen Ecken von vier Türmen, Symbolen des Friedens, der Revolution, des Sieges und der Republik, markiert sind. An der Nordseite erhebt sich das 72 m lange und 21 m hohe Mausoleum Atatürks - ein modernes Bauwerk mit zehn Säulen an den Längsseiten und 14 an den Querseiten. Die Wand, in der sich der Eingang befindet, zeigt eine Inschrift mit Auszügen aus einer Rede Atatürks zum 10. Jahrestag der Republik. Im Inneren kontrastieren die Marmorwände mit den in Gold gehaltenen türkischen Motiven an der Decke; am Ende dieser Halle steht der 40 t schwere Marmorsarkophag des Vaters der Türken. Das Museum im Hof zeigt Memorabilia und persönliche Gegenstände Atatürks sowie einige seiner Staatskarossen. Bevor wir zum Ministerium zurückkehrten. waren wir im berühmten Museum für Anatolische Zivilisation (Anadolu, Medeniyetleri Müzesi), einst Hethitermuseum genannt. Das Museum, untergebracht in einem ehemaligen überdachten Basar und einer Karawanserei, zeigt eine der großartigsten Sammlungen zur Frühgeschichte der Menschheit. Ein Besuch des Museums, dessen Ausstellungsstücke den frühen anatolischen-prähistorischen, hattischen, hethitischen, prygischen und uratäischen Kulturen entstammen, ist ein unbedingtes Muss für alle, die in Ankara sind. Man kann unter anderem neolithische Fresken, massige, nur handgroße Tonplastiken, die thronende Muttergöttin oder Paare im Liebesakt darstellen, Tierstandarten aus der Bronzezeit, Goldarbeiten und elegante Keramik der Hatti, Großskulpturen der Hethiter und kunstvoll geschmückte Gefäße der Phryger betrachten. Die in chronologischer Folge geordneten Abteilungen umgeben einen zentralen Mittelsaal und ermöglichen es den Besuchern, sich ein umfassendes Bild der reichen Frühgeschichte des Landes zu machen. Erneut am Ministerium angekommen, wurden wir sofort in das Büro des „Schulamtsdirektors“ geführt, und dort wie schon so oft bekamen wir Tee und Schokoplätzchen. Ungefähr 16 interessante Fragen zum Schulsystem der Türkei wollten wir ihm stellen. Aber zu unserem Bedauern konnte der Dolmetscher des „Schulamtsdirektors“ wohl nicht alles vollständig und mit ganzem Sinn verstehen und nach drei nicht sehr zusammenhängenden Fragen und Antworten entschieden wir, uns freundlich zu verabschieden, denn die allgemeinen Worte über das Wohlbefinden und das Wetter waren bereits vor ca. 1 Std. gewechselt. Kathleen Pohlmann 18. Mai: Am Tuz Gölü und in SultanhanıAuf der Fahrt von Ankara nach Konya machen wir Halt, um einen Salzsee zu besichtigen. Ein typischer Salzsee ist der Tuz Gölü („Salzsee“, zeitweilig trocken fallende Salztonflächen). Er ist ungefähr 50 km lang, und ist entstanden, weil von den umschließenden Bergen ständig Wasser herunter fließt. Salzseen gibt es nur in Trockenklimaten. Im Jahr verdunstet mehr Wasser, als herein fließt. Bei dieser Verdunstung wird Salz abgesetzt, was man an den vielen weißen Stellen an der Oberfläche sehen kann. Bei der Schneeschmelze in den Bergen allerdings, fließt mehr Wasser in den Salzsee hinein. Dieses Wasser bringt Ton mit sich, und so herrscht ein ständiger Wechsel: ein Jahr wird Ton abgelagert, ein anderes Salz. Im Laufe von 100.000 Jahren ergaben sich Salz - Tonschichten von mehreren 100 Metern. Der Salzsee stellt das Zentrum des Einzugsgebietes des Wassers von Ankara bis Konya dar. Im Salzbecken finden wir auch Pflanzen, die gut mit dem Salz fertig werden. Nachdem wir den Salzsee ausreichend besichtigt, die Blumenpracht bewundert, und auch einige Schildkrötenskelette gefunden haben, geht die Fahrt weiter nach Sultanhanı. Dort wollen wir ein „kervansaray“ (Karawanserei) besichtigen. Dies ist ein „Palast für Karawanen“, der so um 1250 erbaut wurde. Sie besteht aus einem Hof, einer Winterhalle (Kamelhalle) und es gibt sogar einen Gebetsraum. Im Sommer hat man den Hof benutzt, und im Winter die Ställe. Die Winterhalle wurde im Stil einer Basilika gebaut. Diesen Stil findet man in alten Kirchen wieder, zum Beispiel haben Kirchen in Armenien exakt die gleichen Maße des Gebäudes. Es gab früher nur wenige Architekten die so bauen konnten. Es gibt allerdings nur wenige Fenster, nur einige Lichtluken. An der Decke findet man Verzierungen, und der Schmuck um die Türen erinnert an eine Moschee. In so einer Karawanserei kamen Soldaten und Pilger kostenlos unter. Sie galt als fromme Stiftung. N.N. 20. Mai: Von Konya nach SelçukGegen 9.30 Uhr haben wir unser Hotel in Konya verlassen und sind in Richtung Selçuk gefahren. Am Spätnachmittag haben wir in Pamukkale einen Zwischenstopp eingelegt, um die berühmten Sinterterrassen zu besichtigen. Von weitem war auch schon ein breites, weißes, etwa 100m hohes Steilufer zu erkennen. Wir sind den Berg hinaufgefahren, durch das Gräberfeld der antiken Stadt Hierapolis bis hin zum Theater der heiligen Römerstadt. Der Weg zum Theater wird rechts und links von Marmorquadern, Gebälk- und Giebelteilen begrenzt – die wohl auf den Wiederaufbau warten. Man betritt das Theater über einen Durchgang unter der Bühne. Die Bühnenwand vermittelt durch viele Architekturteile aus Marmor eine prachtvolle Wirkung. Wir sind auf die oberen Sitzreihen geklettert, von denen man einen wunderschönen Blick über das Mäandertal hatte. Der Anlass für die Besiedlung der Römer hier, waren wohl die Thermalquellen, die später Hierapolis zu einem berühmten Kurort machten. Die Sinterterrassen sind innerhalb von Jahrtausenden entstanden. Das an den Quellen etwa 70° C heiße, kalkhaltige Wasser kühlt beim herunterrieseln ab und bildet muschel- und halbkreisförmige Terrassen, die stufenweise übereinander liegen. Wo das Wasser über die Ränder der Becken läuft, lagert sich an den Außenwänden Kalk ab, wie Wachs an einer Kerze, und es bilden sich Tropfen und Stalaktiten. Leider konnten wir uns hier nur kurze Zeit aufhalten, da wir heute noch Selçuk erreichen mussten. Trotzdem haben wir es uns nicht entgehen lassen in dem Becken, mit dem etwa 40° C warmen Wasser und dem leicht glitschigen Boden, spazierenzugehen und ein Fußbad zu nehmen. Irgendwann mussten wir dann doch weiterfahren und sind auch spät abends noch in Selçuk angekommen. Sina Waldorf 21. Mai: EphesusNach dem Frühstück fuhren wir mit dem Bus nach Ephesus, einer ursprünglich am Meer gelegenen antiken Hafenstadt, doch von Wasser war für uns weit und breit nichts zu sehen. Vielmehr erwarteten uns überschwenglich ihre Ware anpreisende Händler mit touristischen Produkten vor dem Eingang. Der erste Eindruck von Ephesus mag wohl der von vielen grauen und weißen Ruinen sein, doch bei genauerer Betrachtung und den erklärenden Informationen von Herrn Voigt konnten wir uns ein Bild vom Leben in dieser ehemaligen Stadt machen. Die Hafenfunktion wurde durch die die religiöse Tradition der Verehrung der Muttergottheit ergänzt. Artemis stand in der Zeit der Griechen in der Tradition der weiblichen Gottheit. Das frühe Christentum hat Teile davon Aufgegriffen und den mündlich überlieferten Kult durch die Marienverehrung erweitert. Hierbei wurden wir leider von einem Führer durch die Stadt je unterbrochen, weil er in Herrn Voigt anscheinend einen Konkurrenten sah. Nach Austausch der Meinungen ohne Einigung konnten wir fortfahren, da es der werte Herr aufgegeben hatte, uns die Regeln über unerlaubte Führungen zu vermitteln. Auch die Drohung mit Rausschmiß oder Polizei konnte uns nur sehr bedingt einschüchtern, da wir schließlich keine Führung erhielten, sondern eher Geschichtsunterricht vor Ort, der anschaulichsten Art des Lernens. Das Odeon war ein kleines Theater im oberen Teil der aus hellenistischer Zeit stammenden Stadt. Hier wurde mittels Flöte und Gitarre musiziert oder staatliche Dinge wie Feiern abgehalten. Eine Straße („Kuretenstraße“) führte uns in den unteren Teil der Stadt, vorbei an Fundamenten eines Haupttempels, der aber – wegen finanzieller Engpässe? – erst zu einem Viertel freigelegt worden war. Ephesus hatte an Bedeutung seines Hafens verloren, weil die Bucht versandete und es aufgrund der Abholzung an den Berghängen um die Stadt zu Erosionsschäden kam; somit verlor die Stadt ihre ökologische Basis. Zwei Erdbeben waren ebenfalls weniger zum Vorteil. Die 50.000 Einwohner waren erst unter griechischer und später unter römischer Herrschaft. Die Stadt besaß sogar eine unterirdische Trinkwasserversorgung, die von den Bergen her verlegt war. Ein überdachter Weg mit Mosaikpflaster vor Geschäften war besonders wichtig, doch für uns war leider nur noch wenig zu sehen. Für die Religionsausübung gab es viele Tempel, wie z.B. den Hadrianstempel, der im 2. Jh. n.Chr. gebaut wurde. Natürlich fehlte damals auch kein Bordell mit verwinkelten Eingängen – mit ein bißchen Phantasie konnten wir uns das Leben dort in gut gepolsterten Nischen ausmalen! Eine der größten Bibliotheken der Antike samt Marktplatz wurde von Celsus gespendet; er selbst liegt dahinter begraben. Das Gebäude gliederte sich mit seinen 15 m Höhe in drei Galerien, auf denen die Bücher (Pergamentrollen) durch Leitern erreicht wurden. Weiter außerhalb erspähten wir durch die Gitterabsperrung das Theater mit Sitzplätzen für 25.000 Zuschauer, das leider wegen Restaurations- und Sicherungsarbeiten gerade geschlossen war. Nach dem Gang durch die Ruinen versammelten wir uns beim Bus, nicht ohne am Ausgang auch wieder von scharenweise gedrängten Ständen speziell für Touristen zu dementsprechend hohen Preisen zum Kauf gelockt zu werden. Nach einem kurzen Blick auf den heute – bis auf eine wieder errichtete Säule – enttäuschend leeren Platz des Artemision, des antiken Artemis-Tempels, eines der sieben Weltwunder, wieder zurück in Selçuk, hatten wir noch genügend freie Zeit, uns dieses Touristenzentrum und das eher gegensätzlich dazu wirkende Wohngebiet anzuschauen. Das Abendessen fand zu meinem Erstaunen fast mitten auf der Straße in einer Fußgängerzone statt – aber daran stieß sich niemand. Julia Brodersen 22. Mai: PergamonDie Stadt Pergamon wurde von Alexander dem Großen bei einem seiner zahlreichen Feldzüge erobert. Sie hatte keine besonders weit reichende Bedeutung und erlangte auch in der Folgezeit keine Berühmtheit. Als nach dem Tode Alexanders sein Reich aufgeteilt wurde, fiel die Stadt Pergamon an Lysimachos, den Freund und Kriegskameraden Alexanders, der u.a. die Kriegskasse verwaltete. Nach vielen Intrigen übernahmen nach dem Tode von Lysimachos Eumenes I. (263-241 v. Chr.) und Attalos I. (241-197 v. Chr.) die Herrschaft in Pergamon und behielten die Kriegskasse, mit der sich die Dynastie der Attaliden, gewissermaßen das Geschlecht des Attalos, für lange Zeit ein mächtiges Reich „zusammenkauften“. Die Römer unternahmen nie einen Versuch, das Reich der Attaliden zu erobern. Sie waren den Attaliden vielmehr wohl gesonnen, zumal sie wußten, dass ihnen das Reich früher oder später sowieso zufallen würde. Dieses geschah auch: Als der letzte Herrscher des attalidischen Reiches ohne Erben verstarb, vermachte er das Reich der Stadt Rom. Timur Gül. 23. Mai: TrojaEzine, Hotel Öztürk. Es war Montag, der 23. Mai. Um 8 Uhr wurde ich nach einer kurzen Nacht unsanft von meinem Freund Norman geweckt. Unten im Speiseraum sah ich einige Jungen und Mädchen unserer Gruppe und unsere beiden Begleiter, Herrn Voigt und Herrn Gusky, beim Schichtfrühstück. Das heißt, es konnten, aus welchen Gründen auch immer, nur 6 Leute gleichzeitig essen, dann wurde gewechselt (Komfort eines türkischen Null-Sterne Hotels). Nachdem alle anderen und auch ich ihr Frühstück beendet hatten, ging es dann mit unserem kleinen Reisebus weiter nach Troja. Da allerdings geplant war, zuvor im Meer baden zu gehen und eine schlecht ausgebaute Straße der einzige Weg war, um dorthin zu gelangen, fiel der ersehnte Schlaf wegen der Vibrationen ins Wasser. Dafür war das Meer eine echte Genugtuung für alle Wasserratten. Nach zweieinhalb Stunden ausgiebigen Badens und Sonnens fuhren wir dann weiter nach Troja. Vom Schwimmen müde, schliefen wir mal wieder alle nach wenigen Minuten ein, auch ich. Geweckt wurden wir durch Herrn Voigt, der uns die Eintrittskarten gab und uns dann alleine zur Besichtigung gehen ließ. Außer dem Ausgrabungshügel, der nur den Burghügel umfaßt, gab es noch, das »Trojanische Pferd« und einen Ausstellungsraum zu sehen. Der Burghügel erstreckte sich hunderte Meter lang. Troja hat 9 verschiedene Siedlungsschichten, wovon die älteste wahrscheinlich bis in die Bronzezeit zurückreicht. Die sechste Schicht ist wahrscheinlich der heutige Ausgrabungshügel. Seine Blütezeit erreichte Troja zur Zeit der griechischen Einwanderungen. Durch die Einwanderungszeit wurde die ehemalige Burgkultur umgewandelt. Es folgte der zehnjährige Trojanische Krieg der Griechen gegen die Trojaner um die vom trojanischen Prinzen Paris entführte Helena, wie er von Homer in der „Ilias“ und der „Odyssee“ geschildert wird. Die Griechen siegten mit einer List: Ich denke, die Legende vom Trojanischen Pferd kennt jeder. Kern ist offenbar der Kampf um die Dardanellen bzw. den Handelsweg zum Schwarzen Meer gewesen. Das Trojanische Pferd wird auch als Erdbeben gedeutet. Nachdem alle die Besichtigung beendet hatten, fuhren wir dann weiter nach Lapseki, um dort mit der Autofähre nach Gelibolu und somit auf die europäische Seite der Türkei überzusetzen. Auf der Fahrt gingen viele wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: Schlafen! In Gelibolu suchte wir uns ein Hotel und gingen dann noch schön Abendessen. Da es unser letzter Abend in der Türkei sein sollte, stießen wir alle auf unser Wohl, auf diese schöne Reise und auf eine gute Heimkehr an. Herr Voigt hielt sogar noch eine kleine Rede, aus der man so etwas wie ein Lob heraushören konnte. An dieser Stelle darf ich Herrn Voigt und Herrn Gusky nochmals herzlich für die super Betreuung im Namen der ganzen Gruppe danken. Nach dem guten Essen gingen die meisten auch schon ins Bett. Matthias Klar IV. Zur Geschichte des türkischen Schulsystems1. Die gesellschaftliche Situation vor dem Ersten WeltkriegDer Ursprung der türkischen BildungsreformenNachdem nach dem Ersten Weltkrieg durch den General und Volkshelden Mustafa Kemal Pascha, dem Sieger von Gallipoli (türkisch Gelibolu, an den Dardanellen), dem späteren Staatschef „Atatürk“, die Türkische Republik ausgerufen wurde und in einem blutigen Befreiungskrieg gegen die Siegermächte des Weltkrieges, England, Frankreich und Italien, besonders aber gegen Griechenland, das nicht nur für Gebietszuwachs in Westanatolien, sondern auch für Schutz und Unabhängigkeit der griechischen Bevölkerung in ihren westanatolischen Siedlungsgebieten kämpfte, territorial und staatlich konsolidiert werden konnte, mussten eine Reihe von Grundsatzentscheidungen über den Charakter der neuen Republik und damit auch über ein künftiges staatlich-türkisches Bildungswesen getroffen werden. Dieses richtig einschätzen zu können, verlangt, einen detaillierten Blick auf die Bildungssituation und damit die gesellschaftlichen Strukturen des ausgehenden osmanischen Sultanats zu werfen, das in nahezu allen Grundstrukturen das Gegenteil der Staatsziele der neu gegründeten Türkischen Republik war. Das Osmanische Reich war ein Vielvölkerstaat, der in seiner Blütezeit ein Gebiet vom Balkan und dem Karpartenbecken über Anatolien, den Nahen Osten bis hin zum Maghreb umfaßte und als Herrscher über die Arabische Halbinsel Hüter der heiligen Stätten in Mekka und Medina und damit Schutzmacht des Islam und der Millionen Muslime in aller Welt war. Doch hatte dieses Reiche am Ende des letzten Jahrhunderts seine Blütezeit längst hinter sich, große Teile der Balkanländer waren an das Habsburgerreich, Nordafrika an die westlichen Kolonialmächte Frankreich, Italien und England abgetreten, Griechenland hatte seine Unabhängigkeit erkämpft und im Nahen Osten richteten sich der erwachende arabische Nationalismus als Panarabismus und islamische Erneuerungsbewegungen wie die Wahabiten oder Panislamische Bewegungen gegen den Herrschaftsanspruch des Sultanats. Wichtig ist es jedoch zu betonen, dass in der Machthierarchie des Sultanats der traditionelle Anspruch, die umma muhamadja zu repräsentieren, jegliche Einengung auf ein nationalistisches Türkentum ausschloß, ja dass die Bezeichnung „Türke“ dem universalistischen Herrschaftsanspruch des Sultanats geradezu entgegenstand. Die Völkermischung in der Elite des Sultanats und bei Hofe (bis hin in den Harem des Sultans, in dem selten im modernen Sinne "reine" Türkinnen die Mehrheit bildeten und in dem Mütter von späteren Sultanen durchaus griechischer oder arabischer Abstammung sein konnten) machte die Frage nach der Herkunft relativ unwichtig; die höfische Sprache des Osmanli war mit arabischen und persischen Worten und Wendungen durchsetzt und der Glaube forderte ohnehin arabische Sprachkenntnisse. Literatur und Kunst waren weltoffen und in islamischer Tradition Einflüssen auch aus Europa und aus der Christlichen Welt nicht verschlossen. Ein türkischer Nationalismus oder gar die Idee des türkischen Nationalstaates waren der feudalistischen Konzeption des Sultanats fremd. So sind auch die Konflikte mit Minderheiten, die, wie am Beispiel der Armenier in der Zeit der Jahrhundertwende zu erkennen ist, mit äußerster Härte und Grausamkeit ausgetragen wurden, keine nationalen Konflikte europäischen Musters oder gar ethnische Hegemonialkriege des Türkentums, sondern Herrschaftskonflikte um verweigerte Loyalitäten und Tributpflichten und Kampf gegen herrschaftsbedrohende Separatismen, die sich selbst teilweise dem neuartigen Einfluss europäischen nationalstaatlichen Denkens verdanken. Mit der Herrschaft zerfielen im 19. Jahrhundert Integrationswirkung des islamischen Sultanats und nach und nach auch die territoriale Integrität. Die wurde in der Türkei selbst zunächst von denjenigen zuerst wahrgenommen und kritisiert, die professionell mit den daraus folgenden Konflikten konfrontiert und über den Kontakt mit der modernen Technik auch mit den nationalstaatlichen Ideen Westeuropas in Berührung gekommen waren: den jüngeren Militärs. Sie wollten jetzt an die Stelle des ineffizienten, weil seiner Integrationskraft beraubten und nationalstaatlich diffusen – wie sie meinten: anachronistischen – Staatsparadigmas der islamischen Einheit des mit dem Sultanat verbundenen Kalifats (eines Anspruches, der ohnehin historisch wie theologisch auf sehr schwachen Füßen stand und gerade von arabischen Erneuerern grundsätzlich in Frage gestellt wurde) einen neuen türkischen Nationalismus setzen. Die Jungtürkische Revolution nahm dem Begriff „Türke“, der bislang im Sultanat eher abschätzig für die einfache bäuerliche Bevölkerung Anatoliens gebraucht worden war, seine bisherige Bedeutung und postulierte eine neue nationalstaatlich-ethnische Semantik, die sich dem Geschichtsmythos des Panturanismus verpflichtet wußte. Diese ethnisch-völkischen Geschichtsbilder, die parallel im europäischen Panslawismus und Pangermanismus zu verfolgen sind, weisen einmal auf die Legitimationsprobleme der unter ganz konkreten historischen Bedingungen entstandenen mitteleuropäischen Nationalstaatsbegriff hin, sobald dieser zu einem universalen Gesellschafts- und Staatsparadigma erweitert werden soll, weil sich hier, seiner konkreten machtpolitischen Inhalte beraubt, seine staats- und gesellschaftsphilosophische Bedeutungsleere erweist, in die vorrationale und ungeschichtliche Volkstumslegenden einbrechen können. Gleichzeitig übernimmt der Panturanismus und die jungtürkische Nationalstaatsidee ungewollt und unbewusst die antirationalen Implikationen des Nationalismus, die in Europa aus dem gescheiterten Versuch der französischen Revolution erwachsen sind, aus dem Geist des Rationalismus und des Humanismus eine neue egalitäre Gesellschaftsordnung zu finden. Es ist hier nicht der Ort für geschichtsphilosophische Reflexionen über die tragische Verirrung der bürgerlichen Gesellschaft in der Zeit der Restauration – die Folgen des hier entstandenen pathologischen Nationalismus im Faschismus und Nationalsozialismus des zwanzigsten Jahrhunderts sind hinlänglich bekannt –, es ist aber auf den engen Zusammenhang der Ziele und Ideologien der jungtürkischen Revolution mit dem gleichzeitigen Erstarken des europäischen Nationalismus zu verweisen: Wurzel eines nationaltürkischen Republikanismus, dessen demokratische Ausprägung und Entwicklung eher defizitär und brüchig geblieben ist. Atatürk entstammt dieser jungtürkischen Revolutionsbewegung und transportiert damit den türkischen Nationalismus als revolutionäres Gegenmodell zum islamischen Integrationismus des Sultanats in die neu zu gründende „kemalistische“ Republik. So stehen am Ende der Herrschaft des Sultanats mehrere Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen politisch-ideologischer Repräsentanz und sich auseinander entwickelnden politischen Kulturen gegenüber. Die politische Schwäche des „kranken Mannes am Bosporus“ im europäischen Konzert der Mächte spiegelt sich in der innenpolitischen Ohnmacht und Konzeptionslosigkeit des Sultanats und dem Auseinanderbrechen der Gesellschaft in Sozialgruppen und nach staatlicher Unabhängigkeit strebenden Ethnien, die sich wie die Türken selbst oft an konstruierte Geschichtsmythen klammern, um ihre separatistischen Ansprüche international zu legitimieren. Bis heute sind die politischen Folgen dieser ethnischen und nationalen Konstrukte und Ideologien, die sich gerade wegen ihres künstlichen Charakters rationalem Konfliktausgleich sperren, nach europäischem Vorbild in den Konflikten im Nahen Osten nachzuvollziehen. Der zweite Golfkrieg mit seinen historisch fragwürdigen Ansprüchen des Iraq auf Kuwait und die historisch ebenso fragwürdigen Souveränitätsansprüche Kuweits selbst weist daher ideologisch auf eben diese Phase der Auflösung des Osmanischen Reiches zurück und beweist zudem die ungebrochene Funktionalisierbarkeit von Geschichts- und Volkstumsmythen im Interesse auswärtiger Groß- (und Kolonial-)mächte und Interventionsstaaten. Das Résumé liegt nahe, dass der im letzten Jahrhundert in Mittel- und Westeuropa entstandene Nationalstaatsbegriff, abgelöst von seiner gesellschaftlichen und politischen Verwurzelung in seinem konkreten historischen Kontext, nicht geeignet ist als universales Ordnungsprinzip heutiger gesellschaftlicher, politischer und sozialer Repräsentation und Konflikte; er ist schlicht anachronistisch. Doch er ist unbestrittene Grundlage des durch die UN globalisierten Völkerrechts (und hier kurzfristig sicher nicht ersetzbar) und er ist in unserem konkreten Falle die Grundlage des Kemalismus und der heutigen türkischen Republik, in der sich alle Probleme, Widersprüche und Risiken des nationalstaatlichen Zentralismus europäischer Prägung deutlich ablesen lassen. Im sich seinem Ende zuneigenden osmanischen Sultanat hatte sich die höfische Gesellschaft, verschwägert und versippt mit der Sultansfamilie und der kleinen Gruppe der höchsten Würdenträger, zusehends zu einer geschlossenen Kaste entwickelt, die sich verfeinerter persönlicher Hochkultur, höfischen Riten und dem luxuriösen Wohlleben verschrieb und den Kontakt zur sozialen Realität, zu den gesellschaftlichen Umbrüchen durch die westlichen Einflüsse, durch die industrielle und ökonomische Revolution Europas, die auch auf die Türkei einwirkte, verloren hatte. Der schleichende innen- wie außenpolitische Machtverlust wurde bei Hofe erst realisiert, als Kriege mit den europäischen Staaten verloren gingen und als schließlich die Jungtürkische Revolution auch innenpolitisch grundlegenden Wandel erzwang. Doch wurde diese Machtablösung letztlich erst mit der Gründung der Türkischen Republik durch Atatürk abgeschlossen. Diese höfische Schicht legte großen Wert auf Bildung, verstand darin aber vor allem literarische und religiöse Bildung, Erlernen von „Staatskunst“ (und Staatsintrige), höfischem Verhalten und traditioneller „Kriegskunst“. Der Bildungskanon war so abgeschlossen wie die Kaste, die der Träger dieser Hochkultur war. Ausstrahlung auf andere Schichten hatte diese Bildung nicht mehr, wie es sicherlich noch für das 15.-16. Jahrhundert zugetroffen hatte. Auch die höfische Sprache des Osmanli war für den einfachen Bewohner der Städte oder gar des anatolischen Landes nicht zu verstehen. Zur Rezeption moderner Einflüsse eignete weder die Sprache noch die vermittelte Bildung, es sei denn, dass eine gewisse Faszination von westlicher Waffentechnik auch in diese höheren Kreise eindrang, wie es an den vielfältigen Marinebildern im Beylerbeyli-Saray in Istanbul zu sehen ist. Träger dieser Bildung war zunächst die Familie, deren kultureller und sozialer Standard Leitlinie der biographischen Perspektiven des jungen Oberschichtangehörigen war. Dazu kamen hofinterne Ausbildungs- und Patronatsverhältnisse, bei denen der persönliche Lehrer – als Diener der Familie – und der als Vorbild dienende ältere Würdenträger als Förderer und Herr die entscheidende Rolle spielten. Der religiösen Erziehung diente lange Zeit die enge Verknüpfung des Hofes mit dem Mevlewiye Derwisch-Orden der Çelebi (der sich theologisch und in seinem jetzt stark an weltlichem Einfluss orientierten Selbstverständnis weit von seinen mystischen Wurzeln und der Lehre des universalen Friedens und der Menschen- und Gottesliebe des Mevlânâ Djellâl ed-Dîn Rûmî aus Konya im 13. Jahrhundert entfernt hatte). Das gesellschaftlich-politische Gegenbild zu dieser verkrusteten Machtelite war das verjüngte Offiziers- und Unteroffizierskorps der ja ohnehin traditionell in der Gesellschaft angesehenen türkischen Armee. Die militärischen Eroberungs- und Siegüberlieferungen bestimmen nicht nur die Geschichtsmythologie des Hofes sondern gehören zum Geschichtsbild auch der einfachen türkischen Gesellschaft. Die ordu (mit semantischer Bedeutungsverschiebung eingedeutscht als „Horde“) war und ist ein entscheidender Faktor der türkischen Gesellschaftsordnung und ist traditionell einer der wenigen sozial durchlässigeren und moderneren Institutionen im Sultanat gewesen. Durch die Armee trat westliche Waffentechnik und damit überhaupt erst modernes technisches Denken in die türkische Gesellschaft. (Der zivilisatorische und wissenschaftliche Vorsprung der alten islamisch-arabischen Kultur, den das höfische Selbstbewusstsein anachronistisch immer noch hoch hielt, war ja schon seit Jahrhunderten – und gerade auch durch die türkischen Einwanderungs- und Eroberungswellen z.B. der Zeit Djingis Khans – verspielt und verloren.) Die Bildungsvorstellungen der Institution Armee waren daher durchaus „modern“ und „westlich orientiert“ – aber in einer dem militärischen Selbstverständnis entsprechenden Einengung und Restriktion. Nicht die wissenschaftlichen Grundlagen des Rationalismus oder die humanistischen Wurzeln der westlichen Wissenschaften wurden rezipiert, sondern die anwendbare Technik, die technologische Folgerichtigkeit und die strenge Hierarchie des Funktionalismus. Nützlichkeitsdenken und Voluntarismus waren die Leitlinien militärischen Modernismus, gestützt auf das Vertrauen auf die nahezu unbegrenzte Gestaltbarkeit (oder „Befehlbarkeit“) von Realität und Gesellschaft. Dass darin eine revolutionäres Potential für einen grundlegenden gesellschaftlichen Umbruch lag, zeigt die Realisierung des Kemalistischen Staatskonzeptes. Dass diese funktionalistische (und damit im Prinzip wert- und bedeutungsleere) Revolution sich erst durch antirationale nationalistische Geschichtsmythologie, durch die pure Effizienz der Herrschaft und durch die nicht minder antirationale Charismatik Atatürks selbst (die er selbst wohl kaum wahrnahm und die seinem eigenen profanen Selbstverständnis fremd war) in breiten Bevölkerungsschichten legitimiert wurde, zeigt die Defizienz an wirklicher Modernität der jungtürkischen Reform. Dieses Modernitätsverständnis wurde aber zur Grundlage der Bildungskonzeption der Türkischen Republik, und damit auch zur Ursache vieler Widersprüche und Zielkonflikte, die trotz der unbestreitbaren Bemühungen und Erfolge die curriculare und schulpolitische Entwicklung in der Türkei bis heute belasten. In der Türkei wie in vielen Ländern der Dritten Welt, denen die Zeit des Kolonialismus und der Abhängigkeiten von den ökonomischen Interessen der industrialisierten Hegemonialmächte eine ungebrochene Entwicklung und Modernisierung aus den Wurzeln der autochthonen Kultur heraus und der unbefangenen Übernahme fremder Kultureinflüsse verwehrt hatte, ist es von sozialpolitischer Tragik, dass gerade die Militärs – bei denen technisch-funktionales Denken zum Überleben notwendig ist zum oft einzigen sozialen Modernisierungsagenten werden konnte – unterstützt durch tatkräftige und eigennützige Hilfe der konkurrierenden Großmächte und Waffenexporteure. Dabei ist, über den technisch-funktionalen Bereich hinaus militärisches Denken einer echten kulturellen und sozialen Modernisierung kontradiktorisch! Die Fixierung auf Befehlshierarchien, das strukturelle Außerkraftsetzen jeglicher Orientierung an individuellen Menschenrechten, das Unterdrücken von Zweifel, Relativierung und das Vermeiden von Ambiguitätstoleranz – also schlichtweg der Widerspruch zu den notwendigen Paradigmen einer humanistisch-rationalistischen wissenschaftlichen, aufklärerischen Kultur, macht Militärs zu denkbar ungeeigneten Protagonisten einer wirklich modernen kulturellen Entwicklung. Modernität bleibt Fassade und kann als Wertangebot der Gesellschaft nicht glaubhaft vermittelt werden. Die antirationalen, antihumanistischen und antiwestlichen Ablehnungsideologien der Gegenwart, die auch in der Türkei in Form des islamischen Fundamentalismus an Boden gewinnen, sind eine Folge des inneren Scheiterns dieser aufgesetzten, unglaubwürdigen Modernisierungskonzepte macht- und militärpolitischer Provenienz. Das stellt historisch sicher nicht die fortschrittlichen Intentionen und die objektiven Erfolge Atatürks in Frage, der sicherlich zu den großen Politikern und Staatsmännern dieses Jahrhunderts gehört, aber es belegt, dass die militärischen Wurzeln des türkischen Nationalstaates für eine nachhaltige Modernisierung nicht ausreichen. Hier sind wichtige aufklärerische Aufgaben für eine neue Generation gebildeter türkischer Intellektueller zu erfüllen, was gleichzeitig eine Aufgabe für ein reformiertes türkisches Bildungssystem darstellt – und eine Aufgabe zur solidarischen Begleitung dieser Modernisierung durch die europäische Staatengemeinschaft. Unterhalb dieser beiden konkurrierenden Eliten befand sich die breite Mehrheit der Bevölkerung, die im Laufe der Jahrhunderte des sozio-ökonomischen Niedergangs weitgehend von modernen Entwicklungen und Umbrüchen abgeschnitten blieb. Gemessen an den Bildungsstandards der arabisch-islamischen Blütezeit im hohen Mittelalter, aber auch noch an den vergleichsweise geringeren Bildungs- und Aufstiegschancen in der Blütezeit des Sultanats, wo immerhin die große hajj ein größeres Maß an Gedanken- und Kulturaustausch und ein Bewusstsein der Universalität menschlicher, d.h. islamischer Existenz vermitteln konnte, war die Bevölkerung des Osmanischen Reiches in seiner Endphase in tiefste Provinzialität und Abgeschiedenheit, in einen dezentralen Regionalismus und in gleichzeitige, durch Steuerpacht, Misswirtschaft, Korruption und direkter Ausbeutung verursachte materielle Verelendung verfallen. Fortschrittliche Bildungsinstitutionen suchte man hier vergebens. Die politischen Verhältnisse und der wachsende Einfluss der westlichen Mächte wie die Aufstände der Wahabiten verhinderten für die meisten Bewohner des Reiches auch die Teilnahme an der großen Pilgerfahrt. Familienüberlieferungen, Dorfklatsch und die islamische Unterweisung durch meist wenig gebildete, jeder modernen Veränderung feindlich gegenüberstehende Hodjas (Hoca) waren die einzigen Bildungsquellen einer überwiegend analphabetischen Gesellschaft. Für die neue Türkische Republik ergab sich nun die beinahe unlösbare Aufgabe, den sozialen Sprengstoff und die Zerfallstendenzen in dieser Gesellschaft zu entschärfen, traditionalistische und reaktionäre Hierarchien abzulösen und durch eine moderne, westliche Bildung ein neues europäisches Volk und eine türkische Nation zu schaffen. Das war umso problematischer, als auch die Ausgangspositionen dieses Modernisierungskonzeptes, wie wir aufgezeigt haben, keineswegs widerspruchsfrei und von tatsächlicher innerer Modernität war. Viele Fehlentwicklungen der europäischen Nationalstaatsentwicklung musste daher die Türkei wieder durchlaufen – ein Prozess, der heute noch nicht abgeschlossen ist und dessen Ende und dessen Risiken noch nicht absehbar sind. Risiken und Chancen sind aber erst vor dem Hintergrund der historischen Situation am Ende des Osmanischen Reiches und in dem Verständnis der Herkunft der Türkischen Republik und Atatürks - der so tatsächlich zum „Vater der Türken“, besser zum Schöpfer der türkischen Nation wurde - aus der jungtürkischen Revolution und der damit verbundenen unkritischen Übernahme des europäischen Nationalstaatkonzeptes abzuschätzen und in Hinblick auf eine zukünftige weitere Modernisierungsphase in einer Annäherung der Türkei an die europäische Staatengemeinschaft zu bewerten. 2. Die Entwicklung eines westlichen SchulsystemsAtatürk und die Revolutionierung der türkischen GesellschaftDie Entwicklung des Schul- und Bildungssystems der Türkischen Republik ist Spiegelbild der Gesellschaftsreformen Atatürks und der sich zeitgeschichtlich manifestierenden Widersprüche und Antagonismen der türkischen Gesellschaft und der kemalistischen Verfassungsparadigmen. Atatürk bekämpfte die politische Kultur und die Staatskonzeption des osmanischen Sultanats, die er für die Rückständigkeit und Ohnmacht der Türkei und für die offensichtliche Schwäche gegenüber den europäischen Hegemonialmächten in den Kriegen des 19. Jahrhunderts und in der Niederlage im Ersten Weltkrieg verantwortlich machte. Nicht das türkische Volk, sondern die Rückständigkeit der Gesellschafts- und Herrschaftsordnung waren für Atatürk Ursache technologischer Defizite und militärischer Schwäche.[1] Vorbild für eine moderne Entwicklung der Türkei waren für Atatürk die europäischen Großmächte Frankreich, Deutschland, Schweiz und England – jeweils in typischen Aspekten, die es gezielt zu übernehmen galt. In rein heuristischer, eklektischer Zugangsweise suchte er in Europa nach Vorbildern, um in der neu geschaffenen Türkischen Republik Staat, Nation, Herrschaft, Kultur und Wissenschaften neu zu formieren und auf „europäischen Standard“ zu bringen. Dieses Vergleichen mit Vorbildern und die Konzentration, ökonomisch, technologisch und machtpolitisch „konkurrenzfähig“ zu werden, bestimmte die politischen Reformen Atatürks. Dabei galt es, Traditionen radikal zu kappen, eine Orientierung an der eigenen kulturellen Vergangenheit zu verdrängen und vor allem die religiösen Orientierungen, die als wichtigstes Hemmnis der Modernisierung angesehen wurden, zu bekämpfen. Nur die militärischen Traditionen, aus denen Mustafa Kemal Pascha selbst herstammte, vor allem in ihrer reformfreudigen, jungtürkischen Ausprägung, fanden vor seinen Augen Gnade und wurden, z.T. in grober Geschichtsklitterung, historisch verlängert in ein Bild vom militärisch starken, tapferen und kämpferischen Türken, der aus seiner Urheimat in Zentralasien nach Westen erobernd und siedelnd aufgebrochen, später aber von den schwächlichen und dekadenten Kultureinflüssen des zusammenbrechenden arabischen Kalifats domestizert und kulturell entmachtet worden war. Diese Orientierung an westlichen Standards der Technik, der Wissenschaft, des Militärs und der alltäglichen Umgangsformen sollte durch ein erneuertes allgemeines Schul- und Bildungswesen in der Gesellschaft durchgesetzt werden. Es galt, in großer Anzahl Techniker, Naturwissenschaftler und Wirtschaftler auszubilden, die die alte osmanische Oberschicht abzulösen in der Lage waren und die Türkei auf europäisches Niveau bringen konnte: die Erziehung einer neuen, westlich-dynamischen Elite. 1908 war Mustafa Kemal Pascha, der spätere „Held von Gallipoli“, Mitglied des „Komitees für Einheit und Fortschritt“, wie sich die „Jungtürkische Bewegung“ offiziell nannte, das den Sultan Abdulhamid entmachtete und in der Regierungszeit von Sultan Mehmet V. mit dem Triumvirat von Dschemal Bey, Talaat Bey und Enver Pascha die eigentliche Herrschaft ausübte. Auch wenn Mustafa Kemal Pascha wegen des persönlichen Zerwürfnisses mit Enver Pascha die jungtürkische Bewegung bald verließ, war er doch von ihren Ideen, Gesellschaftsvorstellungen und ihrem westlich orientierten türkischen Nationalismus geprägt und appellierte als General im Ersten Weltkrieg mit Erfolg an den „Patriotismus“ seiner Soldaten. Wie schon an anderer Stelle ausgeführt, galt im Osmanischen Sultanat mit seinem universalistisch-islamischen Selbstverständnis der Begriff „Türke“ als Schimpfwort und schuf die jungtürkische Bewegung, schuf vor allem Atatürk ein neues Selbstbild des Türken. Die „Rekonstruktion“ dieses „starken Türken“ wurde zur zweiten Aufgabe des türkischen Bildungsanspruchs von Atatürk: eine - überspitzt formuliert: Erziehungsdiktatur, um ein türkisches nationales Selbstverständnis zu erzeugen, das eine nationalstaatliche Integration nach europäischen Muster ermöglichte. Laizismus (Trennung von Religion und Staat), Nationalismus, Etatismus (eine gemäßigte Planwirtschaft) und Populismus wurden neben dem Republikanismus wichtigste postulierte Ziele der kemalistischen Staatsideologie, die in der Verfassung der Türkischen Republik festgeschrieben und von der bis 1950 ununterbrochen regierenden kemalistischen Republikanischen Volkspartei auch als zentrale Bildungsziele im Schulwesen festgeschrieben wurden. Von diesen Grundlagen ging bis in die achtziger Jahre die türkische Bildungspolitik auch unter der wechselnden Herrschaft der Volkspartei (unter Inönü und Eçevit) und der Gerechtigkeitspartei von Demirel und während der Jahre der Militärherrschaft nicht ab, obwohl die praktische Umsetzung in immer größere Schwierigkeiten und Widersprüche geriet. Gerade der wiedererstarkende religiöse Einfluss in der türkischen Gesellschaft wirkte sich auf das Schulwesen aus. Dass daneben auch der Laizismus Verfassungsrang bekam, ist aus der erwähnten Einschätzung des Islam als Entwicklungshemmnis nur folgerichtig. Wir halten damit fest, dass seit Beginn der kemalistischen Erziehungsreformen zwei widersprüchliche, unvereinbare Ziele das türkische Schulwesen prägen und bis heute die Widersprüchlichkeit der curricularen und institutionellen Situation an den Schulen ausmachen: 1. Das Ziel der nationalen Integration, die mit den nationalistischen Lerninhalten wie mit dem Grundbildungsprinzip der allgemeinen Schulpflicht erreicht werden soll, und 2. das Ziel des nationalen Fortschritts, der die Türkei nach Europa führen und durch die Ausbildung einer technisch-wissenschaftlichen Elite international konkurrenzfähig machen soll. In den 30er-Jahren, also in der Regierungszeit von Atatürk selbst, wird dieser doppelte Anspruch deutlich. Die allgemeine Schulpflicht, insbesondere auch für Mädchen, wird eingeführt und verbunden mit der Schrift- und Sprachreform. Arabisch-islamische Traditionen werden abgelegt und verboten; mit der europäischen Kleidung, die in der Verfassung festgeschrieben wird[2], sollen auch europäisches Alltagsverhalten, westeuropäische Umgangsformen und – schließlich – westeuropäisches Nationalbewusstsein erzeugt werden. Die Probleme eines so tief greifenden Wandels, der in letzter Konsequenz scheitern musste, sind offensichtlich. Mittel der nationalen Integration war vor allem die Sprachreform: die Konstruktion und Einführung eines von arabischen und persischen - besser noch: höfischen - Elementen befreiten „Türkei-Türkisch“, das die nationale Zusammengehörigkeit genauso wie die nationale Abgrenzung nach außen eindeutig kennzeichnen sollte, da andere Integrationsfaktoren - gemeinsame Geschichte, Kultur und Religion, Ethnizität - nicht verfügbar und nicht eindeutig distinktiv waren. Die Türkei folgt in der Ersetzung des „Osmanlı“ durch das „Türkisch“ dem Integrationsmodell, das im vorigen Jahrhundert in ihrer Befreiung von osmanischer Herrschaft auch die Griechen gewählt hatten, die das „Neu-Griechisch“ ebenfalls als ein nationalistisch motiviertes Sprachkonstrukt einführten. Die kulturellen Mittel sind jedoch älter. Drei verschiedene Vergesellschaftungsprozesse konkurrierten in Europa. In der machtpolitisch-nationalstaatlichen Konkurrenz letztlich unterlegen verlor sich die nichtstaatliche Vergesellschaftungsform der mittelalterlichen Westslawen – aufbauend auf einem ökonomisch selbstgenügsamen oder autarken freien Bauerntum, im gesellschaftlichen Kontext zusammengehalten durch Sprache, Brüderlichkeitsmotive, Alltagsrituale und Interessenkonvergenz – nach einer letzten Blüte in der polnischen Adelsrepublik in den polnischen Teilungen. Eine für die Zukunft wichtige gedankliche Alternative zum Staatsmonopol war damit verloren gegangen. Die etatistische Vergesellschaftungsform Westeuropas, entwickelt aus dem römischen Imperiumskonzept und der Feudalordnung des Fränkischen Reiches[3] – aufbauend auf hierarchischen Herrschaftsstrukturen und der zunehmenden Institutionalisierung von Staatsgewalt – begegnet uns in zwei Ausprägungen: 1. Im Vielvölkerstaat, der letztlich auf die antiken Reichskonzeptionen zurückgeht und von einer Reichsidee, d.h. einer herrschenden Ideologie und Herrschaftslegitimation (Herrschaftslegende) wie dem Gottesgnadentum bestimmt wird, aus dem heraus auch die machtpolitische und Dominanz bestimmter sozialer Gruppen – meist verknüpft durch gemeinsame Herkunft oder familiäre Beziehungen wie im westeuropäischen Hochadel – bestimmt wird. Die Herrschaft ist zwangsläufig personal strukturiert, jedoch nicht ethnisch abgegrenzt. Sprachliche Einheitlichkeit ist nicht erforderlich; in Westeuropa wurde, dem kirchlichen usus folgend, das nicht mehr lebende Latein als Amts- und Urkundensprache verwendet. Sozioökonomisch ist die feudale Reichskonzeption mit abhängiger Bodenbestellung, Subsistenzwirtschaft und hierarchischen Ausbeutungsstrukturen, die im Lehenswesen im Sinne der Reichsideologie personal legitimiert wurde. Die Herrschaftsstrukturen des Osmanischen Reiches sind durchaus mit dieser westeuropäischen Staatskonzeption zu vergleichen; ökonomische Stagnation und Multiethnizität sind in beiden Fällen dominierende Charakteristiken. Der Begriff „Vielvölkerstaat“, das geht aus diesen Überlegungen deutlich hervor, ist somit eine Charakterisierung ex post, da Volkstumsfragen oder Sprachgruppenzugehörigkeiten in diesen Staatssystemen keine Rolle spielten und auch nicht ideologisch in Wert gesetzt waren. 2. Der Nationalstaat ist die europäische Konsequenz aus dem sozioökonomischen Wandel, der beginnenden Urbanisierung und der Wider-Einführung der Geldwirtschaft, also des Entstehens einer bürgerlichen Gesellschaft, die durch Säkularisierung und Kampf um Individual- und Bürgerrechte (habeas corpus, bill of rights, Völkerrechtsentwürfe von Grotius etc.), also durch den fortschreitenden „Prozess der Zivilisation“ (Elias) die bisherigen sozialen Zuordnungs- und herrschaftlichen Ordnungsprinzipien im Sinne von Entpersonalisierung und abstrakter Institutionalisierung ersetzen muss. Doch bleibt die Idee des Staates erhalten, so dass es sich auch hier um ein etatistisches Vergesellschaftungskonzept handelt. Doch muss die bisherige Reichsidee und Herrschaftsideologie des Feudalismus, muss letztlich die religiöse Fundierung aufgegeben werden. Das geschieht im Rekurs auf die „Entdeckung der Völker“, die das Entstehen des biologistischen, naturwissenschaftlichen Weltbildes begleitet (und dann rassistisch missversteht). Volks- und Nationsbegriff, konstituierend für die moderne Staatsidee[4], bilden einen konsistenten ideologischen Entwurf und ermöglichen es, die Vielfalt der Lebensformen und sozialen Kontexte zu reduzieren und weltweit zu vereinheitlichen. Die staatliche Repräsentation und Organisation erhält zunehmend das Monopol für Partizipations- und Einwirkungsmöglichkeiten von größeren oder kleineren Gruppen. Daher werden letztlich undemokratische Partizipationsdefizite und Unterdrückungssituationen zunehmend nicht mehr politisch oder sozial sondern als Mangel an eigenstaatlicher Repräsentation definiert. Konsequenz aus der klassischen Staatsdefinition ist die Ethnifizierung sozialer oder politischer Konflikte – ist damit aber auch eine Ideologisierung der Auseinandersetzungen und die Realitätsverdrängung der sozialen und politischen Konfliktlage, wobei oft beide Konfliktseiten das gleiche Verdrängungsmuster der Ethnifizierung für ihre Position nutzen. Die Entwicklung der modernen Staatsnation ist nun aber keineswegs ein zwangsläufig oder gar „natürlich“ ablaufender Prozess gewesen. Die Nation ist in Westeuropa durchgesetzt worden, indem Völker konstituiert worden sind. Die historische Binnendifferenzierung oder die Phasen der „Kleinstaaterei“ beweisen, dass Entstehung der europäischen Völker und Durchsetzung nationaler Herrschaftsinstitutionen (ob nun zentralistisch-absolutistischer oder konstitutionell-republikanischer Ausprägung) zwei Seiten des gleichen sozialen Prozesses gewesen sind. Angelpunkt der Nationbildung (nation building) war in den meisten Fällen die kulturelle und sprachliche Egalisierung, die erstmalig in der „Erfindung Spaniens“ durch das herrschende Kastilien und sein Herrscherhaus im Zeitalter der Reconquista[5] systematisch praktiziert worden ist. Um nur noch auf ein, in unserem thematischen Zusammenhang aber besonders wichtiges, westeuropäisches Beispiel hinzuweisen, sollte an die Nationwerdung Frankreichs gedacht werden, bei der nach dem Zerfall des mittelalterlichen Frankenreiches mit der Herausbildung des politischen und gesellschaftlichen Zentrums Paris auch eine zentralistische „höfische Zivilisation“ entstand, die Vorläufer der modernen Nationbildung war. In der Französischen Revolution wurde die Ablösung der personalen durch die institutionelle Herrschaft sichtbar, die einherging mit der „Konstruktion“ des französischen Volkes auf der Grundlage einer einheitlichen civilté und der guten Sprache, die das gesetzlich gesicherte Kommunikationsmonopol in Verwaltung, Schule und Publizistik erhielt. Neue „Sprachgesetze“, deren Protagonist die Academie Francaise ist, zeigen auch heute noch, dass Sprachmonopol und zentralistischer Herrschaftsanspruch als konstituierend für Frankreich verstanden werden - mit den entsprechenden diskriminierenden Folgen für jegliche Regionalisierung und den Erhalt regionaler Kultur- und Sprachtraditionen wie in der Bretagne, im Elsass oder im Midi... Diese westeuropäische Muster, im Rahmen einer etatistischen Vergesellschaftung durch Herrschaftszugriff auf Alltagszivilisation, Sprache und Bildungsinstitutionen ein „Nationalvolk“ zu schaffen und zu integrieren, wurde zum unbestrittenen Vorbild für den „Vater der Türken“, Atatürk, in seinem Bemühen, eine moderne, europäische Nation zu bilden. Damit ist der Türke nicht ethnisch oder abstammungsmäßig, sondern durch seine Staatszugehörigkeit definiert, die das Akzeptieren der türkischen Alltagszivilisation, Sprache und Bildungsinstitutionen impliziert und gesetzlich festschreibt. Die für unsere Vorstellung fragwürdige amtliche Bezeichnung „Bergtürken“ für Kurden rekurriert auf diese Abkehr von ethnischen Zuordnungsprinzipien zugunsten von rigoros eingeforderter Staatsloyalität. Der ideologische Prozess ist jedoch ambivalenter und weniger staatsrational als er sich hier zunächst darstellt. In der Schaffung eines türkischen Volkes nach westeuropäischen Nationalitätenkonzept fließt unter der Hand doch wieder die Möglichkeit und ex post Rationalisierung der Ethnisierung des Volkskonzeptes ein, die latent durch die im neunzehnten Jahrhundert entstandene Ideologie des Panturanismus verfügbar war. Im Konfliktfall, d.h., wenn die Legitimitätspotentiale des Staatsloyalismus erschöpft und die Monopolisierung und Zentralisierung von Sprache und Alltagszivilisation nicht hinreichend durchzusetzen sind, tritt als sekundäre Nationallegitimität wieder das Konzept der – erfundenen – ethnischen Zusammengehörigkeit ein. Provoziert wird diese ideologische Wendung aber gerade auch dadurch, dass regionaler Separatismus selbst das Ethnienkonzept als „Sprengsatz“ für die eingeforderte Staatsloyalität nutzt. Der Kurdenkonflikt bietet in seinen recht wechselvollen Konfliktphasen ein Musterbeispiel der mehrfachen ideologischen und legitimatorischen Ersetzungen und der zunehmenden Ethnifizierung des Konfliktes, die letztlich eine rationale Konfliktlösung immer unwahrscheinlicher macht.[6] Türkische Spracherziehung war der Kernpunkt der Einführung der zunächst vierjährigen Grundschule, mit der die Schulpflicht in der ganzen Türkei in den zwanziger Jahren durchgesetzt wurde. Dabei entstanden von Anfang an regionale Entwicklungsdisparitäten, indem es Entwicklungsdefizite und -rückstände in ländlichen Gebieten vor allem in Ost- und Südostanatolien gab, in der zunächst weder die Mädchenschulpflicht noch die ganzjährige Schulpflicht durchgängig durchzusetzen waren, da im einen Falle – falsch verstandene – islamische Traditionen im anderen Falle ökonomische Gründe – Kinderarbeit, Mithilfe in der Landwirtschaft – entgegen standen. Die Feudalordnung der „allmächtigen“ Ağas, der Großgrundbesitzer, erschwerten den unmittelbaren staatlichen Zugriff auf die Dorfbewohner, denen damit auch im Sinne der staatlichen Bildungs- und Entwicklungsziele zusätzlich Partizipationsmöglichkeiten genommen wurden. Auch hierin liegen die tieferen sozialen Ursachen des Kurdenkonfliktes, der seit Jahrzehnten durchaus positive ökonomische Entwicklungsprojekte für Südostanatolien blockiert.[7] Neben der Einführung der vierjährigen Grundschule wurde in den ersten Jahren ein umfassendes Programm der Erwachsenenalphabetisierung durchgeführt, das einige spektakuläre Erfolge und letztlich auch die faktische Durchsetzung der neuen Amtssprache und der lateinischen Schrift möglich machte. Dass damit die türkische Republik vor allem auch den Prozess der Selbstlegitimierung und der nationalen Integration vorantreiben wollte, ist offensichtlich. Der konkurrierende Aspekt der Förderung der Entwicklungsdynamik der Türkei im internationalen Maßstab wurde durch die Gründung von Universitäten in den Großstädten, vor allem in Istanbul und Ankara vorangetrieben. Dazu lud Atatürk Wissenschaftler und Kulturschaffende aus Europa ein, am Aufbau der modernen Türkei mitzuwirken. Dies stieß auf viel Resonanz und wurde noch verstärkt dadurch, dass sich die türkische Republik für Emigranten aus Nazi-Deutschland öffnete. Es kann hier kein Abriss der „Kulturimporte“ aus Europa gegeben werden, es sei nur exemplarisch daran erinnert, dass z.B. der Architekt Paul Bonatz (Stadthalle Hannover, wichtige Brücken und Industriebauten) das Opernhaus von Ankara baute, dass Paul Zuckmayer, der Bruder des Schriftstellers, das türkische Musikwesen und die Musikpädagogik aufgebaut hat oder dass der russisch-deutsche jüdische Zentralasienforscher Berthold während seiner Fluch vor den Nazis Zuflucht und großzügige Unterstützung in der Türkei fand. Das Bild der Regierungszeit Atatürks und der unmittelbaren Folgezeit unter Staatspräsident Inönü, dem alten Freund und Kampfgefährten Atatürks, ist ambivalent. Zeit- und herkunftbedingt dominiert die militärische Ordnungsvorstellung, die Rezeption Westeuropas erfolgt unter nationalistischen und technisch-naturwissenschaftlichen Fortschrittsvorstellungen; die eigenen Traditionen werden radikal zur Seite geschoben und der Erziehungsoptimismus, der eine bessere Zukunft heraufziehen sieht und dieser gegenwärtige Probleme und Konflikte strikt unterordnet, ist noch ungebrochen. Dieser Optimismus überträgt sich für einige Zeit auf das türkische Volk, zumindest auf die jetzt tonangebenden neuen Mittelschichten. Erziehung und Schulbildung sind der Schlüssel zur Emanzipation der neuen sozialen Gruppierungen in Wirtschaft, Technik, Militär und Hochschule. Dieser Optimismus macht das – sieht man nur die komplexe und oft zerrissen wirkende Persönlichkeit: schwer verständliche – Charisma Atatürks aus. Vieles ist dabei parallel zu den politischen Entwicklungen in West- und Mitteleuropa zeitgebunden, wie es an einigen faschistoiden Zügen der Herrschaftsausübung oder der staatlichen Repräsentation sichtbar wird.[8] Doch sind die Anfangserfolge der Alphabetisierungs- und Qualifizierungspolitik Atatürks nicht zu bestreiten; sowohl was die staatlich-nationale Integration als auch die Annäherung an europäische technische Standards angeht ändert sich die Türkei schneller als je ein Land zuvor. Nach dem zweiten Weltkrieg – die allgemeine Geschichte der Türkei in dieser Zeit braucht in unserem thematischen Zusammenhang nicht nachgezeichnet zu werden – stehen in mehreren Schritten neue Reformvorhaben im türkischen Bildungswesen an. Aber bis heute ist die Parallelität der beiden Grundziele des türkischen Schulwesens – nationale und sprachliche Integration und Ausbildung einer Elite – zu beobachten, zwischen denen die Schulpolitik teilweise recht hilflos je nach politischer und ökonomischer Opportunität hin und her schwankt. Angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und der Begrenztheit der staatlichen Mittel ist ein gleichgewichtiges Verfolgen beider Bildungsziele kaum je möglich gewesen. Im Sinne der nationalen Integration ist es zu verstehen, dass zwei Unterrichtsfächer in allen Schulformen und Schulstufen Priorität besitzen: Türkische Sprache (und Literatur) und Geschichte der Türkischen Republik und/bzw. Kemalismus. In den Grundzügen der Türkisch-Nationalen Erziehung ist verankert: „Die Aufstellung und Durchführung aller Lehrprogramme für alle Stufen unseres Erziehungssystems basieren auf Atatürks Nationalismusverständnis und seinen Reformen, die in der Präambel der Türkischen Verfassung verankert sind... Als besonders wichtig erachtet wird auch, dass die türkische Sprache als eine der Grundlagen der nationalen Einheit auf jeder Stufe der Erziehung so gelehrt wird, dass auf der einen Seite ihre Besonderheit nicht verloren geht, auf der anderen Seite aber auch keine sprachlichen Extrementwicklungen entstehen können. Die Sprache wird auf den Stand einer zeitgenössischen Erziehungs- und Wissenschaftssprache gebracht... Es ist jedoch in keiner Weise gestattet, in den Lehranstalten gegen den im Grundgesetz genannten türkischen Nationalismus politische und ideologische Diskussionen zu führen und sich am politischen Tagesgeschehen oder politischen Diskussionen dieser Art zu beteiligen.“ Die Grundbildung wird in den vierziger und fünfziger Jahren durch die Entwicklung und prinzipiell landesweiten Einführung einer dreistufigen Schulbildung verstärkt, die bis heute Grundlage des Bildungswesens geblieben ist:
Die weitere Ausdifferenzierung erfolgt in den darauf folgenden Jahrzehnten vor allem im Bereich der Gymnasialbildung. Die Gymnasien konzentrieren sich dabei mehr oder weniger auf die Städte, „gute“ Gymnasien, deren Absolventen in hinreichendem Maße für die Universitätsaufnahmeprüfung qualifiziert sind, finden sich vor allem in den Großstädten İstanbul und Ankara. Zum Teil sind die führenden Gymnasien Traditionsschulen, deren Eliteausbildung in die Zeit vor der Türkischen Republik zurückreicht, wie die Galatasaray Lisesi oder die İstanbul Erkek Lisesi („İstanbul Jungen-Gymnasium“). Die Auslands- und Botschaftsschulen nehmen dabei einen besonderen Rang ein (wie z.B. das Österreichische Gymnasium in İstanbul) und werden auch von der türkischen Oberschicht gerne frequentiert. Diese erkennt, dass nur eine an westeuropäischen Curricula orientierte und auf Fremdsprachenerwerb konzentrierte Ausbildung im internationalen Kontext Erfolgschancen und Karrieren sichert. So haben fremdsprachige Schulen in der Türkei Tradition, sind aber eindeutig der Elitebildung zuzuordnen. Die Konkurrenz der Privatschulen in ausländischer Trägerschaft ist zwar eine Herausforderung für das türkische Schulsystem, wird aber vor allem durch die Probleme in der Qualifikation der türkischen Lehrerschaft – die zunächst in kurzen Einführungskursen ausgebildet und so schnell wie möglich in den Schuldienst eingeführt wird, so dass Grundschullehrer z.T. noch nicht einmal die Qualifikation der Universitätseingangsprüfung aufweisen können – nur in einigen wenigen Schulen durch verstärkte Fremdsprachenausbildung und durch fremdsprachigen Fachunterricht aufgegriffen. Erst in den sechziger Jahren setzt sich im Bereich der Elitebildung ein neuer staatlicher Oberschultyp durch, die Anadolu Lisesi, in der neben verstärktem Unterricht in einer europäischen Fremdsprache (Englisch, Französisch oder Deutsch) der Fachunterricht in Mathematik und den Naturwissenschaften in eben dieser Fremdsprache erteilt wird. Verträge mit den entsprechenden ausländischen Staaten ermöglichen in den besonders geförderten „anatolischen Gymnasien“ den Einsatz von ausländischen Fachlehrern. Im Sinne der Hochschulqualifikation ist dieses Modell äußerst erfolgreich, optimiert jedoch meist die ohnehin existierenden Elitegymnasien. Die Zweiteilung des Bildungswesens wird durch diesen Schultyp eher noch verstärkt, was Anlass für zwei weitere, weniger effektiv durchgesetzte Schulreformen in den siebziger und achtziger Jahren war. Inwieweit die Anadolu Lisesi Ansporn und Agens für eine allgemeine Qualifizierungssteigerung sein könnte, muss an anderer Stelle im Zusammenhang mit den heutigen Problemen des türkischen Schulwesens erörtert werden. Zunächst jedoch versucht die Türkische Republik mit einer weiteren Ausdifferenzierung der Oberschulbildung zumindest in Teilbereichen berufliche Qualifikationen in das Ausbildungsangebot einzubeziehen. Es werden folgende neue Schultypen gebildet:
- Anatolische Gymnasien und Anatolische Handelsgymnasien (s.o.). – - Berufliche Gymnasien für Sekretär- und Hotelwesen mit Unterricht in einer Fremdsprache. – Diese Schulen (a. und b.) sind mit einer Mittelstufe (Orta) verbunden und verlangen einen vorgeschalteten einjährigen Einführungskurs in der betreffenden Fremdsprache (sind also nicht für Gastarbeiter-Rückkehrerkinder gedacht). - Handelsgymnasien. - Technische Gymnasien (mit fachlichen Spezialisierungen). - Gewerbliche Gymnasien (auch speziell für Mädchen). – Die Schultypen 4.b. bis 4.e. sind z.T. in Gesamtgymnasien (Typ 5.) integriert.
Weitere Verbreitung und damit Bedeutung für das allgemeine staatliche Schulsystem erlangen jedoch nur die Oberschultypen 1. und 4.a. und nachgeordnet die Typen 2. und 3. Das erweist die deutliche Dominanz der Berufsziele, die mit einer Universitätsausbildung verbunden sind (Erwerb der „Lizenz“, d.h. eines Staatsexamens mittlerer Stufe, oder der „Hohen Lizenz“, d.h. einem staatlichen Diplom) und die geringere Bedeutung sonstiger Berufswünsche bei den Oberschulabsolventen, die fast ausschließlich aus bildungs- und aufstiegsorientierten modernen Mittelschichten oder den Eliten selbst stammen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Ziel der Heranführung ländlicher oder bildungsferner sozialer Gruppen und Schichten an die mittlere und höhere Bildung, damit auch die Verbesserung ihrer Aufstiegschancen durch die Bildungsreformen der Nachkriegszeit nicht erreicht wurde. Nur diejenigen Reformen, die eine Verbesserung der Elitebildung bewirkten, haben sich effektiv durchgesetzt. Damit ist jedoch ein grundsätzlicher inhaltlicher Konflikt – und gesellschaftlicher Dissens – aufgebrochen, der die Curricula und die methodisch-didaktische Gestaltung des Schulunterrichts betrifft. Im Sinne einer auf Breitenwirkung angelegten integrativen Grundbildung, die von Atatürk als „Bildungsoffensive“ begriffen wurde, dominiert bisher eindeutig die kognitiv-rezeptive und repetetive Wissensvermittlung, die vom Schüler zunächst vor allem Fleiß und Lerndisziplin, weniger aber das Entwickeln eigener Lernstrategien und Aneignungskompetenzen erwartet. Modell war dabei die anfängliche Alphabetisierungskampagne, die um immer mehr Stoffe und Fächer erweitert wurde. So entstanden mit der Zeit Lehrpläne, die völlig von ausdifferenzierten Einzelfächern und hohen Wochenstundenzahlen bestimmt waren – nach dem falsch verstandenen Prinzip, dass mehr Lernen mehr Unterricht voraussetzt. Wochenstundenzahlen, je nach Schultyp, von 36 bis 42 Stunden Fachunterricht in den Oberschulen sind die vorgeschriebene Regel, wobei Fächer mit einer oder zwei Wochenstunden dominieren. Inwieweit hier Reformen möglich und abzusehen sind, soll im folgenden Kapitel, das sich mit der „zweiten Stufe der Schulreform“ und den aktuellen Problemen des türkischen Schulsystems befasst, erörtert werden. In Zusammenhang mit der Darstellung der Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg sollte abschließend noch auf die Bedeutung des Zeitraumes in der Mitte der achtziger Jahre hingewiesen werden, als sich die Türkische Republik vom Ausnahmezustand der Militärherrschaft schrittweise befreite, auf der anderen Seite die aktuellen düsteren Perspektiven der gesellschaftlichen Krise – gekennzeichnet durch einen politisch offensiven islamischen Fundamentalismus und durch die Kurdenkonflikte mit dem Terror der PKK, der die Konsolidierung der sozioökonomischen Situation in der Türkei nachhaltig zu zerstören droht – noch nicht zu erkennen waren, was eine auch im Bildungswesen grundsätzlich optimistische und fortschrittsgläubige Grundhaltung ermöglichte. Zum einen wurde in dieser Zeit die zweite Phase der Schulreform konzipiert, die heute, wie zu zeigen sein wird, als gescheitert angesehen werden muss, zum anderen wuchs die Bereitschaft, Schulreformen und curriculare Innovationen als Schulversuche zu akzeptieren und zu fördern. In dieser Zeit wuchs auch die Bereitschaft, Schulpartnerschaften und Schüleraustauschprogramme zu genehmigen und zu realisieren, was natürlich vor allem wieder die Eliteschulen und hier besonders die fremdsprachigen Anatolischen Gymnasien betraf, in denen der Reformdruck von Seiten der an westeuropäischen Vorbildern orientierten Elternschaft am größten war. Der schulische Erfolg dieser Institute machte es möglich, enge Vorschriften und veraltete Stundentafeln liberaler umzusetzen oder schulintern zu modifizieren. Der Staat war in dieser Zeit dazu bereit, einen recht großen und wachsenden Anteil seines Haushaltes für die Bildung einzusetzen, was folgende Übersicht aus der ersten Hälfte der achtziger Jahre belegt: Laufende Ausgaben: Jahr Staatshaushalt (TL) Erziehungsbudget = % 1981 1.540.965.037 137.232.692 8,90 1982 1.780.640.059 179.888.358 10,10 1983 2.558.902.500 286.301.717 11,18 1984 3.211.982.000 341.119.436 10,62 Investitionshaushalt: Jahr Staatshaushalt (TL) Erziehungsbudget = % 1981 201.601.892 21.215.514 10,52 1982 214.514.910 25.218.610 11,75 1983 301.931.453 35.650.319 11,80 1994 408.794.000 49.886.000 12,20 Diese anteiligen Werte wurden nur noch einige Jahre in etwa gehalten, sanken dann aber mit der Wirtschaftskrise und insbesondere mit der neoliberalen Wirtschaftspolitik der derzeitigen Regierung deutlich ab. Die Privatisierungspolitik macht auch vor dem Bildungswesen nicht halt – ganz im Widerspruch zu den Verfassungsprinzipien Atatürks, welche die Staatsverantwortung in den Mittelpunkt stellen –; nur die Privatschulen machen derzeit noch positive Entwicklungen durch und staatliche Elitegymnasien versuchen sich selbst zu privatisieren und aus dem Kontext des staatlichen Schulwesens „auszukaufen“. 3. Die Bildung in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs Anmerkungen zur heutigen Situation der türkischen SchulenDas türkische Schulwesen ist in einer tief greifenden Struktur- und Orientierungskrise. Gesetzgeberische Bemühungen der letzten Jahre, das Bildungssystem nach mitteleuropäischen Standards zu modernisieren, sind entweder an den tatsächlichen und materiellen Voraussetzungen gescheitert oder im Konflikt um den Einfluss der konkurrierenden politisch-gesellschaftlichen Grundorientierungen auch im Ministerium für Nationale Erziehung in Ankara selbst konterkariert worden. Vor allem der sich ständig verstärkende Einfluss des religiösen Fundamentalismus in den Schlüsselministerien, zu denen das Erziehungsministerium sicherlich zu zählen ist, macht die Durchsetzung einer der türkischen Verfassung entsprechenden laizistischen, eben auch an naturwissenschaftlichen Weltbildern orientierten Bildung illusorisch. Schon 1987 wurde das Gesetz zur Einführung der einheitlichen achtjährigen Grundschule erlassen. Dies sollte generell die bisherige gegliederte Schulform von vier Jahren Grundschule, drei bis vier Jahren Mittelschule („Orta“) und drei Jahren fakultative Oberschule („Lise“ von „Lyceum“) ersetzen. Der tatsächliche Standard des Schulbesuchs in der Türkei war jedoch schlechter, als es die gesetzlichen Regelungen vermuten lassen. In den Großstädten wie Istanbul, Ankara oder Izmir war zwar das Schulwesen besser als im ländlichen Raum ausgebaut und der Schulbesuch über sieben bis acht Jahre weitgehend durchgesetzt. Die Oberschulen vereinigten in der Regel Orta und Lise zu einer Schule, so dass eine eigenständige mittlere Qualifikationsebene letztlich nicht angeboten wurde und auch heute nicht realisiert ist. Dadurch ist eine sehr deutliche Trennung in eine stark reduzierte, wenig anspruchsvolle Grundbildung für alle und eine betont exklusive Elitebildung, für die insbesondere auch der spezielle Schultyp des „Anadolu Lisesi“ gehört, in dem ein Teil der Fächer - vor allem Mathematik und Naturwissenschaften - in einer europäischen Fremdsprache, Englisch, Französisch oder Deutsch, z.T. auch von „native speakers“ erteilt wird. Dies verlangt von den Schülern exzellente Fremdsprachenkenntnisse, die in der Regel durch einen Intensivkurs in einem zusätzlichen Einführungsjahr vor Eintritt in die Orta, die erst nach einer harten Eingangsprüfung erfolgen kann, erworben werden. Durch diese Grundstruktur des türkischen Schulwesens, die durch die Konkurrenz widersprüchlicher gesellschaftlicher Ziele - einerseits gesellschaftliche Integration durch Breiten- und Grundbildung, andererseits wissenschaftlich-ökonomischen Anschluss an Westeuropa durch Ausbildung einer naturwissenschaftlich und sprachlich hochqualifizierten Elite – geprägt ist, wurde die Konzeption der allgemeinen achtjährigen Grundschule schon im Ansatz verzögert, wenn nicht verhindert. Die Oberschulen, vor allem die „Anatolischen Gymnasien“, die auf die Integration von Vorstufe und Orta angewiesen sind, mussten aus der neuen Strukturkonzeption ausgegliedert werden, so dass die neue Grundschule von Beginn an den Charakter einer „Restschule“ trug, von der aus gehobenere Bildungsgänge nicht zu erreichen waren. Da sich zudem, wie schon angedeutet, die zeitweise in den sechziger und siebziger Jahren geplanten eigenständigen Mittelschulen (Orta okul) nicht haben durchsetzen können und dort, wo sie versuchsweise eingeführt worden waren, teilweise wieder aufgegeben oder in vorhandene Oberstufen eingegliedert wurden, fehlt hier ein eigentlich notwendiges Zwischenglied im Bildungssystem. Materielle Gründe für das bisherige Scheitern der Bildungsreform liegen vor allem in den ländlichen Bereich an einem extremen Lehrermangel bei steigenden Schülerzahlen – ländliche Grundschulen mit über 100 Schülern und Schülerinnen pro Lehrkraft sind keine Seltenheit und auch in städtischen Schulen sind solche Klassengrößen anzutreffen und Klassen von 40 bis 50 Schülerinnen und Schüler sind durchaus noch Standard! – und gleichzeitig auch erheblichem Schulraummangel, der in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation in der Türkei und der hohen Staatsverschuldung auf kürzere Sicht kaum zu beheben sein wird. Das führt zu einer Beleuchtung der Situation des Schulwesens außerhalb der Großstädte. Ähnlich wie bei den ökonomischen Kenndaten, die aus der Sicht der Türkei ein „Modernisierungsgefälle“ kennzeichnen, sind auch bei der Situation im Schulwesen – in Hinblick auf Dauer des Schulbesuchs, Ausstattung mit Schulräumen und Lehrern wie auch Qualität und Effizienz der schulischen Ausbildung – überlagernd von den Großstädten ausgehende zentral-periphere wie bezogen auf das ganze Land extreme west-östliche, z.T. auch nordwest-südöstliche Gefälle zu vermerken. Im ländlichen Raum Ostanatoliens ist ein vollständiger Schulbesuch, vor allem auch der Mädchen, durchaus noch nicht durchgesetzt, der durchschnittliche Schulbesuch dauert kaum mehr als vier Jahre – was in der Gesamttürkei Anfang der zwanziger Jahre Ausgangsposition der anspruchsvollen Bildungsreformen Atatürks Standard gewesen war! – und in den wenigen Gymnasien sind die Bildungsvoraussetzungen und -chancen so gering, dass von jedem Abschlussjahrgang nur zwei bis vier Prozent der Schüler – Schülerinnen sind hier noch extrem selten – die Eingangsprüfungen der Universitäten bestehen. Zum Vergleich: in dem „Anatolischen Gymnasium“ mit deutscher Unterrichtssprache, der İstanbul Lisesi, sind dies etwa 90 bis 95%! Dies ist dann aber auch eine der „besten“, d.h. in Bezug auf die erwartete Universitätsorientierung erfolgreichste Schulen in der Türkei. Diese Fixierung auf die akademische Ausbildung kennzeichnet die starke soziale Hierarchisierung und Klassendifferenzierung der türkischen Gesellschaft, bei der der wirtschaftliche Fortschritt, der sich in den ökonomischen Globaldaten vom Industrialisierungsgrad bis zum erwirtschafteten Sozialprodukt nachweisen lässt, deutlich „Gewinner“ und „Verlierer“ voneinander trennt und sehr unterschiedliche Lebens- und Zukunftsperspektiven in den einzelnen sozialen Schichten evoziert. Diese sozialen Trennlinien sind heute immer deutlicher Konfliktlinien und auch Linien kontroverser politischer Orientierungen. Die sich ausbreitende Kritik an „westlichen Errungenschaften“ und Lebensformen, die Rückbesinnung auf traditionelle, auch religiöse Werte und Lebenskonzepte, ist eine verständliche Reaktion auf die sozialen und kulturellen Kosten des Modernisierungsprozesses, die nicht gerecht verteilt sind, sondern vor allem von den ökonomisch benachteiligten, absteigenden oder im ländlichen Raum zunehmend marginalisierten Schichten zu tragen sind. Zunehmend speist sich das Reservoire dieser Unterschichten auch aus deklassierten traditionellen ländlichen und handwerklich orientierten kleinstädtischen Mittelschichten, die von den neuen industriell orientierten oder im Dienstleistungsbereich wirtschaftenden „neuen“ Mittelschichten „abgehängt“ worden sind. Deren Lebensformen wird zunehmend als arrogant, korrupt und provozierend antisozial erlebt und durch eine bewusste Rückwendung zu traditionell religiösen Lebensformen bekämpft. Dieser Grundkonflikt prägt nun auch das türkische Schulwesen als Teil einer konfliktreichen Gesellschaft im Umbruch. Dass sich, wie schon gesagt, im ministerialen Bereich verstärkt fundamentalistische Orientierungen finden, beweist erneut die machtpolitische Funktionalisierbarkeit von Wertkonflikten in der Gesellschaft. Natürlich sind diese ministerialen „Fundamentalisten“ von ihrer sozialen Verwurzelung her nicht vergleichbar mit den eben genannten marginalisierten und deklassierten Unterschichten, sondern sie stammen aus dem modernen Akademikertum. Doch findet diese politische Bewegung, die um die Macht im Staate kämpft, ihren Rückhalt in eben diesen unzufriedenen, sich traditionell orientierenden Schichten. Ein weiterer struktureller Bruch im türkischen Schul- und Bildungssystem liegt seit Beginn der türkischen Republik in der starken Vernachlässigung der beruflichen Bildung. Hier zeigt sich der traditionelle soziale Bruch in der türkischen Gesellschaft noch immer recht deutlich: auf der einen Seite eine bildungsorientierte Ober- und heute auch obere Mittelschicht mit ökonomischen, unternehmerischen, ggf. auch technisch-wissenschaftlichen Interessen und Lebenszielen, aus der die politische und administrative Elite des Landes rekurriert und die wenig Interesse an praktischer Berufstätigkeit und Arbeit zeigt (eine „white collar“-Mentalität, die historisch schon in der osmanischen Feudalgesellschaft angelegt ist und die Wertorientierungen der heutigen politischen Alltagskultur noch immer entscheidend prägt), und auf der anderen Seite die Massen der Unter- und vielleicht heute auch unteren Mittelschicht, deren Qualifikation über die recht beschränkte staatliche Grundbildung hinaus in der eigenen Berufspraxis entwickelt wird und denen eine schulische weiterführende Qualifizierung nicht zugebilligt und nicht zugetraut wird. Nur wenige soziale Brücken existieren zwischen diesen sozialen Formationen, was auf eine Schwäche oder auch auf ein partielles Scheitern der atatürkschen Modernisierungskonzeption hindeutet. Zwar ist sich der Staat dieser Defizite bewusst und bemüht sich seit längerem um eine Verbesserung der beruflichen Bildung, doch bleibt vieles dabei Kosmetik, da weder die gesellschaftliche Akzeptanz vorhanden ist, weiterführende Bildungsgänge, die nicht in die Universität führen, zu besuchen bzw. zu finanzieren, noch die personellen und materielle Voraussetzungen gegeben sind, über die schon charakterisierte Grundbildung hinaus neue Schulcurricula einzuführen. Die berufsorientierten Gymnasien sind zwar ein Versuch zu einer solchen Umorientierung, doch beabsichtigen die erfolgreichen Absolventen wie an den allgemeinen Gymnasien, schließlich doch die Universität zu besuchen. Das spiegelt sich in den Stundentafeln dieser Schulen, bei denen zwar die Fächer- und Stundenzahlen noch einmal vergrößert und weiter zersplittert worden sind, echte praxisorientierte Ausbildungsanteile aber weiterhin fehlen. Das Erziehungsministerium legte z.B. folgende Stundentafel für ein Berufliches Gymnasium fest (mit dem Stand vor den Gesetzen zur Einführung des Kurssystems, das in den Berufsschulen nirgendwo verwirklicht ist; das Technische Gymnasium [Bau-Abteilung] hat dabei eine noch recht praxisbezogene, wenn auch überzogen ausdifferenzierte Stundentafel) [siehe nächste Seite; Quelle: Ministerium für Nationale Erziehung: Das Türkische Nationale Bildungswesen. Ankara, April 1985 ]. Ein interessantes Projekt zum Ausbau der beruflichen Bildung läuft seit 1986/87 mit Unterstützung des deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg, das sich seit langem besonders um fördernde Kontakte zur Türkei bemüht und Bildungseinrichtungen materiell und personell unterstützt. Eine türkische Berufsschule mit dem Schwerpunkt Meß- und Regeltechnik soll einen mittleren Bildungsabschluss mit einer qualifizierten technischen Ausbildung garantieren und gleichzeitig im Sinne einer Doppelqualifikation einen höheren Gymnasialabschluss ermöglichen. Doch hat dieses Projekt zumindest bislang noch nicht ganz die erwarteten reformatorischen Anstöße geben können, da einerseits auch hier das eigentliche Bildungsziel der Schüler der Hochschulzugang über die Lise bleibt und zum anderen Multiplikatoreneffekte über die konkrete Schule hinaus ausgeblieben sind.
Stundentafel für das Technische Gymnasium (Bau-Abteilung) Name des Unterrichts Die Unterrichtsstunden nach Klassen IX. X. XI. XII. Allgemeine Fächer Türk. Sprache, Lit.u. Aufsatz 4 4 2 - Mathematik 4 4 4 5 Erdkunde 2 1 1 - Geschichte der Türkischen Republik u. Kemalismus 1 1 2 - Naturwissenschaften 4 - - - Physik - 2 4 - Chemie - - 2 4 Fremdsprache 4 3 3 2 Industrielle Psychologie - 2 - - Soziologie und Logik - - - 3 Nationale Sicherheitslehre - 1 1 1 Leibeserziehung 2 2 1 - Religion- und Morallehre 1 1 1 - Tourismus - - - 1 Gesundheitslehre 1 1 1 - Summe 25 24 24 16 = 89 Berufliche Fächer Technisches Zeichnen 4 - - - Berufliches Zeichnen - 4 - - Allg.u.angew.Geologie - - 1 - Baumittel 2 - - - Bauwissen 3 3 - - Holz- und Stahlbau - - - 2 Statik u. Bauberechnungen - 3 4 - Beton-Technologie - - 2 - Betonbau - - - 3 Maßlehre - - 4 3 Wegebau - - 4 3 Wasserbau - - 4 4 Brückenbau - - - 2 Platz, Zentrum, Unterbau und Umgebungspflege - - - 3 Elektrizitätslehre - - 2 - Stadtwesen, Rathaus und technische Dienste - - - 1 Arbeitsunfälle, Schutz und Sicherung - 1 - - Labor - 8 - - Werkstatt, Wahlunterricht 8 - - - Projekt, Weglehre, Wasserbau - - - 4 Summe 17 19 21 29 = 86 Gesamtsumme 42 43 45 45 = 175 Schülerbetreuung und Curriculare Aktivitäten (9. Klasse ist allgemeine Klasse) 3 3 3 3 Es zeigt sich sehr deutlich, dass die berufliche Bildung im türkischen Bildungssystem und der türkischen Gesellschaft nicht wirklich verankert ist. Bleibt schließlich noch der kritische Blick auf die curricularen Reformen innerhalb des allgemeinbildenden Gymnasiums. Die fachliche Zersplitterung und zeitliche Überfrachtung der Schule läßt eine solche Reform dringend nötig erscheinen. Der relativ geringe didaktisch-methodische Standard in den türkischen Schulen ist nicht allein Folge konventionellen Selbstverständnisses und kurzer Ausbildungszeiten der türkischen Lehrkräfte, die oft durchaus stark pädagogisch motiviert sind, sondern ebenso Folge der Schulstruktur und der inhaltlichen curricularen Vorgaben mit ihrer ausschließlichen Betonung kognitiven und repetetiven Lernens, was durch externe standardisierte Prüfungen wie z.B. zum Hochschulzugang nur noch unterstützt wird. Der typische türkische Pädagoge mit nur einer Fachfakultas und vielleicht zwei Wochenstunden pro Lerngruppe bei Wochenarbeitszeiten von ca. 30 Stunden und Schülerwochenstundenzahlen, die größtenteils bei 34-38 liegen, kann sicher keine kontinuierlichen Lernprozesse in Gang setzen oder gar kontinuierlichen Arbeitsunterricht durchführen. Die geplante Oberstufenreform, die zwar schon vor Jahren angekündigt, dann aber immer wieder verzögert wurde und letztlich durch mangelnde Ausführungsrichtlinien schon im Ansatz problematisch war, schwenkte nun von dem einen pädagogischen Extrem in das andere und scheiterte damit in der Praxis, wenn auch das Reformgesetz heute gültiges Recht ist. Grundlage für die letzten Schuljahrgänge des Gymnasiums (Lise) soll ein Kursangebot nach dem amerikanischen „credits“-System sein, in dem sich die Schüler ihr Abschlussprofil selbst zusammenstellen. Eine weitergehende Bildungskonzeption (Pflichtauflagen, die über Sport, Kemalismus und türkische Sprache hinausgehen und z.B. Mathematik, Naturwissenschaften und Fremdsprachen betreffen, Wahlprofile etc.) wird nicht erkennbar. Sinnlos wird dieses Konzept aber vor allem dadurch, dass die pädagogischen Voraussetzungen in der Mittelstufe (Orta) nicht verändert und auf eine sinnvolle Weiterführung in einem Wahlkurssystem angelegt wurden, noch dass sich die stark formalisierten Regeln für den Universitätszugang mit seiner Eingangsprüfung an den differenzierten Ausbildungsprofilen der Absolventen anpassen. So bleibt es für Schule und Schüler nur übrig, entweder über das - damit bedeutungslos werdende - schulische Kursangebot hinaus private Universitätszugangskurse zu belegen (was mit erheblichen Kosten verbunden ist, aber jetzt schon vor allem bei den aufstiegsorientierten neuen Mittelschichten zur üblichen Förderung des eigene Nachwuchses gehört!), oder sich über die möglichen Wahlfreiheiten in den schulischen Angeboten hinwegzusetzen und weiterhin ein strikt abschlussorientiertes Ausbildungsprofil anzubieten. Die Mehrzahl der Gymnasien hat sich, im Interesse der gewünschten Abschlussorientierungen ihrer Schüler, für das zweite Vorgehen entschieden und unterläuft die Reform durch eine restriktive Einschränkung des Angebotes. In vielen Fällen wird gerade bei „Eliteschulen“ noch nicht einmal mehr der äußere Anschein erweckt, das Kurssystem umgesetzt zu haben. Erleichtert wird dieses „Ausklinken“ aus den staatlich vorgeschriebenen Regeln (was in der Türkei durchaus nicht als unüblich oder gar anstößig empfunden wird) durch die Einsicht in die strukturellen Schwächen des Gesetzgebungswerkes, das z.B. pädagogischen Nonsens ermöglicht wie das zeitlich parallele Belegen eines Wiederholungskurses bei Nichtbestehen des ersten Kurses mit dem darauf aufbauenden Folgekurs, oder auch das „Ansammeln“ aller nicht bestandener Kurse aus verschiedenen Fächern, die dann en bloc in einem bis zu 1 ½ Jahre dauernden Block von „Nachholsemestern“ nach den sechs Semestern des regulären Kurssystems nachgearbeitet werden. 4. Schulpartnerschaft mit der TürkeiRückblick auf die Praxis der BismarckschuleÜber den „richtigen“ Umgang mit der Türkei sind die Auffassungen – verständlicherweise – gespalten. Aus jahrelangen Kontakten und der Betreuung von Schüleraustauschprogrammen und Studienfahrten in die Türkei optiere ich eindeutig für eine enge Kooperation mit türkischen Schulen, ohne dabei kritische Punkte in der gegenseitigen Wahrnehmung auszuklammern. Schulpartnerschaften, so meine Erfahrung, helfen den türkischen Schulen, Mut und Rückhalt für didaktische und curriculare Experimente und Umorientierungen zu entwickeln und die Hoffnung auf eine verbesserte Politische Bildung in der jungen Generation auch als Hoffnung für positive Entwicklungsperspektiven in der türkischen Gesellschaft zu wecken. Die personellen Ressourcen für einen reflektierten Umgang mit der eigenen Politik und Geschichte sind in der Türkei vorhanden; sie gilt es in Schulpartnerschaftsprojekten zu stützen und zu ermutigen. Das bezieht sich auch auf die andere Seite unserer Beziehungen zur Türkei: unseren Umgang mit Menschen türkischer Herkunft in unserer eigenen deutschen gesellschaftlichen Umgebung, die Entwicklung von gesellschaftlichen Selbstverständlichkeiten und das Eintreten für eine positive Veränderung unserer eigenen deutschen Alltagszivilisation. Es erscheint sinnvoll, diese Möglichkeiten am konkreten Beispiel vorzustellen und dabei auch die Potentiale und Perspektiven der internationalen Organisation der UNESCO-Projekt-Schulen hervorzuheben. Eine Schulpartnerschaft im Rahmen dieser UNESCO-Projektschularbeit ist die Schulpartnerschaft der Bismarckschule mit der Istanbul Lisesi. Konkreter Bezug für die folgenden Ausführungen ist ein kurzer Bericht von einer Studienfahrt in die Türkei Pfingsten 1984 mit Schülerinnen und Schüler der Bismarckschule Hannover unter der Leitung des Verfassers. „Können wir nicht länger hier bleiben?“ Diese - doch immer wieder unerfüllbare - Frage wurde immer wieder gestellt während unserer Reise durch die Türkei. Was könnte es denn auch eine bessere Bestätigung für eine Reiseplanung geben, die schließlich über ein Jahr individuelle und gemeinsame Bemühungen und viel Arbeitszeit gekostet hatte, als diese spontane Freude und Zustimmung. Das begann schon mit einige Abschiedstränen bei unserem Aufbruch auf dem Schulhof unserer Partnerschule, der Istanbul Lisesi, nach einer Woche Aufenthalt in den türkischen Familien mit der Verabschiedung von den Gasteltern, den gastgebenden Schülerinnen und Schülern, die zum Teil schon ein Jahr zuvor bei uns zu Gast in Hannover gewesen waren, und von all den Freunden und Kollegen, die uns diesen Aufenthalt erst ermöglicht hatten. Aber dann trat die Faszination des vielfältigen, aufregenden und oft exotisch schönen Landes an die Stelle der intensiven Freundschaftserfahrungen in Istanbul: die Kletterpartien in den Höhlen Kappadokiens bei Zelve oder Göreme, der Marsch über den blendend weißen Salzsee Tuz Gölü zwischen Ankara und Konya, die Sinterterrassen von Pamukkale - überall war schließlich die Zeit zu kurz. Das ersehnte Baden am türkischen Strand der Ägäis konnte dann auch erst am letzten Tag unseres Aufenthaltes stattfinden... Doch hat diese Reise, wie wir im Folgenden noch ausführen wollen, eine wichtige Bedeutung auch über den Tag hinaus. „Die Schulpartnerschaften werden für die Istanbul Lisesi in einer Zeit der schulpolitischen Auseinandersetzungen in der Türkei und bei den weitreichenden Plänen der Schule für die Zukunft – Überführung der Trägerschaft in die Hände der Stiftung İstanbul Erkek Lisesi, Grundsteinlegung einer eigenen vorgeschalteten Grundschule mit Kindergarten und Gründung einer Deutsch-Türkischen Universität – eine wachsende Bedeutung haben und intensiviert werden“, sagte uns der Leiter der Deutschen Abteilung dieses Elitegymnasiums, einer Anadolu Lisesi mit deutscher Unterrichtssprache in Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern, mit der wir seit einem Jahrzehnt eine funktionierende Schulpartnerschaft unterhalten. Rückblick auf die Geschichte unserer Türkeikontakte:Der Beginn 1985Die vierte Studienfahrt einer Schülergruppe der Bismarckschule Hannover – UNESCO-Projekt-Schule – ist eingebunden in eine kontinuierliche Folge schulischer wie auch privat organisierter Veranstaltungen und Kontakte an deren Anfang die Reise einer Schülergruppe der Bismarckschule Hannover in die Türkei im Herbst 1985 stand. Ein umfangreicher Erfahrungsbericht über diese Studienfahrt wurde veröffentlicht. Bei dieser Gelegenheit wurden die Grundlagen der Schulpartnerschaft mit der İstanbul Lisesi gelegt. In den folgenden Jahren stand zunächst der schriftliche Kontakt im Vordergrund verbunden mit der Bemühung um die offizielle Anerkennung der Schulpartnerschaft durch die türkischen Dienststellen. Im Sommer 1987 konnte eine Schülergruppe unter der Leitung von Herrn Voigt die schulischen Türkei- und Vorderasienkenntnisse vertiefen durch eine private Ferienfahrt durch die Türkei und weiter nach Syrien, Jordanien, Ägypten und Israel. Auch über diese Erfahrungen wurde ein schriftlicher Bericht veröffentlicht, was den Zielsetzungen der UNESCO-Schulen, in Multiplikatorfunktion innovativ und anregend in die Öffentlichkeit zu wirken, entspricht. 1989, 1990 und zuletzt 1993 besuchten türkische Schülergruppen aus unserer Partnerschule die Bismarckschule Hannover. Im Herbst 1989 und im Herbst 1992 fanden weitere Besuche von Schülergruppen aus der Bismarckschule in İstanbul – verbunden jeweils mit Studienrundfahrten durch die westliche Türkei – statt. Die Gegenseitigkeit ist auch deshalb wichtig, weil die Schülerinnen und Schüler jeweils in Familien im Gastland untergebracht werden sollen. Doch unterschieden sich die Fahrten in wesentlichen Punkten und in Einzelheiten ihres Programms, so dass jetzt, nach unserem vierten Besuch, vielfältige Erfahrungen gesammelt werden konnten. So wurde die Rundreise 1985 mit Linienbussen (İstanbul – Ankara, weiter nach Konya, İzmir, Çanakkale und zurück zum Flughafen İstanbul) mit einem Tagesausflug von Konya nach Sultanhanı und Göreme in gemieteten Kleinbussen durchgeführt; die Unterbringung in İstanbul erfolgte wie anschließend in den besuchten Städten in einem Hotel der unteren Preiskategorie („Yeni İstanbul“ in Şişhane). Bei dieser ersten Reise verließen wir uns noch auf Empfehlungen aus unserem Bekanntenkreis über mögliche Hotels und haben vorher von Deutschland aus mit ihnen korrespondiert bzw. haben Buchungen über die Tourismusbüros in den Großstädten vorgenommen. Die Buchung der Bustickets haben wir dann jedoch an Ort und Stelle, oft mit Hilfe des Hotels vorgenommen. Wir sahen jedoch, dass diese Vorbuchungen in dieser Kategorie nicht unbedingt notwendig waren, z.T. auch nicht funktioniert hatten (z.B. in Çanakkale) und haben in den folgenden Reise immer mehr darauf verzichtet. Die Hotels in Ankara, Konya und İzmir haben wir bei der nächsten Reise dennoch wieder angeschrieben und besucht, fanden aber, dass Ankara (Dewan Otel) und İzmir (Saray Otel) sich im Standard und in der Qualität eindeutig auf dem Abstieg befanden. Nur das kleine, zentral gelegene und sehr persönlich geführte Otel Tur in Konya überraschte uns bei jeder Reise wieder durch Sauberkeit und persönliche freundschaftliche Betreuung und empfahl sich natürlich auch durch seine zentrale Lage direkt neben der Tekke des Mêvlâna. So haben wir dieses Hotel bei allen unseren vier Reisen aufgesucht, 1994 sogar ohne Voranmeldung. Der Flug musste damals, da uns so genannte „Gastarbeiterflüge“ vom Reisebüro Türk-Tours mit Hinweis auf gesetzliche Regelungen nicht vermittelt wurden, von Berlin-Tegel aus mit der britischen Gesellschaft Dan-Air erfolgen; da das Flugzeug zum geplanten Abflugtermin nicht aus Berlin eingetroffen war, verzögerte sich der Abflug (nach Wartezeit auf dem Flughafen bis 3 Uhr nachts und einem kurzen Hotelaufenthalt auf Kosten der Fluggesellschaft) um mehr als vierundzwanzig Stunden. Die zweite Türkei-Reise 1989Unsere zweite im Rahmen unseres Schulpartnerschaftsprogrammes durchgeführte Reise 1989 – bei der „Orient-Reise“ im Sommer 1997 waren wegen der Sommerferien Kontakte zur İstanbul Lisesi nicht zustande gekommen; die Übernachtungen während des Aufenthaltes in İstanbul fanden auf einem Campingplatz an der Londra-Straße im Westen der Stadt statt – ermöglichte erstmals die Unterbringung der Schülerinnen und Schülern in Gastfamilien unserer Partnerschule. Der Kontakt konnte dabei menschlich und inhaltlich so vertieft werden, dass seither die Schulpartnerschaft zum festen Bestandteil beider Schulen gehört und auch Besuche türkischer Gruppen in Hannover regelmäßig stattfinden konnten. Die anschließende Informationsreise erfolgte erstmals mit einem in İstanbul mit Hilfe der İstanbul Lisesi angemieteten Reisebus und führte uns über Ankara, Kappadokien und Konya wieder zu den antiken Stätten an der Ägäis-Küste. Vor unserem Abflug lag noch eine zusätzliche Übernachtung im Internat der Schule in Istanbul. Der Flug konnte diesmal von Hannover aus mit Öger-Tours in Maschinen der stanbul Airlines durchgeführt werden.
Ein kurzfristiges Intermezzo:
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Name: |
Vorname: |
Klasse: |
untergebracht: |
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1. |
Voigt |
Gerhard |
Lehrer |
im Schulinternat |
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2. |
Gusky |
Rainer |
Begleiter |
im Schulinternat |
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3. |
Basch |
André |
10. Kl. |
bei Cem Üntürk |
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4. |
Brodersen |
Julia |
12. Kl. |
bei Halley Sungur |
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5. |
Gül |
Timur Insan |
11. Kl. |
bei Umut Yilmaz |
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6. |
Klar |
Matthias |
9. Kl. |
bei Batur Palademir |
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7. |
Köhler |
Cathrin |
12. Kl. |
bei Burçin Gülen |
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8. |
May |
Norman |
12. Kl. |
bei Müge Tekin |
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9. |
Micklinghoff |
Julia |
9. Kl. |
bei Özge |
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10. |
Ossege |
Christoph |
9. Kl. |
bei Burak |
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11. |
Pohlmann |
Kathleen |
9. Kl. |
bei Mehrt Demircan |
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12. |
Rinderhagen |
Frauke |
9. Kl. |
bei Ali |
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13. |
Waldorf |
Sina Vanessa |
9. Kl. |
bei Onur Ergun |
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14. |
Weinhold |
Hans-Christian |
9. Kl. |
bei Cem Keskin |
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KompetenzFokus Interkulturelle
Kommunikation:
Stand: 20.03.2010 - bismarckschule.voigt@gmx.de Verantwortlich: Gerhard Voigt, Oberstudienrat i.R. Versitzender des Verbandes der Politiklehrer e.V., Hannover
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